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Mats Hummels, Mario Götze und Lukasz Piszczek sind nur einige der Säulen des Dortmunder Erfolges. Darüber hinaus symbolisieren sie auch die neu geschaffene Kontinuität beim BVB.

Dortmund. Kurz vor der Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine konnte Borussia Dortmund am vergangenen Sonntag noch eine äußerst positive Nachricht vermelden: Mats Hummels hat seinen 2013 auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängert. Damit ist Hummels zusammen mit Neuzugang Marco Reus der BVB-Spieler, der sich momentan am längsten an den Doublesieger der abgelaufenen Saison gebunden hat. Auch ein Blick auf die Verträge seiner Mitspieler zeigt: Der BVB versucht nicht nur, auf Kontinuität zu setzen, es gelingt ihm auch zunehmend.

Neuzugänge allesamt langfristig gebunden

Gerade bei den Neuzugängen achtet Sportdirektor Michael Zorc darauf, diese mit langfristigen Verträgen zu binden. Spieler wie etwa Ilkay Gündogan oder Ivan Perisic, von denen man in Zukunft einiges erwartet, wurden mit Verträgen bis 2015 bzw. 2016 ausgestattet. Seit der Winterpause steht zudem Marco Reus’ Wechsel nach Dortmund fest. Er hat ebenfalls einen langfristigen Vertrag unterschrieben, der bis 2017 läuft. Das Zeichen, das die sportliche Führung des BVB setzen will, ist klar und deutlich: Wir planen nicht nur mit Spielern für den kurzfristigen Erfolg, wir verfolgen mittel- und langfristige Ziele.

VERTRAGSDAUER DER BISHERIGEN BVB-NEUZUGÄNGE ZUR SAISON 2012/13
Spieler Position ehemaliger Verein Vertragsende
Zlatan Alomerovic Torwart Borussia Dortmund II Juni 2013
Leonardo Bittencourt Offensives Mittelfeld FC Energie Cottbus Juni 2016
Mustafa Amini Offensives Mittelfeld Central Coast Mariners (war ausgeliehen) Juni 2015
Marco Reus Hängende Spitze Borussia Mönchengladbach Juni 2017
Dimitar Rangelov Mittelstürmer FC Energie Cottbus (war ausgeliehen) Juni 2013
Daniel Ginczek Mittelstürmer VfL Bochum (war ausgeliehen) Juni 2013

Vertragsverlängerungen meist ohne große Nebengeräusche

Die Überzeugungskraft des „Gesamtpakets BVB“, das immer wieder von den Verantwortlichen hervorgehoben wird, zeigte sich 2012 bereits in vier entscheidenden Vertragsverlängerungen. Den Anfang machten Ende Januar Trainer Jürgen Klopp und Michael Zorc, die ihre bis 2014 laufenden Arbeitspapiere vorzeitig bis 2016 verlängerten. Mario Götze, der ebenfalls einen Vertrag bis 2016 unterschrieb, folgte rund zwei Monate später. Nun hat sich Mats Hummels als vorerst letzter mit seiner Unterschrift bis 2017 eindeutig zum BVB bekannt. Bei all diesen Verlängerungen fiel vor allem ins Auge, dass die Beteiligten im Vorfeld ohne großen Medienzauber auskamen, ehe der erfolgreiche, teilweise vielleicht auch überraschende Vollzug vermeldet wurde.

Lewandowski-Berater mimt den Pokerspieler

Dass es allerdings nicht immer so reibungslos abläuft, zeigt sich im Falle der Vertragsverlängerung Robert Lewandowskis: Mal ist das Angebot des BVBs zu niedrig, mal steht er kurz vor der Unterschrift. Vor allem Cezary Kucharsky, einer der Berater Lewandowskis, nutzt die Medien gerne dazu, um mit einem möglichen Wechsel seines Klienten nach der EM zu kokettieren, obwohl Michael Zorc erst vor kurzem allen Wechselspielen erneut einen Riegel vorschob.

