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Die Belgier sind in aller Munde: Neben Stars wie Eden Hazard, Vincent Kompany und Marouane Fellaini stehen eine Menge weiterer Hochkaräter zur Verfügung. Aber warum ist das so?

Berlin. Als „Geheimfavorit“ und „Top-Team“ wurde die erste Elf der belgischen Fußball-Nationalmannschaft schon betitelt, jetzt gilt es für die Elf vom Ex-Schalker Marc Wilmots auch, diese Rolle umzusetzen. In die WM-Qualifikation startete man immerhin schonmal mit einem 2:0-Erfolg in Wales. Am Dienstag erwartet man dann die deutlich stärker einzuschätzenden Kroaten. Kann Belgien sich erstmals seit der WM 2002 wieder für ein großes Turnier qualifizieren?

Weg von der Lachnummer...

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, meinen viele Stimmen aus dem Off. Die belgische Mannschaft sei so stark wie nie, Spieler wie Eden Hazard oder Jan Vertonghen gehören einfach zu den Besten ihrer Klasse - der Schalter muss jetzt einfach umgelegt werden. In den letzten Jahren spielte Belgien kaum eine Rolle, wenn es darum ging, auf sich aufmerksam zu machen. Die Qualifikationen für die großen Turniere wurden regelmäßig verpasst und so kam es auch schon mal vor, dass Spiele gegen Armenien oder Estland verloren wurden.

... hin zur Talentschmiede
Genau dieser Zyklus soll genutzt werden, die WM 2014 steht vor der Tür - Belgien will mehr als nur ein Zaungast sein.“

Nun scheint aber alles anders - die „Goldene Generation“ scheint endlich das Potenzial zu haben, auch auf der großen Bühne mitspielen zu können. Gerade die Nähe zu den Fußballnationen Frankreich und Niederlande nutzt Belgien mittlerweile eiskalt aus und schickt ihre Supertalente seit einiger Zeit in diese Länder.

Als bestes Beispiel dafür gilt Eden Hazard, der mit 14 Jahren zum OSC Lille ging und mittlerweile beim FC Chelsea kickt. Aber auch Kevin Mirallas (ebenfalls Lille, heute Everton) und Nacer Chadli (erst Apeldoorn, Niederlande, heute Twente) kann man hier auflisten.

Auf der anderen Seite gibt es einige Vereine, die in Kooperationen mit anderen großen Klubs stehen. So arbeitet der, in Antwerpen anwesende Klub, Beerschot AC mit Ajax Amsterdam zusammen. Spieler wie Thomas Vermaelen, Jan Vertonghen und Toby Alderweireld durchliefen allesamt das weltbekannte Jugendinternat von Ajax. Aber auch die belgische Jugendarbeit ist nicht von schlechten Eltern und bildet immer mehr selber aus. Gerade die Klubs aus Anderlecht und Lüttich haben in den letzten Jahren immens viel in die Arbeit mit den Nachwuchskickern gesteckt, und auch der KRC Genk tut dies mittlerweile.

Und auch die Zyklus-These scheint bei den Belgiern nun endlich aufzugehen: viele Top-Spieler, die zum gleichen Moment zusammen kommen und für ihr Land spielen - auch aus Deutschland bekannt. Und genau dieser Zyklus soll jetzt endlich genutzt werden, die WM 2014 steht vor der Tür - Belgien will mehr als nur ein Zaungast sein.

Schon gelesen? Die erste Elf der „Goldenen Generation“

Wie sehr die Talentförderungsmaßnahmen, die nach der verkorksten Heim-EM 2000 eingeleitet wurden, gegriffen haben, zeigt die aktuelle Auswahl an jungen Klassespielern im Kader von Coach Marc Wilmots. Wir stellen Euch Stars der „Roten Teufel“ vor:


JAN VERTONGHEN | Tottenham, LV, IV und DM, 25 Jahre
STATISTIKEN 2011/2012 BEI AJAX AMSTERDAM
Einsätze 31
Tore 8
Gelbe/Rote Karten 6/0
UND SONST SO...
Starker Fuß Links
Größte Erfolge Holländischer Meister, Hollands Spieler des Jahres 2012

Durch den finanziellen Segen der Modric-Millionen ging Tottenham diesen Sommer groß auf Einkaufstour. Ein Transfer stand dabei aber ganz am Anfang des Sommers, der von Jan Vertonghen. Für 8,5 Millionen Euro sicherten sich die Londoner die Dienste des 25-jährigen Ajax-Kapitäns und Defensivallrounders, der nun die kommenden vier Jahre an der White Hart Lane auflaufen wird und sowohl im defensiven Mittelfeld, als Innenverteidiger und linker Außenverteidiger eingesetzt werden kann.

