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Vor dem Schalke-Spiel stand Felipe in der Kritik. Er bekam aber dennoch das Vertrauen des Trainers - zahlte es jedoch nur bedingt zurück. Trotzdem besteht Hoffnung auf Besserung.

Hannover. Emanuel Pogatetz ist bei Hannover 96 Geschichte. Der Österreicher wechselte in der Sommerpause zum Lokalrivalen VfL Wolfsburg, nachdem er sich mit Coach Mirko Slomka überworfen haben soll. Als Ersatz wurde Felipe für die Innenverteidigung verpflichtet, der die Verantwortlichen der Niedersachsen in der vergangenen Saison von sich überzeugte, als die „Roten“ es in der Europa League einige Mal mit Standard Lüttich zu tun bekamen - seine Auftritte für 96 allerdings waren bislang aber nur bedingt überzeugend.

Probleme gegen Amateure

In seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz für Hannover bekam der 25-Jährige es mit den Angreifern des FC Nöttingen zu tun. Gegen die fünftklassigen Amateure wirkte Felipe alles andere als souverän und hatte sogar Glück, aufgrund einer als Tätlichkeit anmutenden Aktion nicht vom Platz gestellt zu werden. 6:1 hieß es am Ende für 96, der Brasilianer aber konnte sich nicht wirklich als Sieger fühlen.

Auch im Hinspiel der Europa-League-Play-off-Runde bei Slask Wroclaw präsentierte er sich als Unsicherheitsfaktor und war nicht unschuldig daran, dass Hannovers Defensive gehörig schwamm. Weil 96 aber in Torlaune war, sprang dabei letztlich ein beruhigendes 5:3 für das Slomka-Team heraus.

Zweifel und Kritik

In Hannover wurden erste Zweifel laut an der Bundesliga-Tauglichkeit des Neuzugangs, sogar die Forderung von einer Verbannung auf die Bank machte die Runde. Slomka aber setzte zum Liga-Auftakt am Sonntag beim 2:2 gegen den FC Schalke 04 weiter auf Felipe - und verbannte stattdessen für einige überraschend Karim Haggui auf die Bank, für den Tunesier rückte Mario Eggimann in die 96-Abwehrzentrale.

Felipe agierte dabei zunächst erneut wacklig, ließ etwa in der 25. Minute einen einfachen Ball durchrutschen. Auch hatten er und Eggimann gegen die S04-Angreifer keine Lufthoheit, bei fast allen Standards der Gäste wurde es gefährlich. Kurz vor der Pause aber folgte ein Erfolgserlebnis: Eine Freistoß-Hereingabe von Christian Pander verwertete der Abwehrmann mit dem Kopf und nickte zur 96-Führung ein. Im zweiten Durchgang jedoch ließ er sich von Klaas-Jan Huntelaar düpieren, der Niederländer netzte zum zwischenzeitlichen Ausgleich ein.

Ausbaufähiges Abwehrverhalten

Sowohl das Zweikampfverhalten als auch das Stellungsspiel waren dabei ausbaufähig, und auch wenig später sah der Südamerikaner nicht gut aus, als Julian Draxler sich auf links durchgetankt hatte, Felipe jedoch in der Mitte kleben blieb, anstatt den Ballführenden zu attackieren - so musste Keeper Ron-Robert Zieler diesen Part übernehmen und sein Tor verlassen. Lewis Holtby konnte die sich nach Draxlers Hereingabe bietende Chance zum Glück für 96 nicht nutzen und scheiterte an Zieler.

Zieler schnauzt

Ohnehin haperte es in der Abstimmung zwischen Felipe und dem 96-Schlussmann. So ging der aus Belgien gekommene Mann mit dem Kopf in eine Schalker Flanke, obwohl Zieler sicher an den Ball gekommen wäre und verursachte so eine Ecke. Zieler schnauzte Felipe an, der schnauzte zurück. Mitspieler Leon Andreasen erklärte das mit „sprachlichen Problemen“ und fügte an: „Ron hat ,Torwart‘ gerufen und Felipe wahrscheinlich gedacht, dass er den wegköpfen soll.“

Zu allem Überfluss zog sich der 1,96 Meter große Akteur im Spiel gegen die Gelsenkirchener auch noch eine Verletzung zu und musste in der 77. Minute verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Die MRT-Untersuchung am Montagvormittag ergab nach Vereinsangaben eine Stauchung im Fuß, sein Einsatz am kommenden Donnerstag im Rückspiel gegen Wroclaw ist fraglich.

Vielversprechende Ansätze

Aber es war nicht alles schlecht, was Felipe gegen die Königsblauen gezeigt hat. Seine unverkennbare Stärke ist das aggressive Attackieren gegen den Ball, nicht nur einmal konnte er den Schalker Angreifern schon kurz nach der ersten Ballberührung das Leder abluchsen. Dieses Abwehrverhalten kann aber auch zu Problemen führen, wenn es nicht zum Ballgewinn kommt und der Stürmer so an Felipe vorbeziehen kann - dann nämlich fehlt er im Raum.

Hier gilt es, die richtige Balance zu finden, wie auch Slomka kürzlich erklärte: „Er ist ein Spieler, der sehr aggressiv nach vorne spiele. Da muss er manchmal noch besser abwägen, wann er auf der Linie bleibt oder nach vorne schiebt.“

Fakt ist, dass Felipe im Spiel gegen Schalke einen viel besseren Auftritt als noch in den ersten beiden Partien gezeigt hat, was Hoffnung auf Besserung macht. Fakt ist aber auch, dass er an drei der letzten fünf Gegentore zumindest eine Mitschuld trägt.

So kann man nur hoffen, dass sich Felipe schnell zurechtfindet in seinem neuen Team und die Leistungen zeigen kann, wegen denen Slomka ihn verpflichtet hat - die nötigen Fähigkeiten bringt er jedenfalls mit.

„Haut nicht so drauf!“

„Er ist ein guter Verteidiger, aber gebt ihm mal ein bisschen Zeit und haut nicht so drauf“, fordert Andreasen. Zugutehalten muss man ihm, dass er in der Vorbereitungsphase und den ersten Pflichtspielen aufgrund einer Nagelbettentzündung, einer Mandelschwellung und eines Muskelfaserrisses verletzungsbedingt  immer wieder pausieren musste. So kann man Christian Pander nur beipflichten, wenn er sagt: „Es ist natürlich schwierig, wenn ein Spieler neu dazukommt und in der Vorbereitung relativ wenig mitmachen kann aufgrund von kleinen Wehwehchen oder Verletzungen.“

Die Frage ist aber natürlich auch, wie viel Zeit Felipe von Slomka bekommen wird. Jeder Patzer kann Punkte kosten, und die Konkurrenten für die zwei Plätze in der Innenverteidigung, Eggimann und Haggui, machen Druck. Wenn sich das Zusammenspiel und die Abstimmung mit den Mitspielern aber in naher Zukunft verbessert und Felipe an seinem Feintuning arbeitet, kann er trotz allem noch zu einem Glücksgriff für 96 werden.

EURE MEINUNG: Braucht Felipe einfach nur noch ein wenig Zeit oder ist er ein zu großer Unsicherheitsfaktor für die 96-Defensive?
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