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Er kommt ablösefrei und hat eine Menge Erfahrung im Gepäck. Goal.com stellt euch das Phänomen des (un)flexiblen Allrounders vor.

Hamburg. Bei Eintracht Frankfurt hielt er sich fit, ein Engagement bei den Hessen lehnte er allerdings ab. Stattdessen einigte sich Paul Scharner auf einen Zweijahresvertrag mit dem Hamburger SV, der ihm jährlich rund 1,2 Millionen Euro einbringt. Ein Blick auf seine bisherige Karriere verspricht vor allem Eines – jede Menge Action.

Scharner vs. Löw

Paul Scharner, der eine Vorliebe für das Bungee-Jumping sowie Fallschirmspringen hat, debütierte am 24. April 1999 als Innenverteidiger für Austria Wien in der österreichischen Bundesliga. Auf seiner damaligen Lieblingsposition entwickelte er sich zu einer wichtigen Stütze und holte in der Saison 2002/03 die Meisterschaft. Zur neuen Spielzeit bekamen die „Veilchen“ einen neuen Trainer – den heutigen Coach des deutschen Nationalteams Joachim Löw. Nur wenige Monate später kam es zum Zerwürfnis: Scharner verweigerte beim Spiel gegen den GAK trotz eines 0:1 Rückstands die Einwechslung, da er nicht auf seiner angestammten Position spielen durfte. Es sollte nicht Scharners letzter Spieler-Trainer-Konflikt sein. Der Arbeitsverweigerer wurde daraufhin entlassen und schloss sich für ein Jahr dem norwegischen Verein SK Brann Bergen an.



Das Kapitel Premier League

2004 wechselte Scharner für eine Ablösesumme in Höhe von 3,67 Millionen Euro zum Premier League-Vertreter Wigan Athletic und feierte dort einen Einstand nach Maß, als ihm bei seinem Debüt im Finale des Carling Cups gegen Arsenal London der entscheidende Treffer zum 1:0 Sieg gelang. Es folgten fünf Spielzeiten bei den „Latics“, in denen Scharner zum absoluten Publikumsliebling und Leistungsträger avancierte.

„Paul Scharner war während seiner Zeit in Engalnd sehr beliebt und das nicht nur bei den Wigan-Fans sondern auch bei neutralen Beobachtern. Er war bekannt für seine Vielseitigkeit, Hingabe und gelegentliche Tore mit seinem starken Kopf“, erinnert sich Goal.com England-Redakteur George Ankers.

Nach Anfängen im defensiven Mittelfeld versuchte sich der Österreicher in insgesamt 145 Partien auf jeder Position, außer als linker Verteidiger. Er war der erste Spieler, der 100 Spiele für Wigan absolvierte und die Fans wussten dies zu schätzen. „Paul Scharner wooooahhh, Paul Scharner wooooahhh, he comes from Austria, he's now a Wiganer“, skandierten die Anhänger ihren exklusiven Scharner-Gesang bei jedem Spiel.

Nach der Saison 2009/10 gab der Allrounder seinen Abschied aus dem DW Stadium bekannt. Im letzten Spiel für die „Latics“ ließ sich er sich eine besondere Abschiedsgeste einfallen: Seinen weiß gefärbten Hinterkopf zierte ein blaues „Thanx“. „Scharner war ein bunter Charakter – sowohl metaphorisch als auch wortwörtlich. Er färbte seine Haare in nahezu allen Farbkreationen“, erzählt Ankers.

Der 1,91 Meter-Hühne blieb England aber treu und schloss sich dem Premier-League-Aufsteiger West Bromwich Albion an. Sowohl die Fans als auch seine Teamkollegen waren begeistert von dem Neuzugang. „Er ist verrückt, aber er hat einen positiven Einfluss auf die Mannschaft“, wurde sein damaliger Mitspieler James Morrison von football365.com zitiert. Scharner spielte sich abermals in die Herzen der Fans und brachte es auf 62 Einsätze. Sein Vertrag wurde nach der abgelaufenen Saison jedoch nicht verlängert.



Das Kapitel Bundesliga

Als vereinsloser traf sich Scharner vergangenen Samstag in Wien mit HSV-Coach Thorsten Fink, um einen Vertrag auszuhandeln. Drei Tage später war der Deal fix: „Ich bin froh und erleichtert, dass wir genau den Spieler bekommen haben, den wir brauchen. Paul ist ein Topprofi, voll durchtrainiert. Er ist total heiß, positiv verrückt. Ich bin sicher, dass er uns mit seiner Erfahrung auch in brenzligen Situationen weiterhelfen wird“, äußerte sich der Trainer bei der Pressekonferenz am Dienstag.

Apropos positiv verrückt: Bei den Gesprächen stellte sich Scharner, im privaten Leben Geschäftsmann, als harter Verhandlungspartner heraus: „Als wir uns hingesetzt hatten, kramte Paul plötzlich einen Zettel hervor. Darauf hatte er sich eine ganze Reihe an Fragen notiert, die er mir unbedingt stellen wollte“, erzählte Fink. „Nachdem wir eine ganze Weile miteinander gesprochen hatten, lehnte er sich in seinem Stuhl nach vorn und meinte: „Lass mich kurz überlegen – Trainer, ich mach’s.“

Bereits beim Testspiel gegen den RCD Mallorca diesen Sonntag soll Scharner sein Debüt feiern: „Ich gehe davon aus, dass Paul am Sonnabend zum ersten Mal für uns aufläuft“, verrät der 44-Jährige abschließend.

Das Kapitel Nationalmannschaft

Paul Scharner ist mittlerweile 40-maliger Nationalspieler. Er gab am 17. April 2002 sein Debüt für Österreich im Spiel gegen Kamerun. Der damals 21-jährige Stürmerstar Samuel Eto’o äußerte sich über seinen Bewacher nach der Partie wie folgt: „Der stärkste Mann, gegen den ich je gespielt habe.“ Allerdings wurde der HSV-Neuzugang bereits mehrmals aus dem Kader gestrichen. Im Jahr 2004 wurde er unter Hans Krankl als Teamchef nicht mehr einberufen, nachdem er sich weigerte, die Zusammenarbeit mit seinem Mentaltrainer Valentin Hobel zu beenden. Zwei Jahre später, unter der Leitung von Josef Hickersberger, kritisierte Scharner öffentlich die Strukturen beim Österreichischen-Fußball-Verband (ÖFB), was ebenfalls einen Rauswurf nach sich zog. Scharner verpasste dadurch die Europameisterschaft 2008 im eigenen Land. Unter dem aktuellen Teamchef Marcel Koller kommt er jedoch wieder zum Einsatz.

SCHARNER IM BLICKPUNKT
STÄRKEN:

- Zweikampf
- Kopfball
- Erfahrung
- Vielseitigkeit
- Potential zum Publikumsliebling
SCHWÄCHEN:

- Nicht anpassungsfähig
- Verletzungsanfällig
- Schwieriger Charakter
- Nicht der Schnellste

Stimmen zum Transfer

„Er verliert seine Schnelligkeit – obwohl er nie mit einer großen Portion gesegnet war. Nichtsdestotrotz hat ein hart arbeitender Scharner noch einiges zu bieten“, so Goal.com England Redakteur George Ankers.

„Scharner spielt lieber im defensiven Mittelfeld, als Innenverteidiger sind seine Leistungen aber besser. Als jahrelanger Stammspieler bei Wigan Athletic und West Bromwich Albion ist aber zweifellos genug Qualität vorhanden“, so Österreich-Experte Philipp Eitzinger.

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