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50 Jahre Bundesliga - Die dritte Dekade: Die Nordlichter mischen mit
Vor 50 Jahren startete die Bundesliga. Goal.com blickt zurück auf die dritte Dekade 1983-1993 als die Nordklubs Hamburger SV und Werder Bremen den Bayern Paroli boten.
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Die Niederlage gegen die Werderaner und das Ende der niederlagenlosen Zeit änderten nichts an der Tatsache, dass die Hamburger die erfolgreichste Saison ihrer Vereinsgeschichte bestritten. Hamburg holte den dritten Titel nach 1979 und 1982. Aber vor allem schlugen die Hanseaten Juventus Turin im dritten Anlauf auf Europas Krone. 1980 war man im Endspiel noch an Nottingham Forest gescheitert, 1982 im UEFA-Pokal-Finale am IFK Götheborg. Nun schlug der HSV im Finale von Athen die Italiener. Felix Magath erzielte bereits in der 9. Minute das 1:0, das dem HSV den Europapokal der Landesmeister sicherte. Gegen die Startruppe um Platini, Rossi, der im WM-Finale des Vorjahres Deutschland fast im Alleingang besiegt hatte, und Zoff setzte sich der HSV als Underdog durch.
Der Vater des hanseatischen Erfolges war ein Mann aus dem Süden. HSV-Manager Günther Netzer hatte 1981 den Wiener „Grantler“ Ernst Happel an die Elbe geholt, was sich als Glücksgriff erweisen sollte. Nachdem es unter dem vorherigen Trainer Zebec noch geheißen hatte „Spiele möglichst nicht verlieren“, ließ Happel die Hamburger mit Raumdeckung und offensivem Pressing Angriffsfussball spielen. Der Lebemann Happel brachte die Hanseaten um Keeper Uli Stein, „Kopfballungeheuer“ Horst Hrubesch, „Manni“ Kaltz und Felix Magath in Meisterschaftsform. Modern und hochdiszipliniert – aber durchaus auch human. Im Trainingslager ließ er seine Profis des abends wissen: „Wenn ihr ausbüchst, lasst euch nicht erwischen.“
| Auch die 80er Jahre wurden zum Großteil von den Bayern dominiert. Neben dem VfB Stuttgart waren es vor allem die beiden Nordklubs HSV und Werder Bremen, die den Roten die nationale Vorherrschaft Anfang und Ende der 80er sowie Anfang der 90er streitig machten. - 1983: Hamburger SV - 1984: VfB Stuttgart - 1985: FC Bayern München - 1986: FC Bayern München - 1987: FC Bayern München - 1988: Werder Bremen - 1989: FC Bayern München - 1990: FC Bayern München - 1991: 1. FC Kaiserslautern - 1992: VfB Stuttgart - 1993: SV Werder Bremen |
Der Offensivstil setzte sich durch: Mit 95 Treffern wurde Hamburg 1982 zum zweiten Mal Meister, nur die Bayern schossen in der Saison 1971/72 mehr Tore. Alleine Hrubesch steuerte 27 Treffer bei und wurde Torschützenkönig. Vier Hamburger trafen in dieser Saion zweistellig.
Dass das beste Jahr erst noch kommen sollte, wusste am 16. Januar 1982 aber noch niemand. Von da an blieb der HSV über ein Jahr und 36 Spiele lang ohne Niederlage – bis zum 29. Januar 1983, dem Spiel gegen Werder Bremen, das andere Team aus dem Norden, das in diesem Jahr furios aufspielte und dem HSV bis zum letzten Spieltag die Meisterschaft streitig machte. Bis die Bremer aber die Schale in die Luft stemmten, sollten noch ein paar Jahre ins Land ziehen.
1988: König Otto der I. besteigt den Thron
Der Weg zum ersten Titel nach 1965 muss den Werderanern in jenen Zeiten lang vorgekommen sein: 1983 war Werder Bremen, damals schon unter Otto Rehhagel, noch an fehlenden acht Toren gescheitert. Im Vergleich zu 1983 kam es 1986 aber noch bitterer, diesmal hatten die Bayern ebenfalls in einem Herzschlag-Finale das bessere Ende für sich.
