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Vor 50 Jahren startete die Bundesliga. Goal.com blickt zurück auf die fünfte Dekade 2003-2012. Feuerwehrmann, Macher und Alleinherrscher: War es das Jahrzehnt von Felix Magath?

Als Felix Magath diesen Sommer als Trainer des VfL Wolfsburg wieder auf große und VW unterstützte Einkaufstour ging blieb das mediale Echo erneut kritisch bis höhnisch. Die Ausgabenwut des starken Mannes in der Autostadt rief naturgemäß unter Fußball-Romantikern, aber auch neutralen Beobachtern Skepsis hervor: Der Umgang mit den Spielern, die hohe Personalfluktuation und mitunter auch das schier grenzenlose Vertrauen des VW-Konzerns in die Fähigkeiten des einstigen „Magiers“ Magath waren wie immer eine Zielscheibe der Kritiker.

In den letzten beiden Jahren konnte sich durchaus der Eindruck aufdrängen, als seien dessen Zauberkräfte erloschen. Aber ist der Glaube der VW-Verantwortlichen wirklich so unbegründet? Blickt man auf die letzten zehn Jahre der Bundesliga zurück, so gibt es wohl nur wenige Trainer, welche den Fußball der Bundesliga so stark geprägt haben, wie der einstige HSV-Spieler. Rückblickend hat Magath der Bundesliga-Dekade von 2002 bis 2012 seinen Stempel aufgedrückt, wie nur wenige andere. Stuttgart, Bayern, Wolfsburg und Schalke lauteten die Stationen in diesen zehn Jahren – drei Meisterschaften, drei DFB-Pokale und mehrere zweite Plätze lautet die Erfolgsbilanz.

Kasernenton vs. Kumpelhaftigkeit?

Wohl auf kaum einen anderen Trainer lässt sich das Sprichwort so gut anwenden, wonach der Erfolg einem recht gibt. Womöglich auch deswegen hat sich Magaths Image in den Medien in den jüngsten Jahren stark gewandelt: Vom gewieften Nothelfer und Macher ist er innerhalb von zehn Jahren zum diktatorischen Alleinherrscher geworden.

Als Vorbilder gab Magath einst Ernst Happel und Branko Zebec an, was sich auch im Umgang mit seinen Spielern abzeichnet: Die Medizinbälle gehören ebenso zu seinem Markenzeichen wie die überdurchschnittlich gute Fitness seiner Teams, aber auch ein mitunter strenger Kasernenton. Das hat zuletzt mehr Kritiker auf den Plan gerufen als Befürworter, was aber auch mit einem allgemeinem Imagewandel und der Ankunft des Fußballs in der breiten gesellschaftliche Mitte bedingt sein mag.

Gerade in jüngster Zeit, mit dem Aufkommen der Klopps, Tuchels und Dutts, hat sich ein neuer Trainertyp herausgebildet, der in Auftreten und Kommunikation ein neues Gegengewicht zu Magaths antiquiert wirkendem Stil bildet. Klopps Kumpelhaftigkeit, Löws Jovialität und die Rede von flachen Hierarchien mögen derzeit gefragter als sein, als Magaths teebeutelrührende Schnippigkeit oder jener Hügel der Leiden, auf den Magath seine VfL-Profis scheuchte.



Doch wie formulierte es einst Otto Rehhagel? „Modern spielt, wer gewinnt“. In diesem Sinne... Goal.com lässt Magaths größte Erfolge der letzten zehn Jahren Revue passieren.

Die Vorherrschaft der Bayern wurde im ersten Jahrfünft nur von Werder Bremen, damals noch mit Kugelblitz Ailton, angetastet. Danach gab es keine Titelverteidigung mehr: 2007 holte der VfB unter Armin Veh, 2009 Wolfsburg mit Magath den Titel und ab 2011 sind Jürgen Klopp und Borussia Dortmund das Non plus Ultra in der Bundesliga. Und diese Saison?

