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Teil 2: ...ohne neue Superstars – Wie gut ist der FC Schalke für die kommende Saison gerüstet?
Der Verein, tief im Westen beheimatet, polarisiert und hat eine enorme Strahlkraft. Über Schalke spricht man eben - und das wird in diesem Beitrag etwas vertieft.
Gelsenkirchen. Eine neue Bundesliga-Saison wird sehnsüchtig erwartet. Die Fußballfans in ganz Deutschland scharren mit den Hufen und können es kaum abwarten, dass „endlich“ wieder gegen den Ball getreten wird. Wir haben einige Kollegen gebeten, uns ihre Meinung mitzuteilen. Welche Chancen hat der FC Schalke 04 in der neuen Spielzeit und wie sind die Voraussetzungen für eine ähnlich erfolgreiche Runde?Heute also der zweite Teil. Francois Duchateau sieht den S04 gut gerüstet für die Saison und glaubt an die Stärke des Kaders. Rafael Buschmann benennt die neue Philosophie auf Schalke mit drei einfachen Worten: Strategie vor Name.
Francois Duchateau, Chefredakteur bei Goal.com (on twitter: @FDuchagoal)
Die Königsblauen verfügen bereits über einen auch in der Breite konkurrenzfähigen Kader, um national wieder einen Platz zu ergattern, der für die Königklasse qualifiziert. Leider hat man in Gelsenkirchen noch nicht adäquat auf den Raul-Weggang reagiert, der in seiner Rolle im Team eine Lücke hinterlassen wird, in die ein Holtby vor allem auf Champions-League-Niveau noch nicht eins-zu-eins schlüpfen können wird. Auch sollte man vorsichtig sein, zu viele Hoffnungen alleine auf Draxler zu schultern.
Generell werden auch in dieser Saison wieder genügend Talente die Chance von Stevens bekommen, sich weiterzuentwickeln, dennoch hat Schalke sich vielleicht zu sehr auf van der Vaart versteift. Noch ist ein Transfer nicht völlig unmöglich und man hat noch genügend Zeit, doch der Markt gibt Alternativen her, die S04 in Betracht ziehen sollte, will man sich weiterentwickeln und oben festbeißen.

Rafael Buschmann, Redakteur bei SPIEGEL-Online (on twitter: @Rafanelli)
Wo sind die Rufe nach der Meisterschale hin? Wo bleiben die großen Millionentransfers? Wo ist der vereinsinterne Zoff? Nichts davon ist in dem sonst so unruhigen Gelsenkirchen derzeit aufzufinden. Stattdessen versucht der Verein nun mit einer Philosophie der Nachhaltigkeit erfolgreich zu sein. Was waren das noch für Zeiten, als nach der Vize-Meisterschaft 2010 die großen Hoffnungen und Wünsche ins Land der Königsblauen zurückkehrten. Felix Magath gab auf Schalke offen das Ziel Meisterschaft vor, tauschte aber zeitgleich beinah den gesamten Kader einmal aus. Internationale Stars wie Raul oder Klaas-Jan Huntelaar kamen nach Gelsenkirchen, glorreich sollte der Angriff auf die Bayern eingeläutet werden.
Wie das Ganze endete, ist mittlerweile bekannt. Magath ist zurück in Wolfsburg, Schalke hat damals viele Risse davongetragen. Der Klub stand vor einer - auch finanziell - ungewissen Zukunft. Doch mit Sportdirektor Horst Heldt kam ein Sanierer daher, dem nur die wenigsten diese Rolle zugetraut haben. Der 42-Jährige, der unter Magath völlig blass blieb und in seiner Tätigkeit als Sportmanager beim VfB Stuttgart nur wenige erfolgreiche Transfers abwickeln konnte, profiliert sich im Moment durch das Erarbeiten einer Strategie und nicht durch Panikeinkäufe. Selbst die Forderung nach weiteren Kaderverstärkungen, ausgesprochen durch seinen Top-Stürmer Huntelaar, dessen eigene Vertragsverlängerung sich derzeit ebenfalls noch hinzieht, ignorierte der ehemalige Mittelfeldspieler. Stattdessen verpflichtete er Akteure wie Tranquillo Barnetta oder Roman Neustädter. Beides solide Bundesligaspieler, aber keine Topstars.
Man kann sie wohl als ein Zeichen an die Mannschaft verstehen, dass man dieser auch in der aktuellen Zusammensetzung eine erfolgreiche Rolle in der Champions League zutraut. Insbesondere die intakte Hierarchie des Teams scheint die Verantwortlichen in ihrem neuen Denken zu bestätigen: Jermaine Jones gilt dabei als der Wortführer auf dem Feld, Christoph Metzelder lenkt das Team außerhalb des Platzes. Dazu kommen mit Benedikt Höwedes, Joel Matip oder Ralf Fährmann Spieler, die durch ihre lange Schalke-Vergangenheit eine große Nähe zum Publikum erzeugen. Im Sturm ist Huntelaar unumstritten. Es gibt - erstmals nach zuletzt etlichen Jahren der Spieler-Fluktuation - wieder ein Mannschaftsgerüst, eine Stabilität. Die Mischung aus jungen und alten Spielern, aus Häuptlingen und Indianern scheint so gut zu sein, wie schon lange nicht mehr.
Selbst der Verlust von Superstar Raul trifft das Team nicht besonders hart. Statt eines neuen Rauls sollen Spieler wie Julian Draxler oder Lewis Holtby an ein internationales Topniveau herangeführt werden.
Auch ohne den Transfer eines ganz großen Namens scheint das Team gerüstet zu sein für eine Bundesligasaison, an deren Ende der Klub sich erneut für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren sollte. Dass es nicht für mehr reicht, hat zweierlei Gründe: Zum einen fehlt der Mannschaft ein weiterer Linksfuß, der neben Christian Fuchs das Flügelspiel forcieren könnte. Zum anderen müssen die verletzungsanfälligen Spieler wie Jones, Holtby, Metzleder, Höwedes, Farfan, Obasi oder Fährmann beweisen, dass sie mit der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Königsklasse zurechtkommen. Sollte dies gelingen, spielt Schalke erneut um die Champions-League-Plätze mit. Gelingt es nicht, wird Schalkes neue Philosophie der Nachhaltigkeit schon nach einem Jahr brutal auf die Probe gestellt.
Teil 1: Mit Laura Reinkens (Goal.com) und Rüdiger Stecher (Bild-Sportredaktion)
Morgen in Teil 3: Tobias Holtkamp (Sportbild-Chefredaktion), Tobias Escher (Spielverlagerung.de)
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