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„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt Bayer 04 Leverkusen das Zeugnis aus. Klassenziel erreicht?

Verein: Bayer 04 Leverkusen

Bundesliga: Platz 5

DFB-Pokal: ausgeschieden in Runde 1

Champions League: Achtelfinale

Zielsetzung: „Ich bin nach Leverkusen gekommen, um noch erfolgreicher zu sein“, hatte der neue Leverkusener Trainer Robin Dutt vor Saisonbeginn verkündet. Nach der Vizemeisterschaft aus der Vorsaison hieß das nun logischerweise: Meisterschaft! In und um Leverkusen freute man sich ungemein auf die Saison - ganz nach dem Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann? Auch in der Champions League peilte man das Erreichen der K.O.-Phase an - hatte mit Chelsea, Valencia und Genk jedoch keine einfache Gruppe erwischt.

Liga & Pokal - Note: noch befriedigend (3-)

Gleich vor Beginn der Bundesliga, musste Bayer einen herben Rückschlag einstecken. Trotz 3:0-Führung, flog man in der ersten DFB Pokal-Runde beim Zweitligisten Dynamo Dresden aus und machte sich zur Lachnummer der Nation. Dennoch war man weiter optimistisch, immerhin gehört es in Leverkusen fast schon zur Tradition, dass man im Pokal nichts reißen kann.

Doch auch in der Liga lief es nicht so, wie man es sich vorstellte. Kurrzeitige Zwischenhochs wurden durch unsanfte Niederlagen abrupt gestoppt - die ersten vier Tabellenplätze gerieten schon früh in weite Ferne. Bis zum Schluss musste man um den begehrten Europa-League-Platz zittern, am Ende setzten sich die Akteure dann aber doch noch auf den Hosenboden und konnten das Minimalziel erreichen - Platz fünf.

Champions League - Note: noch gut (2-)

Tatsächlich überstand Leverkusen die Gruppenphase und hatte bis zum Ende sogar noch die Gelegenheit, als Gruppenerster in die K.O.-Phase einzuziehen. Heimsiege gegen Chelsea, Valencia und Genk ließen die Anhänger von früheren goldenen Zeiten träumen, die Atmosphäre bei den Heimspielen war einfach wunderbar. Letztlich wurde der „Werkself“ dann jedoch ausgerechnet der FC Barcelona zum Verhängnis.

Als der Name der Katalanen auf dem Loszettel erschien, schmunzelte man unterm Bayerkreuz. Im Achtelfinale ging es gegen die vielleicht beste Mannschaft der Welt - immerhin: zu verlieren hatte man nichts, solange man sich nicht komplett abschießen lassen würde. Im Hinspiel ging das auch noch einigermaßen gut, man zeigte eine engagierte Leistung, verlor letztlich aber mit 1:3. Das Rückspiel im Camp Nou war dann allerdings ein absoluter Offenbarungseid. 1:7 hieß es nach 90 Minuten und Bayer zeigte, dass man sich selbst mit einer Niederlage gegen eine Weltklasse-Mannschaft noch zur Lachnummer machen kann. Das Aus in der Champions League war in jedem Fall besiegelt.

UNTERHALTUNG - Note: ausreichend (4)

Wenn man nicht gerade Leverkusen-Fan ist, war für Unterhaltung durchaus gesorgt. Desaströse Niederlagen gegen den 1. FC Köln (1:4), den 1. FC Nürnberg (0:3) oder eben beim FC Barcelona (1:7) sorgten zumindest beim Gegner für lachende Gesichter. Kurios waren auch die beiden Saisonspiele gegen Hertha BSC. Beide Partien gegen den Hauptstadtklub endeten mit 3:3, in jedem Spiel verspielte die Heim-Mannschaft einen 2:0-Vorsprung, um sich in letzter Sekunde dann doch noch einen Punkt zu sichern.

Es war aber auch nicht so, dass Bayer überhaupt keine tollen Spiele ablieferte. Gerade die Heimspiele in der Champions League waren in diesem Jahr Highlights. Gegen Valencia drehte man in der zweiten Halbzeit auf und siegte mit 2:1. Das gleiche Ergebnis gab es auch gegen den Champions-League-Finalisten FC Chelsea - Manuel Friedrich sorgte mit seinem Kopfballtreffer in letzter Sekunde für den Riesenjubel. Und auch in der Bundesliga gab es einige starke Spiele. So konnte man nach gefühlten 40 Jahren mal wieder ein Heimspiel gegen den FC Bayern München gewinnen (2:0) und auch die neun Punkte aus den letzten drei Spielen mit ordentlichen Auftritten gegen Hannover, Hoffenheim und Nürnberg stimmten die Fans etwas versöhnlich. Nicht zu vergessen: Das Fallrückziehertor von Eren Derdiyok beim 3:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Vielleicht das schönste Tor der Saison!

