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Goal.com stellt euch in einer Analyse die Gründe für den überraschenden Höhenflug der Hessen vor.

Frankfurt. Nach dem Sensationssieg am ersten Spieltag gegen Leverkusen legte die Eintracht auswärts nochmals eine Schippe drauf: Mit dem 4:0 bei der TSG Hoffenheim überraschte Frankfurt nicht nur den Gegner, sondern vielmehr die ganze Bundesliga. Mit sechs Punkten und 6:1 Toren aus den ersten beiden Spielen stand man bis zu der 6:1-Gala des FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart erstmals seit 1999 auf dem ersten Platz der Fußball-Bundesliga. Doch noch erfreuter dürften die Fans über das Auftreten und die Einstellung der Spieler auf dem Feld sein. Als Einheit boten sie den Zuschauern einen Fußball, den wohl auch Torwart-Legende Oka Nikolov, der seit 21 Jahren im Verein ist, in dieser Form selten genießen durfte.

In einer kleinen Analyse verraten wir Euch, was die Eintracht alles richtig gemacht hat und wie die Aussichten für die Saison sind.

Fakt 1: Management

In sportlicher Hinsicht kann man den Bundesligaabstieg Frankfurts vor zwei Jahren als Segen bezeichnen, denn mit ihm begann der Umbruch.

Im Mai 2011 übernahm Bruno Hübner die Position des Sportdirektors. Sein Plan: Eine junge Mannschaft aufzubauen. Den ersten Schritt ging er mit der Einstellung von Amin Veh als Trainer, der von dem Konzept Hübners überzeugt zu sein schien und an dem Projekt teilhaben wollte.



Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen wurde vergangene Saison der mit Abstand höchste Spieleretat für die zweite Liga bewilligt, ziemlich souverän packten die Hessen dann auch den direkten Wiederaufstieg. Für diese Saison stockte man das eigentliche Spielerbudget für die Bundesliga nochmals auf, sodass Bruno Hübner auf einen zusätzlichen Spielraum von mehr als 5 Millionen Euro zurückgreifen konnte.

Fakt 2: Transferpolitik

Und diese wusste er, wie es derzeit scheint, herausragend einzusetzen.



Insgesamt 7,5 Millionen Euro nahm die Eintracht in die Hand, um sich erfolgreich zu verstärken, etwas mehr als zwei Millionen Euro davon kamen aus den Transfereinnahmen für die Wechsel von Gordon Schildenfeld, Georgios Tzavellas und Mohamadou Idrissou.

Mit Carlos Zambrano, Anderson, Vadim Demidov, Olivier Occean, Takashi Inui, Bastian Oczipka, Stefano Celozzi und Stefan Aigner hat man es realisieren können, für geringes Geld größtenteils spielstarke und junge Spieler zu verpflichten, die allesamt die Qualität und Breite des Kaders verstärken. Für Letzteres sind auch Martin Lanig, Erwin Hoffer und Dorge Kouemaha exzellente Ergänzungen. Vor allem Lanig zeigte in seiner kurzen Spielzeit, zu was er im Stande sein kann.

Fakt 3: Reifung und Einstellung im Team

Die Mehrzahl der Spieler im Kader haben zudem noch enormes Potenzial nach oben und wollen dies auch ausschöpfen. Sollte der Kaderstamm zusammenbleiben und in jeder Saison noch minimal verstärkt werden, könnte das Team schon bald auch an das internationale Geschäft anklopfen.

  Interessante Quickfacts zur neuen Saison der Eintracht
1 Erstmals seit 1999 war die Eintracht wieder die Nummer Eins der Bundesligatabelle.
2 Vorlagen gelangen Bastian Oczipka in der laufenden Saison, wobei ein weiteres reguläres Tor aberkannt wurde, bei dem er Vorlagengeber war.
6 Punkte hat Frankfurt nach zwei Spieltagen auf dem Konto. Damit fehlen dem Aufsteiger nur noch zwei Zähler, um mit der Horror-Rückrunde 2011 gleich zu ziehen. 15 Spiele hat man dafür noch Zeit...
12 Spieler wurden von den Hessen verpflichtet. Davon kamen außer Dorge Kouemaha schon alle zu Pflichtspieleinsätzen.
17 Minuten spielte Martin Lanig in den ersten beiden Spielen insgesamt. In jedem Kurzeinsatz traf er, damit hat er die beste Torquote der Liga. Beim 1. FC Köln gelang dem Mittelfeldspieler letzte Saison in 31 Spielen nicht ein einziges Tor...
Hinzu kommt noch, dass Spieler wie Sebastian Jung, Pirmin Schwegler, Sebastian Rode oder Alexander Meier, die Frankfurt auch in die zweiten Liga gefolgt waren, in dieser gereift und zu einer Einheit gewachsen sind.

