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„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt Bayern München das Zeugnis aus. Klassenziel erreicht?

Verein: FC Bayern München
Bundesliga: Platz 2
DFB-Pokal: Platz 2
Champions League: Platz 2

Zielsetzung: Nach der titellosen Chaossaison 2010/2011 war das Double in diesem Jahr eigentlich Pflicht. Doch der eigentliche Traum war, das Champions-League-Finale im eigenen Stadion zu gewinnen.

LIGA & POKAL- Note: gut (2)

Mit 73 Punkten wäre der FC Bayern in der Vergangenheit in gefühlt 95 Prozent aller Spielzeiten am Ende Deutscher Meister geworden. Doch nicht in diesem Jahr. Borussia Dortmund lieferte eine bislang einmalige Rekordsaison ab und schlug den Rekordmeister in allen direkten Duellen in Liga und Pokal. Die Bayern konnten zwar unzählige Kantersiege verbuchen, mussten jedoch gleich sieben Niederlagen in der Liga hinnehmen, obwohl man nur ein Gegentor von Oliver Kahns ewigem Rekord entfernt war.

Acht Punkte Vorsprung hatten die Roten in der Hinrunde phasenweise auf den Meister, doch am Ende drehte sich das Blatt vollkommen. Es bleibt unerklärlich, wieso die Bayern-Stars trotz der titellosen Vorsaison derartige Lustlos-Auftritte ablieferten und im Winter reihenweise Punkte verspielten, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch keine K.o.-Spiele in der Königsklasse gab. Im DFB-Pokal erreichte die Mannschaft das Endspiel, scheiterte eine Woche vor dem Finale Dahoam gegen Chelsea jedoch an der empfundenen Lästigkeit dieser Aufgabe.

CHAMPIONS LEAGUE - Note: sehr gut (1)

Es wäre ungerecht, den Bayern nach dem brutalsten Drama seit 1999 einen Vorwurf zu machen, nicht alles für den Traum ihres Lebens getan zu haben. Die Mannschaft von Jupp Heynckes spielte eine überragende Champions-League-Saison, lieferte von Spieltag eins in Villarreal bis zum Finale eine konzentrierte und absolut entschlossene Leistung ab, bei der spürbar war, dass die Spieler besessen vom Finale in der Allianz Arena waren. Die schwerste aller Vorrundengruppen wurde mühelos gewonnen, Spaniens Rekordoffensive von Real Madrid im Halbfinale größtenteils komplett aus dem Spiel genommen.

Nach Siegen über die neuen englischen und spanischen Meister und den italienischen Pokalsieger Neapel scheiterte man im Endspiel auf eine unfassbare Art und Weise am FC Chelsea, der während der gesamten K.o.-Phase das Glück gepachtet hatte. Die Bayern-Stars mussten sich trotz heroischer Aufopferung im Finale dem Schicksal geschlagen geben, doch die Sympathien in Europa gehören ihnen. Die Münchner sind nach dieser Saison endgültig unter den besten Mannschaften der Welt angekommen. Eine Tatsache, von der Borussia Dortmund trotz Double nur träumen kann.



UNTERHALTUNG - Note: 2 (gut)

Mit 77 Toren in der Bundesliga hatte der FC Bayern einiges zu bieten in der abgelaufenen Spielzeit. Besonders einprägsam waren dabei die Schützenfeste, wie das 7:0 gegen Freiburg, das 7:1 gegen Hoffenheim oder das 6:0 in Berlin. Die rote Megaoffensive war in der Lage, die Bundesligakonkurrenz zu demontieren, wie es sonst nur Madrid und Barcelona in ihrer Liga schaffen. Die Kehrseite der Medaille war das weiterhin nicht variable Angriffsspiel und die Probleme der Mannschaft, wenn sie kein frühes Tor erzielt hat. Sieben Niederlagen kamen nicht von ungefähr und das Zustandekommen war in den meisten Fällen ähnlich.

