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Nur 134 Tage nach seiner Entlassung kehrt Markus Babbel mit Hoffenheim in die Hauptstadt zurück. Ausgerechnet der Aufstiegscoach könnte Berlin zurück in die zweite Liga schicken.

Berlin. Es ist eine Konstellation, die einem Hollywood-Drehbuch entnommen sein könnte oder für die man immer wieder gerne jene Phrase bemüht, wonach solche Geschichten nur der Fußball zu schreiben imstande ist. Hertha BSC spielt am Samstag gegen die TSG 1899 Hoffenheim und ist zum Siegen verdammt. Diese Begegnung am letzten Spieltag der Saison ist Vieles: Die letzte Chance auf den Klassenerhalt, ein Fernduell mit dem FC Köln – aber vor allem auch die Rückkehr von Berlins Aufstiegs- und Hinrunden-Coach Markus Babbel, der als aktueller Trainer der gastierenden Kraichgauer seinen Ex-Klub zurück in die Zweitklassigkeit schicken könnte.

Wiedersehen mit dem Ex nach 134 Tagen

Erst 134 Tage wird die Trennung zwischen Hertha BSC in Gestalt von Manager Michael Preetz und Markus Babbel am Samstag her sein. Aber dass die Wunden noch lange nicht verheilt sind, zeigte sich erst diese Woche wieder. Bereits im Vorfeld droht die Bundesligapartie mehr und mehr zum medialen Privatduell zweier Männer zu mutieren, die den Verein vor gerade mal einem Jahr gemeinsam zurück in die Bundesliga gehievt hatten und sich dann nach einer passablen Hinrunde heillos überwarfen. Im November 2011 wollte Markus Babbel Preetz darüber informiert haben, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern würde. Preetz hingegen behauptete im Dezember, gerade erst von Babbels Entschluss erfahren zu haben. Am Ende des sich über Wochen hinziehenden Zerwürfnisses bezichtigten beide sich gegenseitig der Lüge.

Rosenkrieg reloaded


Wie tief die gegenseitigen Vorwürfe gingen, zeigte sich in den Tagen vor dem „Endspiel“: Beide Protagonisten vergaßen nicht, jeweils auf ihrer Version des Vorgefallenen zu bestehen – und zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Erst meldete sich Preetz zu Wort und ließ wissen: „Babbel hat meine Glaubwürdigkeit mit Füßen getreten. Ich habe so gehandelt, dass ich noch an jedem Spiegel vorbeikomme.“ Nur eine Woche später, nachdem feststand, dass Hertha gegen Hoffenheim gewinnen muss, folgte die Retourkutsche, ebenfalls über den Berliner Tagesspiegel. Babbel lederte zurück: „Die Leute bei Hertha sind selbst verantwortlich für die aktuelle Situation und für das, was sie nach der Trennung von mir gemacht haben.“ Keine Frage, würde nun ausgerechnet Babbel den Abstieg seines Ex-Klubs besiegeln, wäre das für Preetz ein Horrorszenario und der Abschluss einer völlig missratenen Saison, die vielversprechend begonnen hatte - eben mit Babbel.



Babbel in Berlin: Aufstiegstrainer und Hoffnungsträger

Am 1. Juli 2010 hatte Babbel Hertha BSC in der zweiten Liga übernommen und die „alte Dame“ damals umgehend zurück ins Fußball-Oberhaus geführt. Bereits drei Tage vor Saisonende, im April 2011, waren die Blau-Weißen zurück in der Bundesliga und Babbel, der damals gemeinsam mit Preetz noch eine nach außen hin harmonische Einheit bildete, galt als Hoffnungsträger. Gemeinsam ging das Gespann daran, den Muff der Hoeneß-Ära hinter sich zu lassen und dem Verein ein neues, frisches Image zu verpassen. Passend dazu gesellten sich erste Achtungserfolge in der Bundesliga: Hertha besiegte den Deutschen Meister Borussia Dortmund, ballerte Köln mit 3:0 aus dem Olympiastadion oder lieferte sich mit Bayer Leverkusen eine denkwürdige Torschlacht. Beendet wurde die Hinrunde im gesicherten Tabellenmittelfeld, auf Platz 11. Mit der Schlammschlacht um Babbels Trennung fand jedoch auch der Berlins Aufwärtstrend ein jähes Ende.

