thumbnail Hallo,

Die FIFA hat sich durchgerungen eine Torlinientechnik anzuwenden. Das sorgt für Zündstoff, denn es gibt Applaus und Ablehnung. Ein Pro und Contra von Goal.com!

Berlin. Vor einigen Tagen platzte die Bombe. Der Weltfußballverband FIFA beschloss die Einführung einer Torlinientechnologie. Die WM und EM und die Ligen der einzelnen Verbände werden künftig diese Technik nutzen können. Es gibt zwei Systeme, die angewendet werden dürfen, das Hawk-Eye und das GoalRef-System (Chip im Ball). Diese Thematik stößt auf Fürsprecher aber auch auf Ablehnung. So geschehen in unserer Redaktion. Es wurden heiße Diskussionen geführt. Alexander Brinkmann, Goal.com-Redakteur, spricht sich klar für die Einführung dieser technischen Hilfsmittel aus. Hassan Talib Haji, Goal.com-Redakteur, ist gegen technische Hilfsmittel.

Ein Kommentar von Hassan Talib Haji

Für mich persönlich ist diese Entscheidung ein bedeutender Eingriff in die sich schreibende Historie des Fußballs. Seit mehr als 100 Jahren wird gegen den Lederball getreten. Nicht nur in ausverkauften großen Stadien sondern auch auf den Hinterhöfen der kleinsten Dörfer – und zwar überall auf der Welt. Nun ist es traurig anzusehen, wie die berühmten „Männer in Nadelstreifen“ den Fußball beeinflussen und ihn dabei entscheidend stören, so sein zu dürfen, wie er ist – nämlich mit menschlichen Fehlern ausgestattet.

Was menschlich ist, das sollte menschlich bleiben

Leben wir im Fußball denn nicht davon, dass Menschen Fehler machen dürfen? Flutscht dem Torwart der Ball ungewollt durch die Hände, dann hat er einen Fehler gemacht. Spielt der Mittelfeldspieler einen Fehlpass, dann hat er einen Fehler gemacht. Trifft der Stürmer das Tor nicht, dann hat auch er die falsche Entscheidung getroffen oder er war Mensch und hat einen Fehler gemacht. Zu diesen bedeutenden Protagonisten eines Fußballspiels gehört auch die Gattung der Männer in Schwarz. Warum sollen die Schiedsrichter in einer besonderen Situation keine Fehler mehr machen dürfen? Nur weil viel Geld an solch einer Entscheidung hängt? Im heutigen Fußball geht es weitgehend nur noch um das liebe Geld. Wir sollten aufpassen, dass wir dieser Gier, den reinen und unverfänglichen Fußball nicht zum Fraß vorwerfen.



Auch die Technik kann ausfallen

Man hat sich in den Entscheidungsgremien der FIFA nun dazu entschlossen, dass man diese Technologien anwenden wird. Doch hat man dieses auch mit Bedacht getan? Nein, das hat man nicht! Ein Beispiel: Die Torlinientechnologie ist eingeführt. Deutschland spielt gegen England und es gibt ein Wembley-Tor. Der Ball wird kurz hinter der Linie geklärt, jedoch streikte die Technik. Somit konnte nicht festgestellt werden, ob der Ball im Tor war oder nicht. Der Schiedsrichter muss aber eine Entscheidung fällen und sagt „kein Tor“, auf den Fernsehbildern ist aber deutlich zu erkennen, dass der Ball hinter der Linie war. Was passiert nun? Wird es eine Entscheidung am grünen Tisch geben? Kann man die Entscheidung des Schiedsrichters dann überhaupt für voll nehmen? Man unterwirft sich einer Technologie, die einem nicht die Garantie gibt 1. Immer zu funktionieren und 2. Immer exakt zu funktionieren. In Fällen der Fehlerhaftigkeit einer Technologie, wird auch diese dem Menschen nichts voraus haben.

Das ist erst der Anfang

Dass man nun solch einen Schritt geht, das ist kein Schritt zu einem neuen Fußball. Das ist ein Schritt weg vom Fußball. Weg von der spannendsten Diskussion überhaupt, aber vor allem ist es ein Stich in die Basis. Die Kluft zwischen arm und reich, Amateur oder Profi, Regional- oder Bundesliga wird immer größer, was den thematisierten Geldfaktor noch einmal unterstreicht. Der Fußball lebt davon, dass er gleich ist. Für jeden Einzelnen, überall auf der Welt spielt man nach gleichen Regeln. Es gibt kein schwarz oder weiß, es gibt nur eine Farbe die den Fußball soweit gebracht hat. Und es ist keineswegs so, dass der Fußball solch eine gravierende Veränderung braucht. Die Zuschauerzahlen wachsen stetig, die Begeisterung ist nach wie vor groß und das Spiel zieht immer noch weltweit die meisten Fans aller Sportarten in den Bann. Gibt es dann demnächst die Abseitstechnologie? In den Stadien wird eine Kameraschiene aufgebaut, die dann immer der Höhe des Balls folgt und eine zweite Kamera fixiert den jeweiligen Passgeber. Dann wird errechnet, es war doch Abseits. Den ersten Schritt in solch eine technologisierte Zukunft, den sind einige Entscheidungsträger nun gegangen.

Lasst den Fußball doch bitte so sein wie er ist, nämlich unberechenbar – gerade weil Menschen ihn entscheidend prägen. Diese Entscheidung ist der erste Schritt, in eine leider falsche Richtung...

Hier geht es zum Artikel: Pro Torlinientechnik

EURE MEINUNG: Bist du auch GEGEN die Torlinientechnik?
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !


Dazugehörig