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In den letzten Jahren haben die Klubs aus Portugal gute Geschäfte gemacht. Sie haben sich vor allem aus Südamerika Talente geholt und für viel Geld weiterverkauft. Ein Überblick.

Berlin. Es gibt Klubs, die sind bekannt dafür, dass sie es verstehen, Spieler für wenig Geld zu holen, um sie dann nach einer entsprechenden Ausbildung für viel Geld weiter zu verkaufen. Udinese Calcio ist darauf spezialisiert, der FC Twente schafft es immer wieder in den letzten Jahren – und auch auf den großen Klubs aus Portugal liegt immer wieder der Fokus, wenn sich europäische Spitzenklubs talentierte Top-Spieler besorgen wollen.

Dabei sind es aktuell nicht mehr nur die in Portugal traditionell stark vertretenen Brasilianer, die im Mittelpunkt stehen: Bei Benfica, Sporting und dem FC Porto wird viel riskiert und viel verdient – ein Überblick.

Brasilien wird zu teuer

Viele Jahre lang waren es Spieler aus Brasilien, die den Transfermarkt in Portugal dominierten. Aus dem einzigen Land Südamerikas, in dem portugiesisch gesprochen wird, kamen unzählige Talente nach Europa, um in Portugal ihre erste Auslandserfahrung zu machen. „Jeder Verein in Portugal – auch die großen Drei – investierte in brasilianische Talente, denn das war ziemlich billig“, erklärt Luis Mira, Portugal-Experte von Goal.com International. „Heutzutage verändert sich dieser Trend, weil Brasilien wirtschaftlich stärker wird, was man auch bei den brasilianischen Vereinen sieht. Es ist nicht mehr so günstig, einen Spieler aus Brasilien zu holen, deshalb schauen sich die portugiesischen Klubs anderswo um“, fügt er hinzu.

DIE BESTEN TRANSFERS DES FC PORTO

SPIELER GEHOLT FÜR VERKAUFT FÜR

Fredy Guarin

1 Mio. Euro (2008, Saint-Etienne) 12 Mio. Euro (2012, Inter)
 
Radamel Falcao

5,4 Mio. Euro (2009, River Plate) 47 Mio. Euro (2011, Atletico)
 
Raul Meireles

ablösefrei (2004, Boavista) 13 Mio. Euro (2010, Liverpool)
 
Bruno Alves

eigene Jugend 22 Mio. Euro (2010, Zenit)
 
Aly Cissokho

0,3 Mio. Euro (2009, Setubal)  15 Mio. Euro (2009, Lyon)
 
Lisandro Lopez

2,5 Mio. Euro (2005, Racing Club) 24 Mio. Euro (2009, Lyon)

Pepe
2 Mio. Euro (2004, Maritimo) 30 Mio. Euro (2007, Real Madrid)

Ricardo Carvalho

eigene Jugend 30 Mio. Euro (2004, Chelsea)

Südamerika, Belgien und Holland

Brasilianer wie der Top-Stürmer Hulk beim FC Porto sind zwar immer noch in den Kadern reihenweise vertreten und mit Leuten wie David Luiz und Ramires machte Benfica gute Geschäfte mit dem FC Chelsea, doch der Trend verändert sich. „Paraguay, Argentinien, Uruguay und Kolumbien sind jetzt die billigeren Optionen. Außerdem haben sich die Klubs dazu entschlossen, junge Talente aus anderen europäischen Ländern anzusehen. Deshalb gibt es aktuell viel Interesse am holländischen und belgischen Transfermarkt“, berichtet Luis Mira.

Für Talente geeignet

Während der FC Porto mit dem Kolumbianer Radamel Falcao, den der Verein 2011 für 47 Millionen Euro an Atletico Madrid verkaufte, den portugiesischen Transferrekord aufstellte, hat sich Sporting der bereits von Goal.com-Experte Luis Mira erwähnten, anderen Strategie gewidmet. Mit Ricky van Wolfswinkel und Zakaria Labyad holte der Hauptstadt-Klub zwei Talente aus der niederländischen Eredivisie und mit Stijn Schaars einen zum Zeitpunkt des Wechsels aktuellen Oranje-Nationalspieler.

