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Goal.com wirft einen Blick auf mögliche Konkurrenten von Top-Favorit PSG und zeigt euch, welcher Klub Paris auf dem Weg zur französischen Meisterschaft gefährlich werden könnte.

Paris - 99 Millionen Euro hat Sportdirektor Leonardo bisher für Transfers ausgeben dürfen und damit Zlatan Ibrahimovic, Thiago Silva, Ezequiel Lavezzi und Marco Verratti verpflichtet. Hinzu kommen exorbitante Gehaltszahlungen - allein für Ibrahimovic werden pro Jahr knapp 60 Millionen Euro Gehalt fällig, 45 Millionen davon wandern an den französischen Fiskus, 15 Millionen netto in die Tasche des exzentrischen bosnisch-schwedischen Superstars. Die katarische Investorengruppe um Nasser Al-Khelaifi scheut keine Kosten, um Paris Saint-Germain so schnell es geht zu einem europäischen Spitzenklub zu formen. Doch am Ende der vergangenen Saison gab es dabei den ersten Rückschlag, als die Meisterschaft trotz Tabellenführung in der Winterpause nicht nach Paris ging, sondern an den finanziell weitaus schwächer aufgestellten HSC Montpellier, den zu Beginn der Saison niemand auf der Rechnung hatte.



Paris blieb nur Platz zwei und damit immerhin die erste Champions-League-Qualifikation seit 2005. Nach den enormen Investitionen will PSG nun zum ersten Mal seit 19 Jahren auch wieder französischer Meister werden. Die Vorzeichen dafür sind gut, doch das waren sie auch in der Vorsaison. Verschenkt wird die Meisterschaft auch in Frankreich nicht. Wir schauen auf die jeweilige Situation der anderen Top-Klubs und prognostizieren, inwieweit sie Paris Saint-Germain im Meisterschaftsrennen gefährlich werden können.

HSC Montpellier

Der Vorjahresmeister verlor mit Olivier Giroud seinen wichtigsten Spieler an den FC Arsenal. Adäquater Ersatz konnte bisher nicht verpflichtet werden. Allerdings schaffte man es immerhin, die drei weiteren Stützen der Meistermannschaft zu halten: Spielmacher Younes Belhanda, Abwehrchef Mapou Yanga-Mbiwa und Linksverteidiger Henri Bedimo. Hinzu kommen punktuelle Verstärkungen wie Daniel Congre vom FC Toulouse oder Anthony Mounier vom OGC Nizza. Aus Chile wurde zudem das vielversprechende Sturmtalent Emmanuel Herrera verpflichtet - Trainer Rene Girard verglich ihn bereits mit Gonzalo Higuain.



Präsident Louis, genannt „Loulou“, Nicollin zeigte sich auf seine unnachahmliche Art auch nicht allzu berührt von den Pariser Transferaktivitäten: „Ibrahimovic hat mich nie beeindruckt. Cristiano Ronaldo oder Messi, das sind große Spieler, aber Ibrahimovic?“. Als Saisonziel hat der Klubboss dennoch nur eine Top 5-Platzierung sowie einen Pokalsieg ausgerufen. Vor allem wolle man die Champions League genießen, wenn möglich mindestens Platz drei in der Gruppe erreichen und dann in der Europa League soweit wie möglich kommen.

Mögliche Aufstellung
Jourdren

Bedimo Yanga-Mbiwa Congre Bocaly

Saihi Estrada

Utaka Belhanda Camara

Herrara

Prognose: Platz drei bis fünf. Nicollins Ziele erscheinen sehr realistisch. Eine erneute Meisterschaft von Montpellier ist eher unwahrscheinlich, auch die wiederholte Champions-League-Qualifikation keine Selbstverständlichkeit. HSC wird oben mitspielen, richtig gefährlich wird der Klub PSG aber nicht mehr werden. Der Underdog-Faktor fällt weg, zudem wird es sehr schwierig, den Torschützenkönig Olivier Giroud zu ersetzen. Positiv ist die starke und großteils eingespielte Defensive zu bewerten. Auch Younes Belhanda könnte erneut zu den besten Spielern der Liga gehören.

OSC Lille

Wie auch Montpellier musste Lille mit Eden Hazard den Top-Star nach England ziehen lassen, ebenfalls nach London, zum FC Chelsea. Dafür erhielten die Nordfranzosen aber eine weitaus größere Ablösesumme in Höhe von 40 Millionen Euro. In der Schwebe steht auch noch die Zukunft von Rechtsverteidiger Mathieu Debuchy, welcher einen Transfer in die Premier League anpeilt. Favorit ist aktuell Newcastle United.

