thumbnail Hallo,

Sebastian Kehl, Ilkay Gündogan, Sven Bender oder gar Moritz Leitner? Vier Alternativen für zwei Positionen. Goal.com mit einer Bestandsaufnahme des defensiven BVB-Mittelfelds.

Dortmund. Vor gut einem Jahr war eines der zentralen Themen, wenn es um Borussia Dortmund ging, wie die Mannschaft den Abgang Nuri Sahins zu Real Madrid verkraften werde. Viele sahen durch den Abgang der „Schaltzentrale“ Sahin im defensiven Mittelfeld ein großes Loch beim Deutschen Meister klaffen. Mit Neuzugängen wie Ilkay Gündogan und Moritz Leitner sollte dieses Loch gestopft werden. Ein Jahr und einen Doublesieg später hat der BVB trotz eines Stotterstarts in der Liga und des frühen Ausscheidens in der Champions League gezeigt, dass sie diese Lücke erfolgreich geschlossen haben. Und nicht nur das: In dieser Saison könnten die beiden 6er-Positionen sogar ein Luxusproblem für Jürgen Klopp darstellen.

Der Kapitän ist zurück auf der Brücke

In der Meistersaison 2010/11 spielte Kapitän Sebastian Kehl nur eine kleine Nebenrolle. Langwierige Verletzungen sorgten dafür, dass er in der gesamten Saison lediglich zu sechs Bundesligaeinsätzen (230 Spielminuten) kam. Umso beeindruckender ist daher, wie Kehl in dieser Saison zurückkam und welchen Anteil er zu den Dortmunder Titeln in der letzten Saison beisteuerte. Von Verletzungen verschont geblieben, konnte Kehl 33 Spiele und 3 Tore in Bundesliga und DFB-Pokal bestreiten. Auf dem Platz agierte er stets, wie man es von einem Mannschaftskapitän erwarten kann.



Mit Spielern wie Sebastian Kehl klappt die flache Hierarchie

Im Zuge des Halbfinal-Ausscheidens der DFB-Elf wird allerorts über die flache Hierarchie und die Notwendigkeit von Führungsspielern diskutiert. Wie eine flache Hierarchie allerdings Erfolg haben kann, sieht man bei Borussia Dortmund. Der 32-Jährige Sebastian Kehl ist, natürlich auch aufgrund der Kapitänsbinde, ein primus inter pares. Er ist einer der kleinen Hügel in einer ansonsten relativ flachen Hierarchie unter den BVB-Spielern, ohne dabei als der klassische Führungsspieler zu agieren.

Bei Trainer Jürgen Klopp und bei den Mitspielern genießt er hohes Ansehen und Vertrauen. Deswegen wird Sebastian Kehl, solange er fit ist, auch in dieser Saison mit großer Wahrscheinlichkeit einen Stammplatz sicher haben.

Stammplatzwahrscheinlichkeit: 95%

Ilkay Gündogan kein „Sahin-Ersatz“, sondern Ilkay Gündogan!

Für die Medienwelt war die Verpflichtung Ilkay Gündogans durch den BVB fast zu schön, um wahr zu sein, bot sie doch aufgrund der Tatsache, dass Gündogan wie der zu Real Madrid abgewanderte Sahin türkische Wurzeln hat, Potenzial für allerlei Vergleiche und Schlagzeilen à la „Der neue Sahin“, „Sahin-Ersatz“ oder „Sahin 2.0“. Die BVB-Verantwortlichen und Gündogan selbst warnten jedoch schon damals vor solchen Vergleichen, schließlich bekleidete der 21-Jährige im Nürnberger System eine deutlich offensivere Rolle. Deswegen rechneten nicht wenige in Dortmund damit, dass Gündogan erst eine gewisse Zeit brauchen würde, um seine Rolle im Kloppschen System richtig zu interpretieren und anzunehmen.

Anpassungsschwierigkeiten erkennbar

Dennoch sprach ihm der Trainer zu Beginn der letzten Saison das Vertrauen aus, sodass Gündogan in den ersten neun Partien in der Startelf stand. Nach eher durchwachsenden Leistungen in diesen Spielen fand er sich danach allerdings erst einmal auf der Reservebank wieder; am 12. Spieltag stand er sogar nicht einmal im Kader. Am Ende der Hinrunde kam er zwar in 13 der 17 Bundesligapartien zum Einsatz und spielte siebenmal über die volle Distanz, wirklich überzeugen konnte er aber noch nicht. Das sah auch Großteil der Presse und Experten ähnlich. Daher war es nur wenig überraschend, dass in der Winterpause im Zusammenhang mit Gündogan Formulierungen wie etwa „Flop“ und „Fehlkauf“ die Runde machten.



