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„Sechs, setzen!“ Wer hat als Schüler diesen Satz nicht schon einmal gehört? Goal.com stellt Hannover 96 das Zeugnis aus. Klassenziel erreicht?

Verein: Hannover 96

Bundesliga: Platz 7

DFB-Pokal: ausgeschieden in Runde 2

Europa League: Viertelfinale

Zielsetzung: „Wir wollen dauerhaft unter die Top Ten in der Bundesliga“, hatte 96-Coach Mirko Slomka vor Saisonbeginn verkündet. In der vorherigen Spielzeit stürmten die Hannoveraner sensationellerweise auf den vierten Platz, diesmal  war der einstellige Tabellenplatz das ausgerufene Ziel. Im DFB-Pokal wollte man nach den Blamagen aus den Vorjahren endlich mal wieder länger mit von der Partie sein, in der Europa League wurde die Zwischenrunde anvisiert.

Liga & Pokal - Note: noch gut (2-)

Viele Beobachter hielten den 96-Erfolg aus der letzten Spielzeit für eine Eintagsfliege und sagten den 96ern einen Absturz in untere Tabellenregionen voraus - die Hannoveraner sollten sie alle Lügen strafen. Die Niedersachsen befanden sich dauerhaft im Kampf um die Europa-League-Plätze, am Ende wurde es Rang sieben, was gleichbedeutend mit der erneuten Qualifikation für das internationale Geschäft ist.

Ein Novum: Noch nie konnte sich ein 96-Team zwei Jahre in Folge für den Europapokal qualifizieren. Im DFB-Pokal setzte man sich in Runde eins souverän gegen Oberligist Anker Wismar durch, noch vor der Winterpause war aber Schluss: Gegen den FSV Mainz 05 verlor Hannover mit 0:1 nach Verlängerung - auf nationaler Ebene die einzige Niederlage vor eigenem Publikum.

Europa League - Note: noch sehr gut (1-)

Die Europapokal-unerfahrenen 96er bekamen es in der Qualifikation für die Gruppenphase mit keinem geringerem als dem FC Sevilla zu tun, fast niemand setzte nach der Auslosung auch nur einen Pfifferling auf das Slomka-Team. Hannover aber erkämpfte sich in einem denkwürdigen Hinspiel in der AWD-Arena ein 2:1, in Spanien reichte ein Remis zum Weiterkommen. Es sollte der Auftakt in eine grandiose Europa-League-Saison sein, die die Erwartungen bei weitem übertraf.

In einer Gruppe mit Worskla Poltawa, dem FC Kopenhagen sowie Standard Lüttich landete 96 hinter den Belgiern auf Rang zwei und holte überzeugende elf Punkte. Danach bekam man es in Zwischenrunde und Achtelfinale mit dem FC Brügge sowie erneut Standard Lüttich zu tun, beide Aufgaben wurden mit Bravour gemeistert. Im Viertelfinale war jedoch Schluss, gegen den späteren Europa-League-Gewinner Atletico Madrid verlor Hannover zweimal mit 1:2. Dennoch: Die „Roten“ begeisterten auf internationaler Ebene und fuhren Erfolge ein, die ihnen kaum jemand zugetraut hatte.

UNTERHALTUNG - Note: noch gut (2-)

In der Liga zeigte 96 zwei Gesichter: Auswärts war man das zweitschwächste Team der Liga, zuhause die einzige deutsche Mannschaft, die nicht eine einzige Heimniederlage hinnehmen musste. Während man die Auftritte auf fremden Platz getrost vergessen konnte, gab es in der AWD-Arena reihenweise tolle Spiele zu bestaunen. Gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund etwa wandelte Hannover einen 0:1-Rückstand kurz vor Schluss innerhalb von zwei Minuten in einen 2:1-Sieg um, auch das hitzige Duell gegen den FC Bayern München (ebenfalls 2:1) wird noch lange in Erinnerung bleiben. Hinzu kamen Kantersiege wie die gegen den 1. FC Köln (4:1) oder den VfB Stuttgart (4:2), auch beim 3:2-Sieg über Werder Bremen wurde den Zuschauern Einiges geboten.

