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Die FIFA hat sich durchgerungen eine Torlinientechnik anzuwenden. Das sorgt für Zündstoff, denn es gibt Applaus und Ablehnung. Ein Pro und Contra von Goal.com!

Berlin. Vor einigen Tagen platzte die Bombe. Der Weltfußballverband FIFA beschloss die Einführung einer Torlinientechnologie. Die WM und EM und die Ligen der einzelnen Verbände werden künftig diese Technik nutzen können. Es gibt zwei Systeme, die angewendet werden dürfen, das Hawk-Eye und das GoalRef-System (Chip im Ball). Diese Thematik stößt auf Fürsprecher aber auch auf Ablehnung. So geschehen in unserer Redaktion. Es wurden heiße Diskussionen geführt. Alexander Brinkmann, Goal.com-Redakteur, spricht sich klar für die Einführung dieser technischen Hilfsmittel aus. Hassan Talib Haji, Goal.com-Redakteur, ist gegen technische Hilfsmittel.

Ein Kommentar von Alexander Brinkmann

Der erste und wichtigste Grund für die Torlinientechnik ist, dass eine Mannschaft, die ein reguläres Tor erzielt, dieses auch anerkannt bekommen muss. Im Gegenzug darf eine Mannschaft, die es schafft ein Tor zu verhindern, indem einer ihrer Spieler den Ball klären kann, bevor dieser die Linie vollständig überschreitet, nicht durch ein fälschlich gegebenes Tor benachteiligt werden. Niemand kann bestreiten, dass durch die Torlinientechnik mehr Fairness und Gerechtigkeit Einzug in den Fußball erhält.

Zahl der Anwendungen wird verschwindend gering sein

Die Hysterie bei den Gegnern technischer Hilfsmittel ist groß, sie malen sich Horrorszenarien eines vollständig technisierten Fußballs aus, deren Eintreffen höchst unwahrscheinlich ist. Es reicht alleine ein Blick auf sämtliche europäische Ligen, um zu sehen, dass die Zahl der strittigen Szenen, in denen man die Torlinientechniken bemühen müsste, im Vergleich zu den eindeutigen Toren verschwindend gering ist. Wer sich alleine die Zahlen in der Bundesliga anschaut, wird feststellen, dass in gut 998 von 1000 Fällen richtig erkannt wird, dass der Ball komplett hinter der Linie war. Das heißt, dass die Torlinientechnik hier vielleicht in circa 0,2% aller Fälle einer Torentscheidung zum Einsatz kommen wird. Wer darin den „Weg zur vollständigen Technisierung des Fußballs“ sieht, der übertreibt maß-, um nicht zu sagen, schamlos.



Kein Sport mit technischen Hilfsmitteln ist deswegen emotionslos geworden

„Aber die Emotionen! Technik nimmt dem Fußball die Emotionen!“ Wie habe ich mir das im Falle der Torlinientechnik vorzustellen? Borussia Dortmund spielt zuhause gegen Bayern München, Mitte der ersten Halbzeit, es steht 0:0. Mario Götze passt auf Robert Lewandowski, und der schießt. Manuel Neuer kann – für niemanden mit bloßem Auge erkennbar – den Ball nur noch knapp hinter der Linie abwehren. Innerhalb von wenigen Millisekunden gibt der Chip im Ball dem Schiedsrichter die Meldung: Der Ball war drin! Der Schiedsrichter entscheidet auf Tor. Wird es dann plötzlich totenstill im Stadion, weil sich die BVB-Fans denken: „Nee, also bei so einem Tor, was wir nur durch den Chip im Ball bekommen haben, freuen wir uns nicht.“? Oder aber wird das Stadion explodieren, weil Dortmund gerade gegen Bayern in Führung gegangen ist? Werden die Emotionen bei den Dortmunder Fans nicht sogar extremer ausfallen, wenn sie sich selbst zunächst nicht sicher waren, ob der Ball drin war, und der Schiedsrichter Sekunden später bestätigt, dass er es tatsächlich war?

Dass ein Sport durch technische Hilfsmittel seine Emotionen verlieren soll, ist ein nicht zu haltendes Argument. Das sieht man auch an den Sportarten, die bereits verschiedene technische Hilfsmittel verwenden. Oder will jemand ernsthaft behaupten, dass es Sportarten wie Basketball, Eishockey, Hockey, Tennis, American Football oder Baseball an Emotionen mangele?

Schiedsrichter werden aus der Schusslinie genommen

Machen wir uns nichts vor: Selbst mit Torkameras oder Chip im Ball wird es immer noch zu spielentscheidenden Fehlentscheidungen kommen. Nicht geahndete Abseitsentscheidungen, Freistöße und Ecken, die keine waren etc., all das wird man durch diese eine Neuerung, die es in der Bundesliga wohl erst ab 2014 geben wird, nicht abschaffen können. Aber es ist keine Überraschung, dass gerade Schiedsrichter die Entscheidung der FIFA begrüßen, denn sie sind es, die von Mannschaften, Fans und besonders den Medien wie die Sau durchs Dorf getrieben werden, wenn sie eine gravierende Fehlentscheidung treffen. Sie haben schon seit Jahren erkannt, dass es im Fußball immer wieder zu Situationen kommt, die für sie nicht mit dem bloßen menschlichen Auge zu klären sind. Und deshalb finden sich unter ihnen auch nur wenig Gegner für technische Hilfsmittel.

Natürlich werden Fans und Spieler auch weiterhin bei richtigen Entscheidungen gegen ihre Mannschaft über die Schiedsrichterleistungen meckern, aber wenigstens die mediale Schiedsrichter-Hetzjagd einiger kann durch eine schrittweise Einführung der Technik im Fußball unterbunden werden.

Ja, auch Geld spielt eine Rolle

Die Vorstellung, dass die Spieler aus Liebe zum Spiel den Platz betreten, mag durchaus romantisch sein, aber sie ist eigentlich ab dem Moment überholt gewesen, in dem die Vereine damit anfingen, immer neue Geldquellen zu suchen und ein Wettbewerb wie die Champions League nicht mehr nur die „Landesmeister“ begrüßte. Die Kommerzialisierung des Fußballs ist nicht erst gestern vom Himmel gefallen, sondern ein Prozess der schon über Jahrzehnte anhält. Und im Zuge dieser Kommerzialisierung geht es für die Vereine mittlerweile nun einmal auch um üppige Geldbeträge.

Für die Vereine bedeutet das kurz gesagt: Fehlentscheidungen können sie ein- oder sogar hohe zweistellige Millionenbeträge kosten. Kombiniert man das dann damit, dass sie durch diese Fehler auch noch um sportliche Erfolge gebracht werden können, sollte jedem klar sein, wieso nur die wenigsten Vereine gegen die Einführung technischer Hilfsmittel sind.

Hier geht es zum Artikel: Contra Torlinientechnik

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