Dennoch ist mit dem Meister von 2011 zu rechnen. Mit neuem Stadion und neuem Logo stehen die Zeichen in Lille auf Aufbruch, auch die bisherigen Transfers sind positiv zu bewerten. Mit Salomon Kalou wurde ein Champions-League-Sieger vom FC Chelsea verpflichtet, hinzu kommen der sehr talentierte französische Nationalspieler Marvin Martin sowie das griechische Offensivtalent Viktor Klonaridis. Der alternde Stammtorwart Mickael Landreau erhält mit dem allerdings kaum jüngeren Steeve Elana einen der besten Torhüter der Vorsaison als Backup.



Auch die weiteren Transferplanungen können sich sehen lassen: Neben dem aktuell vereinslosen Jose Bosingwa, bemüht man sich um Ibrahim Afellay, welcher unter dem neuen Barcelona-Trainer Tito Villanova nur auf wenig Spielzeit hoffen kann. Auch der Belgier Anthony Vanden Borre könnte als Debuchy-Ersatz verpflichtet werden. Durch den Verkauf von Eden Hazard hat Lille auf jeden Fall ein prall gefülltes Konto, mit dem es auch große Transfers stemmen kann. Sollte die Champions-League-Qualifikation in den Play-Offs erneut gelingen, kommen noch einige weitere Millionen hinzu.

Mögliche Aufstellung
Landreau

Digne Chedjou Basa Debuchy

Mavuba

Pedretti Martin

Kalou Roux Payet

Prognose: Platz eins bis drei. Wenn ein Verein PSG die Meisterschaft streitig machen kann, dann der vom erfahrenen und besonnenen Offensivliebhaber Rudi Garcia gecoachte OSC Lille. Auch ohne Eden Hazard und Mathieu Debuchy verfügen die Nordfranzosen über einen guten Kader, angeführt von Kapitän Rio Mavuba. Die Neuverpflichtungen können auf dem Papier sehr überzeugen, zusätzlich wird das neue Stadion Fans und Mannschaft euphorisieren. Etwas ab fällt nur die linke Abwehrseite, wo der junge Lucas Digne bisher nur bedingt überzeugen konnte.

Olympique Lyon

In Lyon regiert das Chaos. Erstmals seit 1999 konnte man sich nicht für die Champions League qualifizieren, der Sieg des Pokals tröstete darüber kaum hinweg. Präsident Jean-Michel Aulas, vom Typ und dem Status im Verein ungefähr vergleichbar mit Uli Hoeneß, hat das schwache Abschneiden des ehemaligen Serienmeisters (2001-2008) nur schwer verkraftet: in einem Rundumschlag griff er zunächst öffentlich Michel Bastos, den langjährigen Kapitän Cris, Kim Källström und Aly Cissokho für ihre vermeintlich schwachen Leistungen während des Saisonendspurts an, nannte sie „Pharaonen und Dinosaurier der Umkleidekabine“ und forderte sie auf, den Verein zu verlassen - der durch die Angriffe tief verletzte Bastos steht bereits kurz vor einem Wechsel zu Al Ain (Vereinigte Arabische Emirate).

Kurz darauf betonte Aulas als Reaktion auf die Pariser Transfers in einem Anflug von Verzweiflung, er sei sich sicher, PSG werde Lyon helfen und ihnen günstig Spieler verleihen, es liege schließlich im Interesse der Kataris, wenn die Liga spannend bleibe (Anm.: Dem katarischen TV-Sender Al Jazeera gehört mit BeIN Sport einer der beiden Pay-TV Sender, die die Ligue 1 in Frankreich übertragen). Zusätzlich wurde Goalgetter Bafetimbi Gomis in der Sommerpause wegen einer vermeintlichen Gruppenvergewaltigung angezeigt. Auch Lisandro Lopez kündigte an, seine Zukunft in Lyon zu überdenken, sollte sich der Klub in der Hinrunde nicht fangen.

