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Mit einem neuen Trainer und einer Startelf zur Gänze aus Legionären bestehend will die Alpennation den ersten Schritt Richtung WM 2014 in Brasilien machen.

Wien. Am Dienstagabend ist es soweit: Die deutsche Nationalmannschaft reist im Rahmen der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien zum Kräftemessen nach Wien und stellt sich der Truppe des Nachbarn und zugleich Rivalen aus Österreich. Im Vorfeld beschwören die Anhänger der rot-weiß-roten Nation wieder einmal den Geist von Cordoba, man hofft, dem DFB-Team ein Bein stellen zu können und sich somit einen Vorteil im Kampf um Platz zwei mit den Konkurrenten aus Schweden und Irland zu beschaffen. Und tatsächlich zeigt sich Österreich, seit Marcel Koller das Traineramt im vergangenen Jahr übernommen hatte, stark verbessert. Goal.com wirft vor dem Aufeinandertreffen einen Blick auf den gefährlichen Außenseiter.

Bilanz vor dem Spiel

Man könnte Österreich als einen der Lieblingsgegner der deutschen Auswahl bezeichnen. Bislang konnte man nach 37 Begegnungen stolze 23 Mal das Feld siegreich verlassen. Dagegen stehen 8 Siege aus Sicht des Nachbarn, nur 6 Mal trennte man sich mit einem Unentschieden. Der letzte Sieg Österreichs liegt sogar nun schon über 20 Jahre her, 1986 setzte man sich mit 4:1 durch.

Unvergessen bleibt aber das sogenannte „Wunder von Cordoba“, als man Deutschland bei der WM 1978 in Argentinien mit 3:2 schlug. Die Erinnerung an dieses historische Ereignis wird seitdem von den österreichischen Medien vor jedem weiteren Duell aufgeputscht und die Stimmung damit zusätzlich angeheizt.

Der neue Mann an der Linie

Seit November 2011 hören die Spieler des ÖFB-Teams auf die Kommandos von Marcel Koller. Der Schweizer kam für viele Experten etwas überraschend als Nachfolger für Didi Constantini, die Entscheidung pro Koller wurde teils heftig kritisiert. Der ehemalige Bochum-Trainer unterzeichnete einen Zweijahresvertrag und übt zum ersten Mal den Posten eines Nationaltrainers aus.

„Das beste Österreich der letzten Jahre“
LÖW ERWARTET SPEKTAKEL

Die Leistungen und vor allem die Ergebnisse der Österreicher können sich seit dem Trainerwechsel allerdings sehen lassen. So stehen drei Siegen nur eine Niederlage und ein Unentschieden gegenüber. Zuletzt setzte man sich mit 2:0 gegen die Türkei durch.

Die Mannschaft spielt organisiert und verfolgt eine klare Spielphilosophie. Der Gegner wird bereits sehr früh unter Druck gesetzt und somit zu Fehlern gezwungen. Nach der Balleroberung erfolgt ein schnelles Umschalten und man versucht, den Gegner mit Gegenstößen regelrecht zu überfallen.

„Ich lege viel Wert auf die Offensive und auch auf die Defensive, denn es kann nicht sein, dass alle nur nach vorne rennen. Es ist wichtig, dass wir mit hoher Konzentration und als ganze Mannschaft verteidigen. Wir wollen den Gegner so schnell wie möglich attackieren, damit wir oft in Ballbesitz sind“, erklärt Koller seine Strategie gegenüber sport24.

Die Spieler setzten die taktischen Vorgaben meistens gut um, die positiven Resultate sorgen für Selbstvertrauen. „Seit ich beim A-Team bin (Debüt im Oktober 2008, Anm. d. Red.), habe ich noch nie so eine gute Nationalmannschaft erlebt“, findet Werder-Bremen-Profi Marko Arnautovic im Gespräch mit der Tiroler Zeitung lobende Worte für seine Kollegen.

Und er ist längst nicht der Einzige, dem die positive Entwicklung auffällt. „Die Österreicher sind im Moment so stark wie seit Jahren nicht mehr. Was ich gesehen habe von Österreich, ist, dass sie viel strukturierter und klarer spielen als vor zwei Jahren“, kommentierte DFB-Coach Joachim Löw die aktuelle Situation im Nachbarland auf diepresse.at.

Ein Blick auf die FIFA-Weltrangliste bestätigt ebenfalls den Aufwärtstrend: Seit Kollers Amtseintritt verbesserte man sich um stolze 22 Plätze und belegt momentan den 49. Platz. Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren ist man also wieder in den Top 50 vertreten.

Zielsetzung: WM 2014

Nachdem sowohl die WM 2010 in Südafrika als auch die EM 2012 in Polen und Ukraine verpasst wurde, soll Koller nun also Österreich zu der WM 20124 in Brasilien zu führen. Vorausgesetzt, Deutschland wird seiner Favoritenrolle in der Qualifikationsgruppe C gerecht, stellt man sich auf einen Dreikampf um Platz zwei mit Schweden und Irland ein. Zwar ist man sich des Außenseiter-Daseins bewusst, verstecken möchte man sich jedoch nicht: „Im Fußball können auch Kleine die Großen schlagen“, weiß Koller.