TRANSFERMARKT- Note: voll ausreichend (4+)

Bernd Leno avancierte zum Shootingstar bei den Leverkusenern. Der junge Schlussmann kam nach dem ersten Spieltag, über Nacht, von der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart an den Rhein und sollte für Ruhe im Torwart-Chaos sorgen. Nach der Verletzung von Rene Adler konnten die Ersatmänner David Yelldell und Fabian Giefer die Erwartungen nicht erfüllen. Leno kam und machte seine Sache hervorragend - in seinem ersten Jahr bewahrte er Bayer mit fantastischen Paraden vor Niederlagen und ist nun sogar in der Nationalmannschaft ein Thema.

Leno war aber auch der einzige Neue, der voll einschlug. Andre Schürrle war mit hohen Erwartungen aus Mainz gekommen, konnte diese aber nur stückweise erfüllen. Zumindest in einigen Spielen ließ der Nationalspieler sein Können aufblitzen - stark verbesserungswürdig! Und auch Ömer Toprak hat kein gutes erstes Jahr hinter sich. Gleich in seinem ersten Bundesligaspiel für Bayer erzielte der ehemalige Freiburger ein Eigentor. Im Laufe der Saison fing er sich jedoch etwas, sodass man bei ihm am Ende nicht von einem Fehleinkauf sprechen kann.

Karim Bellarabi und Michael Ortega hängen noch ein wenig hinterher, kamen in ihrem ersten Jahr nur selten zum Einsatz. Zumindest Bellarabi (erzielte seine beiden ersten Treffer gegen Bayern München und den FC Barcelona) empfahl sich für die Zukunft, Ortega wird wohl wieder zurück nach Mexiko gehen. Im Winter verpflichtete Bayer leihweise noch den Kroaten Verdan Corluka von den Tottenham Hotspurs, der die Lücke auf der Rechtsverteidigerposition schließen sollte. Aufgrund einiger Verletzungen kam Corluka weniger als erhofft zum Einsatz - machte seine Sache jedoch gut! Ob er auch weiter bei Bayer kicken wird, steht noch in den Sternen.

TRAINER & UMFELD - Note: noch mangelhaft (5-)

Mit vielen Vorschusslorbeeren war Robin Dutt aus dem beschaulichen Freiburg nach Leverkusen gekommen. Beim Sportclub baute Dutt etwas Großes auf und auch in Leverkusen erwartete man nun, dass der gebürtige Kölner einschlug. Leider ging dieser Schuss jedoch nach hinten los. Schon früh war zu erkennen, dass Dutt bei der Mannschaft nicht richtig ankam. Immer wieder wurde über Diskrepanzen zwischen Team und Trainer diskutiert. Die Spieler kamen mit den Veränderungswünschen von Dutt nicht klar - böse Stimmen redeten von der „Komfortzone Leverkusen“, in der die Spieler sich wie im Paradies fühlen und keinen Finger krumm machen müssen. Ein Machtwort der Obrigen (Holzhäuser und Völler) blieb aus - Erklärungsversuche klangen eher wie Sensibilisierungsversuche und floskelhaftes Schönreden!

Den ersten Knall gab es dann im Winter: Hanno Balitsch wurde aus der Mannschaft geschmissen! Hanno Balitsch? Genau! Ein Spieler, der kaum spielte und öffentlich sicherlich nicht zu der verwöhnten Art von Spielern gehört. Als „Bauernopfer“ wurde dieser Rausschmiss tituliert - die Fans gingen auf die Barrikaden. Zu gerne hätte man härtere Maßnahmen gesehen. Besonders Simon Rolfes und Gonzalo Castro gelten bei den Fans seit dieser Saison als Prototyp der Lustlosigkeit. So gingen die Quälereien weiter, nebenbei noch das Theater um Michael Ballack - in Leverkusen kehrte keine Ruhe ein.

Es kam soweit, dass Robin Dutt nach dem 0:2 gegen den SC Freiburg entlassen wurde. Man wurde den Eindruck nicht los, die Spieler hätten gegen ihren Trainer gespielt und hätten dieses Duell tatsächlich gewonnen. Auch die Fans waren nicht wirklich zufrieden - die Entlassung von Dutt nahm man hin, die wirkliche Ursache des Problems sah man jedoch in der Mannschaft. Letztlich schaffte das Team unter dem neuen Trainerduo Hyypiä/Lewandowski noch einen versöhnlichen Saisonabschluss. Dennoch wartet man in Leverkusen nun auf einen Umbruch und auf ein Umdenken, damit es so eine chaotische Saison bloß nicht nochmal gibt.

DER SHOOTINGSTAR DAS KÄMPFERHERZ
DER GESCHEITERTE

GESAMTNOTE- Note: ausreichend (4)

Wenigstens die Saisonplatzierung stimmte am Ende irgendwie. Platz fünf und die Teilnahme an der Europa League swaren zwar nicht das oberste Ziel, dennoch kann man als Bayer-Fan damit irgendwie leben. Das, was wirklich in den Magen schlägt, sind die chaotischen Verhältnisse, die in dieser Saison mehr als nur sichtbar wurden. Wiederholung nur ungern gesehen...

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