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Vor 50 Jahren startete die Bundesliga. Goal.com blickt zurück auf die vierte Dekade 1993-2003, die Zeit der Eurofighter, Aufsteigermeister und eines Bayerntraumas.

Die 90er Jahre hatten einige Überraschungen für den Deutschen Fußball parat: Die beiden Top-Klubs aus dem Ruhrgebiet Schalke 04 und Borussia Dortmund gaben im Uefa Cup beziehungsweise der Champions League den Ton an. Zudem sorgte der 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger für eine der größten Sensationen in der 1. Bundesliga.




1998 gelingt dem FCK unter Trainer Otto Rehhagel die Sensation, der Traditionsverein wird als Aufsteiger direkt Deutscher Meister. Um die Jahrtausendwende dominieren wieder die Bayern und holen das Triple unter dem inzwischen an die Säbener Straße gewechselten Ottmar Hitzfeld.

- 1993: SV Werder Bremen
- 1994: Bayern München
- 1995: Borussia Dortmund
- 1996: Borussia Dortmund
- 1997: FC Bayern München
- 1998: 1. FC Kaiserslautern
- 1999: FC Bayern München
- 2000: FC Bayern München
- 2001: FC Bayern München
- 2002: Borussia Dortmund
- 2003: SV Werder Bremen

1997 – Der Pott regiert Europa

„Das Herz des deutschen Fußballs schlägt im Ruhrgebiet“, musste Franz Beckenbauer 1997 erkennen. Gleich zwei Klubs aus dem Westen der Republik ließen im Mai jenes Jahres ganz Europa aufhorchen. Den Anfang machten die königsblauen „Eurofighter“ um Ingo Anderbrügge, Mike Büskens und Co., die am 21. Mai im Giuseppe-Meazza-Stadion Inter Mailand im Elfmeterschießen bezwangen und sich den UEFA-Cup holten. Das Hinspiel hatte Schalke mit 1:0 durch einen Wilmots-Treffer zuhause gewonnen. Im Rückspiel erzwang Inters Zamorano sechs Minuten vor Schluss Verlängerung und Elfmeterschießen und scheiterte dann an Jens Lehmann. Aaron Winter verfehlte, Wilmots verwandelte - der größte Triumph der Vereinsgeschichte war perfekt.

Exakt eine Woche später folgte der zweite Ruhrpott-Streich, besiegte der Erzrivale aus Dortmund Juventus Turin mit Zinedine Zidane im Champions League-Finale im Münchner Olympiastadion mit 3:1. Kalle Riedle hatte den BVB komfortabel in Führung gebracht, ehe del Piero die Sache mit seinem Anschlusstreffer in der 65. Minute nochmal spannend machte. Dann machte sich Lars Ricken unvergesslich: Der Dortmunder Jung besiegelte Sekunden nach seiner Einwechslung mit dem ersten Ballkontakt und einem fulminanten Heber den ersten CL-Sieg einer deutschen Mannschaft.

 

1998 – Der FCK und König Otto der II.

Zwar hatte der FC Nürnberg 1969 das Kunststück fertig gebracht, als amtierender Meister abzusteigen, aber den umgekehrten Weg war noch niemand gegangen. Otto Rehhagel gelang es in der Saison 1997/98 mit den „Roten Teufeln“. Bereits am ersten Spieltag wurden die Bayern dahoam mit 1:0 besiegt. Eine späte Genugtuung für Rehhagel, der sich mit seiner Truppe aus alten Haudegen wie Andreas Brehme oder Ciriaco Sforza und hoffnungsvollen Talenten wie Marco Reich und Michael Ballack auch im Anschluss an der Tabellenspitze festsetzte. Eine indirekte Folge des Titelgewinn der Pfälzers hat es in das kollektive Fußballgedächtnis geschafft: Trapattonis Wutrede („Ich habe fertig“) vom 10. März 1998 hätte es ohne die Lauterer Meisterschaft und die für den „FC Hollywood“ unbefriedigende Saison so wohl kaum gegeben.