Zudem gab es in der Europa League reihenweise Festspiele: Der 2:1-Erfolge gegen Sevilla machte den Anfang, es folgten Duelle wie das in Kopenhagen (2:1) vor unglaublichen 10.000 mitgereisten 96-Fans, das noch gedrehte Match gegen Brügge (2:1) oder das 4:0 in der Zwischenrunde über Standard Lüttich. Keine Frage: Was den hannoverschen Anhängern da vor stets fantastischer Kulisse geboten wurde, wird man in der niedersächsischen Landeshauptstadt so schnell nicht vergessen.

TRANSFERMARKT- Note: noch gut  (2-)

96 schaffte es, nach der Überraschungssaison die Stammkräfte ausnahmslos halten zu können und so musste man sich nur punktuell verstärken. Während sich die Mittelfeldspieler Daniel Royer und Henning Hauger dabei kaum in den Vordergrund spielen konnten, fasste auch Angreifer Artur Sobiech nicht wirklich Fuß und musste sich mit der Rolle als Reservist begnügen. Ganz anders der ablösefrei vom FC Schalke 04 gekommene Christian Pander: Der Linksfuß wurde schnell zum Publikumsliebling, dessen Trikot von allen 96-Akteuren am meisten verkauft wurde.

Und auch auf dem Platz konnte der 27-Jährige nach seiner langen Leidenszeit mit zahlreichen langfristigen Verletzungspausen vollends überzeugen und sich so als Stammspieler etablieren. Inzwischen ist der Standard-Spezialist aus der 96-Elf nicht mehr wegzudenken. Und dann ist da ja noch Mame Diouf: Den Senegalesen, der sich bei Manchester United nicht durchsetzen konnte, holte man in der Winterpause für eine Ablösesumme von 1,8 Millionen Euro - ein lächerlicher Betrag, wie sich schnell herausstellen sollte.

Der 24-jährige Angreifer schlug ein wie eine Bombe und gab der hannoverschen Offensivabteilung eine neue Qualität. Nach 15 Spielen standen zehn Treffer und drei Assists zu Buche, mit seiner kraftvollen Spielweise konnte Diouf die Fans schnell auf seine Seite bringen. Anfang April allerdings zog er sich einen Außenbandriss zu und musste für den Rest der Saison passen. Seine Mannschaftskollegen hatten sich zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits zu sehr an die Fähigkeiten des Stürmers gewöhnt: In den folgenden fünf Spielen erzielte 96 nicht einen einzigen Treffer, erst beim 2:1-Sieg über den 1. FC Kaiserslautern konnte man wieder einnetzen.

TRAINER & UMFELD - Note: noch gut (2-)

Unabhängig von der fantastischen Arbeit, die Trainer und Manager in Hannover leisteten, war immer wieder von atmosphärischen Störungen zwischen Mirko Slomka und Jörg Schmadtke zu lesen. Gegen Saisonende machten sich zudem Gerüchte breit, Letzterer könnte den Verein aufgrund familiärer Probleme verlassen - und die Spekulationen sollten sich schnell als richtig herausstellen: Ende April bat Schmadtke um Freigabe. Die erteilte Klub-Chef Martin Kind seinem Angestellten zwar, konnte ihn letztlich aber überreden, doch noch in Hannover zu bleiben.

Dennoch kann man unter dem Strich konstatieren, dass im hannoverschen Umfeld seit letzter Saison eine ungewohnte Ruhe eingekehrt ist - mit dem 96 vergangener Tage hat das nichts mehr zu tun. Zu der Arbeit von Coach und Taktikfuchs Mirko Slomka braucht man im Grunde nicht viel sagen. Seit der 44-Jährige bei den „Roten“ das Zepter in der Hand hält, geht es steil bergauf.

DER TAKTIKFUCHS
DER SCHLAUFUCHS
DER TORFUCHS

GESAMTNOTE- Note: gut (2)

96 kann erneut auf eine fantastische Spielzeit zurückblicken, die nur von Jörg Schmadtkes Abschiedsgedanken kurzzeitig getrübt wurden. Die tollen Leistungen der Vorsaison konnten bestätigt werden und es scheint tatsächlich so, als wäre in Hannover ein Team zusammengewachsen, das dauerhaft um die internationalen Plätze mitspielen kann - mit einer derartigen Entwicklung war noch vor zwei Jahren in keinster Weise zu rechnen.

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