Immerhin: Der französische Nationaltorwart Hugo Lloris wird seit Wochen bei den Tottenham Hotspur gehandelt, könnte nach aktuellem Stand allerdings in Lyon bleiben. Auch Dejan Lovren erklärte, OL nicht verlassen zu wollen. Schließlich ist da noch die Baustelle Yoann Gourcuff. Der introvertierte Spielmacher, unter Laurent Blanc bei Girondins Bordeaux noch auf dem besten Wege zum Top-Star, konnte sich in Lyon nie wirklich etablieren. Die vergangene Saison verpasste er aufgrund einer Verletzung zum Großteil, erst am 34. Spieltag stand er erstmals seit November wieder in der Startelf. Gegen Ende der Saison zeigte er durchaus wieder was in ihm steckt, allerdings hat er immer wieder mit seinem angeknacksten Selbstvertrauen zu kämpfen, ähnlich wie es Fernando Torres lange bei Chelsea erging.



Auf der Haben-Seite hat Lyon bisher keinen einzigen Transfer vorzuweisen. Dies erweist sich auch aus finanziellen Gründen als schwierig: Durch das erstmalige Verpassen der Champions League klafft ein Loch auf dem Bankkonto des einst liquidesten Klubs Frankreichs. Im Werben um Alain Traore von Absteiger AJ Auxerre wurde Lyon beispielsweise sogar vom Fast-Absteiger FC Lorient ausgestochen. Dementsprechend bleibt den Lyonnais nichts anderes übrig, als auf talentierte Spieler aus der Jugend zu setzen. Einer davon ist der 18-jährige Innenverteidiger Samuel Umtiti. Auch Maxime Gonalons und Alexandre Lacazette traut man eine große Karriere zu.

Mögliche Aufstellung
Lloris

Dabo Lovren Kone Reveillere

Gonalons Grenier

Gourcuff

Lacazette Lopez Briand

Prognose: Platz vier bis zehn. Lyon steckt mitten im Umbruch. Unruhe im Verein, unzufriedene Spieler, ein polternder Präsident, Geldnot, viele Abgänge, kaum Neuzugänge - viel kann man von Olympique Lyon in der neuen Saison nicht erwarten, ein Absturz wie in Marseille in der vergangenen Saison erlebte, ist auch nicht auszuschließen. Paris muss sich mit OL als möglichem Konkurrenten wohl kaum beschäftigen.

Girondins Bordeaux

Nach der Meisterschaft unter Laurent Blanc im Jahre 2009 ging es für Bordeaux bergab, zwei Jahre fand man sich nur im Mittelfeld der Tabelle wieder. In der vergangenen Saison war aber erstmals wieder ein Auswärtstrend festzustellen. Insbesondere durch starke Leistungen in der Rückrunde qualifizierte man sich nach zwei „europafreien“ Jahren wieder für die Europa League. Der Transfersommer war in Bordeaux bisher sehr ruhig, niemand wurde verpflichtet, es wurden aber auch keine wichtigen Spieler abgegeben.

Der häufig das System wechselnde und gerne auch mal mit Dreierkette spielende Trainer Francis Gillot setzt weiter auf eine erfahrene Mannschaft rund um Kapitän Jaroslav Plasil, Torwart Cedric Carrasso und Ludovic Obraniak. Viel Hoffnung liegt auch auf den Schultern von Mittelstürmer Yoan Gouffran, welcher in der Vorsaison 14 Tore erzielte.

Mögliche Aufstellung
Carrasso

Ciani Sane Planus

N'Guemo

Tremoulinas Plasil Obraniak Mariano

Gouffran Maurice-Belay

Prognose: Platz drei bis fünf. Behält Bordeaux seine Rückrundenform bei (die letzten sechs Saisonspiele wurden allesamt gewonnen), könnte Girondins sich in der kommenden Saison zu einem Geheimfavoriten entwickeln und den Umbruch der Olympique-Vereine ausnutzen. Die Mannschaft ist eingespielt, taktisch extrem flexibel und genießt den Vorteil, keinerlei Unruhe oder Veränderungen im Verein zu durchleben. Für den Angriff auf PSG wird es wohl nicht reichen, alles andere ist aber möglich, auch in der Europa League ist mit Bordeaux zu rechnen.

Olympique Marseille

Die vergangene Rückrunde war für den Meister von 2010 eine einzige Katastrophe. Nachdem man sich nach einer Erfolgsserie zwischen Oktober und Januar schon wieder berechtigte Hoffnungen auf die Meisterschaft machte und in der Champions League in letzter Minute das Achtelfinale erreichte, folgte ab Februar eine desaströse Phase. Wettbewerbsübergreifend blieb man 15 Spiele lang ohne Sieg (die einzige Ausnahme stellte das Last-Minute 1:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter dar), gegen Bayern München hatte man in der Champions League nicht den Hauch einer Chance. Erst am 14.4. konnte man durch den 1:0 Sieg nach Verlängerung in einem grausigen Spiel gegen Olympique Lyon die schwarze Serie beenden, die Coupe de la Ligue gewinnen und mit dem Erreichen der Europa-League-Qualifikation das Mindestziel klar machen.

