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Seit Firmino 2011 in den Kraichgau kam gibt es den Vergleich mit Carlos Eduardo. Diese Saison könnte der Mittelfeldspieler seinen Vorgänger und Landsmann in der Statistik überholen

Sinsheim. Es war vermutlich der sehenswerteste Saison-Treffer der TSG 1899 Hoffenheim im letzten Jahr: Roberto Firmino erhielt nach Doppelpass mit Gylifi Sigurdsson den Ball im Wolfsburger Strafraum zurück, lupfte ihn mit dem Fuß über Marco Russ, lupfte ihn mit dem Kopf über Christian Träsch - und ein drittes Mal über Towart Benaglio. Ein Tor, das in Erinnerung blieb - und die Hoffnungen bestärkte, dass der Mittelfeldspieler auf dem Weg ist, seinen prominenten und zu Rubin Kazan abgewanderten Vorgänger Carlos Eduardo vollends vergessen zu machen.

Auch wenn der Hoffenheimer Anhang im Vergleich zu den großen Traditionsklubs nach wie vor übersichtlich ist: Der Jubel in der Rhein-Neckar-Arena ist laut genug, um zu merken, wenn das Publikum einen Spieler besonders wertschätzt. Als der Stadionsprecher am vergangenen Samstag vor dem Test gegen Betis Sevilla die Rückkehr der wiedergenesenen Nummer 22 ankündete, nahm das Volumen hörbar zu. Nach seinem kurz vor Saisonschluss erlittenem Außenbandriss ist der Brasilianer zurück und fit für die anstehende Spielzeit. Und die Erwartungen sind nach dem letzten Jahr nicht kleiner geworden.



In der für Hoffenheimer Erwartungen mal wieder eher durchwachsen Saison gehörte Firmino mit sieben Toren und vier Assists noch zu den Gewinnern, der mitunter - siehe Wolfsburg - auch spielerische Glanzpunkte zu setzen wusste. Kein Wunder, dass der Vergleich mit Eduardo von Anfang an dazu gehörte, seit Firmino 2011 von Figueirense aus der zweiten brasilianischen Liga in den Kraichgau kam. Eduardo, der Brasilianer, der gemeinsam mit Ibisevic, Ba und Obasi den Offensiv-Fußball unter Ralf Rangnick mitprägte und 2008 mit der TSG Herbstmeister wurde. Der gelegentlich etwas divenhafte Mittelfeldmann kam der Rolle eines Spielmachers sehr nah, steuerte in 58 Erstliga-Partien für die Kraichgauer 15 Tore und 13 Assists bei.

Ganz frei von ein bisschen südamerikanischer Exzentrik wirkt auch Firmino nicht immer, der seinen Torjubel gerne mal mit ausgeprägten Tanzeinlagen schmückt und das Trikot auszieht, so auch nach dem Treffer gegen den VfL, was 1000 Euro Strafe kostete. Dass das Kleidungsstück auch in der kommenden Saison das ein oder andere mal fliegt, ist nicht ausgeschlossen,  dürfte die Verantwortlichen aber wohl kaum zur Verzweiflung treiben: Firmino liegt in puncto Torgefahr schon jetzt vor seinem Vorgänger Eduardo. Kommen mehr Assists, könnte er seinen Landsmann auch in dieser vereinseigenen Statistik bereits kommende Saison überholen.
Carlos Eduardo
Roberto Firmino
Datenvergleich zweier Hoffenheimer Brasilianer
171 Minuten pro Torbeteiligung
189
368 Minuten pro Tor 265

Dabei ist der Konkurrenzkampf im Hoffenheimer Mittelfeld nicht kleiner geworden: Mit Filip Malbasic, Takashi Usami oder Kevin Volland hat die TSG aufgerüstet. Firminos Trumpf könnte aber seine starke Technik und die Vielseitigkeit sein. Vergangene Saison kam der Brasilianer in der offensiven Dreierreihe des 4-2-3-1 sowohl auf rechts als auch auf seiner bevorzugten Position hinter den Spitzen zum Einsatz. Zur Saisoneröffnung in der Wirsol-Rhein-Neckar-Arena gegen Betis brachte Markus Babbel den Brasilianer auf dem linken Flügel und ließ Kevin Volland zentral spielen.

Problematisch wirkte sich der Positionswechsel nicht aus: Firmino bildete gemeinsam mit Fabian Johnson den besseren linken Flügel, über den zahlreiche Angriffe liefen. Der beste Feldspieler auf dem Platz erzielte nach einem Torwart-Fehler in der 52. Minute auch das 2:0. Dazu setzte der 20-Jährige seine Mitspieler mehrmals gut in Szene und ließ erahnen, wie wichtig er für die TSG auch in der kommenden Spielzeit werden könnte. Letzte Saison wurden acht Großchancen von Firmino kreiert, die die TSG-Kollegen liegen ließen, wie die Sport Bild ausgerechnet hat. Hoffenheim war in Sachen Verwertung von Großchancen das viertschlechteste Team ligaweit, brachte nur rund 40% im gegnerischen Kasten unter.

Roberto Firmino | Bundesliga-Blianz für die TSG 1899 Hoffenheim
Saison Spiele
Tore / Assists
Minuten Startelfeinsätze
 2011-2012 30 7 / 4
2216 26
 2010-2011 11 3 / 0
433 4
Gesamt 41 10 / 4
2649 30


Allerdings ist bei dem Mann aus brasilianischen Atlantik-Metropole Maceió noch nicht alles Gold, was glänzt. Geniale Momente wechseln sich mitunter mit uninspirierteren Auftritten und Leichtfertigkeiten ab. Einen zu einfachen Ballverlust gab es auch gegen Betis im ersten Durchgang, weswegen Markus Babbel nach dem Spiel auf Nachfrage von Goal.com Stärken und Schwächen in einem Atemzug nannte: „Roberto muss noch stabiler werden. Er hat Ansätze, die sensationell sind und überragende Ideen, ist dazu brandgefährlich. Aber dann sind da diese leichtfertigen Ballverluste, die Folgen haben können. Das muss er abstellen, die sind unnötig“, so Babbel.

„Dynamik, Technik, ein gutes Auge für den Mitspieler – jetzt geht es darum, eine gewisse Stabilität in sein Spiel zu bekommen“

- TSG-Coach Markus Babbel

Auch ein Leader ist der Brasilianer noch nicht, letzte Saison schwankte seine Form mit der seines Teams. Die Grundlagen, um in der Hoffenheimer Elf eine prägende Rolle zu spielen, bringt der 20-Jährige aber allemal mit: „Er ist ein hervorragender Fußballer: Dynamik, Technik, ein gutes Auge für den Mitspieler – jetzt geht es darum, eine gewisse Stabilität in sein Spiel zu bekommen“, erklärte Babbel weiter gegenüber Goal.com.

Die wird auch Firmino selbst anpeilen, der bereits im Juni im Kicker ehrgeizige Ziele formulierte: „Mehr Tore, viel mehr Tore. Und ich will mit Hoffenheim in den Europacup.“ Aus dem Heimaturlaub kam er früher zurück, um nach seiner Verletzungspause rechtzeitig für den Bundesligastart fit zu werden. Über mehr Tore á la Wolfsburg würden sich wahrscheinlich nicht nur die 1899-Fans freuen.


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