Benders Pech ist Gündogans Glück

Zu Beginn der Rückrunde hatten sich schließlich Sebastian Kehl und Sven Bender auf den Positionen im defensiven Mittelfeld etabliert. Erst als der 23-Jährige Bender aufgrund von Blessuren und körperlicher Erschöpfung einige Spiele passen musste, rückte Gündogan etwa zur Mitte der Rückrunde wieder in die Startelf. Und plötzlich wirkte der im Winter von einigen als „Fehleinkauf“ Abgestempelte wie ausgewechselt: Bei Dortmunder Offensivaktionen spielte er kluge, teilweise überragende Pässe auf seine Vorderleute, im DFB-Pokal-Halbfinale wurde er zum Matchwinner, als er Sekunden vor dem Elfmeterschießen das entscheidende, wenn auch glückliche 1:0 erzielte. Er spielte so, wie man es sich beim BVB wohl erhofft hatte. Die Geduld Jürgen Klopps hatte sich am Ende ausgezahlt.

Da mit Sebastian Kehl wohl eine der zwei Sechserpositionen besetzt sein wird, wird sich Ilkay Gündogan in dieser Saison mit Moritz Leitner und vor allem mit Sven Bender einen harten Konkurrenzkampf liefern.

Stammplatzwahrscheinlichkeit: 70%

Die Seuchensaison des Sven B.

Für Sven „Manni“ Bender verlief die Saison verletzungstechnisch alles andere als glücklich. Eine Hüftverletzung, eine Bänderverletzung, ein Kieferbruch, eine Sprunggelenksverletzung und eine Rippenprellung zwangen den 23-jährigen immer wieder dazu, zu pausieren. Zwar kämpfte sich Bender immer wieder schnell in die Mannschaft zurück, Ende März musste er dann aber doch auf den einen oder anderen Einsatz verzichten, „weil er“, wie Jürgen Klopp damals darlegte, „nach allen kleineren oder größeren Blessuren immer wieder einen Kaltstart hingelegt und seinem Körper alles abverlangt hat“.



EM-Zug trotz solider Leistungen verpasst

Die Verletzungssorgen hinderten den 23-Jährigen nicht daran, größtenteils die soliden Leistungen abzuliefern, die man von ihm aus der Saison 2010/11 kannte. Und wenn er fit war, war er sowieso eine sichere Bank auf seiner Position. In seiner ersten Champions-League-Saison zahlte er hingegen wie alle seine Mitspieler Lehrgeld. Auch für eine EM-Teilnahme reichte es noch nicht, wobei er dort vermutlich ohnehin nicht zum Einsatz gekommen wäre, wenn man bedenkt, dass mit Ilkay Gündogan einer seiner Teamkollegen und Konkurrenten im defensiven Mittelfeld ohne eine einzige gespielte EM-Minute nach Dortmund zurückkehrt.

Borussia Dortmund und vor allem Sven Bender selbst werden hoffen, dass der defensive Mittelfeldspieler nicht noch einmal von einem solchen Verletzungspech verfolgt wird. Sollte dies der Fall sein, wird er trotzdem um seinen Stammplatz kämpfen müssen, besonders dann, falls Ilkay Gündogan seine Leistungen und seine Form aus der Rückrunde der letzten Saison bestätigen kann.

Stammplatzwahrscheinlichkeit: 60%

Startet Leitner richtig durch?

Der Vierte im Dortmunder Kader, der für die Position im defensiven Mittelfeld in Frage kommt, ist der 19-jährige Moritz Leitner, der in der letzten Saison nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinauskam. Dennoch verspricht man sich für die Zukunft einiges vom deutschen U21-Nationalspieler, den Jürgen Klopp als „ein herausragendes Talent, wie es nur ganz wenige gibt“, bezeichnet. Bei seinen Kurzeinsätzen zeigte Leitner vor allen Dingen, dass er schnell und meistens ohne große Schwierigkeiten ins Spiel findet.

Von den vier hier genannten Spielern wird Moritz Leitner es am schwierigsten haben, einen Stammplatz zu ergattern. Aufgrund seines Alters ist bei ihm jedoch keine Eile geboten. Daher wird man ihn in Dortmund weiterhin behutsam aufbauen.

Stammplatzwahrscheinlichkeit: 10%



Qual der Wahl für „Kloppo“

Sebastian Kehl, Ilkay Gündogan, Sven Bender und Moritz Leitner heißen Jürgen Klopps Optionen für die zwei zu vergebenden Positionen in der Mittelfeldzentrale und keiner von ihnen hat dem Trainer einen Anlass gegeben, warum er in der neuen Spielzeit nicht auf sie setzen können sollte. Auch wenn der eine oder andere in der abgelaufenen Saison mal Höhen und Tiefen hatte, gibt es für Jürgen Klopp keinen stichhaltigen Grund, einem von ihnen partout keine Einsatzzeiten zu geben. Somit könnte sich für Dortmunds Trainer in der Saison 2012/13 im defensiven Mittelfeld ein Luxusproblem ergeben, das andere Bundesligatrainer gerne hätten.

EURE MEINUNG: Bender, Gündogan, Kehl oder Leitner? Welche Zwei hätten zu Saisonbeginn Euer Vertrauen?
Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig