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Besiktas Istanbul steht vor dem Verlust seiner Stars. Und trotz vieler, neuer Transfers droht dem Verein die Mittelmäßigkeit oder gerade deswegen?

Istanbul. Der türkische Spitzenclub Besiktas Istanbul durchläuft turbulente Wochen.

Erst der einjährige Ausschluss aus dem europäischen Geschäft durch die UEFA (Besiktas hatte Klage beim internationalen Sportgericht CAS eingereicht; die Klage wurde nun abgewiesen und das von der UEFA verhängte Urteil endgültig bestätigt).

Dann der harte Sparkurs durch den Vorstand und die ausstehenden Gehaltszahlungen, was das Ausbleiben von hochkarätigen Spielertransfers und den Verlust von Leistungsträgern und Stammkräften zur Folge hat.

Die finanziellen Probleme haben den Klub zum Umdenken bewogen   

Besiktas fordert von seinen Spielern, den Gürtel ebenfalls enger zu schnallen und Gehaltskürzungen hinzunehmen. Ein Projekt mit bisher eher mäßigem Erfolg.  Nur einige wenige zeigen sich bereit, dies auch zu tun.

Der Verein scheint langsam, aber sicher auszubluten. Nachdem sich Besiktas bereits von Mehmet Aurelio, Rüstü Recber und Ekrem Dag getrennt hat, hat man nun kürzlich auch noch den türkischen Nationalverteidiger Egemen Korkmaz wegen ausgebliebener Gehaltszahlungen verloren. Das Präsidium wollte die von Egemen geforderten, ausstehenden 1,4 Millionen Euro nicht unverzüglich an den Spieler zahlen, so dass es zum endgültigen Bruch und zur Vertragsauflösung gegen eine einmalige Zahlung in Höhe von gerade mal 500.000 Euro seitens Egemens kam.

Ein Verlust, der umso schmerzlicher für die Fans der „Schwarzen Adler“ ist, wenn man bedenkt, dass Egemen den Liga-Rivalen Fenerbahce verstärkt.

Ob sich die Trennung von etablierten Spielen nachhaltig negativ auswirkt, wird die Zeit zeigen. Allerdings waren das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die letzten Abgänge. Die Tendenzen und die immer weiter auflodernden Transfergerüchte schüren die Befürchtungen der Anhänger, dass bald weitere Stars die Mannschaft verlassen könnten.

Besonders im Fokus, die von den Besiktas-Fans liebevoll als „Portekiz-Cete“ (Portugal-Bande) bezeichnete Gruppe, um Ricardo Quaresma, Simao Sabrosa, Manuel Fernandes und Hugo Almeida.

Zumindest bei den zuletzt genannten beiden Spielern konnte Besiktas Präsident Fikret Orman die Anhänger vorläufig etwas beruhigen. In einem kürzlich an die Medien gerichteten Statement erklärte Orman, Fernandes und Almeida halten zu wollen.

Stehen die Zeichen auf Abschied ?

Dennoch verdichten sich die Anzeichen, dass weitere Leistungsträger, wie zum Beispiel Tomas Sivok  oder Fabian Ernst gehen werden. Fabian Ernst, der wie viele andere keine Gehaltskürzungen über sich ergehen lassen wollte, wurde zur Strafe in die A2-Mannschaft versetzt.  Eine Aktion, die auf massives Unverständnis trifft. Ernst, der die letzten Jahre zu den konstantesten und aufopferungsvollsten Spielern im Kader gehörte, muss sich unfair behandelt vorkommen. Was der Verein damit bezweckt, ist nicht zu entschlüsseln. Augenscheinlich grenzt diese Maßnahme an Eigensabotage, da man sowohl einen großen Prestige- und Imageverlust erleidet, als auch den Marktwert des Spielers nach unten treibt, was wirtschaftlich doch nicht im Interesse des Klubs sein kann.  Ein Abgang von Ernst und anderen Stammspielern scheint folglich nah. Ob Besiktas dies kompensieren kann, ist die Frage, die zu gleichen Stücken die Fans und Medien beschäftigt.

