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Rauls Erben: Junge Spanier stürmen die Bundesliga
Hervorragend ausgebildet und hungrig: Noch nie zuvor zog es so viele spanische Spieler in die Bundesliga wie in diesem Sommer. Ein neuer Trend?
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Fünf spanische Talente wechseln 2012 in die Bundesliga
Anders aber als bei dem damals 35-Jährigen, der seine Karriere im Ruhrpott erfolgreich ausklingen ließ, zog es im Sommer 2012 ausschließlich junge, aufstrebende Talente in unsere Breitengrade: Dani Carvajal, Alvaro Dominguez, Joselu, Ezequiel Calvente und am Ende auch Javi Martinez sind allesamt nicht älter als Anfang 20. Und auch wenn Martinez genau genommen Baske ist: Der nach langem Ringen verpflichtete Defensivmann ist bereits der fünfte Spieler mit spanischem Pass, der diesen Sommer seinen Weg in die Bundesliga fand – ein absolutes Novum. Dass Felix Magath, mittlerweile als Trainer Wolfsburgs, bis zuletzt noch an Betis Sevillas Spielmacher Benat Etxebarria dran war und mit Ibrahim Afellay ein Barca-Spieler für ein Jahr nach Schalke wechselt, rundet das Gesamtbild ab.
Den Anfang machten in diesem Sommer Dani Carvajal und Alvaro Dominguez, zwei Madrilenen, die im Juli schon von Bayer Leverkusen und Gladbach rekrutiert wurde. Für Rechtsverteidiger Carvajal gab es keine Startplatzaussichten in Reals erster Mannschaft – und das, obwohl Alvaro Arbeloa schon seit längerem als schwächstes Glied des Teams gilt. Dominguez verließ den Lokalrivalen Atletico aus ähnlichen Gründen. Später in diesem Sommer vermeldeten die beiden badischen Klubs aus Hoffenheim und Freiburg iberische Neuzugänge: Die Breisgauer holten Ezequiel Calvente für ein Jahr auf Leihbasis von Betis Sevilla. Hoffenheim pokerte lange mit Real Madrid um den einst in Stuttgart geborenen Nachwuchsstürmer Joselu, den angesichts des großen Konkurrenzkampfs bei den Königlichen dieselben Motive wie Carvajal bewegt haben dürften.
| Der Dante-Ersatz |
Das Castro-Double |
Der Ibero-Schwabe |
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Die Gründe der einzelnen Spieler mögen vielfältig sein. So dürfte für den talentierten Javi Martinez vor allem die Aussicht auf große Titel mit den Bayern mit ausschlaggebend gewesen sein. Wahrscheinlich ist aber auch, dass sich durchaus ein neuer Trend abzeichnet, der eine ebenso einfache wie gesamtgesellschaftliche Erklärung hat: Spanien leidet schwerer als viele andere Euro-Länder unter der Wirtschaftskrise, die auch den Fußball in seinem Mark trifft, weil eine Vielzahl von Klubs an fast schon chronischer Überschuldung leidet. In Sachen Einnahmen landete die Bundesliga letzte Saison sogar knapp vor der Primera Division - und nur noch hinter der Premier League. Und anders als in Spanien existiert in Deutschland eine gleichmäßigere Verteilung von TV-Geldern, die auch kleinere Klubs begünstigt.
Finanzielle Schieflage in der BBVA
Die Auswirkungen in der BBVA sind spürbar. Real und Barca beispielsweise belieferten über Jahre Teams der ersten und zweiten spanischen Liga mit jenen erstklassig ausgebildeten Talenten, die es bei den beiden Weltklasse-Mannschaften nicht bis ganz nach oben schafften. Heute aber können sich die meisten spanischen Vereine ohne internationalen Wettbewerb die jungen „Stars“ aus den Kaderschmieden der Top-Klubs schlicht und einfach nicht mehr leisten. Spanische Perspektivspieler haben deswegen schon vor ein paar Jahren begonnen, ihr Glück vermehrt im europäischen Ausland zu suchen. Nun haben sie Deutschland auf der fußballerischen Landkarte entdeckt.
