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Brasilianer in England, keine Seltenheit. Mit Oscar und Lucas Moura sind zwei weitere im Anflug. Goal.com hat für euch geschaut, wer sich durchsetzen konnte und wer blass blieb.

London. Den Fußstapfen anderer Brasilianer könnten Oscar und Lucas Moura folgen, die den Schritt über den Ozean in die englische Premier League wagen.

Wie Goal.com exklusiv berichten konnte, ist Chelsea kurz davor, Oscar von Internacional Porto Alegre zu holen, wobei sie im Rennen um den 25 Millionen Euro teuren Mittelfeldspieler unter anderem die Tottenham Hotspurs ausstachen. Außerdem hat Sao Paulos Vize-Präsident unlängst erklärt, dass Manchester United an einer Verpflichtung von Lucas interessiert sei.

Während sich einige etablieren konnten und Titelerfolge feierten, haben sich andere Brasilianer schwer getan mit dem Wechsel und mussten hart kämpfen.

Von den Erfolgsgeschichten aus Arsenal bis hin zu den gegensätzlichen Gewinnen für Middelsbrough, haben wir fünf brasilianische Granaten und fünf eher laue Lüftchen in der Geschichte der Premier League für euch unter die Lupe genommen.

Edu (Arsenal - 2001 bis 2005)


So wird Oscar in Brasilien gesehen
Man kann bei Oscar an eine jüngere Version von Kaka denken, sowohl auf als auch neben dem Platz. Es gibt jedoch Probleme mit seiner Fitness. Sollte Chelsea versuchen, den Spieler kräftiger zu machen, ohne dessen Schnelligkeit und Agilität zu verlieren? Wer weiß schon, wie weit Oscar gehen kann?

Matheus Harb, Goal.com Brasilien
Auch wenn er nicht immer einen Stammplatz vorweisen konnte, so sind seine vier Jahre bei Arsenal doch als Erfolg zu betrachten.

Der Mittelfeldspieler, der 2001 für knapp neun Millionen Euro von den Corinthians nach London wechselte, brauchte etwas Zeit, um sich an den neuen Klub zu gewöhnen. Auch eine Verletzung in seinem Debüt gegen Leicester City tat ihr übriges.

Es sollte bis zu seiner zweiten Saison dauern, ehe sich Arsene Wenger entschließen konnte, ihm mehr Einsätze in der ersten Mannschaft zu geben. Der Brasilianer nahm seine Chancen wahr und war ein fester Bestandteil der siegreichen Arsenal-Mannschaft, die 2002 und 2003 den Titel und zweimal den FA-Cup holhen konnte.

Auch war er in der Saison 2003/2004 maßgeblich an dem Rekord von einer Spielzeit ohne Niederlage beteiligt. Dies schaffte zuletzt Preston North End 1888/1889. Nichtsdestotrotz wurde ihm ein Jahr später kein neuer Vertrag geboten und er ging in die Primera Division zu Valencia. Auch dort hatte er es nicht leicht. Am Ende konnte Edu nur eine starke Saison in vier Jahren zeigen, so dass er 2009 schließlich zu Corinthians zurückkehrte.

Gilberto Silva (Arsenal - 2002 bis 2008)


Ein weiterer erfolgreicher Brasilianer in den Diensten von Arsenal London. Weltmeister Gilberto Silva konnte in seinen sechs Jahren in England einmal die Premier League gewinnen und zweimal den FA-Cup mit nach Hause nehmen.

Der ehemalige Mittelfeldmann von Atletico Miniero war, wie schon Edu, ein Schlüsselspieler in der Saison 2003/2004, als die Londoner zu den „Unbesiegbaren“ wurden. Auch danach konnte er oft genug sein Können zeigen, so dass er 2006 Vize-Kapitän in Wengers Team wurde.

Als Thierry Henry 2007 den Klub verließ, war sich Gilberto Silva sicher, er würde der neue Mannschaftsführer, doch sein Coach entschied sich damals überraschend für William Gallas.