In der Champions League bot der Rekordmeister vor allem Nervenkitzel vom Feinsten, der am Ende zu einer Horrorshow mutierte. Zwar schraubte man die Gegner nicht wie Barcelona auseinander, doch setzte sich das dominante Spiel der Münchner am Ende immer durch. Nur im allerletzten Spiel nicht.

TRANSFERMARKT - Note: noch befriedigend (3-)

Nach der schwachen zweiten Saison unter Louis van Gaal legten die Münchner Macher großen Wert darauf, die Defensive wieder zu stabilisieren. Mit Manuel Neuer und Jerome Boateng landeten die Bayern-Bosse zwei absolute Volltreffer, welche großen Anteil am Erreichen des Champions-League-Finals hatten. Vor allem der Nationaltorwart trägt das Bayerngen in sich, ist ein Mann für große Spiele und ohne Nerven. Trotz Fehler in der Liga war er in der Champions League immer da und verwandelte im Finale sogar selbst einen Elfmeter, als sich Spieler wie Kroos davor drückten.

Bei den restlichen Neuzugängen lag man jedoch ziemlich daneben. Nils Petersen und Takashi Usami waren insgesamt große Flops und kamen so gut wie nie zum Einsatz. Beide werden nach nur einem Jahr den Verein wieder verlassen. Usami kam primär nur in der Reservemannschaft zum Einsatz, Petersen konnte nie eine echte Konkurrenz zu Gomez darstellen. Auch Rafinha überzeugte Jupp Heynckes nicht. Er stellt lediglich internationalen Durchschnitt dar, obwohl er als Stammspieler verpflichtet wurde. Durch eine glückliche Fügung etablierte sich David Alaba in der Startelf. Der Österreicher war zuvor an Hoffenheim ausgeliehen.

Der ultradünne Kader und die Ersatzbank ohne gleichwertige Konkurrenz für die ausgelaugten Stars stellten ein großes Problem dar. Daher war die Transferperiode nicht mehr als befriedigend. Für die kommende Spielzeit wurde das erkannt. Die Bayern-Bankdrücker werden konsequent gegen bessere Spieler ausgetauscht.



TRAINER & UMFELD - Note: gut (2)

Jupp Heynckes wurde verpflichtet, um Ruhe in den Verein zu bringen und die Balance zwischen Abwehr und Angriff wiederherzustellen. Beide Aufgaben hat er voll und ganz erfüllt. Selbst Themen wie Riberys Schlag gegen Robben wurden mehr oder weniger im Keim erstickt. Anzumerken bleibt jedoch auch, dass trotz des kleinen Kaders einige Spieler konsequent außen vor gelassen wurden. Taktisch hat Heynckes die Abwehr auf ein Weltklasse-Niveau gebracht. Stars wie Agüero, Benzema, Ronaldo und Drogba wurden fast komplett aus dem Spiel genommen. Offensiv konnte er die Mannschaft jedoch nicht weiterentwickeln. Die Angriffe sind zu simpel, zu einfach zu verteidigen.

SHOOTING STAR
EIN BOLLWERK
DER PECHVOGEL


GESAMTNOTE - Note: gut (2)

In allen drei Wettbewerben nur Zweiter zu sein, ist für den FC Bayern ein kleiner Weltuntergang. Dabei wäre das verlorene Double bereits völlig egal, hätte man nur etwas mehr Glück im Champions-League-Finale gehabt. Insgesamt war es daher auch keine sehr gute, aber eine gute Saison. Es gibt Verbesserungsbedarf, vor allem im Angriffsspiel. Doch die Ergebnisse waren überwiegend gut, auch wenn sieben Niederlagen in der Bundesliga mit diesen Stars einfach zu viel sind. Diese Spielzeit wird den Bayern-Fans jedoch als eine der schmerzvollsten aller Zeiten in Erinnerung bleiben.

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