| Spanische Neuzugänge der Saison 2012/13 |
| Spieler |
Von |
Zu |
Vertrag bis |
Marktwert |
| Daniel Carvajal | Real Madrid II |
Bayer Leverkusen | 2017 |
5 Mio. |
| Alv. Dominguez |
Atletico Madrid |
B'Mönchengladbach |
2017 | 8,5 Mio. |
| Joselu | Real Madrid II |
TSG Hoffenheim | 2016 |
ca. 5-6 Mio. |
| Ezeq. Calvente | Betis Sevilla | SC Freiburg | Leihe bis 2013 | ca. 1 Mio. |
| Javi Martinez | Athletic Bilbao | Bayern München | 2017 | 40 Mio. |
Der gute Ruf sowie die Qualität der spanischen Ausbildung und das verbesserte Niveau sowie die wirtschaftliche Stabilität der deutschen Liga scheinen sich diesen Sommer gefunden zu haben: Für vielversprechende Spieler, die in der Primera Division aus ökonomischen und auch Wettbewerbsgründen nur wenig Perspektive haben, wurden diesen Sommer stolze Summen bezahlt. Schätzungsweise 70 Millionen dürften in die Kassen spanischer Vereine geflossen sein, wobei die Martinez-Millionen natürlich den größten Anteil ausmachen. Warum aber entscheiden sich die jungen „futbolistas“ plötzlich für Deutschland? Dafür gibt es neben den ökonomischen auch allgemeine und sportliche Gründe.
In kaum einem anderen Land sind die Folgen der Krise so greifbar wie in Spanien - nicht nur im Bild der Städte, auch in dem der Stadien. Bis auf die großen Fußballtempel Santiago Bernabeu und Camp Nou sind die Arenen in den Provinzen selten voll, geschweige denn ausverkauft in einem Land, in dem die Arbeitslosigkeit bald um die 20 Prozent beträgt und die Tickets unvermindert teuer sind. So kam Goal.com Spanien-Redakteur Inaki Angulo erst diesen Sommer zu dem Schluss: „Saftige Rasenplätze und erschwingliche Preise: Die deutsche Liga erfreut sich des größten Zulaufs auf dem Kontinent.“ Gemeint waren sowohl Zuschauer als auch Spieler.
| „Die Bundesliga gehört zu den drei besten. Sie genießt bei uns einen sehr guten Ruf“ - Ezequiel Calvente
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Gladbachs Neuzugang Alvaro Dominguez bestätigte dies unlängst, als er den Zustand der Stadien lobte: „Die Bundesliga steht in Sachen Organisation über der Primera Division. Wenn die Rahmenbedingungen perfekt sind, ist es auch für einen Fußballer leichter, gut zu spielen. Und hier in Deutschland stimmt einfach alles: Organisation, Stadien, viele Fans.“ Ähnlich formulierte das auch Freiburgs Ezequiel Calvente nach seinem ersten Spiel für die Breisgauer, als er die Bundesliga in einem Atemzug mit der Premier League und Primera Division nannte und gegenüber Goal.com. erklärte: „In der Bundesliga kann man, denke ich, ohnehin viel lernen, eine große Liga. Sie hat bei uns einen sehr guten Ruf.“
Ausschlag gebend dürfte aber auch der sportliche Aspekt gewesen sein. Anders als auf der iberische Halbinsel, wo 2004 mit Valencia letztmals ein dritter Klub die Meisterschaft holen konnte, bietet Deutschlands höchste Spielklasse einen ausgeglichenen Wettbewerb, der die Lehrjahre junger Kicker anspruchsvoller gestalten könnte als in Spanien, wo es ein großes und wachsendes Gefälle zwischen den wenigen Klubs an der Spitze und dem Rest klafft. Es wird spannend sein, zu sehen, wie sich Spaniens Talente schlagen werden.

Bisher scheinen die jungen Iberer eine Verstärkung für ihre Teams, auch wenn Martinez beim 6:1-Massaker gegen Stuttgart gerade erst ein paar Minuten auf dem Rasen stand und Joselu für die TSG noch nicht zum Zuge kam. Auch Calvente kam in der Vorbereitung und in der Liga nur zu Kurzeinsätzen, hinterließ dabei aber einen guten Eindruck und überzeugt vor allem mit seinem technischen Können. „Bei uns wird mehr auf den Ballbesitz geachtet, hier zählt mehr die Physis. Aber es gefällt mir“, deutete der U-Nationalspieler die Veränderungen an, die ihn und seine Landsmänner erwarten.
Dominguez hat derweil andeuten können, dass er der Gladbacher Abwehr Stabilität verleihen kann und von Rechtsverteidiger Carvajal schwärmt man im Umkreis der BayArena bereits nach zwei Spieltagen. Ob sich eine Tendenz anbahnt? „Ist die Bundesliga sexy?“, fragte der Kölner Express am vergangenen Mittwoch Neu-Gladbacher Alvaro Dominguez: „Warum nicht? Wir haben einige gute Spieler in Spanien. Sie können helfen, dass die Liga sich weiterentwickelt und noch attraktiver wird. Kann sein, dass das ein Trend wird.“
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