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Der Portugiese glänzt beim 3:0-Erfolg gegen Granada mit zwei Treffern, doch der Torjubel blieb aus. Nach dem Spiel spricht der 27-Jährige über sein Leid und löst Verwunderung aus.

Madrid. Es hätte ein fröhlicher Abend werden sollen. Real Madrid gewann das Heimspiel im Santiago Bernabeu vier Tage nach dem Gewinn des spanischen Supercopa gegen den FC Barcelona, und das Publikum der Madrilenen sah zudem das Liga-Debüt von Luka Modric. Superstar Cristiano Ronaldo traf doppelt und erzielte dabei sein 150. Tor in etwas mehr als drei Spielzeiten. Aber der Portugiese war dennoch nicht glücklich.

„Ich bin traurig“

Ronaldo weigerte sich sogar in Torjubel auszubrechen, bevor er in der 63. Minute mit schmerzendem Oberschenkel und einem angemessenen Gesichtsausdruck das Spielfeld verließ. In der Mixed Zone ließ er später die Bombe hochgehen: „Ich bin traurig. Und daher habe ich nicht gejubelt. Und der Verein weiß, warum“, sagte der offensive Mittelfeldspieler.

Innerhalb weniger Stunden vermuteten gleich mehrere spanische Medien einen möglichen Wechsel des 27-Jährigen. Die Punto Pelota und die El Larguero titelten beide, dass Cristiano Madrid verlassen will und in späteren Berichten wurde enthüllt, dass sich der Spieler am Samstag mit Florentino Perez getroffen haben soll um seine Unzufriedenheit im Verein kund zu tun. Aber was ist schief gelaufen seit den Umarmungen und strahlenden Gesichtern vom Mittwochabend?

Fehlende Unterstützung

Theorien gibt es genug: Ronaldo, so wurde spekuliert, sei unglücklich über den Umgang des Vereins mit nahestehenden Mitspielern wie Kaka, Ricardo Carvalho und Fabio Coentrao. Nein, er sei sauer über das letzte Marcelo-Interview, in dem der Brasilianer sich den Ballon d'Or für Iker Casillas wünscht, meinen wieder andere. Oder es soll daran liegen, dass Andres Iniesta die begehrte Auszeichnung am Donnerstag entgegen nehmen durfte.

In Wahrheit scheint viel mehr dahinter zu stecken. Cristiano ringt mit einer schweren Krise die begann als Portugal im Halbfinale gegen Spanien verlor. Anschließend folgte ein schwieriger Start in die Liga mit zwei durchwachsenen Leistungen gegen Valencia und Getafe. Barca zu besiegen half – aber es war nicht genug.

Casillas-Nominierung der Auslöser?

Ronaldo soll dem Präsidenten Perez gesagt haben, dass er nicht mehr glücklich in der spanischen Hauptstadt sei. Vielleicht ist es der Versuch einen lukrativen und langfristigen Vertrag mit dem Verein auszuhandeln, in dem er einst bis zum Karriereende spielen wollte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er fehlende Unterstützung auf der institutionellen Ebene vermisst.

Die Beziehung zu Iker Casillas wurde ebenfalls in Frage gestellt. Der Torwart soll bei vielen in Madrid der Favorit auf den Ballon d'Or gewesen sein, eine Auszeichnung die Ronaldo seit seiner Wahl im Jahr 2008 für sich beansprucht. Und während Messi in Barcelona verhätschelt wird, denkt Cristiano, er sei Außen vor geblieben, wenn es in Madrid mal nicht so gut läuft. Kurz gesagt: Ihm fehlt die große Fürsorge im Bernabeu.



WM-Qualifikation als Auszeit

Gerüchte über einen möglichen Abgang, erscheinen dennoch voreilig zu sein. Nach dem Spiel am Sonntag verriet Ronaldo, dass er sich nun auf die WM-Qualifikation mit Portugal gegen Luxemburg und Aserbaidschan in dieser Woche konzentrieren wird. Das sei „wichtiger“ als die Unannehmlichkeiten in Madrid, sagte der Portugiese. Und während die Presse peinlich über den Abgang des teuersten Spielers der Welt sinniert, beruhigt Mitspieler Gonzalo Higuain die Situation schon wieder: „Auf uns wirkt Cristiano ganz normal“, versicherte der Argentinier.

Die ganze Affäre ist ähnlich wie die Situation von Jose Mourinho in Madrid am Anfang des Jahres. Nach einer schwachen Vorstellung gegen Barcelona im Januar wurde der Trainer von den Fans und den Medien in Frage gestellt und plötzlich überschlugen sich die Nachrichten, dass der 49-Jährige den Verein verlassen könnte. Er selbst gab nur vereinzelt Informationen an die Zeitungen weiter um sich die Unterstützung der höheren Etagen zu sichern und die Kritik aufzuhellen. Und jetzt passiert das Gleiche mit Cristiano Ronaldo. Es war der Spieler, der sich entschied seine Unzufriedenheit öffentlich bekannt zu machen obwohl solche Probleme in der Regel hinter dem Vorhang geklärt werden.

Wechsel-Spekulation sind voreilig

Nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung am Sonntag erwarteten nur wenige Reporter den Portugiesen  nach dem 3:0-Sieg gegen Grananda  in der Mixed Zone. Aber Ronaldo war offensichtlich fest entschlossen, seinen Unmut über den Verein publik zu machen, um mehr Unterstützung in Madrid oder aber einen neuen lukrativen Vertrag zu bekommen - wahrscheinlich beides.

Der Zeitpunkt wurde unglücklich gewählt, weil Ronaldo für die nächsten neun Tage für Portugal spielt. Sobald er zurückkehrt, werden sich die Spekulationen verflüchtigen. Denn Cristiano wird realisieren, dass Real Madrid der beste Ort für ihn ist und bleibt, mit dem er seine Ziele verwirklichen kann. Genau wie Mourinho, der nach dem Wirbel um seine Person die volle Rückendeckung des Vereins und einen verbesserten Vertrag bekam, braucht der Superstar einfach ein wenig mehr Fürsorge.

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