Werder spielte am 22. April 1986, dem vorletzten Spieltag, zuhause gegen die Münchener und konnte den Titel mit einem Sieg perfekt machen. Dann kam ein Moment, der sich bis heute in die Erinnerung jedes Bremen-Fans eingeprägt haben dürfte. Die Bayern haben Barcelona 1999, Bremer erinnern sich an den Kutzop-Elfmeter: Nach einem Foul an Völler trat der Abwehrspieler in der 88. Minute zum Elfmeter an, FCB-Keeper Pfaff blieb lange stehen – Pfosten!
Es war Kutzops einziger Fehlschuss bei 40 Versuchen in der Bundesliga. „Noch heute höre ich den Ball am Pfosten“, gestand Kutzop Jahre später, während Pfaff das „Klatschen von Leder an einem Aluminiumpfosten“ beschrieb: „Herrlich.“ Es blieb beim 0:0, das Titelrennen offen und eine Woche darauf gewannen die Bayern, während Werder gegen Stuttgart verlor und der Titel nach München ging.
Es spricht für die Bremer, dass sie das Trauma überwanden und in den Folgejahren die beste Mannschaft neben den Münchnern wurden: 1988 war es endlich soweit mit der zweiten Meisterschaft. Und diesmal wurde sie bereits drei Spieltage vor Schluss gesichert, mit einem 1:0 gegen Eintracht Frankfurt am 3. Mai 1988. Im nahe Frankfurt gelegenen Wiesbaden wurde ausgiebig gefeiert. Manfred Burgsmüller erinnerte sich später im kicker, wie die Rede König Otto geboren wurde: „Anschließend haben wir nur noch gefeiert. Für Otto Rehhagel gab es eine Krone, die er den ganzen Abend auf dem Kopf trug.“

Dabei war das Team mittlerweile ohne Stars, Rudi Völler beispielsweise nach Rom abgewandert. Aber Rehhagel hatte gut nachgerüstet, viele junge Talente wie Dieter Eilts integriert und vor allem die Defensive auf Vordermann gebracht: Aus Gladbach war Gunnar Sauer gekommen, Uli Borowka kam als kongenialer Partner von Rune Bratseth – und vom Absteiger Blau-Weiß 90 Berlin war ein gewisser „Kalle“ Riedle an die Weser gewechselt, der im Spiel gegen Frankfurt das entscheidende Tor machte. Aber auf Tore kam es in diesem Jahr weniger an.
| Tabellenspitze 1987/88 | Mannschaft | Tore | Punkte |
Siege | Remis | Niederlagen |
| Werder Bremen |
61:22 |
52:16 | 22 | 8 | 8 | |
| Bayern München | 83:45 | 48:20 |
22 | 4 | 4 | |
| 1. FC Köln |
57:28 | 48:20 |
18 | 12 | 4 | |
| VfB Stuttgart |
69:49 | 40:28 | 16 | 8 | 10 |
Rehhagels „kontrollierte Offensive“ war der Schlüssel zum Erfolg: 22 Gegentreffer in 34 Spielen waren das Fundament dieser Meisterschaft und wiegten stärker als 83 Bayern-Tore. Borowka, Bratseth, Otten, Sauer und Thomas Schaaf bildeten ein Bollwerk, hinter dem der junge Oli Reck groß aufspielte. Dabei hatte Rehhagel sich vor dem personellen Umbruch noch skeptisch gegeben: „Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.“
Doch statt den Töpfen gab es die Schale! 1993 kam der nächste Titel - diesmal waren die Bayern am Ende eines James-Bond-Finales die Leidtragenden - und fast viel bedeutender: 1992 gab es den europäischen Triumph im Europapokal der Pokalsieger gegen den AS Monaco. Klaus Allofs und Wynton Rufer schossen in Lissabon die Tore zum Glück und brachten Rehhagel damit in die oberste Riege der Trainer. Rehhagels 14-jährige Regentschaft endete 1995 und mit ihr die vorerst erfolgreichste Zeit der Werderaner.
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