 

1999 - Die Mutter aller Traumata

Wer im Lexikon unter Niederlage nachschlägt, könnte auf das Jahr 1999 und sein Champions League-Finale stoßen, das der FC Bayern in den letzten beiden Minuten gegen Manchester United aus der Hand gab. Mario Basler brachte die Roten mit einem flachen Freistoß ins lange Eck früh in Führung, Mehmet Scholl traf in der zweiten Halbzeit den Pfosten, die Bayern dominierten di Partie weitestgehend. Und dann begann die erste Minute der Nachspielzeit, mit einer Ecke. Im Billard-Manier gelangte die Kugel zu Teddy Sheringham, der zum Ausgleich einstocherte. Schiri Colina ließ noch weiterspielen. Wieder Ecke, wieder trat Beckham, wieder Sheringham, der den Ball mit dem Kopf zu Solskjaer leitete... „Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen“, schrieb der Philosoph Wittgenstein einmal. Auch Manchesters Trainer Sir Alex Ferguson soll sich kurz gehalten haben, als er in den Katakomben des Camp Nou auf Bayernspieler traf: „Sorry!“

2001 – Vier Minuten Meisterschaft der Herzen“


Wie schon im Vorjahr mit Bayer Leverkusen lieferten sich die Bayern in der Saison 2000/01 ein Herzschlagfinale, diesmal mit Schalke 04. Die Knappen waren so nah dran wie nie zuvor – an den glorreichen Jahren vor dem zweiten Weltkrieg und dem ersten Titel in der Bundesliga. Mit furiosem Fußball um Ebbe Sand und Emile Mpenza hatte sich das Team vor allem in die Herzen der Fans gespielt.

Letzter Spieltag: Schalke siegt 5:3 gegen Unterhachingen, die Bayern spielen noch in Hamburg und liegen kurz vor Schluss 0:1 zurück. Dann verbreitet sich im Parkstadion die Nacricht vom Abpfiff, ganz Schalke liegt sich in den Armen. Erstmals nach 43 Jahren brach für vier Minuten Meisterjubel aus – bis bekannt wurde, dass in Hamburg noch nicht abgepfiffen wurde. Dann nahm HSV-Keeper Mathias Schober einen Rückpass auf, Schiri Merck gab Freistoß, Verteidiger Patrick Anderson lief an und fand die Lücke, in letzter Sekunde – und den Weg zur Meisterschaft. Das 1:1 reichte den Bayern zum Titel und stürzte Schalke in ein Meer aus Tränen.

„Es ist einfach nicht zu beschreiben. Da denkst du, du bist Deutscher Meister. Und vier Minuten später erwachst du aus diesem Paradies und stehst im Regen. Unfassbar“, schilderte Tomasz Hajto die Ereignisse rückblickend gegenüber 11freunde.de. Und Huub Stevens bekannte später in der Bild: „Diese vier Minuten haben mich verändert.“

 

 2001 - Titan Kahn vergoldet die erste Ära Hitzfeld

Unter Ottmar Hitzfeld hatten die Bayern zwischen 1999 und 2001 dreimal den nationalen Titel geholt. Was noch fehlte, war Europas Krone. 2001 hatten sich die Münchner erneut ins Finale der Königsklasse gekämpft, wo dieses mal im Finale von Mailand der FC Valencia wartete.

Gaizka Mendieta, einer der sichersten Elfer-Schützen aller Zeiten, besorgte bereits in der dritten Minute Valencias Führung, Scholl scheiterte vier Minuten später vom Punkt an Canizares. In einer von Taktik geprägten und ausgeglichen Partie war es dann Stefan Effenberg, der seinem Ruf als Leitwolf einmal mehr gerecht wurde und in der 50. Minute, ebenfalls per Handelfmeter, ausglich. Es kam die Verlängerung, es kam das Elfmeterschießen – und die Stunde von Oliver Kahn. Kahn parierte souverän gegen Zahovic, mit einem schier übermenschlichen Reflex gegen Carboni und ein drittes Mal gegen Pellegrino. 25 Jahre nach dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister holten die Bayern die wichtigste europäische Trophäe.

 

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