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Deutschlands EM-Zeugnis: Wie hat sich die deutsche Defensive präsentiert?

Gezittert, gebangt, gehofft - am Ende war das Aus im EM-Halbfinale jedoch nicht mehr abwendbar. Wieder kein großer Titel für die deutsche Elf. Deutschlands EM-Zeugnis:

Kiew. Die Trauer kaum in Worte zu fassen, zu groß war der Frust nach dem Aus im Halbfinale der Europameisterschaft 2012. Die deutsche Nationalmannschaft musste nach der 1:2-Niederlage gegen Italien die Heimreise antreten. Goal.com blickt nochmals genauer auf die Leistungen der DFB-Kicker. Wie sind die Leistungen im Tor und in der Abwehr zu bewerten?

MANUEL NEUER - DEUTSCHLANDS NUMMER EINS

MANUEL NEUER
TORHÜTER

Fünf Einsätze, 450 absolvierte Spielminuten und sechs Gegentore - nur im Vorrundenspiel gegen Portugal stand die Null. Manuel Neuer absolvierte im Tor der deutschen Elf ein gutes Turnier und trug an keinem Gegentreffer die Schuld.

Der Schlussmann vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München versuchte selbst in den Schlussminuten des Halbfinals gegen Italien alles, um das deutsche Aus noch abzuwenden.

Ein mitspielender Torhüter, der wie schon bei der Weltmeisterschaft 2010 einen starken und sicheren Eindruck hinterließ, dem am Ende, wie allen deutschen Spielern, die große Krönung in Form eines Titels fehlt.




DEUTSCHLANDS ABWEHRKETTE - DIE DFB-DEFENSIVE

HOLGER BADSTUBER
INNENVERTEIDIGER

Holger Badstuber: Zu Turnierbeginn in der deutschen Verteidigung gesetzt, hinterließ Holger Badstuber einen sicheren und guten Eindruck in der Defensive. Der Abwehrspieler vom FC Bayern München zeigte kaum Schwächen und erlaubte sich, ähnlich wie sein Innenverteidigerkollege Mats Hummels, erst im Halbfinale gegen Italien einen bösen Aussetzer. Beim Gegentreffer zum 0:1 ließ er Italiens Mario Balotelli gewähren und zum Kopfball kommen. Das junge Innenverteidiger-Duo Badstuber/Hummels macht für die Zukunft Mut und hat bei der EM 2012 wichtige Erfahrungen gesammelt.

MATS HUMMELS
INNENVERTEIDIGER

Mats Hummels: Mit Außenseiterchancen auf einen Startplatz in die EM-Vorbereitung gestartet, entwickelte sich Mats Hummels nach dem ersten Spieltag zu einer wichtigen Stütze in der deutschen Defensive. Der Dortmunder musste sich eigentlich mit dem Platz hinter Per Mertesacker abfinden, doch vor dem ersten EM-Gruppenspiel entschied sich der Bundestrainer dazu dem Dortmunder den Vorzug zu gewähren. Hummels spielte gegen Portugal meisterlich auf, als hätte es die Diskussion um seine Person nie gegeben – defensiv wie offensiv. Acht Ballgewinne, 71 Pässe – davon sogar neun lange – und eine vorzeigbare Passquote (88,7 Prozent). Nach der Vorrunde verzeichnete die Statistik 20 Balleroberungen, eine Passquote von 91 Prozent und nur drei verlorene Zweikämpfe für den BVBler. Das Turnier hätte kaum besser verlaufen können - bis zum Halbfinale gegen Italien. Sein Stellungsfehler und sein schwaches Zweikampfverhalten gegen Cassano leitete die deutsche Niederlage ein. Das schwächste Spiel der Deutschen, Mats Hummels inbegriffen, bedeutete das Aus bei der EM 2012. Insgesamt betrachtet war Hummels bester Zweikämpfer im Team der Deutschen: Von 63 Zweikämpfen gewann er 75 Prozent! Defensiv-Bestwert auch bei den angekommenen Pässen: 92,67 Prozent von insgesamt 215 gespielten Pässen.

PHILIPP LAHM
LINKSVERTEIDIGER

Philipp Lahm: Der Kapitän hat immerhin auch in diesem Jahr seine Bilanz gehalten: Alle zwei Jahre trifft Philipp Lahm im Dress der Nationalmannschaft, so auch im Viertelfinale gegen Griechenland, als er das wichtige 1:0 erzielte. Lahm stets mit vollem Einsatz, versuchte auf seiner linken Seite das deutsche Spiel anzukurbeln. Dieses gelang zumindest in der Gruppenphase und im Viertelfinale sehr gut. Gegen Italien war es sein Abstimmungsproblem mit Lukas Podolski, das den Italienern den zweiten Treffer des Abends ermöglichte. Von 28 Zweikämpfen hat Philipp Lahm 48,28 Prozent gewonnen. 91,53 Prozent seiner Pässe kamen an und mit 390 Ballkontakten hatte Lahm in den EM-Spielen die Meisten aller DFB-Verteidiger.