Die Motivation und Einstellung stimmt aber nicht nur bei den Spielern, die schon im letzten Jahr dabei waren. Auch die neuen Akteure fügen sich augenscheinlich perfekt in das Mannschaftsgefüge ein und bringen den benötigten „Hunger“ mit.

Fakt 4: Armin Veh

Doch auch der sportliche Erfolg benötigt einen Vater. Dieser Vater trägt in diesem Fall den Namen Armin Veh und bekleidet das Amt des Trainers.

Der ehemalige Meistertrainer konnte sich von Anfang an mit dem Konzept identifizieren und arbeitet seitdem mit großem Enthusiasmus.

Der Erfolg des Teams, die Reifung und Schleifung der jungen, aber auch der erfahreneren Spieler ist auch mit sein Verdienst.

Demzufolge wollten ihn die Verantwortlichen auch unbedingt halten und seinen Vertrag verlängern. Veh pokerte zunächst und forderte mehr Budget für sein Team. Ein ständiger Abstiegskampf sei „kein Anspruch für einen Verein wie Eintracht Frankfurt“, er wollte mehr aus der Mannschaft herausholen.

Nach kurzem Hin und Her war dann auch Heribert Bruchhagen bereit, die Forderungen Vehs zu erfüllen und somit verlängerte sich dessen Vertrag im Mai diesen Jahres bis 2013.

Fakt 5: Nikolov-Nachfolger gefunden

Wenn es ein symbolisches Zeichen für den Aufwind der SGE gibt, so ist es der Wechsel im Tor: Thomas Kessler, Ralf Fährmann, Jan Zimmermann, Markus Pröll - sie alle waren die gescheiterten Versuche, den 38-jährigen Oka Nikolov zwischen den Stangen zu beerben. Am ehesten gelang dies noch Pröll, doch auch er schien nie eine Wunschlösung zu sein. Letztendlich beendete er seine Karriere 2009 bei der Eintracht noch weit vor Nikolov, denn der spielt immer noch! Der Mazedonier ist mit 406 Einsätzen der Rekordspieler der Eintracht aus dem Ausland.

Dank eines jungen Mannes, der ausgerechnet vom Erzfeind aus Kaiserslautern kam, kann Nikolov nun aber endlich ruhig in Richtung Ruhestand steuern. Die Rede ist von Kevin Trapp, dem ehemaligen U21-Nationaltorhüter Deutschlands. Der 22-Jährige ist ein Torwart mit großer Perspektive und passt dementsprechend ausgezeichnet in die junge Mannschaft. Im Gegensatz zu vorherigen Experimenten hat er im Abstiegskampf mit Kaiserslautern aber auch schon mehrfach bewiesen, dass er mehr als bundesligatauglich ist. Dass er 37 Spiele für den 1. FC Kaiserslautern bestritten hat, nimmt ihm in der Commerzbank-Arena kaum noch jemand übel - spätestens nach den beiden souveränen Auftaktpartien, in denen er ein sicherer Rückhalt seines Teams war.

Eine Mannschaft mit Zukunft?

Das Ergebnis des Projekts, der Visionen und des finanziellen Risikos wird langsam deutlich: Schneller, technisch guter, attraktiver und vor allem erfolgreicher Fußball wird gezeigt - das, worauf die anspruchsvollen Fans der Adler seit Jahren, manche gar seit Jahrzehnten warten.

Dass man die Saison nicht auf dem ersten oder zweiten Tabellenplatz beenden wird, ist wohl allen klar, doch man darf sich in Frankfurt freuen. Denn in dem Team steckt großes Potenzial und hinter dem Verein und der Mannschaft eine gute Organisation, die Eintracht Frankfurt in wenigen Jahren schon in Richtung europäischer Fußball führen könnte.

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