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Der Angreifer ist das erste Mal in seiner Zeit bei den „Red Devils“ erheblicher Konkurrenz ausgesetzt. Findet er sich nach seiner Rückkehr auf der Ersatzbank wieder?

TAKTISCHE ANALYSE
Von Greg Stobart

Robin van Persie mag Manchester United mit seinem Hattrick im letzten Premier-League-Spiel gegen den FC Southampton vor dem Gröbsten bewahrt haben, doch der Niederländer und Trainer Sir Alex Ferguson befanden die Einwechslung von Paul Scholes im zweiten Durchgang als Wendepunkt in der Partie.

„Ich dachte wir waren gut – bis Paul Scholes kam. Seine Übersicht und Beständigkeit im Passspiel verschafften uns wieder Kontrolle“, sagte Ferguson nach dem 3:2-Erfolg, während Van Persie äußerte, dass „alles besser lief“ als der 37-Jährige auf dem Platz war und das Spiel aus dem zentralen Mittelfeld dirigierte.

Ferguson möchte mit United gerade im letzten Drittel des Feldes Hochgeschwindigkeitsfußball spielen – mit ein, höchstens zwei Ballberührungen. Im 4-2-3-1-System, benötigt er Scholes in der Rolle des zurückgezogenen Spielmachers, der die Fäden zieht und das Spieltempo bestimmt.

Scholes fordert den Ball von seinen Mitspielern – und seine Passquote liegt seit seinem Comeback im Januar dieses Jahres bei 92,3 Prozent. Damit liegt er in dieser Statistik vor Mikel Arteta (87,7 Prozent) und dem ehemaligen Spieler von Tottenham, Luka Modric (85,6 Prozent).

DER MANN IM ZENTRUM
ManUtd verlässt sich in Sachen Ballverteilung und Kontrolle auf Scholes

Neben Michael Carrick, dessen defensive Rolle im Mittelfeld oft unterschätzt wird, kommt Scholes‘ enormes Passspiel in Manchesters Kreativzentrale im letzten Spieldrittel am besten zur Geltung. Nicht zu vergessen sind die Flügelspieler, die Scholes perfekt in sein Spiel einbindet.

Die Reichweite und Genauigkeit im Passspiel des Engländers verschaffen den Spielern auf der Außenbahn Platz. Auf der linken Seite haben Ashley Young und Nani die nötige Durchschlagskraft – misst man sie an Toren oder Vorlagen. Auf der anderen Seite war Antonio Valencia – mit vier Toren und 14 Torvorlagen – Uniteds dynamischster Offensivmann in der abgelaufenen Saison.

Mit Robin van Persie haben die „Red Devils“ nun einen der komplettesten Spieler überhaupt in ihrem Spiel, der in der Lage ist, aus jeder sich bietenden Chance ein Tor zu erzielen. Nicht nur, dass er 30 Treffer in der letzten Saison erzielte – ein Kunststück, dass ihn zum Spieler des Jahres machte. Er traf zudem zehnmal Pfosten oder Latte.

Die vier Treffer, die Van Persie bislang erzielte, deuten darauf hin, dass er der wichtigste Mann im Angriff sein kann. Außerdem befinden sich mit Danny Welbeck und Javier Hernandez Spieler im Kader, die Ferguson die Gelegenheit geben, zu rotieren, oder bei einer Verletzung des 30-Millionen-Euro-Mannes zu reagieren.

Das wohl größte Fragezeichen steht nach der Ankunft von Van Persie in diesem Sommer hinter Wayne Rooney. Wie stellt sich seine Rolle im Team dar? Der Angreifer war seit dem Abgang von Cristiano Ronaldo der Schlüsselspieler bei Manchester United, aber die Tatsache, dass er sich im zweiten Spiel der Saison zunächst auf der Bank wiederfand, zeigt, dass der 26-Jährige nicht länger unantastbar ist.


Alles unter Kontrolle | United bleibt auf Paul Scholes angewiesen

Selbst, wenn dem so sein sollte, Rooney bleibt ein sehr effektiver Spieler, das hat er mit 27 Toren in der letzten Saison bewiesen. Jedoch fehlt ihm die Unberechenbarkeit und das Flair einer echten Nummer 10, während er nicht diesen absoluten Killerinstinkt eines Torjägers wie Van Persie im gegnerischen Strafraum aufweist.

