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Selten machte ein österreichische Fußballer so viele Negativ-Schlagzeilen wie er und galt gleichzeitig als das größte Talent, das die Nation jemals hervorgebracht hat.

Bremen. Marko Arnautovic, Angreifer des SV Werder Bremen, ist bekannt für seine umstrittene Medienpräsenz. Sein Ego verhinderte bis auf wenige Ausnahmen den Erfolg auf dem Rasen. Dabei ist er die große Hoffnung des österreichischen Fußballs. Am Dienstag, den 11.09., spielt er im Aufgebot der österreichischen Nationalmannschaft gegen Deutschland und glaubt an einen Erfolg gegen die Nachbarn.

Hin und wieder FAC

Bereits in der Fußball-Jugend attestierten zahlreiche Trainer dem geborenen Wiener ausgesprochenes Talent. Leider nicht ohne einen faden Beigeschmack: Der heute 23-Jährige war schon immer verhaltensauffällig und spielte nicht mannschaftsdienlich. Sein Ego stand ihm öfter im Weg, als jemals Kontrahenten auf dem Platz. 1995 begann er beim Floridsdorfer AC, ging dann zur Austria, anschließend zum First Vienna FC, wieder zurück zur Austria, dann zu Rapid Wien und 2004 schließlich wieder zurück zum Floridsdorfer AC. Innerhalb von neun Jahren wechselte Arnautovic somit vier Mal den Verein. Sein Talent war zwar unumstritten, sein extrovertiertes Verhalten aber leider auch.

Durchbruch in Holland

Im Jahr 2006 wechselte er dann zum FC Twente Enschede, arbeitete sich eifrig nach oben und debütierte 2007 in der Profi-Mannschaft. Ein Jahr später gelang ihm der der Durchbruch: Bis 2010 erzielte er in 44 Spielen für die Holländer 12 Tore. Und da war es schon um die Beobachter geschehen: Es entbrannte ein Transferkampf zwischen dem FC Chelsea und Inter Mailand. Nach monatelangen Verhandlungen wurde Arnautovic für ein Jahr an Inter Mailand ausgeliehen. Doch der Versuch, sich auf Augenhöhe mit den Stars zu messen, missglückte. Der damalige Trainer Jose Mourinho attestierte ihm die „Einstellung eines Kindes“ – zu mehr als drei Einsätzen für Inter kam der Österreicher nicht.

Mäßiger Start in der Bundesliga

Seine vorerst letzte Station war und ist der SV Werder Bremen. Seit der Saison 2010/2011 spielt er im Angriff der Bremer und hatte auch dort einen schweren Start. Von kuriosen Verletzungen bis zu seinem beschämenden Medienauftritt („Ich verdiene so viel, ich kann Dein Leben kaufen. Ich bin etwas Höheres als Du!“) konnte er auf dem Platz nicht überzeugen.
MARKO ARNAUTOVIC: Werdegang
Zeitraum
1995-1998

1998-2001
2001-2002
2002-2003
2003-2004
2004-2006
2006-2009
2009-2010 (Leihbasis)
2010-

Verein
FAC

FK Austria Wien
First Vienna FC 1894
FK Austria
SK Rapid Wien
FAC
FC Twente Enschede
Inter Mailand
Werder Bremen


Die Wandlung

Damit war die Spitze des Eisbergs erreicht und nach einer Entschuldigung gegenüber dem betroffenen Polizisten änderte sich so einiges: Seine Tochter wurde geboren und Arnautovic möglicherweise ein anderer Mensch. Gegenüber der APA sagte er: „Ich bin noch immer der alte Arnautovic, nur ein bisschen ruhiger. Ich habe ja auch eine kleine Tochter.“ Für die österreichische Nationalmannschaft war er bis dato immer mehr zum Leistungsträger avanciert und auch bei Werder Bremen konnte er in den beiden vergangenen Spielen mitunter mit Selbstlosigkeit und unvergleichlichem Einsatz beeindrucken.

