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Schalke-Eigengewächs Julian Draxler - Sardinien mit Jogis Jungs statt New York

Der junge Schalker ist voll durchgestartet im Abenteuer Bundesliga. Mittendrin statt nur dabei. Nun darf er auch beim DFB-Team reinschnuppern, ist im vorläufigen EM-Aufgebot.

Gelsenkirchen. Die Nominierung von Julian Draxler war wohl die Überraschung schlechthin, als Bundestrainer Joachim Löw in Rastatt den vorläufigen Kader der Nationalmannschaft für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine bekannt gab. Obwohl der 18-jährige Youngster des FC Schalke 04 wahrlich kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Bundesliga ist, kommt die Berufung einem Paukenschlag gleich! Grund genug also für Goal.com, den potenziellen EM-Teilnehmer einmal genauer unter die Lupe zu nehmen…

Draxler: „Ich konnte es kaum glauben“

Als Julian Draxler am Montagmorgen seine Mailbox abhörte, traute er zunächst seinen Ohren nicht. „Du stehst im erweiterten EM-Kader!“, sprach ihm Nationaltrainer Jogi Löw auf den Anrufbeantworter. Der Mittelfeldspieler war baff: „Die Nominierung kam für mich völlig unerwartet. Das ist eine große Ehre für mich“, sagte Draxler, nachdem er die Nachricht abgehört hatte.

Am Montagabend absolvierte Schalke noch ein Testspiel gegen den TuS Haltern, nach Abpfiff der Partie fasste Draxler seine Erlebnisse am Morgen zusammen: „Das war wirklich ein aufregender Tag für mich. Ich konnte es kaum glauben, als der Bundestrainer heute Morgen auf meiner Mailbox war. Ich war in der Schule und habe nur mein Handy vibrieren gespürt, konnte aber in der Unterrichtsstunde doch nicht dran gehen. In der Pause habe ich dann schnell zurück gerufen. Ich fühle mich noch ein bisschen wie im falschen Film. Mal schauen, was da ab Freitag auf mich zukommt. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben und versuchen, mich für den endgültigen Kader aufzudrängen“, so oder Neu-Nationalspieler gegenüber RevierSport, der nun nicht mit seiner Mannschaft zur Testspielreise in die USA aufbricht, sondern stattdessen am Freitag in den Flieger Richtung Sardinien steigen wird.

SCHNAPPSCHUSS | Julian Draxler


Alter:
18 Jahre

Größe: 183 cm

Vertrag:
2016

Einsätze 2011/12: 46

A-Länderspiele: 0

Geburtsort: Gladbeck

Gewicht:
68 kg

Position:
Mittelfeld

Tore 2011/2012: 5

Liga-Debüt: 15.01.2011
Kind des Ruhrgebiets

Draxler ist ein „Kind des Ruhrgebiets“, nur unweit von Gelsenkirchen aufgewachsen, in der Nachbarstadt Gladbeck, von wo es nur rund 20 Minuten sind bis zum Schalker Trainingsgelände. Als Knirps schnürte er für den Gladbecker Bezirksligisten BV Rentfort die Fußballschuhe, ehe es ihn nach einem kurzen Intermezzo beim SSV Buer 07/28 im Alter von acht Jahren zu den Königsblauen zog. Trotzdem hielt er seiner Heimatstadt lange Zeit die Treue. Bis Mitte der elften Klasse besuchte er das Gladbecker Heisenberg-Gymnasium, erst danach wechselte er an die Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen. Die DFB-Eliteschule des Sports kooperiert mit Draxlers Arbeitgeber Schalke und viele Profis wie Mesut Özil, Manuel Neuer, Joel Matip oder auch Benedikt Höwedes drückten hier schon die Schulbank.

Schalkes Ex-Trainer Felix Magath, der sich vor Draxlers Schulwechsel sogar für einen Abbruch der Schullaufbahn seines Mega-Talents ausgesprochen hatte („In 15 bis 20 Jahren braucht er kein Abitur mehr“), erkannte schon früh die Fähigkeiten Draxlers, er war es auch, der ihn schließlich mit einem Profivertrag ausstattete. „Trotz seiner Jugend ist er sehr weit, was den Spielrhythmus angeht. Er ist sehr konzentriert und nicht leichtfertig oder unüberlegt. Alles was er macht, hat Hand und Fuß. Ballannahme und Ballmitnahme sind vorbildlich, da ist er weiter als mancher Profi. Er spielt frech und hat Selbstbewusstsein.
Und er bringt den richtigen Zug zum Tor mit. Man merkt ihm in jeder Phase des Spiels an, dass er treffen will. Deswegen ist er für jeden ein unangenehmer Gegenspieler“, so Magath im Interview mit den Ruhr Nachrichten über seinen ehemaligen Schützling.