Doch nicht nur dieser Fakt, auch sein an Mathieu Flamini verlorener Stammplatz ließ ihn ins Grübeln kommen, an dessen Ende er beschloss, die Zelte in England abzubrechen und zu wechseln. So ging er 2008 ablösefrei nach Griechenland zu Panathinaikos Athen. Dort konnte er sich wieder als Stammspieler etablieren und wie bereits in England sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal feiern. 2011 zog es ihn wieder zurück nach Brasilien zu Gremio Porto Alegre, wo der ehemalige Vize-Kapitän Arsenals nunmehr Kapitän wurde.

Juninho (M'boro - 95 bis 97, 99 bis 00, 02 bis 04)


Im Oktober 1995 überraschte der FC Middlesbrough mit der Verpflichtung von Juninho die ganze Liga. Der junge Star aus Sao Paulo wurde für rund sechs Millionen Euro geholt.

Der offensive Mittelfeldspieler erlangte einen gewissen Legendestatus während seiner insgesamt drei Aufenthalte bei den „Boros.“ Er konnte in 154 Spielen 34-mal treffen und das Team 1998 sowohl in das FA-Cup Finale als auch in das Endspiel des League Cups führen. Sechs Jahre später gelang ihm der Einzug in das Endspiel um den League Cup erneut,  dieses Mal konnte Middelsbrough sogar den Pokal mit nach Hause nehmen.

Auch wenn er mit Brasilien den Confed-Cup und die Weltmeisterschaft gewann, bezeichnet er den Gewinn des League Cups 2004 - dem einzigen Titel in der Vereinsgeschichte von Middelsborough - als seinen größten Erfolg im Fußball.

In der Zeit, in der er nicht in England spielte, traf er für Atletico Madrid, Celtic Glasgow und mehreren Vereinen in Brasilien. Seine Reise trug ihn auch bis nach Australien zum FC Sydney.

Sieben Jahre nach seinem Triumph mit „Boro“ kehrte Juninho ein letztes Mal an seine alte Wirkungsstätte zurück. In einem Freundschaftsspiel gegen PSV Eindhoven hatte er vor 20.000 Fans einen 35-Minuteneinsatz. Damit verabschiedete er sich von jenem Klub, der ihn als den wohl besten Spieler in der Vereinsgeschichte bezeichnet.

Lucas Leiva (Liverpool - 2007 bis jetzt)


Lucas Leiva zog einige Kritiken von Fans und Experten auf sich, nachdem er sich nicht schnell genug an die Premier League gewöhnen wollte.

Der Mittelfeldspieler, der von Gremio Porto Alegre als Brasiliens Spieler des Jahres, Nationalspieler und Kapitän der U-20-Auswahl seines Landes kam, musste sich nach mehreren schlechten Spielen in seiner zweiten Spielzeit einige Kritiken anhören.

Wie auch immer, der Wechsel von Xabi Alonso zu Real Madrid habt aus Lucas einen Fanliebling an der Anfield Road werden lassen. In der Saison 2010/2011 wurde er zum besten Spieler des Jahres gewählt und hat seine Stammposition im Herzen des Liverpooler Mittelfelds zementiert.

Eine schwere Knieverletzung ließ die so verheißungsvoll begonnene Spielzeit 2011/2012 im November letzten Jahres frühzeitig enden. Nachdem Leiva zwischenzeitlich gar ein Karriereende fürchtete, plant er zu Beginn der kommenden Saison sein Comeback im Trikot der „Reds.“

Ramires (Chelsea - 2010 bis jetzt)


Carlo Ancelotti holte Ramires für rund 21 Millionen Euro, um die Lücke zu stopfen die Michael Ballack und Deco nach der Doublesaison 2009/2010 hinterließen.

Nach einem verhaltenem Start, konnte der ehemalige Benfica-Spieler seine wahren Stärken zeigen und wurde gar vor den eigentlich als unantastbar geltenden Michael Essien und Frank Lampard erste Wahl im Mittelfeld der „Blues.“

Zwar konnte er mit dem Führungstreffer beim FA-Cup-Sieg gegen Liverpool eine starke Leistung abliefern, doch sein bisher vermeintlich wichtiges Spiel im Trikot der Londoner zeigte er im Halbfinalrückspiel gegen Barcelona im April.

