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Viel Lärm um nichts - Wohin führt Villas-Boas die Spurs?
Kaum ist AVB bei den Spurs, ist schon wieder viel Theater. Modric gibt den Tevez, Gareth Bale entkommt knapp einer Strafe und viel ist auf dem Transfermarkt noch nicht passiert.
London. Gleich mehrere Paukenschläge erschütterten die White Hart Lane kurz nach Amtsantritt von Andre Villas-Boas. Der freundliche Rotbart scheint das Durcheinander ein wenig anzuziehen. Diesmal geht es hauptsächlich um Luka Modric. Der Kroate möchte wechseln, sein Verein, Tottenham Hotspur, stimmt zu. Villas-Boas erklärte sogar noch, dass er es respektiere, wenn der Spieler den nächsten Schritt gehen wolle, dass aber eine angemessene Ablöse dabei herauskommen müsse. Worte wie „Wertigkeit“ und „Wichtigkeit“ fielen. Real Madrid, der Interessent, kann sich gar nicht weiter aus dem Fenster lehnen, als bisher geschehen.Doch scheinbar traf man sich bisher eben nicht bei den geforderten 40 Millionen oder mehr und so begann das öffentliche Schmollen. Modric blieb dem Training fern, Villas-Boas bekundete öffentlich seine Enttäuschung, Modric entschuldigte sich und muss nun Strafe zahlen, nur gewechselt ist er bis jetzt noch nicht. Auch Gareth Bale hat aktuell Probleme: Verletzungsbedingt sagte er dem Team GB für die Olympiade ab, spielt allerdings schon wieder fleißig in Testspielen mit. Wäre nun Beschwerde eingelegt worden, könnte Bale für die Zeit der Olympiade gesperrt werden. Viele Konjunktive sind involviert und letztendlich hat der Verband schon abgewunken, trotzdem findet sich schon wieder ein Spurs-Spieler auf den englischen Titelseiten. Die beiden bisherigen Transfers blitzen und blinken allerdings vor Strahlen und sorgen für das positive Gegengewicht.
Gylfi Sigurdsson der Konkurrenz weggeschnappt
Eine wahnwitzige Saison hat Gylfi Sigurdsson hinter sich. In der Hinrunde der vergangenen Spielzeit kam er noch auf gerade mal sieben Einsätze bei der TSG 1899 Hoffenheim, im Winter wurde er an den Aufsteiger Swansea verliehen. Dort angekommen spielte er jede Partie der Rückrunde, allein zwölfmal durch, weitere zweimal wurde er in der letzten Minute ausgewechselt. Der 22-jährige Isländer hatte sich innerhalb dieser Begegnungen auf die Liste aller alten und neuen „Top Four“-Klubs Englands gespielt, den Zuschlag bekam Villas-Boas. Diese Verpflichtung kann als erster großer Transfer-Coup in der neuen Ära unter Villas-Boas gewertet werden. Das Offensivtalent ist schon jetzt ein herausragender Spieler, seit Januar wurde man allerdings Zeuge davon, was aus dem jungen Mann wird, wenn sich ein Trainer wie zuletzt Brendan Rodgers die nötige Zeit für ihn nimmt und ihm die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Die zehn Millionen Euro, die für Sigurdsson überwiesen wurden, hätten nicht besser angelegt werden können.
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Gylfi Sigurdsson
Offensives Mittelfeld |
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Mit Jan Vertonghen die Abwehr dicht machen
Allerdings kann der Neueinkauf für die Innenverteidigung noch mehr: Tore schießen beispielsweise. Acht Treffer konnte er allein in der letzten Saison für seinen Jugendverein Ajax Amsterdam verbuchen, zwei weitere legte er vor. Das ist eine stolze Bilanz für den 25-jährigen Belgier, der bereits 36 Einsätze in der Nationalmannschaft bekam, hier traf er allerdings nur zweimal. Vertonghen, der sich als Kapitän aus Amsterdam verabschiedet hat und eben erst zum zweiten Mal hintereinander niederländischer Meister wurde, wird eine große Bereicherung für die Abwehr der Spurs. Der 1,89m-Recke war absoluter Wunschkandidat, dass sich sein Wechsel so lange herausgezögert hat, lag allein an den Verhandlungen zwischen Tottenham und Ajax. Im Endeffekt ist seine Ablöse von 12,5 Millionen Euro für englische Verhältnisse und einen Innenverteidiger dieses Kalibers ein ausgesprochenes Schnäppchen. Man darf gespannt sein, wie schnell er sich in der Premier League einfinden wird.
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Jan Vertonghen
Innenverteidiger |
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Das war's! Bleibt Adebayor?