„Trotz seiner Jugend ist er sehr weit, was den Spielrhythmus angeht. Er ist sehr konzentriert und nicht leichtfertig oder unüberlegt. Alles was er macht, hat Hand und Fuß. Ballannahme und Ballmitnahme sind vorbildlich, da ist er weiter als mancher Profi. Er spielt frech und hat Selbstbewusstsein.“

Ex-Trainer Felix Magath, bevor er Draxler mit einem Profi-Vertrag ausstattete...

Auch bei seinem Heimatverein BV Rentfort wusste man früh, dass Draxler mal ein „ganz Großer“ werden würde. „Schon in der damaligen Mini-F-Jugend war es abzusehen, dass Julian ein großes Talent besitzt. Er hatte schon damals eine super Technik“, plauderte Jugendleiter Hubertus Hengstermann gegenüber dem Magazin Auf’m Platz aus dem Nähkästchen. „Ich bin mit Julians Familie eng befreundet, ich kenne ihn seit seiner Geburt und ich habe Julian immer nur mit einem Ball am Fuß gesehen, das war sein größter Freund. Er hat damals schon auf dem Spielfeld alle schwindelig gespielt und vor dem Tor aber trotzdem noch einmal quer gespielt, das zeigt doch wahre Größe. Er war und ist noch nie ein Egoist gewesen.“


KURIOSITÄTEN | Draxlers erster Spielerpass beim BV Rentfort und ein Bild des Youngsters, als er 2003 eine Gladbecker Stadtauswahl als Kapitän anführte. (Quelle: www.aufmplatz.net / www.bvrentfort-online.de)

Draxler dürfte noch für die A-Jugend auflaufen

Mit 17 Jahren und 117 Tagen ist „Jule“, wie Draxler im Mannschaftskreis gerufen wird, der jüngste Spieler, der jemals für „Königsblau“ zum Einsatz gekommen ist, als er am 15. Januar 2011 beim 0:1 gegen den Hamburger SV kurz vor Schluss eingewechselt worden ist. Nur drei Tage später unterschrieb er seinen ersten Profivertrag, im darauffolgenden Spiel feierte er im Auswärtsspiel bei Hannover 96 sein Startelfdebüt. Draxler durchlief von den U9-Junioren an bis zur U-19-Mannschaft alle S04-Nachwuchsteams.

Eigentlich könnte Draxler, der noch für die A-Jugend spielberechtigt wäre, mit seinen Altersgenossen um die Deutsche Meisterschaft spielen, da Schalke nach dem Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft im Halbfinale gegen den Nord-Meister um den Einzug ins Finale kämpft, das erklärte Schalke-Manager Horst Heldt zuletzt aber für „ausgeschlossen“, nach weit über 40 Pflichtspielen in dieser Spielzeit solle das trickreiche Juwel Zeit zur Regeneration bekommen. Besonders gut ausspannen kann Draxler nach seiner Berufung ins vorläufige EM-Aufgebot dabei in Sardinien, wohin er im Zuge der Vorbereitung mit der Nationalmannschaft jetzt fliegt.


                                    DRIBBELSTARK | Auch im Revier-Derby ist Draxler kaum zu stoppen

Mit Traumtor schoss er Schalke ins Halbfinale des DFB-Pokals

Seinen ersten sportlichen Glanzpunkt setzte Draxler mit gerade einmal 17 Jahren im DFB-Pokal, als er eingewechselt wurde und in der Verlängerung des Spiels gegen den 1. FC Nürnberg mit einem Knaller der Marke „Traumtor“ seine Farben ins Halbfinale schoss. Vier Monate später legte er mit seinem Führungstreffer im Pokal-Finale den Grundstein für den deutlichen Sieg gegen Zweitligist Duisburg, ganz Deutschland war plötzlich auf das Schalker Eigengewächs aufmerksam geworden.
In der nun abgelaufenen Saison avancierte Draxler zum Stammspieler, bestritt die viertmeisten Spieler aller S04-Akteure, wobei ihm fünf Tore und neun Assists gelangen. Bei aller Lobhudelei darf aber nicht vergessen werden, dass Draxler aufgrund seines Alters wie alle jungen Spieler Leistungsschwankungen unterliegt, sodass auch Schalke-Trainer Huub Stevens die Einsätze seines Schützlings immer wohl dosierte.
Draxlers Bundesliga-Bilanz
2010/11

15
1
0


Bundesligaspiele
Bundesligatore
Vorlagen
2011/12

30
2
6
Das könnte sich nun bezahlt machen, Draxlers Fitness könnte ihm seinem Traum „Europameisterschaft“ ein Stück näherbringen. „In dieser Saison haben wir Julian teilweise bewusst geschont, wenn wir gemerkt haben, dass er als junger Spieler eine Pause braucht. Das hat sich ausgezahlt, denn derzeit ist er frisch und ausgeruht“, erklärt Stevens. Einen eindrucksvollen Beweis lieferte Draxler am vergangenen Samstag gleich mit, als er am letzten Spieltag dieser Saison einen tollen Treffer zum 3:2-Sieg beisteuern konnte.