JEROME BOATENG
RECHTSVERTEIDIGER

Jerome Boateng: Die rechte Abwehrseite, vor Turnier-Anpfiff, das große Sorgenkind im Kader der deutsche Nationalmannschaft. Vor dem ersten Spiel sorgte Jerome Boateng für unschöne Schlagzeilen, als er in der Nacht vor der Abreise nach Danzig einen Ausflug in ein fremdes Hotelzimmer unternahm. Joachim Löw gefiel diese Geschichte ganz und gar nicht und sprach folglich von einer „Bringschuld“ bei Jerome Boateng. Der Bayern-Verteidiger durfte trotz der unschönen Schlagzeilen im ersten EM-Spiel gegen Portugal von Beginn an ran und zahlte das Vertrauen mit einer ganz starken Leistung zurück. Portugals Superstar Cristiano Ronaldo hatte er über die gesamte Spieldauer fest im Griff. Es folgte ein nicht ganz so auffälliges Spiel gegen die Niederlande, ehe Boateng gegen Dänemark, wegen seiner zweiten Gelben Karte, pausieren musste. Von seinem guten und ordentlichen EM-Start war dann im Viertelfinale gegen Griechenland nur noch wenig zu sehen - im Halbfinale gegen Italien nutzte er seine Freiräume in der Offensive gar nicht aus und wirkte in der Defensive nicht immer als sicherer Rückhalt. Es wurde deutlich: Boateng auf der Rechtsverteidigerpositon, das ist nicht die optimale und beste Lösung - auch wenn ein Blick auf die Zweikampfbilanz für Boateng spricht: Drittbester Zweikämpfer im DFB-Team, mit 71,11 Prozent (gewonnen) bei 32 geführten Zweikämpfen. Die rechte Abwehrseite, nach Turnier-Abpfiff, bleibt sie dennoch das Sorgenkind in der deutschen Abwehrkette.


DIE RESERVISTEN DER DFB-ABWEHR

Wiese und Zieler: Kein Vorbeikommen an Neuer

Tim Wiese und Ron-Robert Zieler nahmen im Team der deutschen Nationalmannschaft die Rollen des zweiten und dritten Torhüters ein. Beide kamen im Turnier nicht zum Einsatz, stellten sich aber, so war es öfters aus dem deutschen Lager zu hören, voll und ganz in den Dienst der Mannschaft. Bundestrainer Joachim Löw spielte immerhin auch stets mit offenen Karten, wenn es darum ging, seine Nummer eins zu benennen - an Manuel Neuer ist einfach kein Vorbeikommen.

Höwedes wäre fast gegen Dänemark dabei gewesen

Schalkes Verteidiger Benedikt Höwedes musste sich bei der Europameisterschaft 2012 mit der Reservistenrolle abfinden. Der Schalker, der als Innen- und Außenverteidiger eingesetzt werden kann, schnupperte lediglich in der Gruppenphase an einem Platz in der ersten Elf. Im dritten und letzten Gruppenspiel  gegen Dänemark musste Bundestrainer Joachim Löw den gelbgesperrten Jerome Boateng ersetzen. Höwedes war eine mögliche Variante für die Rechtsverteidigerposition, letztlich entschied sich Löw jedoch für Leverkusens Lars Bender.

Per Mertesacker: Auf die Bank versetzt

Auch Innenverteidiger Per Mertesacker kam nicht über die Reservistenrolle hinaus. Mertesacker hatte vor dem EM-Turnier mit einer Verletzung zu kämpfen und war, so begründete es Joachim Löw, noch nicht auf einem 100-prozentigen Fitnessstand. Der Arsenal-Verteidiger galt jedoch noch vor dem ersten EM-Spiel als gesetzter Innenverteidiger in der deutschen Startelf, dann überraschte Löw alle Experten mit Mats Hummels und Per Mertesacker musste sich fortan mit dem Platz auf der Reservebank abfinden. Als Linksverteidiger-Alternative nominierte Joachim Löw Dortmunds Marcel Schmelzer für den EM-Kader. Der deutsche Meister aus Dortmund kam allerdings zu keinem Einsatz während der Europameisterschaft 2012.

Wie ist das DFB-Mittelfeld und der Angriff der deutschen Nationalmannschaft zu bewerten? Morgen gibt es den zweiten Teil, dann könnt ihr nachlesen, wie diese beiden Mannschaftsteile zu bewerten sind!

EURE MEINUNG:  Wie bewertet ihr die Leistungen von Neuer und der DFB-Abwehr?

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