Nach einer Verwarnung wissend, in einem möglichen Finale gesperrt zu sein, führte er seine Mannschaft nach einem knappen Sieg aus dem Hinspiel im Camp Nou mit einem atemberaubenden Tor und Feuer in das Finale der Champions League - dieser Treffer brachte ihm später zum zweiten Mal nacheinander die Ehrung zum Tor des Jahres von Chelsea.

Später im Finale in München zwangen seine „Blues“ den FC Bayern durch enorme Defensivarbeit in die Knie und sicherten sich den Titel in der Königsklasse.

Afonso Alves (Middlesbrough - 2008 bis 2009)


Es herrschte eine mitreißende Stimmung im Januar 2008 beim FC Middelsbrough. Der Klub, der durch einen Brasilianer seinen größten Erfolg feiern konnte, gab seine bis dahin höchste Ablösesumme erneut für einen Spieler aus dem Land des Sambas aus. Afonso Alves wechselte vom niederländischen Klub Heerenveen nach England. Dort hatte er in 48 Spielen ebenso oft getroffen, wie er aufgelaufen ist. Darunter siebenmal in einem Spiel gegen Heracles Almelo im Oktober 2007.

Auch wenn es neun Spiele brauchte, bis er das Tor für seinen neuen Arbeitgeber finden konnte, so hatte er zum Ende der Saison 2007/2008 einen wahren Lauf. Der Stürmer traf zweimal gegen ManUnited und erzielte einen Hattrick gegen ManCity. Seine sechs Tore brachten ihm am Ende die Ehre einen Plakats mit der Aufschrift „Boro Tor-Maschine.“

Dann, in seiner ersten und einzigen kompletten Saison für Middelsbrough, wird er den Fans immer in Erinnerung bleiben. Der Stürmer konnte in 31 Spielen nur viermal treffen und so schaffte Middelsbrough erst in der Relegation gegen Newcastle den Ligaverbleib. In der folgenden Saison unter Gareth Southgate erfolgte gar der Sturz in die Zweitklassigkeit, dann jedoch bereits ohne Alves.

Auch wenn er sich in dem Relegationsspiel den Mittelfußknochen gebrochen hatte, wechselte der Stürmer zu Al-Saad nach Katar und im Jahr 2010 schließlich zum Al-Rayyan SC, wo auch Mario Basler und der Ex-Schalker Marcelo Bordon kickten.

Kleberson (ManUnited - 2003 bis 2005)


Kleberson war einer von fünf Neulingen bei Manchester United im Sommer 2003. Sir Alex Ferguson hatte hohe Erwartungen an den Weltmeister von 2002, nachdem man Leeds United im Wettbieten um den Brasilianer in die Schranken weisen konnte.

„Ein Grund, warum wir Veron verkauft haben, war, dass wir wussten, wir würden Kleberson bekommen - das zeigt eindeutig, wie hoch wir sein Talent einschätzen.“ Dies sagte der schottische Erfolgstrainer kurz nach der Verpflichtung.

Häufige Verletzungen und mangelnde Fitness ließen jedoch nur 16 Auftritte in zwei Spielzeiten für den ehemaligen Kicker von Atletico Paranaense zu.

Nach seinen schwachen 24 Monaten in England ging er in die Türkei zu Besiktas, wo er wegen ausbleibender Gehaltszahlungen 2007 seine Koffer packte und zurück in seine Heimat wechselte. Bis Juni diesen Jahres lief er für die „Rot-Schwarzen“ von Flamengo auf, bevor es in zu EC Bahia zog.

Trotz seiner schwachen Zeit in Manchester und seiner Verträge bei kleineren Klubs in Europa spielte er bis zur WM 2010 in der Selecao. So durfte er 2009 den Confederations Cup gewinnen und ein Jahr später mit Brasilien nach Südafrika fahren.

Mario Jardel (Bolton - 2003 bis 2004)


Wie auch schon Alves wurde von Mario Jardel als wahrer Bombe gesprochen, die nur darauf wartet, in der Premier League einzuschlagen. 2003 sollte es soweit sein, nachdem er von Sporting Lissabon zu den Bolton Wanderers wechselte.

