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Titos Team startete mit einem 5:1 gegen Real Sociedad furios in die Saison, muss aber nun beweisen, dass auch in Vilanovas Amtszeit Siege gegen Mourinho gelingen können.

ANALYSE
Von Ben Hayward | Spanien-Experte

Was ein einziges Jahr doch für einen Unterschied ausmachen kann.

Vor zwölf Monaten war es Real Madrid, das mit einem Sieg gegen den schärfsten Rivalen aus Barcelona in der Supercopa ein Zeichen setzen wollte, aber letztlich unterlag, bevor die Saison richtig angelaufen war.

Im August 2011 war die Zukunft von Mourinho bei Real Madrid noch ungewiss. Der Portugiese ging nach seiner ersten Saison lediglich mit dem Titelgewinn bei der „Copa del Rey“ in die nächste Spielzeit.

Nun gibt es bei Barcelona eine ähnliche Ungewissheit.

Trotz einer chaotischen Vorbereitungszeit mit Verletzten, experimentellen Aufstellungen und durchwachsenen Ergebnissen im letzten Sommer behaupteten sich die Katalanen mit einem 5:4-Sieg nach Hin- und Rückspiel im spanischen Supercup und machten sich auf, drei weitere Titel in der Saison 2011/2012 zu holen. Pep Guardiola erreichte somit insgesamt 14 von 19 möglichen Trophäen.

Doch hinter den Kulissen verlief im Camp Nou in der letzten Spielzeit nicht alles so harmonisch, wie es den Anschein erweckte. Es gab das Zerwürfnis zwischen Guardiola und Gerard Pique sowie Dani Alves, zudem waren viele Spieler von Guardiolas Hang, sich im Rampenlicht zu sonnen, genervt. Cesc Fabregas gestand kürzlich erst ein, dass er Schwierigkeiten hatte, die taktischen Vorgaben des Trainers anzunehmen und auf dem Spielfeld umzusetzen.

Pep Guardiola und der FC Barcelona - in Zahlen
1

Pep wurde nach seiner bemerkenswerten Debütsaison 2009 als „Katalane des Jahres“ ausgezeichnet.

2

Während seiner Amtszeit gewann Guardiola jeweils zwei Mal die Champions League, die Klubweltmeisterschaft und die Supercopa.

3

Zwischen 2008 und 2011 führte er Barca zu drei Meistertiteln.

6

Während seiner Amtszeit verloren die Blaugrana nur sechs von insgesamt 52 Spielen in der Königsklasse.

14

Barcelona gewann unter Pep 14 von 19 möglichen Titeln in nur vier Jahren.

Guardiola beschäftigte sich mit der Lösung taktischer Fragen, die noch auf Johan Cruyff zurückgingen und es war die Umstellung auf das 3-4-3-System, welches schließlich einige Zweifel aufkommen ließ. Es zwickte doch an einigen Stellen und die Spieler fühlten sich in ihrer Rolle auf dem Spielfeld nicht immer wohl. Es wurden Punkte liegengelassen, der Rückstand konnte nicht mehr aufgeholt werden und so musste man Real Madrid den Titel in der Primera Division überlassen. Zudem gab es noch die untypisch schwachen Auftritte Barcelonas in den beiden Champions League-Halbfinalspielen gegen Chelsea. Das war nicht mehr das Barcelona der vergangenen Jahre. Guardiola war amtsmüde – und die Spieler hatten ihren Trainer satt.

Inzwischen ist mit Vilanova jemand am Ruder, von dem man nicht so viel weiß, bei dem man aber das Gefühl hat, dass er zu großen Teilen für das brillante Spiel Barcelonas in den vergangenen vier Saisons mit verantwortlich war.

Die Mannschaft ist heiß darauf, zu zeigen, dass man auch ohne Pep Guardiola gewinnen kann und ist so motiviert wie man es seit der ersten Saison unter dem ehemaligen Trainer nicht mehr war. Die Spieler merken, dass sie an einem Scheidepunkt stehen.

In diesem Sommer lehnte Barca lukrative Reisen Richtung USA oder Asien ab und zog es vor, in Städten wie Bukarest und Göteborg anzutreten, anstatt sich in Seattle oder Shanghai zu präsentieren. Und nun will man alles für den Sieg in der Supercopa tun.

Vilanova weiß natürlich um den permanenten Vergleich mit Guardiola und hat deshalb bereits klargestellt, dass er nicht mit seinem ehemaligen Kollegen und Freund konkurrieren will. Er weiß aber auch, dass durch einen Sieg im Supercup erste Zweifel an ihm schon früh zerstreut werden können.

Wie auch immer, bei einer Niederlage wird es erste unzufriedene Stimmen geben – und zwar unabhängig vom Verlauf der 180 Spielminuten im Camp Nou am Donnerstag und im Santiago Bernabeu am nächsten Mittwoch.

Auch wenn er gesagt hat, dass ein Sieg in diesem Wettbewerb ganz unten auf der Prioritätenliste stehe, so wird Vilanova die Supercopa unbedingt gewinnen wollen, allein schon um ein Zeichen für den Rest der Saison zu setzen. Und seine Mannschaft wird das ganz genau so sehen.

Dieser FC Barcelona ist viel mehr als nur Pep Guardiola. Das müssen Vilanova und sein Team allerdings nun unter Beweis stellen.

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