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Beide Spieler sind Schlüsselfiguren ihrer Teams. Da sie sich aber der „30“ nähern, muss die Frage erlaubt sein: Werden sie jemals einen internationalen Titel gewinnen?

Kommentar
Von Clark Whitney

Betrachtet man die Vita von Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, scheinen beide eine bemerkenswerte Karriere zu genießen. Nachdem sie 90 beziehungsweise 85 Länderspieleinsätze deutlich vor dem 30. Lebensjahr erreicht haben, werden sie als deutschen Legenden in die Geschichte eingehen.

Doch es ist auffällig, dass eine Sache beiden Spielern bis heute fehlt: Keiner konnte die Champions League, eine Welt- oder Europameistschaft gewinnen. Und das, obwohl sie gemeinhin als sogenannte „Big-Match-Players“ gelten und die Gesichter der neuen deutschen Generation darstellen. Ihre eigenen hohen Erwartungen konnten sie aber nie erfüllen und kamen nie über den Status des Underdogs hinaus, da sie immer an der Final-Hürde scheiterten.

Das Champions-League-Finale am Samstag war der Moment, auf den Lahm, Schweinsteiger, Bayern und der deutsche Fußball gewartet haben. Es war angerichtet. Die Münchener waren die großen Favoriten gegen ein geschwächtes und nachlassendes Chelsea und hatten zudem den Vorteil im eigenen Stadion antreten zu können. Kein Finale ist einfach, aber es ist sicher, dass Bayern nie wieder solch eine klare Chance bekommen wird, die Dürrezeit an europäischen Titeln zu beenden, die bis ins Jahr 2001 zurückgeht. Doch der Druck tat sein Übriges: Philipp Lahm war einer der wenigen Lichtblicke in einem Spiel, in dem die Bayern hinter ihren Möglichkeiten blieben und die Champions League herschenkten.

Neuverpflichtungen können kaum helfen. Nur der Gewinn eines großen Titels kann die Belastung für Schweinsteiger, Lahm und Co. mindern und diese schier ausweglose Situation lösen.

Blickt man auf die kommenden Jahre, sind die Aussichten des FCB düster. In den vergangenen Spielzeiten gab es immer wieder Positionen, die Schwächen offenbarten. Die Viererkette, zum Beispiel, war der Grund, warum es 2010 im Finale gegen Inter Mailand nicht gereicht hat. Nach dem wiederholten Scheitern in dieser Saison gibt es allerdings keine wirkliche Lösung: Ein paar Transfers können und werden den Unterschied nicht ausmachen für ein Team, in dem nur ein oder zwei Spieler ihr ganzen Potenzial ausschöpfen.
LAHM & SCHWEINSTEIGER
IM GLEICHSCHRITT
Wettbewerb
2006 Weltmeisterschaft
2008 Europameisterschaft
2010 Champions League
2010 Weltmeisterschaft
2012 Champions League
Ergebnis
Dritter Platz
Zweiter Platz
Zweiter Platz
Dritter Platz
Zweiter Platz

Der FC Bayern hat ein mentales Problem - etwas das Stars wie Schweinsteiger, Arjen Robben, Mario Gomez und Franck Ribery nicht auffangen können. Das hat das gestrige Spiel wieder gezeigt.

Nachdem man 210 brillante Minuten gegen Real Madrid absolvierte, hatte Bayern mit Chelsea nun eine weitaus weniger schwere Aufgabe. Aber die Deutschen hielten dem Druck nicht stand – nicht dem Druck ihres Gegners, sondern dem Druck der großen Bühne namens Champions-League-Finale. Neuverpflichtungen können da kaum helfen. Nur der Gewinn eines großen Titels kann die Belastung für Schweinsteiger, Lahm und Co. mindern und diese schier ausweglose Situation lösen.

Blickt man auf ihre bisherigen Karrieren zurück, hat das Duo immer auf einem hohem Niveau agiert, aber das für Teams, die bei den Buchmachern nie als Favoriten galten. Und wenn es zu einer Drucksituation kam, zu Titelentscheidungen, konnten sie keine Topleistungen abrufen. Von Deutschland wurde nicht erwartet, dass sie bei WM 2006 weit kommen würden, als Lahm und Schweinsteiger zum ersten Mal ihre Leistungsfähigkeit auf internationaler Bühne zeigten. Sie führten ihre Nation schließlich ins Halbfinale, bevor sie vom späteren Weltmeister Italien geschlagen wurden. Auch in der Champions League 2010 war der FC Bayern München auf seinem Weg ins Finale immer wieder der Underdog, bevor sie eine Lehrstunde in Sachen taktischem Defensivverhalten geliefert bekamen.

Philipp Lahm wird bald 29, Bastian Schweinsteiger 28. Beiden stehen noch einige Jahre auf höchsten Niveau bevor, aber diese Zeiten werden weniger und nähern sich irgendwann dem Ende. Erstgenannter gab sogar vor dem Spiel am Samstag zu, er würde wohl nicht mehr alt so viele Chancen bekommen bevor er seine Karriere beende. Lahm weiß wie gefährlich seine Situation ist , nachdem er zum Kapitän der Nationalmannschaft ernannt wurde, als Michael Ballack bei der WM 2010 gezwungenermaßen passen musste und anschließend höchst umstritten seine Karriere beim DFB beendete.

Der beste deutsche Spieler seiner Zeit gewann ebenfalls nie eine große internationale Trophäe mit einem Klub oder für sein Land und ist dementsprechend nun ein vergessener Mann. Der Veteran wird nicht als Champion angesehen und mit jedem weiteren Tag verblassen die Erinnerungen an ihn. Lahm und Schweinsteiger riskieren eine ähnliche Zukunft, wenn sie nicht eine der weltweit begehrtesten Trophäen gewinnen. Das ist der Unterschied zwischen einem „Beinahe-Mann“ und in einem Atemzug mit Paul Breitner und Lothar Matthäus genannt zu werden.

Bayerns und Deutschlands titellose Zeit wird irgendwann enden. Die Frage ist nur, ob Lahm und Schweinsteiger dabei sein werden und mitfeiern können.

Bayerns Misserfolg in dieser Saison ist eine große Enttäuschung für den Klub, aber die Konsequenzen reichen weit über die Grenzen Münchens hinaus. Die Bayern und Deutschland waren schon immer sehr eng miteinander verbunden, die Gegenwart ist keine Ausnahme: Realistisch gesehen, stehen nicht weniger als acht Spieler vom FCB im Team von Joachim Löw bei der EURO 2012.

Die gestrige Niederlage war deshalb ein schwerer Schlag für die Moral der Mannschaft. Obwohl Deutschland die wohl beste Kadersituation aller an den Start gehenden Teams vorweist, muss die Frage gestellt werden: Haben sie wirklich die Siegermentalität im Kader, um diesen Titel zu gewinnen? Oder werden sie ein gutes Turnier spielen um wieder an der letzten Hürde zu scheitern?

Mit der Zeit wird die Titellosigkeit, sowohl für Bayern München als auch für die deutsche Nationalmannschaft enden. Die Finanzen des Klubs sind die besten unter den Spitzenteams in Europa, während der Kern der Startelf noch relativ jung ist. Beim dreimaligen Weltmeister Deutschland ist die Jugendarbeit darüber hinaus unübertroffen. Beide titellose Zeiten werden irgendwann enden. Die Frage ist nur, ob Lahm und Schweinsteiger dabei sein werden und mitfeiern können.

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