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Nach dem Weggang von Kagawa war die Sorge um die Offensive groß. Nun brennt es an einer Stelle, die so nicht vorgesehen war. Dies steht als Fazit der Vorbereitung fest.

Dortmund. In der Sommerpause wurde lang und breit über das neue Gesicht der Offensive von Borussia Dortmund spekuliert. Doch die Vorbereitung brachte vor allem die Erkenntnis: Die Abwehr funktioniert nicht wie gewöhnlich. Eben jene Defensivabteilung, die in der Bundesliga eigentlich über jeden Zweifel erhaben ist. Besonders Innenverteidiger Neven Subotic fällt durch Unkonzentriertheit und Fehler auf. Nicht zum ersten Mal. Und die Bank lauert auf ihre Chance.

Das Fundament des Erfolgs

Als Jürgen Klopp 2008 das Ruder in Dortmund übernahm, versprach er den Fans, dass es „Vollgas-Veranstaltungen“ geben werde. Er hielt Wort. Das Offensivspiel der „Schwarz-Gelben“ entwickelte sich von Saison zu Saison und gehört längst zu den Besten der Bundesliga. Dies beweist nicht zuletzt die satte  Ausbeute von 80 Toren in der vergangenen Spielzeit, was zugleich der Ligaspitzenwert ist.

Doch der Trainer setzte von Beginn an vor allem auf eine solide Defensive, von der aus das Spiel aufgezogen wurde. Die Dortmunder sind stets auf den vorderen Plätzen, wenn es um die wenigsten Gegentreffer geht. Gerade dies bildete in den vergangenen Spielzeiten den Grundstein für die Erfolge. Die Leistungen der Verteidigung wurden nicht umsonst mit Bestnoten und Nominierungen für der „Elf der Saison“ bedacht. Doch aktuell sorgt die Abwehr bei Jürgen Klopp wohl für Magenschmerzen.
 Alexander Brinkmann
BVB-Experte bei Goal.com
„Jürgen Klopp wird sicherlich auch zum Bundesligastart auf das Duo Hummels/Subotic setzen - vorausgesetzt Hummels' Verletzung aus dem Länderspiel gegen Argentinien ist bis dahin auskuriert.

Allerdings steht die Innenverteidigung unter besonderer Beobachtung Jürgen Klopps, der seinen Unmut über die gesamte Abwehrleistung der Mannschaft nach den jeweiligen Spielen bereits deutlich kundtat. Vor allem Neven Subotic muss, auch wenn er sich selbstkritisch zu seiner Leistung geäußert hat, schnellstens den Schalter umlegen. Wenn Dortmund in den ersten vier, fünf Ligapartien durch Patzer in der Innenverteidigung Punkte verliert, wird Felipe Sanatana seine Chance erhalten, weil er in Pflichtspielen stets gezeigt hat, dass auf ihn Verlass ist, wenn er gebraucht wird.“


Fast vergessener Brandherd

Die beiden Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic sind ein eingespieltes Duo, welches sich durch Kontinuität und Stabilität auszeichnet. Beide stehen daher auf einigen Wunschzetteln der europäischen Spitzenklubs. Doch die Vorbereitung hat gezeigt, dass die gesamte Abwehr sich noch einspielen muss und noch nicht funktioniert. Kapitän Sebastian Kehl verwies unlängst auf das aktuelle Problem. Er erinnerte gegenüber dem Kicker daran, dass „wenig Gegentore eigentlich ein wichtiges Kriterium für unser Spiel sind, eine Grundvoraussetzung“.

Die blanken Zahlen belegen die Defensivmisere. In zehn Vorbereitungsspielen kassierten die Dortmunder 16 Gegentore - nur neun weniger als  in der gesamten letzten Bundesliga-Saison. Die noch nicht vorhandene Eingespieltheit der Abwehrkette kann auf den späten Einstieg der EM-Teilnehmer zurückgeführt werden. Doch die teils haarsträubenden Fehler wirken wie ein Déjà-vu.

Zurück zu alten Mustern?

Denn diese Art von Fehlern wurde schon länger nicht beim Double-Sieger gesehen. Sie erinnern teilweise an den Herbst 2011, als die Hintermannschaft des BVB zum letzten Mal im Fokus der Kritik stand. Dort besonders in den Champions-League-Spielen in Piräus und in Marseille. In der Vorrunde musste Dortmund zwölf Gegentore in gerade einmal sechs Spielen hinnehmen. Definitiv kein Qualitätsmerkmal! Der Grundtenor war: „Wir haben viel Lehrgeld zahlen müssen.“

Ein Name immer wieder

In dieser Phase war es vor allem Neven Subotic, der schlechte Kritiken kassierte. Und so ist es auch diesmal. Im Supercup gegen Bayern München am vergangenen Wochenende war der Innenverteidiger etwa maßgeblich an Bayerns 1:0 durch Mario Mandzukic beteiligt. Sein Stockfehler brachte seinen Nebenmann, Mats Hummels, erst in Bedrängnis. Mandzukic schaltete dagegen schnell und netzte problemlos ein.

Die Qualität von Neven Subotic steht außer Frage, jedoch macht er immer wieder mit solchen Fehlern auf sich aufmerksam. Aktuell steht Jürgen Klopp auch noch hinter ihm - er holte den Serben aus Mainz nach Dortmund -, großartige Verfehlungen darf sich der 23-Jährige aber im Liga-Alltag nicht mehr leisten, denn die Konkurrenz lauert auf die Chance.

SUBOTIC VS. SANTANA

23 Alter
26
Juli 2008 Beim BVB seit
Juli 2008
124 Bundesligaspiele
74
14 DFB-Pokal 3
4 CL-Einsätze 3
6 EL-Einsätze 1 (Uefa-Cup 2008/09)
31 Länderspiele
0
21/1 Gelbe/Rote Karten
5/0

Der Turm in der Verteidigung

Auf Subotics Platz schielt vor allem Felipe Santana. Der Mann, der im Sommer praktisch schon weg war. Es stellte sich nur noch die Frage, wann und wohin der Brasilianer wechselt. Die Verwunderung war groß, als der BVB bekannt gab, dass „Tele“ seinen Vertrag verlängert habe. Aus Dortmunder Sicht ist dies ein Glücksfall, denn damit haben die Dormunder drei adäquat gleichstarke Verteidiger im Kader. Immer ,wenn der 26-Jährige ran musste, machte er seine Arbeit gut und konnte die Lücke problemlos ausfüllen. Trotz seines Bankdrücker-Daseins stellt er keine Forderungen, sondern wartet auf seine Chance, um sich zu beweisen.

Der Meister weiß, was er an ihm hat. „Wir sind sehr froh, auch in der kommenden Saison auf Felipes große Qualität setzen zu können. Er ist ein untadeliger Profi, menschlich eine echte Bereicherung für unsere Mannschaft, aber vor allem einer der stärksten Innenverteidiger in der Bundesliga“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach der Bekanntmachung der Vertragsverlängerung.

Eine Frage der Zeit?

Noch hat Jürgen Klopp einige Tage, um die Abwehrkette wieder in Schuss zu bringen. Die Länderspielpause spielte dem Übungsleiter nicht in die Karten. Im Gegenteil, denn Mats Hummels verletzte sich in Diensten der DFB-Elf. Dennoch: Er hat seinen Platz praktisch sicher, doch auch der deutsche Nationalspieler muss sich steigern. Denn der Druck wächst.

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