Berlin holte unter Babbel mehr als doppelt soviele Punkte wie danach

Trainer-Vergleich bei Hertha BSC 2011/12
Babbel
17
4
8
24:26
20
1,17

Begegnungen
Siege
Remis
Tore
Punkte
Punkte pro Spiel
Skibbe
5
0
0
1:11
0
0
Rehhagel
11
2
2
10:26
8
0,73
Heute, 16 Spieltage und zwei Trainer später, steht Hertha BSC auf Platz 17 und dem erneuten Absturz in die Zweitklassigkeit. Und Babbel ist überzeugt, dass vor allem seine Entlassung das Team aus dem Gleichgewicht gebracht habe: „Nein, wir wären hundertprozentig nicht abgestiegen, da hätte ich alles drauf gewettet. Es hat einfach super gepasst zwischen Mannschaft und Trainerteam“, versicherte der 39-Jährige. Die Zahlen scheinen das zu belegen: 20 Punkte holten die Berliner in der ersten Halbserie unter Babbel, nur acht unter den von Preetz installierten Michael Skibbe und Otto Rehhagel – im besten Fall können daraus noch elf werden.

Babbel will „mit aller Macht drei Punkte“


Auch wenn Babbel stets das gute Verhältnis zu seinen Ex-Spielern betont: Mit Entgegenkommen oder einem gnädigen Umgang dürfen die Herthaner wohl eher nicht rechnen. „Ich kann doch nicht nach Berlin fahren und nicht gewinnen wollen. Ich schenke der Hertha nichts und will mit aller Macht die drei Punkte“, kündigte Berlins Ex-Coach, der die Stärken und Schwächen der Berliner Mannschaft kennen dürfte, in der B.Z. an. Keine leichte Aufgabe also für Herthas Elf, die dank des neu ausgebrochenen Rosenkrieg in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung gerutscht ist.

Neue Chance, alte Heimschwäche

Dabei ist die Ausgangslage ironischerweise besser als zuvor. Der FC Köln empfängt die Bayern, die wohl beileibe nicht mit einer B-Elf auflaufen werden, wie zuletzt gegen den VfB Stuttgart. Weil sich die Stammspieler für das wichtige DFB-Pokal-Finale und das Finale der Champions League vorbereiten sollen und Mario Gomez noch im Rennen um die Torjägerkanone ist, dürfen sich der FC und der scheidende Lukas Podolski auf Gegenwehr einstellen – und die Berliner durchaus mit der entsprechenden Schützenhilfe rechnen. Wenn man so will, sind die Uhren nochmal auf Null gestellt: Einmal 90 Minuten, ein Sieg und der Klassenerhalt könnte in Reichweite bleiben. Mehr noch als gegen die anreisenden Hoffenheimer, den Ex-Trainer oder den FC Köln, wird Berlin dann vermutlich gegen die eigenen Nerven kämpfen müssen.

Überwindet Hertha im wichtigsten Spiel den Heimkomplex?

Denn bereits die vorangegangenen „Endspiele“ gegen den FC Freiburg und den schon abgestiegenen FC Kaiserslautern haben nicht unbedingt den Eindruck hinterlassen, dass die Mannschaft über die mentale Stärke verfügt, um richtungsweisende Partien im eigenen Stadion für sich zu entscheiden. Beide Male zeigte sich das Team vor dem eigenen Publikum erschreckend paralysiert und blutleer, ohne Kampf, ohne Aufbäumen. Sollte nun ausgerechnet im wichtigsten Heimspiel der Saison der Knoten platzen und der Abstieg vorläufig verhindert werden? Auch das wäre eine Geschichte, die nur der Fußball schreiben könnte.

Eure Meinung: Schafft die Hertha noch die Überraschung und den Sprung in die Relegation?


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