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96-Neuverpflichtung Hiroki Sakai: Vom schüchternen Talent zum japanischen Export-Schlager
Jun Suzuki beobachtet Hiroki Sakai seit dessen Zeit in der U-15 von Kashiwa Reysol. Für Goal.com gibt er Einblicke in den Werdegang von Hannovers Neuverpflichtung.
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PROFIL
Von Jun Suzuki
Vor ziemlich genau einem Jahr hätte in Japan kaum jemand damit gerechnet, dass Hiroki Sakai zu einem europäischen Klub wechseln könnte.
| SAKAI IN DER J-LEAGUE-SAISON 2012 |
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![]() |
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| Spiele Tore Assists |
12 1 3 |
Nur auf neun Zweitliga-Einsätze für Reysol kam der 22-Jährige in der J-League-Saison 2010, in der folgenden Spielzeit stand er nach dem Aufstieg seines Teams beim Eröffnungsspiel gegen Shimizu nicht einmal im Kader. Bei seinem ersten Einsatz in Japans höchster Spielklasse präsentierte er sich nervös, gegen Omiya Ardija enttäuschte der Rechtsverteidiger am siebten Spieltag weitgehend.
Dennoch galt Sakai seit seinem Wechsel in Reysols Jugendakademie stets als Akteur mit großem Potential. Seine technischen und taktischen Fähigkeiten mussten noch reifen, die physische Stärke kombiniert mit Schnelligkeit, dem richtigen Timing und einem guten Schuss brachten ihm aber den Ruf eines vielversprechenden Talents ein.
So brach er die Oberschule nach dem zweiten Jahr ab und konzentrierte sich fortan auf den Fußball. Die Hälfte seines ersten Profijahres verbrachte Sakai in Brasilien - all diese Schritte hatte sein Klub bewusst forciert, um die Entwicklung des Youngsters voranzutreiben.
Sakai aber hatte eine fatale Schwäche: Egal, wie stark er auch von den anderen eingeschätzt wurde, sein Selbstvertrauen war nie besonders hoch. Er war ein ruhiger Spieler, keiner, der seinen Emotionen freien Lauf ließ. Der Mangel an Selbstbewusstsein wirkte sich auf sein Spiel aus: Wenn er zum Einsatz kam, konnte er selten seine ganzen Fähigkeiten abrufen.

Das sollte sich ändern. Am zehnten Spieltag der J-League kam Sakai gegen die Urawa Reds zu seinem vierten Erstliga-Einsatz, und nach gerade einmal 50 gespielten Sekunde trat er eine scharf getretene Flanke in den Strafraum, die Hideaki Kitajima zum 1:0 verwertete. Auch in der Defensive glänzte er an diesem Tag, über seine Seite ging beim Gegner nichts - am Ende stand ein 3:1-Sieg für den Aufsteiger. Der 1,83 Meter große Akteur hatte dabei endlich das Vertrauen in die eigene Stärke gewonnen, es sollte der Wendepunkt seiner Karriere sein.
Einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an der Entwicklung Sakais hatte auch sein Teamkollege Leandro Domingues. Der Brasilianer agierte auf der rechten Seite vor der Neuverpflichtung von Hannover 96. Sakai vertraute den Ball im Aufbauspiel oft seinem ballsicheren Vordermann an, um dann nach vorne zu stoßen und im Zusammenspiel mit Leandro für Druck auf dem Flügel zu sorgen. Hatte der Japaner zuvor häufig zögerlich agiert und war in der Defensive verblieben, profitierte er nun von seinem Mitspieler und wagte sich immer öfter ins vordere Drittel.
Mit seinen scharfen Flanken konnte Sakai auch in der Folge mehrere Assists verbuchen. Nach wiederholt starken Auftritten schaffte er es bald auch in das Blickfeld vom Coach der japanischen Olympia-Mannschaft, Takeshi Sekizuka. Und auch Alberto Zaccheroni, Trainer der A-Nationalmannschaft, wurde auf ihn aufmerksam und bezeichnete Sakai als einen der besten Außenverteidiger seines Landes.
Wirklich überwinden konnte er seine anfängliche Unsicherheit aber im Dezember. Denn dieser Monat hatte es in sich: Wenige Tage nachdem der FC Santos sein Interesse an Sakai bekundet hatte stand er dem brasilianischen Spitzenverein mit Reysol bei der FIFA Klub-WM gegenüber.

Bei Santos war Manager Muricy Ramalho auf Sakai aufmerksam geworden, der es aber vorzog, beim J-League-Meister zu bleiben und mit seinem Team in der asiatischen Champions League anzutreten - so kam es nicht zum erneuten Wechsel nach Brasilien.
Die Absage an eine Legende wie Ramalho war - ebenso wie die starken Auftritte gegen Monterrey und Santos bei der Klub-WM - zugleich Zeugnis von neugewonnener Selbstsicherheit: Sakai war nicht mehr das schüchterne Talent, sondern hatte eine mentale Reife erreicht, die endlich auch seiner starken Physis entsprach.
Diese Erfahrungen sorgten schließlich dafür, dass Sakai sich alsbald bereit für den Schritt nach Übersee sah und führten letztendlich zum Wechsel zu 96.
Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass Sakai sich in einigen Bereichen noch verbessern muss. Dennoch hat er einen Entwicklungssprung gemacht, den nicht viele für möglich gehalten hatten.
„Wenn ich mich nicht verbessere, werde ich vermutlich keine Spielzeit bekommen“, sagte ein sorgloser Sakai, nachdem der Wechsel zu 96 fix gemacht wurde. „Ich möchte meine Leistungen als Spieler in Deutschland verbessern.“
Sakai hat sich mental und als Spieler enorm entwickelt, aber seine höfliche Art und sein freundliches Lächeln sind geblieben. Wenn er in diesem Sommer in Hannover anfängt, kann er eigentlich nur gewinnen.
Eure Meinung: Ist Sakai der richtige Mann für Hannover?
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