Das einzige, was vom „Enfant terrible“ des österreichischen Fußballs noch sichtlich übrig geblieben war, waren die wilden Gesten nach verspielten Chancen. Auch in einem Interview nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund im Auftaktspiel ließ er sich zu keiner unüberlegten Aussage hinreißen und betonte die gute Leistung der Mannschaft. Ganz ungewohnte Töne des Egozentrikers mit Hang zur übertriebenen Selbstdarstellung.

Neuerdings auf seiner Lieblingsposition

Ein weiterer Grund für sein Wohlbefinden könnte der Einsatz auf seiner Lieblingsposition Rechtsaußen bedeuten. Dort spielt er seit geraumer Zeit nicht nur in der österreichischen Nationalmannschaft, sondern auch beim SV Werder Bremen. In den vergangenen Jahren wurde er nämlich zumeist als hängende Spitze oder Mittelstürmer eingesetzt und konnte auf dieser Position aber nicht vollends überzeugen.

Maßlos überschätzt oder stets unterschätzt?

Die Antwort liegt wahrscheinlich genau dazwischen. Sicherlich gehört Arnautovic zu den besten Spielern Österreichs, ist vielleicht sogar der Beste seiner Zunft, konnte es aber noch nie gänzlich beweisen. Das größte Problem war bekanntlich er selbst. Die vergangenen zwei Spieltage offenbarten das Potenzial eines wertvollen Spielers, der nun begriffen haben sollte, dass Werder Bremen womöglich seine letzte Chance ist, um sich zumindest auf dem Platz zu resozialisieren und bestenfalls auch außerhalb der Fußballarenen dieser Welt endlich erwachsen zu werden.


                                                   Exzentrisch | Arnautovic nimmt kein Blatt vor den Mund

Denn egal, welches Talent er auch besitzen möge, alleine kann er weder Bremen, noch die österreichische Nationalmannschaft zum Erfolg führen und wird bei erneuten Fehltritten die Konsequenzen tragen müssen. Und genau deshalb muss er lernen, sich einzugliedern und respektvoll mit der Mannschaft und seinen Mitmenschen umzugehen.

„Wenn man Kinder hat, lebt man nicht mehr so in den Tag hinein“

Einen entscheidenden Anteil am Wandel seiner selbst könnte auch die geborene Tochter haben. ÖFB-Teamchef Marcel Koller erklärte: „Wenn man Kinder hat, lebt man nicht mehr so in den Tag hinein.“ Vor dem Spiel gegen die DFB-Auswahl mahnte er aber auch zur Geduld mit seinem Schützling: „Wichtig wird sein, dass er nicht nur ein- oder zweimal gut spielt, sondern dass er seine Leistungen über einen langen Zeitraum bestätigt.“ Und so wird er auch ab sofort beweisen müssen, ob er den Erwartungen entsprechen kann.

Zuversichtlich gegen Deutschland

Vor dem Spiel gegen Deutschland machte er den Anhängern Hoffnung: „Man kann den Deutschen wehtun, das sind auch nur Menschen, die können auch nur laufen wie wir. Wir müssen aber einen Tick mehr laufen und einen Tick aggressiver sein als sie. Ich bin dafür da, Tore zu erzielen und natürlich auch in der Defensive mitzuarbeiten.“ Angesichts seiner letzten Auftritten auf dem Platz sind das Worte, denen man durchaus Glauben schenken kann.

„Wir dürfen nicht darauf schauen, wie die Deutschen drauf sind, sondern nur auf uns. Die ganze Nation steht hinter uns, und wir wollen die Nation glücklich machen“, so Arnautovic weiter. Für seine Verhältnisse benutzte er das Wort „Wir“ erstaunlich oft. Man kann nur hoffen, dass der Bremer sein Talent nicht verschwendet, indem er wieder rückfällig wird und sich daneben benimmt. Es wäre viel zu schade, um seine möglichen Verdienste für die Mannschaft.

EURE MEINUNG: Kann Arnautovic den Anforderungen gerecht werden oder ist er dann doch nicht so gut, wie ihn die Experten beschreiben?
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