Bei Benfica setzt man unter anderem auf den Belgier Axel Witsel und hat mit Ola John einen 20-jährigen Niederländer in diesem Sommer für neun Millionen Euro neu geholt. Für die Talente ist dabei nicht so sehr die portugiesische Liga der nächste, große Schritt in ihrer Entwicklung auf dem Weg zu einem Top-Klub, sondern eher die Tatsache, dass Benfica, Sporting und der FC Porto einem Talent fast schon garantieren können, dass es eine größere Anzahl an Duellen auf europäischer Ebene absolvieren wird.

DIE BESTEN TRANSFERS VON BENFICA

SPIELER GEHOLT FÜR  VERKAUFT FÜR  

David Luiz

 0,5 Mio. Euro (2007, Vitoria) 30 Mio. Euro (2011, Chelsea)

Fabio Coentrao

0,9 Mio. Euro (2007, Rio Ave) 30 Mio. Euro (2011, Real Madrid)

Ramires

 7,5 Mio. Euro (2009, Cruzeiro) 22 Mio. Euro (2010, Chelsea)

Angel Di Maria

8 Mio. Euro (2007, Rosario) 33 Mio. Euro (2010, Real Madrid)

Nelson

 1,5 Mio. Euro (2005, Boavista)  6 Mio. Euro (2008, Real Betis)
 
Manuel Fernandes

eigene Jugend 18 Mio. Euro (2007, Valencia)

Simao

4,5 Mio. Euro (2001, Barcelona) 20 Mio. Euro (2007, Atletico)

Masse und Klasse

Zuallererst kommt aber Masse, bevor sich die Klasse entwickelt: In der Vergangenheit waren Sporting, Porto und Benfica bereit, für Talente aus Südamerika im Durchschnitt bis zu fünf Millionen Euro auszugeben. Es wurden reihenweise neue Spieler geholt und ausprobiert, wobei die kleineren Klubs in Portugal davon profitierten, denn sie konnten sich die Talente, die nicht sofort überzeugten, für kleines Geld ausleihen. „Die großen Vereine Portugals können nicht mit den Etats der großen Klubs in Europa mithalten, deshalb wetten sie auf Talente und hoffen, dass die zu großen Stars werden, die man später für viel Geld in eine größere Liga verkaufen kann“, sagt Luis Mira.

Kopfschmerzen

„Wenn diese Strategie aufgeht, ist alles gut, aber wenn es nicht klappt, gibt es große Kopfschmerzen“, sagt er. Denn damit die Talente sich in den Vordergrund spielen können, brauchen die Klubs Spiele und Erfolge in der Champions League oder Europa League. „Wenn man sich Porto ansieht: Die haben in der letzten Saison den größten Etat ihrer Geschichte gehabt – und es war eine Saison ohne Erfolg. In der Champions League sind sie in der Gruppenphase ausgeschieden und in der Europa League haben sie gegen Manchester City verloren. Das führt zu großen Problemen, denn die Marktwerte ihrer Stars sind dadurch nicht gestiegen. Sie können die Stars nicht verkaufen, um sich neue Spieler zu holen“, verdeutlicht Goal.com-Experte Luis Mira die Problematik.

DIE BESTEN TRANSFERS VON SPORTING

 SPIELER GEHOLT FÜR  VERKAUFT FÜR  
 
Joao Moutinho

eigene Jugend 11 Mio. Euro (2010, Porto)

Miguel Veloso

eigene Jugend 9 Mio. Euro (2010, FC Genua)

Nani

 eigene Jugend 25,5 Mio. Euro (2007, ManUnited)

Joseph Enakarhire


0,75 Mio. Euro (2004, Lüttich) 6 Mio. Euro (2005, Din. Moskau)

Cristiano Ronaldo


eigene Jugend 17,5 Mio. Euro (2003, ManUnited)

Den Kreislauf in Gang setzen

Und wenn ein Klub wie Sporting sich schwer tut, in den vergangenen Jahren die Champions League zumindest ab und zu zu erreichen, dann hat das Folgen: In diesem Sommer musste sich der Verein auf Spieler wie Khalid Boulahrouz, Danijel Pranjic, Gelson Fernandes und Zakaria Labyad konzentrieren, die ablösefrei zu haben waren. Mit ihnen muss der kurzfristige Erfolg kommen, damit der Kreislauf wieder in Gang gesetzt werden kann und die Talente des Vereins wieder stärker in den Blick der großen Klubs aus Europa geraten und sie zum Schluss verkauft werden können.

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