- 2003: Bayern München
- 2004: Werder Bremen
- 2005: Bayern München
- 2006: Bayern München
- 2007: VfB Stuttgart
- 2008: Bayern München
- 2009: VfL Wolfsburg
- 2010: FC Bayern München
- 2011: Borussia Dortmund
- 2012: Borussia Dortmund
2001-2004: Magath und die „jungen Wilden“ - Vom Feuerwehrmann zum Macher

Ins Ländle kam Magath als „Feuerwehrmann“, der bis  abstiegsbedrohte Klubs wie Werder Bremen udn Eintracht Frankfurt auf Vordermann und zum Klassenerhalt gebracht hatte. In Stuttgart allerdings wurde mehr daraus: Magath formte die „jungen Wilden“ aus Spielern wir Timo Hildebrand, Aliaksandr Hleb und ließ nebenbei auch Philipp Lahm und Mario Gomez in der Bundesliga debütieren. Die Vizemeisterschaft 2003 brachte ihm den Titel als „Trainer des Jahres“. Dass Magath sich in jenen Jahren – und später auch auf Schalke - als Jugendförderer profilierte, ist heute fast in Vergessenheit geraten.

2004-2007: Magaths Double-Double mit den Bayern

Dass es den passionierten Teetrinker dann nach München zog, lag auf der Hand und in der Natur der Einkaufspolitik der Bayern. Auch hier stellte sich der Erfolg ein: In München holte Magath das Double-Double: 2005 und 2006 wurden die Roten unter ihm jeweils Meister und Pokalsieger, selbst für die erfolgsverwöhnten Bayern stellte dies einen bisher unerreichte Leistung dar. Das große Manko: In Europa blieben die Münchner blass. Grund genug, Magath von seinen Pflichten zu befreien.

2007-2009: Absolutismus und Wolfsburgs Titel-Coup

2008/2009 war die Saison der Überraschungsteams: Die TSG 1899 Hoffenheim wurde Herbstmeister und Hertha BSC kämpfte bis zum Ende um den Titel mit. Den holte sich aber zum ersten Mal überhaupt der VfL aus der VW-Stadt, wo Magath nun das Zepter schwang wie ein absolutistischer Regent. Schon während seiner ersten Amtszeit betitelte der Spiegel ihn als den „mächtigsten Coach, den es wohl jemals in der Bundesliga gegeben hat.“ Magaths damals schon unbändiger scheinender Transfer-Hunger barg die Volltreffer Grafite, Edin Dzeko (gemeinsam 54 Treffer) und Zvedjan Misimovic (22 Vorlagen) – und damit auch die Meisterschaft. Dank einer furiosen Rückrunde mit 14 Siegen sprangen die „Wölfe“ von Tabellenplatz neun an die Spitze, einen 5:1-Kantersieg gegen die Bayern eingeschlossen. Eine besondere Freude dürfte Magath im Stillen bei Grafites 5:1 verspürt haben: Ein Slalomlauf durch die gesamte Bayern-Abwehr, gekrönt von einem Hackentor.



2009-2011: DFB-Pokal, Champions League und Querelen

Vom Retorten- zum Traditionsklub: Mit der Meisterschafts-Coup, das scheint auch Magath selbst klar gewesen zu sein, hatte er in Wolfsburg erreicht, was es zu erreichen gab. So lockte ihn Schalke-Boss Tönnies in den Pott und stattete Magath mit einer Machtfülle aus, die dort bis dahin nahezu unerreicht war. Als Trainer und Manager in Personalunion war Magath auch hier Alleinherrscher, für den es zuerst gut lief: Platz zwei und die direkte CL-Quali gleich in der ersten Saison. Dann knirschte es im Getriebe. Magaths autoritärer Führungsstil, ausbleibender Erfolg in der Liga und seine ausufernde Transferpolitik nach dem Motto „trial and error“ gerieten zunehmend Konflikt mit Teilen der Anhängerschaft und dem Schalker Personal. Vor allem in den Medien entstand das Bild des kühlen und Spieler verschleißenden Diktators. Nebenbei erreichten die Knappen nach einem historischen Sieg gegen Inter Mailand aber auch das Halbfinale der Champions League und schnappten sich en DFB-Pokal. Magath förderte Talente wie Joel Matip und holte unter anderem Real-Legende Raul und Torjäger Klaas-Jan Huntelaar nach Schalke.

EURE MEINUNG: Wie schneiden Magath und Wolfsburg in der Saison 2012/13 ab?
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