Rooneys aktuelle Verletzung schiebt diese Problematik für Ferguson nur auf, eine große Entscheidung im Angriff des englischen Rekordmeisters zu treffen. Vor allem Shinji Kagawa bietet derzeit gute Leistungen – und auch die Abstimmung mit Van Persie läuft bereits sehr ordentlich. Kagawa erzielte 13 Tore für Borussia Dortmund in der abgelaufenen Spielzeit und bereitete zwölf weitere vor – zumeist aus dem Zentrum agierend.

Während Dortmund je nach Spielsituation versuchte, Kagawa nach außen zu ziehen, zog es den japanischen Nationalspieler naturgemäß nach innen, um den Ball von einem Spieler der Marke Scholes zu übernehmen und so als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Sturm zu fungieren.

Wenngleich Rooney glaubt, seine beste Position ist die hinter dem Mittelstürmer, konnte er in dieser Rolle nicht immer gänzlich überzeugen. Es kann also sein, dass Ferguson eine klare Entscheidung zwischen Kagawa und eben Rooney treffen muss – und der englische Nationalspieler ist nach der Verpflichtung von Robin van Persie sicherlich nicht mehr unumstritten.

DAS NEUE UNITED
Rooney draußen zu lassen, käme der eigenen Spielidee entgegen

Die Gefahr für Manchester besteht darin, dass man ein weitaus eingeschränkteres System spielt, um beiden Spielern – sowohl Rooney als auch Kagawa – entgegenzukommen. Das würde wiederum das Spiel von Scholes beeinflussen. Die Niederlage im ersten Spiel gegen Everton verdeutlichte diese Problematik bereits. Er war einfach nicht genügend Platz für Kagawa, Rooney und Van Persie vorhanden, da alle auf ähnlichen Positionen agierten.

An diesem Abend war Nani der einzige verfügbare Flügelspieler, doch der Portugiese ist derzeit außer Form. Dies hatte zur Folge, dass die Defensive der „Toffies“ kaum vor größeren Problemen stand.

Scholes war zwar mit von der Partie, aber mit seinen 37 Jahren wird er in dieser Saison längst nicht alle Spiele absolvieren können. Ohne legitimen Nachfolger im Team – Tom Cleverley hat noch einen weiten Weg vor sich – wäre United besser beraten, in Abwesenheit von Scholes zu einem einfach 4-3-3-Systemzurückzukehren, um Spiele, in denen sie 60 bis 70 Prozent Ballbesitz haben, auch zu kontrollieren.

Die nötige Fitness vorausgesetzt, könnten auch Darren Fletcher und Anderson dem Mittelfeld die nötige Energie verleihen und die Flügelspieler und Van Persie in vorderster Front unterstützen, sollte Paul Scholes einmal nicht spielen.

Ferguson will Kurzpassspiel zelebrieren lassen – Dimitar Berbatov schien ihm dafür ungeeignet – um die Abwehrreihen zu überwinden, die gut organisiert sind.

Mit Rafael und Patrice Evra besitzt Manchester zudem zwei offensivfreudige Außenverteidiger, die bei Ballbesitz von Scholes und Carrick stets den Weg nach vorne suchen. Es ist deshalb interessant, dass Ferguson in der Sommerpause wiederholt sein Interesse an Leighton Baines vom FC Everton zum Ausdruck brachte. Die Flanken des Linksverteidigers sind unberechenbar und hätten die perfekte Munition für Van Persie und Co. liefern können.

In jedem Fall hat ManUnited in diesem Sommer gut nachgerüstet und ist nicht länger nur auf die Tore von Wayne Rooney angewiesen. In der Tat: Mit Scholes, der im Mittelfeld die Fäden zieht, Kagawa, der die sich bietenden Räume nutzt und Van Persie, dem wohl besten Vollstrecker in England, könnte es für Uniteds Nummer 10 schwierig werden, nach seiner Verletzung in die erste Elf zurück zu drängen.

EURE MEINUNG: Wo findet Rooney im neuen System von Ferguson seinen Platz?
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