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„Endlich!“, schnaubten die Fans des FC Liverpool, als Freitag der Transfer von Fabio Borini endgültig als fix gemeldet wurde. Doch wer ist der junge italienische Stürmer?

Liverpool. Fabio Borini kann es kaum erwarten, zu seinen neuen Mannschaftskollegen zu stoßen. Seit Montag befindet sich der FC Liverpool auf Tour und wird diverse Testspiele in Nordamerika bestreiten. Zwar wurde Borini in den 34-köpfigen Kader für die Vorbereitung in den USA aufgenommen, allerdings durfte er nur ein Mindestmaß an Urlaub zwischen Europameisterschaft und erneutem Trainingsauftakt genießen. Brendan Rodgers, Trainer der „Reds“, gab nun bekannt, dass Borini bereits Anfang nächster Woche gemeinsam mit den englischen Nationalspielern nachkommt. Da scheint jemand auf seine neue Aufgabe zu brennen.

Aber wer ist der gerade mal 21-jährige Knipser? Geboren wurde Borini am 29. März 1991 in Bentivoglio, einem kleinen Ort im Raum Bologna. Bei Bologna begann er auch mit dem Fußball, bevor er als 16-Jähriger zu Chelsea wechselte, das damals noch von Jose Mourinho trainiert wurde. Zwei Jahre später, im September 2009, bestritt Borini sein Debüt in der ersten Mannschaft – wenn auch kein langes. In der 89. Minute wurde er gegen Tottenham eingewechselt. Insgesamt bekam Fabio Borini vier Einsätze in der Premier League und sammelte 2009/10 auch in der Champions League gegen APOEL Nikosia erste Erfahrungen in der Königsklasse.

Enge Verbundenheit zwischen Rodgers und Borini

Einen langen Weg sind Brendan Rodgers und Fabio Borini bereits über mehrere Etappen zusammen gegangen. Sein Engagement wird nun die dritte Zusammenarbeit mit seinem Coach sein. Bereits bei Chelsea hatte Rodgers als Trainer der Reserve ersten Einfluss auf den Stürmer, 2010/11 lieh er ihn im Endspurt zu Swansea aus, wo der damals 19-Jährige den „Schwänen“ und Rodgers helfen sollte, den Aufstieg perfekt zu machen. Es funktionierte. In neun Spielen erzielte Borini sechs Tore und bereitete drei weitere vor. In den anschließenden Play-Offs konnte Borini noch eine Vorlage verbuchen. Swansea war aufgestiegen, Borini verließ Chelsea und wurde vom neuen Arbeitgeber Parma zur Saison 2011/12 gleich an den AS Rom ausgeliehen.


FABIO BORINI

VEREIN / SAISON SPIELE / TORE VORLAGEN
Chelsea Reserves, 09/10 13/5 2
Swansea City, 10/11 9/6 3
AS Rom, 11/12 20/9 0

Was für ein Spieler ist Borini?

Bei der Roma konnte sich Borini einige Male beweisen. In 20 Einsätzen erzielte er immerhin neun Treffer. Auch die Fans waren von ihm begeistert: Der junge Stürmer kämpft bis zum Umfallen und besticht durch eine großartigen Überblick und technische Feinheiten. Was zeichnet ihn sonst noch aus? Borini bringt für sein Alter enorm viele Mittelstürmer-Qualitäten mit, eigentlich ist er Rechtsfuß, hat aber auch mit links einen satten Schuss. Er kann sowohl in der Mitte als auch über die Flügel kommen. Beachtlich sind seine sehr intelligenten Laufwege, die ihm das Toreschießen um einiges leichter machen. Er kann schon ein bisschen mit Inzaghi verglichen werden, wobei Borini jetzt schon technisch sehr stark ist und zudem auch Freistöße schießen kann.

Ansonsten waren viele seiner Tore auch Abstauber-Tore, spielerisch kann und wird er sich mit Sicherheit noch weiterentwickeln, aber er kann ein echter Torjäger werden. Vor dem Kasten fackelt er nicht lange und probiert es fast aus allen Lagen. Wenn er verletzungsfrei bleibt und sich in der Premier League auch dauerhaft wohlfühlt - eine Gefahr, die bei Italienern grundsätzlich besteht, wenn sie außerhalb der Serie A spielen - kann er eine echte Bereicherung werden. Das wird auch Brendan Rodgers gewusst haben, als er mit Amtsantritt den Stürmer direkt ganz oben auf die Liste geschrieben hat.

Inzaghi und die Messer

Beim Torjubel legt sich Borini, der die Nummer 29 bei Liverpool tragen wird, die Hand flach zwischen die Zähne und deutet damit ein Messer an. Er setzt sich selbst zum Ziel, in jedem Spiel zu treffen. Daher auch sein exzentrischer Jubel: „In Italien bedeutet 'Ein Messer zwischen den Zähnen zu haben', dass du etwas so sehr erreichen möchtest, dass du wütend wirst, um deine Ziele zu erreichen“, wird Borini von liverpoolfc.com zitiert. Diese Einstellung und die Tatsache, dass es bei seinen bisherigen Engagements nicht nur bei den schönen Worten blieb, ließen ihn schnell zum Publikumsliebling werden.

Sein Vorbild ist einer der ganz Großen: Fillipo Inzaghi. „Ich mag Inzaghi. Ich mag es, wie er sein Tor feiert, selbst wenn seine Mannschaft 6:0 gewinnt. Und was er alles gewonnen hat: Die Weltmeisterschaft, zweimal die Champions League und viele, viele Meisterschaften in Italien. Wenn man nur die Hälfte dessen erreicht, hat man noch eine große Karriere gemacht. Ich habe Inzaghi oft spielen sehen und von ihm gelernt.“ Fabio Borini hat sich viel vorgenommen, möchte nicht nur auf Torejagd gehen, sondern zukünftig auch selbst Titel einfahren. Dass er Rodgers vertrauen kann, weiß der junge Italiener inzwischen. Dass Liverpool ein großer Klub mit Tradition und Geschichte ist, der zurück in die „Top Four“ in England will, ist Borini bewusst.

Borini und Liverpool – passt das?

Schlicht und ergreifend: Ja. Borini bietet das, was Andy Carroll lange Zeit vermissen ließ und erst gegen Ende der letzten Spielzeit andeutete: Torhunger, Flexibilität, Übersicht. Zusammen mit Luis Suarez kann Borini seine Qualitäten optimieren und gleichzeitig von seinem Nebenmann im Sturm viel lernen. Ob Andy Carroll gehen sollte, steht hier nicht zur Debatte. Brendan Rodgers hat sich mit keinem Statement klar zum englischen Nationalangreifer bekannt, inzwischen soll auch Carroll gemeldet haben, dass ihm eine Rückkehr zu Newcastle auf Leihbasis oder als Verkauf entgegen kommen würde. Daher sollte man Borini, den Lieblingsschüler von Rodgers, als neue Nummer Neun ernst nehmen. Aktuell bringt er die besten Voraussetzungen mit, die Fans, seinen Trainer und vor allem sich selbst nicht zu enttäuschen. Die Messer werden bereits gewetzt.


EURE MEINUNG: Wird Fabio Borini ein Hit in Anfield?
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