Die Legionäre und Leistungsträger

Dabei helfen sollen vor allem Profis, die ihre Brötchen im Ausland verdienen. Und so wird die Startaufstellung gegen Deutschland allem Anschein nach zur Gänze aus Legionären bestehen - ein Rekord. Satte neun Spieler davon haben Verträge bei deutschen Bundesligisten. Insgesamt 14 „Fremdarbeiter“ stehen im 23-Mann-Aufgebot Österreichs – doppelt so viel wie bei der Heim-EM vor vier Jahren.

Coach Koller behauptet zwar, nicht darauf zu schauen „ob jemand Legionär ist oder nicht“ und nur Spieler aufzustellen, „mit denen man die besten Chancen habe“, dennoch ist es eine Tatsache, dass österreichische Auslandsspieler die absoluten Leistungsträger im ÖFB-Team sind.

Shootingstar und Bayern-Profi David Alaba ist aus dem zentralen Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. Wie es das Schicksal jedoch so will, muss ausgerechnet dieser im Spiel gegen Deutschland ersetzt werden, da er immer noch an den Folgen seines Ermüdungsbruchs im linken Fuß laboriert. Im zweiten Gruppenspiel gegen Kasachstan scheint ein Einsatz dagegen möglich. „Er hat sich in jungen Jahren zu einem Stammspieler bei Bayern München entwickelt – und ist willens, sich noch weiter zu verbessern. Wenn ihm das gelingt, wird er über einen längeren Zeitraum einer der besten Linksverteidiger der Welt sein“, bescheinigte Torwartschreck Carsten Jancker jüngst dem Youngster gegenüber diepresse.com eine aussichtsreiche Zukunft.

Doch abgesehen von Alaba ist auch auf die Bremer Achse bestehend aus Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic und Marko Arnautovic im Team Verlass, vor allem nachdem Stürmer Arnautovic scheinbar endlich seine Aufmerksamkeit dem Fußballspielen widmet. „Marko ist wie verwandelt, sprintet jetzt sogar zurück. Sebastian und Zlatko haben mich aber genauso überzeugt. Es macht wirklich Spaß, ihnen zuzuschauen“, kommentierte Koller die Leistung des Trios nach dem 2:0-Sieg der Bremer vergangene Woche gegen den HSV. Auch der Schalker Christian Fuchs avancierte letzte Saison zum Leitungsträger bei den „Knappen“, genauso wie Stürmer Martin Harnik oft seine Torjägerqualitäten beim VfB Stuttgart eindrucksvoll unter Beweis stellte.

STÄRKEN

+ Konkretes Spielsystem – Die Mannschaft geht aggressiv zu Werke und setzt den Gegner früh unter Druck

+ Marko Arnautovic – Der 23-Jährige scheint endlich begriffen zu haben, worauf es ankommt. War in den Partien nach dem Bundesligastart jeweils einer der besten Spieler auf dem Platz und sorgte stets für Gefahr.

+ Heimstärke – Das Ernst-Happel-Stadion in Wien wird gegen Deutschland ausverkauft sein. In den letzten fünf Partien gelangen drei Siege und zwei Unentschieden – eine Marke, die zuletzt 1999 erreicht werden konnte.

SCHWÄCHEN

- Breite des Kaders – Ausfälle können nur schwer ohne großen Qualitätsverlust kompensiert werden. „Wenn drei Legionäre fehlen, muss ich schon schauen, wie wir sie ersetzen können. In der Breite sind wir noch lange nicht so abgedeckt, dass wir Ausfälle verkraften können.“ - Koller zu news.at

- Spielsystem kostet Kraft – Die aggressive Spielweise und das Pressing erfordern ein hohes Laufpensum. Spieler zollen Tribut und bauen in der zweiten Halbzeit oft stark ab.
 
- Torabschluss – Aus vielen Chancen wird zu wenig gemacht. Harnik und Janko sind nicht so treffsicher wie bei ihren Vereinen.



Strategie gegen Deutschland

Österreich wird sich trotz der Außenseiterrolle gegen den Rivalen nicht verstecken. „Wir müssen am obersten Level spielen, was Konzentration, Aggressivität und Laufbereitschaft betrifft. Und wir müssen die wenigen Chancen nützen, die wir bekommen werden. Wenn dann der Gegner den einen oder anderen Fehler macht, ist eine Überraschung möglich“, wiegt Koller die Chancen seines Teams auf einen Sieg gegenüber news.at ab.

Eines ist klar: Die DFB-Auswahl wird es nicht so einfach wie gegen die Färöer-Inseln haben. Das junge Team Österreichs hat Potenzial und ist hungrig. Sollte es mit einem vollen Erfolg dennoch nicht klappen, geht die Welt aber auch nicht unter, das weiß auch der 51-Jährige: „Wir werden nicht nur hinten stehen, das kann ich versprechen. Wenn wir gegen Deutschland verlieren, sind wir noch nicht ausgeschieden. Und wenn wir gegen Deutschland gewinnen, sind wir noch nicht Weltmeister.“

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