Zwei Zugänge konnten sich die Spurs bisher sichern. Weitere Spieler sollen folgen. Emmanuel Adebayor, bereits letzte Saison vom Meister Manchester City ausgeliehen, soll nun komplett verpflichtet werden. Der wechselfreudige Stürmer kommt in 12 Jahren Profifußball auf satte fünf Vereine und zwei Ausleihen. Bei Metz B begann er im Jahr 2000 als 16-Jähriger seine Karriere, zwei Jahre später wurde er endgültig in den Profikader hochgeholt. Drei Jahre später wechselte er zu Monaco, von wo aus er zu Wenger und den Gunners wechselte. Vielleicht war Adebayor der Vorreiter all der Nasris, Clichys und vielleicht bald van Persies, weil er den Trend, von Arsenal aus bei City zu unterschreiben, ohne vorher über Los zu gehen, bereits im Jahr 2009 setzte. Nur wirklich sesshaft wurde Adebayor nicht. 2011 wurde er zu Real Madrid ausgeliehen, zuletzt nun an Tottenham. Mit 17 Treffern in 33 Spielen insgesamt, spielte Adebayor mit seinem Tor zum 1:1-Unentschieden gegen Chelsea, damals noch mit Villas-Boas hockend am Spielfeldrand, auch gleich bei seinem möglichen zukünftigen Trainer vor. Englische Medien hatten bereits vor ein paar Wochen gemeldet, dass sich alle Beteiligten einig wären und innerhalb der Vereine der Transfer bereits als fix verbucht wurde. Vielleicht soll zunächst das Modric-Theater Derniere feiern, bis die Übernahme vermeldet wird.
Halbzeit im Transferfenster
In der Theorie ist Tottenham aktuell an beinahe jedem Spieler interessiert, der einmal zwischen Brasilien und Oslo positiv aufgefallen ist. Ein Running Gag ist Joao Moutinho, den Villas-Boas als Ersatz für Modric von seinem ehemaligen Verein Porto holen möchte. Hier spielt allerdings auch die Ablöse die Musik und denselben Ton haben die Spurs und der FC Porto bisher noch nicht getroffen. Ganz frisch ist allerdings das Thema Santi Cazorla. Er könnte der lachende Dritte in dieser Tragikomödie um horrende Summen werden. Wie der Mirror berichtet, könnte Cazorla, der sich in Malaga nicht mehr zur Gänze wohlfühlt, schon für schlappe 20 Millionen Euro zu den Spurs kommen.
Letzte Saison spielte Cazorla jede Partie seines Vereins, war auf Linksaußen eingesetzt und schoss gleich neun Tore selbst und legte sechs vor. Im offensiven Mittelfeld ist Cazorla auf jeder Position zu Hause, der 27-Jährige würde also hervorragend ins Konzept der Spurs passen. Und vielleicht lernt er seinen möglichen Teamkollegen Rafael van der Vaart schon gar nicht mehr kennen, ein weiterer Protagonist der an der White Hart Lane aufgeführten Posse. Tatsächlich soll sich van der Vaart schon wieder verletzt haben. Die Zeit und der Heilungsprozess werden zeigen, ob und wohin „Rafa“ diesen Sommer geht.

Was ist drin?
Aktuell kann noch keine endgültige Entscheidung getroffen werden, auf welchen Tabellenplatz es Tottenham nächste Saison verschlägt. Die ersten Indizien lassen viel erwarten. Der neue Trainer Andre Villas-Boas hat den Spielern diesmal selbst die Zeit gegeben, von sich aus anzukündigen, dass sie den Verein verlassen wollen. Bei Chelsea hatte er noch am ersten Tag erklärt, dass auch ein Lampard verkauft werden kann. Bei den Spurs gab es dementsprechend nun weniger Gegenwind. Auch die größere Belehrbarkeit seines neuen Teams dürfte dem Portugiesen entgegen kommen. Hier gibt es kein allzu eingeschworenes Team aus verkappten Spielertrainern und eingesessenen Platzhirschen. Diese Spurs-Truppe will zusammen viel erreichen. Ein Gareth Bale, Scott Parker, Benoit Assou-Ekotto freuen sich auf den Neuanfang in Saison eins nach Harry Redknapp.
Andre Villas-Boas muss nun eigentlich nur noch den Blick auf das Taktik-Flipchart richten und seine neue Mannschaft einstellen. Dass es theoretisch noch Bedarf für einen Linksverteidiger gibt und Gomes im Tor nun auch nicht immer die beste Figur abgegeben hat, wird auch ihm und dem Verein bewusst sein. Das Transferfenster ist noch einen Monat geöffnet, doch schon zum Ligastart am 18. August dürfte bei den Spurs eine Mannschaft auf dem Platz stehen, deren niedrigstes Ziel die Qualifikation zur Euro League sein sollte. Im Bestfall kann man sich die Teilnahme an der Champions League sichern. Gareth Bale redet zwar gerne vom Titel, allerdings ist der diese Saison noch nicht für die Spurs drin.
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