Kucharsky pokert hoch. Er weiß, dass ein großer Klub anklopfen könnte, wenn Lewandowski nach einer klasse Saison bei Dortmund auch noch eine gute Europameisterschaft spielt. Auch in den Verhandlungen mit Borussia Dortmund, die wohl nicht mehr vor der Europameisterschaft abgeschlossen sein werden, könnte ein bei der EM erfolgreicher Lewandowski die Karten noch einmal neu mischen. Sportlich wird wohl keiner beim BVB der polnischen Nationalmannschaft ein frühes Aus wünschen, für die Verhandlungen mit Lewandowski könnte es sich allerdings als Segen erweisen.



Das Erbe der Meier/Niebaum-Ära

Bei all diesen Vorgängen darf man nicht vergessen, welche Hypothek die ehemaligen BVB-Verantwortlichen Michael Meier und Gerd Niebaum dem Verein hinterlassen haben. Seit mehr als sieben Jahren sind Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball damit beschäftigt, die sportlichen und vor allem finanziellen Schäden ihrer Vorgänger zu reparieren und den Verein zu sanieren.

Am aktuellen Beispiel des polnischen Talents Rafal Wolski sieht man, dass man aus den Fehlern der früheren Vereinsführung gelernt hat. Nachdem Wolskis Verein Legia Warschau die 4,5-Millionen-Euro-Offerte der Dortmunder nicht akzeptiert, sondern stattdessen fast schon unverschämte 6 Millionen Euro für den 19-Jährigen gefordert hatte, stieg der BVB aus den Verhandlungen aus. Wer sich noch daran erinnert, wie locker das schwarz-gelbe Portemonnaie unter Michael Meier manchmal saß, fragt sich nicht ganz zu Unrecht, ob vor etwa einem Jahrzehnt ähnlich gehandelt worden wäre.

Finanzielle Vernunft spielt wichtige Rolle

Bereits nach dem Reus-Transfer, der Borussia Dortmund 17,1 Millionen Euro kosten wird, erklärten die Verantwortlichen, dass man nicht darauf angewiesen sei, andere Spieler abzugeben, um diesen Wechsel zu finanzieren. Erweist sich ein Transfer aber aus wirtschaftlicher Sicht als vernünftig, schaltet man bei abwanderungswilligen Spielern wie Lucas Barrios oder Shinji Kagawa nicht auf stur und pocht auf eine Erfüllung des Vertrages. Ein Verein wie Borussia Dortmund ist sich der Tatsache bewusst, nie dieselben finanziellen Möglichkeiten zu haben, die sich zum Beispiel Bayern München hart und verdient erarbeitet hat. Jedoch sind die Zeiten vorbei, in denen Dortmund Leistungsträger aus finanzieller Not heraus verkaufen muss.

Fluktuation auf Minimum begrenzt

Nach der überraschenden Meisterschaft in der letzten Saison befürchtete manch einer, dass die Mannschaft auseinanderfallen könnte, am Ende war Nuri Sahin aber der einzige prominente Abgang. Real Madrid war interessiert, Sahin hatte eine Ausstiegsklausel, der Rest dürfte bekannt sein. Ein Jahr und einen Doublesieg später sind die Befürchtungen dieselben.



Doch auch dieses Mal scheint der BVB die Abgänge wichtiger Akteure auf ein Minimum, nämlich zwei, begrenzen zu können. Lucas Barrios, vor drei Jahren für 4,2 Millionen Euro aus Chile gekommen und in dieser Saison nur Bankdrücker, wechselt nach China zu Guangzhou Evergrande und beschert den Dortmundern eine Ablöse in Höhe von 8,5 Millionen Euro.