Wie sehr Draxler in dieser Saison überzeugte, zeigte nun die vorläufige Nominierung. „Ein Spieler mit enorm viel Potenzial, Stärken im Eins-gegen-Eins, sehr gute Spielintelligenz. Noch nicht diese Konstanz, schulische Verpflichtungen, er könnte ja noch in einem U-Team spielen. Er wird durch die Nominierung einen weiteren Schub bekommen. Sowohl er als auch sein Trainer Huub Stevens haben sich sehr gefreut“, begründete Bundestrainer Jogi Löw im badischen Rastatt die Nominierung des jungen „Knappen“.


„Ein Spieler mit enorm viel Potenzial, Stärken im Eins-gegen-Eins, sehr gute Spielintelligenz“

- Bundestrainer Joachim Löw

Stevens und Heldt sind glücklich

Löw deutete es an, Stevens selber sprach es später aus: „Ich freue mich sehr, dass Julian dabei ist. Diese Erfahrung wird neu für ihn sein, das muss er mitnehmen“, so der Niederländer. Manager Heldt hat das große Ganze im Blick, bei aller Freude mit Draxler sieht er die Berufung vor allem als Bestätigung für die blau-weiße Jugendarbeit. „Das ist eine tolle Nachricht und eine Auszeichnung für den FC Schalke 04! Wir freuen uns sehr, dass ein junger Spieler aus unserem Nachwuchs diese Wertschätzung durch Bundestrainer Joachim Löw und sein Team erfährt. Für Julian ist die Nominierung eine großartige Sache.“
JULIAN DRAXLER | Saison-Statistiken 2011/12

Wettbewerb Spiele
Tore Vorlagen GK
RK
Bundesliga 30 2 6 2 0
DFB-Pokal 2 1 1 0 0
 Europa League 13 2 2 0 0
DFL-Supercup 1 0 0 0 0
Total 46 5 9 2 0


Exzellente Technik und tolle Schusshaltung


Wer den Werdegang Draxlers gut verfolgt hat, für den kommt Löws Entscheidung, ihn für den 27-köpfigen Kader zu nominieren, aus dem noch vier Spieler aussortiert werden, gar nicht einmal so überraschend. Die Stärken des offensiven Mittelfeldspielers liegen auf der Hand. So ist Draxler besonders gefährlich, wenn er mit viel Dampf aus der Tiefe in den freien Raum stößt, wo er sich dann auf seine exzellente Technik verlassen kann. Neben der technischen Raffinesse zeichnet ihn die unnachahmliche Haltung beim Torschuss aus, Draxler ist in der Lage, wahre Geschosse auf den gegnerischen Kasten zu jagen, Noch-Werder-Keeper Tim Wiese dürfte da nach letztem Wochenende ein Liedchen von singen können.

Auf Schalke kam der 18-Jährige fast ausschließlich auf der linken Außenbahn zum Einsatz, nach dem Abgang von Raul, der zwei Jahre lang zentral in der offensiven Mittelfeldreihe nicht wegzudenken war, ist Draxler einer der Nachfolgekandidaten auf der verkappten Spielmacherposition. Anders als der Spanier würde Draxler seine Rolle dann wohl aber als reiner „Zehner“ interpretieren, der nichtsdestotrotz den Abschluss sucht.


                   JUBEL | Sein vorläufig letzter Streich: Draxler nach dem Tor am Samstag in Bremen

„Julian hat es verdient“

Wo der Bundestrainer Draxler eine Rolle zugedacht hat, weiß zum jetzigen Stand wohl nur Löw selbst, Fakt ist aber, dass der junge Schalker im offensiven Mittelfeld variabel einsetzbar ist, für Löw ist vor allem Draxlers Stärke im „Eins-gegen-Eins“ entscheidend. Auch wenn der Youngster als erster Streichkandidat gehandelt wird, sollte man ihn nicht im Vorhinein abschreiben, bei der Verletzung eines Mittelfeld-Kollegen wäre Draxler ein Spielertyp, auf den das Trainergespann der Nationalmannschaft bedenkenlos setzen könnte, schließlich hat der Gladbecker in seiner noch kurzen Karriere schon mehrmals unter Beweis gestellt, dass er auch in schwierigen Situationen kein Nervenflattern bekommt. Egal, wie die Entscheidung letztendlich ausfällt, für Ex-Schalke-Star und Weltmeister Olaf Thon steht der Gewinner jetzt schon fest: „Er kann in den nächsten Tagen sehr viel lernen", wird Thon vom Stern zitiert. „Julian hat es verdient.“

Eure Meinung: Super-Talent Draxler steht im vorläufigen Aufgebot für die EM im Sommer. Hat er sich die Nominierung verdient? Wohin führt sein Weg?


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