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RB Leipzig: Das Projekt Champions League gerät ins Stocken

RB Leipzig: Das Projekt Champions League gerät ins Stocken

Getty Images

Das war's - seit dem Wochenende ist die Regionalligasaison beendet und RB Leipzig hat es wieder nicht geschafft. Nun kommen die Gegner wieder aus Havelse und nicht aus Rostock.

Leipzig. Am Samstag kurz nach 15 Uhr endete das im Vorfeld als Aufstiegsfinale so heiß herbeigesehnte Spiel gegen den Halleschen FC. Doch es war kein Finale mehr. RB Leipzig verpasste schon eine Woche früher den vor der Saison so sicher geglaubten Aufstieg in die Dritte Liga.

Im Sommer 2009 fing alles an. Es war heiß und stickig in der Messestadt Leipzig. Es gab viele Gerüchte über ein Engagement eines großen Unternehmens in Leipzig. Der Fußball sollte endlich auch wieder im Profibereich rollen und nicht immer wieder hin und her springen. Die Konkurrenz der beiden „großen“ Leipziger Vereine ist nicht nur hart, sie ist verbissen. Zwischen beiden Teams herrscht eine große Rivalität und kämpfen nicht zusammen für ein großes Ziel. Sachsen Leipzig, einer der beiden und ein Traditionsverein aus DDR-Tagen, ist inzwischen aus dem Vereinsregister verschwunden. Die Insolvenz kam 2011. Der 1. FC Lokomotive Leipzig unterdessen spielt in der Regionalliga, zumindest ab der Saison 2012/2013. Sie schafften den Aufstieg in die Viertklassigkeit und treffen dann in der kommenden Spielzeit  im Leipziger Derby auf die Kicker des Getränkeriesen.

Bayern München und Borussia Dortmund sollen Ligakonkurrenten werden

Dies sollte sich mit dem Geld von Red Bull aber ändern und auch mal Bayern München oder Borussia Dortmund als Ligakonkurrenten nach Leipzig kommen und eben nicht nur zu Freundschaftsspielen. Der Start in der Oberliga war gut und der Durchmarsch gelang ohne Probleme, der Aufstieg in die Regionalliga war souverän. Dann begann das Zittern. Lediglich im Sachsenpokal siegreich, stieg am Ende der Saison 2010/2011 der Chemnitzer FC in die Dritte Liga auf. Das Team der Chemnitzer war jung und relativ unerfahren im Vergleich zu RB, doch es war eine richtige Mannschaft. Im Anschluss an die Spielzeit musste Trainer Thomas Oral gehen. Das ist genau jener Coach, der unlängst bei Ingolstadt anheuerte und den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga schaffte. Liegt es nun am Coach oder nicht?

Kontinuität fehlt in jeder Hinsicht

Noch während der Spielzeit wurde damals Peter Pacult vom österreichischen Bundesligisten Rapid Wien verpflichtet. Er brachte einen eigenen Betreuerstab mit und das Unternehmen setzte das neue Trainerteam ohne große Rücksprache mit den sportlichen Verantwortlichen durch. So trat Sportdirektor Thomas Linke nach nur wenigen Wochen im Amt auch wieder zurück. Doch nicht nur im Trainerteam änderte sich Einiges. Die Mannschaft wurde erneut umgebaut und insgesamt 14 (!!!) neue Spieler kamen zur und während der Regionalligasaison 2011/2012 nach Leipzig. So entsteht keine funktionierende Mannschaft. 

Achtungserfolg im Pokal

Im DFB-Pokal konnte ein Achtungserfolg gegen den VfL Wolfsburg erzielt werden und die Leipziger schieden in Runde 2 gegen Augsburg aus. Damals hofften die Leipziger, dass man auf der Erfolgsspur und es ist nur eine Frage der Zeit sei, bis der Aufstieg perfekt gemacht wird. Der Aufstieg sollte mit aller Macht her. Doch man scheiterte an den direkten Konkurrenten. Gegen den Halleschen FC und Holstein Kiel ließ man Punkte liegen oder scheiterte gleich ganz. Ein Unentschieden gegen die Zweitauswahl genau derer Mannschaft, die man im Herbst aus dem DFB-Pokal schmiss, sorgte für den Ligaverbleib. Das ist dann wohl Schicksal, oder doch eine kleine Rache von Felix Magath?

Meuselwitz statt Karlsruhe, Havelse statt Rostock

Am Ende heißt es wieder Regionalliga statt Profifußball, Meuselwitz statt Karlsruhe, Havelse statt Rostock. Aber wem soll man hier die Schuld in die Schuhe schieben? Wer muss an den Pranger? Die Geduld der RB-Bosse. Sie ist schuldig im Sinne der Anklage. Es benötigt einfach auch ein wenig Zeit. Auch wenn das gesamte Projekt sehr kritisch gesehen wird, darum soll es hier nicht gehen, es soll um den Fußball gehen. Und eben diesen können auch noch andere Mannschaften spielen. Es ist immer wichtig ein wahres Team zu haben, so können auch enge Spiele entschieden werden. In der Niederlage zusammenstehen und bei Erfolg zusammen feiern. 

„Geld allein schießt keine Tore“

Die Floskel „Geld allein schießt keine Tore“ trifft auch mal wieder zu. Doch auch wenn man gute Spieler holt, es muss einen Kern in der Mannschaft geben. Als Beispiel dient auch der FC Chelsea. Auch dort herrscht ein reicher Manager, doch ein ganz entscheidendes Merkmal bleibt oft vergessen: Der Kern der Mannschaft spielt seit mindestens vier Jahren oder mehr zusammen. Das sind nicht nur Terry, Cech, Lampard oder Drogba, auch Ivanovic oder Cole spielen schon seit Jahren bei Chelsea. Einen solchen Kern braucht ein Team, auch um neue Spieler in die Mannschaft zu integrieren.

Natürlich ist die Entwicklung in Leipzig sehr kritisch zu betrachten, nicht nur aufgrund der 50+1-Regel, die es in Deutschland Gott sei Dank noch gibt, auch wegen der sehr undurchsichtigen Vereinspolitik und Hierarchie. Klar ist: Bloße Finanzspritzen reichen nicht. Kontinuität in allen Belangen bringt manch einmal ganz einfach mehr.

Im Kleinen fängt es an

Jeder Verein beginnt im Kleinen, auch RB muss hart um die Sympathien kämpfen, doch für die Sportstadt Leipzig ist Profifußball Pflicht und es geht leider nicht mehr ohne relativ viel Geld. Und große Unternehmen können auch ein Segen für den Sport sein, wie Red Bull auch just am Sonntag verkündete, bei dem kriselnden Eishockeyklub EHC München zu investieren. Tradition kann es aber dennoch nicht ersetzen.

Eure Meinung: Sollte das Engagement von Red Bull in Leipzig ein Vorbild für andere Vereine sein?

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