Shinji Kagawa steht kurz vor der Erfüllung seines Traumes, in der englischen Premier League zu spielen. Manchester United und Borussia Dortmund verkündeten am Dienstag den Wechsel des 23-Jährigen. Neben 15 Millionen Euro fixer Ablösesumme soll die Borussia erfolgsabhängige Zusatzzahlungen erhalten. Insgesamt, so heißt es, könnte die Summe auf 20 Millionen Euro ansteigen. Das wäre mehr als das 57-fache der 350 000 Euro, die der BVB vor zwei Jahren als Ausbildungsentschädigung an Kagawas ehemaligen Klub Cerezo Osaka gezahlt hat. Ein gutes Geschäft, nachdem Kagawa bereits angekündigt hatte, seinen 2013 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Kagawa ist ersetzbar!

Ohne Zweifel wird Kagawas Abgang eine große Lücke hinterlassen. Allerdings hat Borussia Dortmund schon in der Rückrunde der letzten Saison gezeigt, dass es auch ohne den Japaner geht, als Mario Götze in die Bresche sprang. In dieser Saison war es dann Mario Götze, der nahezu die komplette Rückrunde ausfiel, Jakub Blaszczykowski ersetzte ihn problemlos. Borussia Dortmund hat zwei Jahre hintereinander gezeigt, dass sie Langzeitausfälle gut kompensieren können.

Mario Götze, Jakub Blaszczykowski, Ivan Perisic, Kevin Großkreutz sowie die Neuzugänge Leonardo Bittencourt, Marco Reus und Mustafa Amini werden Jürgen Klopp in der nächsten Saison im offensiven Mittelfeld zur Verfügung stehen. Man könnte es schlimmer treffen. Der BVB dürfte für den Abgang Kagawas schon jetzt gut gewappnet sein.

Das Streben nach Kontinuität: Die Langzeitverträge des vorläufigen BVB-Kaders 2012/13
Vertrag bis Spieler Position
Juni 2014 Neven Subotic Innenverteidiger
Robert Lewandowski Mittelstürmer
Marcel Schmelzer Linker Verteidiger
Kevin Großkreutz Linksaußen
Roman Weidenfeller Torwart
Felipe Santana Innenverteidiger
Julian Koch Rechter Verteidiger
Marvin Bakalorz Zentrales Mittelfeld
Juni 2015 Ilkay Gündogan Zentrales Mittelfeld
Moritz Leitner Zentrales Mittelfeld
Chris Löwe Linker Verteidiger
Mustafa Amini Offensives Mittelfeld
Juni 2016 Mario Götze Offensives Mittelfeld
Sven Bender Defensives Mittelfeld
Lukasz Piszczek Rechter Verteidiger
Ivan Perisic Linksaußen
Mitchell Langerak Torwart
Leonardo Bittencourt Offensives Mittelfeld
Juni 2017 Mats Hummels Innenverteidiger
Marco Reus Hängende Spitze

Noch viel Luft nach oben

Für Jürgen Klopp, der die Mannschaft in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich verbessert hat, ist vielleicht sogar das Schönste, dass die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Nach dem blamablen Aus in der Gruppenphase der Champions League wird die Mannschaft alles dafür tun, um sich nächstes Jahr auf internationaler Bühne besser zu präsentieren. Auch die deutschen Nationalspieler um Mats Hummels und Mario Götze wollen dem Bundestrainer zeigen, dass sie nicht ewig hinter den Bayern die zweite Geige spielen wollen. Die Gefahr, dass Spieler und Verantwortliche nach zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg in den letzten zwei Jahren schon mit sich selbst zufrieden sein könnten, dürfte nicht allzu groß sein. Dafür gibt es einfach noch zu viele Verbesserungsmöglichkeiten.

Der Beginn einer „Goldenen Ära“?

Erst die Zukunft wird zeigen, ob der BVB momentan am Anfang einer „Goldenen Ära“ steht. Mit Jürgen Klopp, Michael Zorc, Mats Hummels, Mario Götze, Marco Reus und einigen anderen könnten die prägenden Namen dieser Ära aber schon jetzt im Wesentlichen feststehen.

Eure Meinung: Werden die 2010er Jahre das Jahrzehnt des BVB?

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