Trotzdem behielt Coach Didier Deschamps, im Verein aufgrund seiner Differenzen mit Sportdirektor Anigo ohnehin umstritten, vorerst seinen Job - bis er dann nach dem Rücktritt von Laurent Blanc als französischer Nationaltrainer einen neuen Posten witterte und selbst OM verließ. Neuer Trainer ist der ehemalige Bordeaux-Trainer Elie Baup, dessen bisherige Trainerlaufbahn von Höhen und Tiefen gekennzeichnet war. Die letzten drei Jahre verbrachte er als Experte beim TV-Sender Canal Plus. Ob es ihm gelingen wird, Marseille in der neuen Saison wieder auf Kurs zu bringen, bleibt abzuwarten.



Die Vorbereitung war bisher nicht sonderlich erfolgreich, Testspiele gingen verloren, Alou Diarra sorgte für Ärger, weil er eigenmächtig seinen Urlaub um eine Woche verlängerte und bisher noch nicht wieder ins Training eingestiegen ist. Immerhin blieben befürchtete Abgänge bisher aus - sowohl Kapitän Steve Mandanda, als auch Stürmerstar Loic Remy verkündeten, in Marseille bleiben zu wollen. Zeitgleich konnten aber auch noch keine wirkliche Verstärkungen verpflichtet werden. Der umworbene Romain Hamouma wechselte nach Saint Etienne, die Verhandlungen mit Ryan Boudebouz sind ins Stocken geraten.

Wie auch Lyon leidet Marseille unter finanziellen Problemen, vor allem durch enorme Investitionen in den vergangenen Saisons. Die verpasste Champions League-Qualifikation belastet den Etat schwer und brachte Klubbesitzerin Margarita Louis-Dreyfus dazu, erneut eigenes Kapital in den Klub zu pumpen - allerdings nur für laufende Ausgaben, speziell Gehälter, für Transfers bleibt nicht viel übrig. Diese sind auch nicht zwingend nötig, hat man mit Mandanda, Remy, dem von Chelsea umworbenenen Azpilicueta, N'Koulou, Andre Ayew und Valbuena einige Spieler von internationaler Klasse im Kader. Doch speziell im zentralen Mittelfeld und auf den defensiven und offensiven Außenbahnen würden Verstärkungen nicht schaden.

Mögliche Aufstellung
Mandanda

Azpilicueta Mbia N'Koulou Fanni

Diarra Cheyrou

A. Ayew Valbuena Amalfitano

Remy

Prognose: Platz zwei bis acht. Olympique Marseille ist aktuell eine Wundertüte. Vom Kader, der Vereinstradition und dem Potential her müsste der Verein oben mitspielen. Allerdings hat die Rückrunde gezeigt, wie desaströs die Mannschaft auftreten kann. Im Prinzip ist alles möglich: speziell die „Clasico“ gegen PSG haben eigene Gesetze. Gerade hier könnte Marseille Paris zusetzen. Gelingt es Elie Baup das Maximum aus der Mannschaft herauszuholen, spielt Marseille im Meisterschaftsrennen mit. Bleibt man in der aktuellen Vorbereitungsform, ist ein erneuter Absturz nicht auszuschließen. Das Auftreten in den Europa League Qualifikationsspielen gegen Eskisehirspor, dem Klub von Dortmund-Legende Dede, wird erste Antworten geben.

Fazit: Trotz der vermeintlichen Dominanz von Paris Saint-Germain bietet die neue Saison einiges an Spannung. Gerade Lille ist es zuzutrauen, Paris im Meisterschaftsrennen Konkurrenz zu machen. Dahinter hat Bordeaux Chancen zur Überraschungsmannschaft zu werden und sich mit Montpellier um den Champions League-Qualifikationsplatz zu streiten. Eine Geschichte für sich sind die beiden Olympique-Vereine: Wenn das Optimum herausgeholt wird, kann Olympique Marseille durchaus wieder ganz oben angreifen - ob das gelingt, ist aber fraglich. Von Olympique Lyon sollte man derweil nicht allzu viel erwarten - der Klub und die Mannschaft stecken mitten im Umbruch und brauchen sich, was Chaos und Skandale angeht, nicht vor dem aktuellen HSV verstecken.

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