Neben seiner Flexibilität überzeugte Vertonghen in den letzten beiden Jahren vor allem durch seine Zweikampfstärke in der Luft und seine Schussgewalt, die beim 2:0 im WM-Quali-Spiel gegen Wales vergangenen Freitag wieder aufblitzte, als der Belgier einen Freistoß zum Endstand in die Maschen setzte. Mit Ajax holte Vertonghen in den vergangenen beiden Spielzeiten zweimal den Titel in der Eredivisie, insgesamt erzielte er 28 Tore in 189 Spielen für Amsterdam - für einen Verteidiger ein mehr als achtbarer Wert. Fast schon folgerichtig wurde der im flämischen Sint-Niklaas geborene und ebenso wie Thomas Vermaelen in Amsterdam ausgebildete Verteidiger zu Hollands Spieler 2012 gekürt.

Kein Wunder, dass die Spurs anklopften. Und so wird Vertonghen sich in diesem Jahr auf der großen Bühne der Premier League präsentieren können und ganz nebenbei auf jede Menge Landsleute treffen. „Jan besitzt zwar noch keine Erfahrung in der Premier League, aber er hatte bisher eine sehr, sehr starke Zeit bei Ajax“, freute sich Spurs-Coach Andre Villas-Boas auf seinen Neuzugang.

VINCENT KOMPANY, Manchester City
THOMAS VERMAELEN, FC Arsenal     

PREMIER LEAGUE STATISTIK 2011/12
31 Spiele
29
3 Tore  6
5 / 0 / 1 Gelb / Gelb-Rot / Rot 8 / 0 / 0

In der Abwehr verfügt Belgien mit Vincent Kompany und Thomas Vermaelen über zwei gestandene Defensivspezialisten, die es Vertonghen in der Nationalelf erlauben können, auf die Außenverteidigerposition zu rücken. Ex-Hamburger Kompany gehörte mit seinem Wechsel auf die Insel zu den ersten belgischen Kickern seiner Generation, die den Sprung zu einem Topclub wagten. Einen, der sich auszahlte: 2012 führte er Manchester City als Kapitän zum ersten englischen Meistertitel seit 44 Jahren und gilt als einer der besten je getätigten Transfers der Klubgeschichte, was auch durch die Tatsache ünterstützt wird, dass Kompany 2012 zum besten Spieler der Premier League gewählt wurde.

Als Arsene Wenger 2009 als Antwort auf die Defensiv-Probleme einen nur 1,83 Meter großen Belgier aus dem Hut zauberte, war die Skepsis groß. Heute allerdings bestehen nur wenige Bedenken daran, dass der Kauf des „Verminators“, wie die Fans ihren resoluten Defensivmann nennen, ein Glücksgriff war. Zu Vermaelens Stärken zählen seine Schnelligkeit, Zweikampfstärke und Torgefahr: Für die Gunners traf der meist als Innenverteidiger eingesetzte Vermaelen bisher in ungefähr jedem fünften Spiel.

MAROUANE FELLAINI | Everton, DM, 24 Jahre
STATISTIKEN 2011/2012 FÜR DEN FC EVERTON
Einsätze 34
Tore 4
Gelbe/Rote Karten 6/0
UND SONST SO...
Starker Fuß Rechts
Größter Erfolg Belgischer Meister 2008

Eigentlich wollte Maruoane Fellaini 10 000 Meter-Läufer werden. Und hätte Vater Abdellatif, früher selbst einmal aktiver Torwart in Marokko, kein so genaues Auge auf den Sohn gehabt, würde der Lockenkopf sein Land heute womöglich in einer anderen Disziplin vertreten. Zu Beginn der Premier League vor wenigen Wochen ließ sich aber wieder einmal feststellen: Fellaini hat sich für den richtigen Sport entschieden.

Bei Evertons 1:0-Auftakt-Sieg gegen Manchester United glänzte Fellaini als Man of the Match, und das nicht nur, weil der kopfballstarke Belgier nach einer Ecke das Spielgerät zum goldenen Treffer in die Maschen gewuchtet hatte. Bei seiner Auswechslung in der Nachspielzeit ehrte ihn Evertons Anhang mit Standing Ovations, denn der glänzende Saisonauftakt zeigte viele der Qualitäten des Belgiers, dem Kritiker mitunter Behäbigkeit und fehlende spielerische Klasse vorgeworfen haben. Aber: Seinen kantigen Körper bringt Fellaini immer wieder gekonnt zwischen Gegner und Ball, weiß im Mittelfeld geschickt den Ball zu behaupten. Und trotz seiner Größe von 1,94 ist Fellaini ungemein beweglich, zweikampfstark – und torgefährlich. 