Besiktas setzt auf Verjüngungskurs

Trainer Samet Aybaba und das Präsidium versuchen, frisches Blut in den Kader zu bringen und setzen vermehrt auf die Verpflichtung von jungen türkischen beziehungsweise türkischstämmigen Spielern. So wurden Mehmet Akgün (25) von Genclerbirligi ablösefrei, Olcay Sahan (25) von Kaiserlautern für 800.000 Euro, Berat Cetinkaya (21) von Sakaryaspor für 200.000 Euro sowie Oguzhan Özyakup (19) für 500.000 Euro aus der Reserve des FC Arsenal unter Vertrag genommen.

Das bei diesen Spielern das Augenmerk neben dem Alter wohl auf den eher günstigen beziehungsweise gar nicht vorhandenen Ablösesummen liegt, scheint nur allzu offensichtlich. Fraglich bleibt, ob diese Zugänge einen qualitativen Gewinn in Hinblick auf die abgewanderten Spieler darstellen oder diese überhaupt gleichwertig ersetzen können.

Die Experten stehen dieser Transferpolitik zunehmend kritischer gegenüber. Auf der einen Seite wird den neuen Transfers gerade die nötige Qualität abgesprochen. Auf der anderen Seite wird bemängelt, dass die „jungen“ Zugänge weder von ihrer Entwicklung soweit wären dem Team zu helfen, noch über die Erfahrung verfügen würden, auf solch hohem Niveau zu spielen.

Masse statt Klasse?

Zuletzt wurde zwar mit dem 30-jährigen ablösefreien Ugur Boral noch ein ehemaliger Nationalspieler unter Vertrag genommen. Wenn man aber auch hier berücksichtigt, dass Boral nach einer langen Verletzungspause nicht an seine damalige Form anknüpfen konnte und aus diesem Grund von Fenerbahce zu Samsunspor geschickt wurde, stellt dieser Transfer eher eine Verpflichtung in die Breite als in die Spitze dar. Gleiches gilt für den jüngsten Torwart-Transfer Allan McGregor aus Schottland. Der 30-Jährige kommt von den Glasgow Rangers und unterschreibt für drei Jahre.

Weiter betreibt der Verein auf Geheiß des Trainers Samet Aybaba Talent-Scouting in Südamerika, wo erneut junge und preiswerte Spieler im Blickpunkt stehen. Zudem legt der Coach großen Wert darauf, die eigenen Talente aus der Nachwuchsabteilung des Vereins in die Mannschaft zu integrieren. Besonders gespannt kann man hier auf den groß gewachsenen 18-jährigen Innenverteidiger Atinc Nukan  sein, vor allem wenn Tomas Sivok Besiktas verlassen sollte. Denn auch um den tschechischen Nationalspieler ranken sich seit geraumer Zeit Wechselgerüchte nach anhaltenden Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand, was die Vergütung für einen neuen Vertrag betrifft.

Desweiteren könnte Muhammed Demirci seine Chance bekommen und verstärkt ins Rampenlicht rücken. Für den dribbelstarken offensiven Mittelfeldspieler aus der eigenen Talentschmiede sind Vergleiche mit Lionel Messi oder Sergen Yalcin, dem ehemaligen Maestro im Besiktas-Dress nichts Neues und man bescheinigt ihm großes Potenzial, welches er vielleicht schon bald im BJK-Trikot auf dem Rasen unter Beweis stellen darf.

Der Unmut wächst

Fakt ist, dass sich die Geister an der Transferpolitik des Istanbuler Traditionsklubs scheiden und sich zunehmender Unmut bei den Anhängern breit macht. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Versuch des Vorstands, das Ruder durch solche Personalentscheidungen finanziell herumzureißen auf die Wettbewerbsfähigkeit und den sportlichen Erfolg des Klubs niederschlägt.


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