Der gefährlichsten Stürmer hatte seine Qualitäten schon seit knapp einer Dekade in den Trikots von Vasco da Gama, Gremio Porto Alegre, Porto, Galatasaray und Sporting Lissabon gezeigt, bevor er zu Bolton ging. Der Einfluss von Sam Allardyce konnte immer wieder Stars aus Übersee zu den Wanderers locken.

Jay-Jay Okcha, Youri Djorkaef und Ivan Campo konnten alle erfolgreich in Bolton spielen, nur Jardel blieb der Erfolg versagt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits viermal portugiesischer Meister und je dreimal portugiesischer Pokal- und Superpokalsieger war, sowie den UEFA-Supercup mit Istanbul und die Copa Libertadores mit Gremio gewonnen hatte. Außerdem war er fünfmal Torschützenkönig in Portugal und einmal in der Champions League, auch den Goldenen Schuh konnte er sich zweimal sichern. Nur in Bolton wollte ihm ähnlicher Erfolg nicht gelingen.

Der Stürmer stand weder in der Startelf noch konnte er in der Premier League ein Tor erzielen. Ganze sieben Minuten hat er in der Liga gespielt. Treffsicherer zeigte er sich jedoch im League Cup - zweimal gegen Walsall und einmal gegen Liverpool. Auch nach seinem Weggang aus Bolton vermochte er es nicht, an frühere Erfolge und Leistungen anzuknüpfen. Unterdessen geriet er in das Rotlichtmilieu und verfiel in Depressionen.

Robinho (Man City - 2008 bis 2010)


Robinho war der erste große Weltstar, der zu dem „Projekt“ Manchester City wechselte. 2008 ging er für 42,5 Millionen Euro von Real Madrid zu den ambitionierten Engländern.

Der Offensivspieler konnte die in ihn gesetzten Hoffnungen zunächst erfüllen. Bei seinem Debüt gegen Chelsea verwandelte er gleich einen Freistoß. Auch die nächsten 19 Spiele der Saison 2008/2009 sollten ihm eine Ausbeute von 12 Toren bringen.

Dann begannen die Erfolge weniger zu werden. Hatte er in der Hinrunde noch 12 mal in 19 Spielen getroffen, so musste der Brasilianer eine Durststrecke von 17 Spielen verkraften bevor er in drei aufeinanderfolgenden Spielen wieder treffen konnte.

Die darauf folgende Spielzeit endete, wie die Rückrunde der vorhergegangenen begann, was den neuen City-Coach Roberto Mancini dazu veranlasste, den Stürmer zu verleihen. Er gab ihm noch eine Gnadenfrist von fünf Spielen, doch Robinho konnte sie nicht nutzen und so wurde er leihweise zu seinem ersten Profiverein FC Santos transferiert. Obwohl sein Vertrag noch zwei weitere Jahre lief, verkaufte ihn City für 18 Millionen Euro an den AC Mailand. Hier konnte er 2011 den Scudetto und den italienischen Supercup feiern.

Roque Junior (Leeds - 2003)


Sommer 2003. Den Fans von Leeds wurde der leihweise Wechsel von Milans Roque Junior zu ihrem Klub von Boss Peter Reid als Verpflichtung eines „weiteren Spielers von hoher Qualität“ erläutert.

An der Elland Road angekommen, waren die Erwartungen hoch an den Weltmeister von 2002 und frischgebackenen Champions League-Sieger.

Obwohl er noch Monate zuvor Miroslav Klose, David Trezeguet und Alessandro del Piero stoppen konnte, verzweifelte der Verteidiger an Paul Dickov in seinem Debüt gegen Leicester City. Das Spiel ging am Ende mit 0:4 verloren.

Diese Niederlage war nur der Beginn einer verzweifelten Zeit bei Leeds. Roque Junior, der in nur sieben Partien einmal Rot und dreimal Gelb sah, konnte erst gegen ManUnited im League Cup treffen. Doch diese Ausbeute reichte nicht und er verließ Leeds wieder.

Später spielte er bis 2007 mit mäßigem Erfolg drei Jahre in der Bundesliga für Bayer Leverkusen und ab 2008 für weitere zwölf Monate für den MSV Duisburg. Später ging er ebenso wie Afonso Alves zu Al-Rayyan.

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