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In der Luft ist der Mann, der nominell mittlerweile im defensiven Mittelfeld gelandet ist, aber auch als hängende Spitze eingesetzt werden kann, nahezu unbezwingbar – sein früherer Team-Kamerad Igor de Camargo stellte deswegen scherzhaft fest, dass er die Füße alleine zum Laufen und zum Toreschießen den Kopf hätte. Dazu verfügt Fellaini über eine Pferdelunge, die ihn im Mittelfeld bisweilen omnipräsent erscheinen lässt. Unter den Toffe-Fans genießt der Mann mit den marokkanischen Wurzeln längst Kultstatus und ist zum Trendsetter geworden: Wie auch bei Gladbachs Dante hat die wallende Afro-Mähne zahlreiche „Wigs“ auf den Plan gerufen, mit denen der Anhang seinen Liebling feiert.

Ein früherer Trainer Fellainis erzählte gegenüber der BBC, dass „Maro“ in der Jugend „nicht unbedingt zu talentiertesten Spieler“ gehört habe. Aber mit seiner Beharrlichkeit hat Fellaini schon die ein oder andere frühere Schwächen abgelegt. So sammelte er in England zu Beginn Gelbe Karten fast ebenso wie Tore: Neben neun Treffern gab es in den ersten 16 Spielen für die Toffes zehnmal Gelb. Daran hat Fellaini in der Zwischenzeit ebenso gearbeitet wie an seiner Passgenauigkeit.

AXEL WITSEL, Zenit St. Petersburg
KEVIN MIRALLAS, FC Everton ROMELU LUKAKU, West Bromwich

Einige Transfers ließen diesen Sommer wieder einmal durch reine Zahlen aufhorchen. Die 40 Millionen Euro, die Zenit St. Petersburg für Witsel an Benfica überwies, gehören sicher dazu. Auch Witsel begann bei Standard Lüttich, bevor es ihn 2011 nach Lissabon und in diesem Sommer nach Russland zog, wo der schnelle und spielintelligente Mittelfeldspieler einen Vertrag bis 2017 unterschrieb. Davor soll Real Madrid an dem 23-Jährigen dran gewesen sein. BVB-Fans werden sich noch etwas besser an Kevin Mirallas erinnern, der erst diesen Sommer von Piräus zum FC Everton wechselte und mit den Griechen großen Anteil an Dortmunds Vorrunden-Aus der letzten CL-Saison hatte. Mit 34 Toren in 52 Pflichtspielen und zwei zuletzt gewonnenen Meisterschaften mit Olympiakos hat sich der pfeilschnelle Flügelspieler für höhere Aufgaben und für die Premier League empfohlen. Bereits mit 16 wurde Romelu Lukaku mit Didier Drogba, ein Typ Marke Stoßstürmer: Schnell, kräftig und abschlussstark. Passenderweise ging es für ihn von Anderlecht nach Chelsea. Gegen den hochdekorierten Sturm der Blues konnte sich der 20-Jährige aber nicht durchsetzen und blieb torlos. Nun folgte einer Ausleihe, die sich auszahlen könnte: Im Spiel gegen Liverpool kam Lukaku in der 77. Minute und konnte prompt ein Tor zum 3:0-Sieg der Albions beitragen.

EDEN HAZARD | Chelsea, OM, 20 Jahre
STATISTIKEN 2011/2012 FÜR OSC LILLE
Einsätze 38
Tore 20
Gelbe/Rote Karten 2/0
UND SONST SO...
Starker Fuß beidfüßig
Größter Erfolg Französischer Meister 2011

PSG, Real Madrid, Manchester United, Chelsea, Arsenal, Liverpool: Kaum ein Topklub wurde im vergangenen Sommer nicht mit Eden Hazard in Verbindung gebracht, der allgemein hin als das Gesicht von Belgiens neuer „goldener Generation“ gilt. Wäre es nach Zinedine Zidane gegangen, hätte Real den Belgier mit Hand Kuss genommen, am Ende aber machte der FC Chelsea das Rennen um den momentan als größtes Talent Europas geltenden Mittelfeldspieler. Will Belgien 2014 nach Brasilien, so ist Hazard wohl einer der wichtigsten Bausteine für dieses Ziel.

Wie auch Kevin Mirallas wurde Hazard im fanzösischen Lille ausgebildet und entwickelte sich dort innerhalb von fünf Jahren zu einem der besten und torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Ligue Un, der die Nordfranzosen mit zum Gewinn der Meisterschaft 2011 führte. Die medialen Vergleiche als französischer Messi, Cristiano Ronaldo oder gar Zidane gehören seitdem ebenso dazu wie die großen Erwartungen nach seinem Wechsel in die Premier League. Bisher konnte Hazard diese aber problemlos erfüllen: In den ersten drei Spielen für Chelsea gab es ein Tor und drei Siege, bei denen Hazard im Zusammenspiel mit und als als Vorbereiter für Fernando Torres und Juan Mara glänzte.

EURE MEINUNG: Wie stark schätzt Ihr die Belgier mittlerweile ein? Welches sind die größten Talente und schaffen sie die Quali für die WM in Brasilien?

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