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Wer ist bereit, der Hertha viel Geld zu geben, ohne im Gegenzug im Verein mitbestimmen zu wollen? Die Hauptstadt diskutiert über Goldesel aus Arabien und den Alpen.

Berlin. Hertha BSC und die Finanzen, das ist eine scheinbar unendliche Geschichte, in der es nur selten Positives zu vermelden gibt. Wenn doch alle Nachrichten so viel Optimismus verbreiten würden wie die Meldung aus dem Februar, dass die Berliner am Transfer von Christopher Samba von den Blackburn Rovers zu Anzhi mitverdienen, und zwar mit stattlichen 2,1 Millionen Euro. Der Alltag auf der Geschäftsstelle sieht anders aus, im Moment arbeiten die Bosse an einem Konzept, das die Hertha in der ersten und zweiten Liga am Leben hält. Dabei sollen gleich mehrere Investoren eine Rolle spielen.

Auflagen der DFL überraschen Hertha nicht

Den feuchten Traum eines klammen Managers, jetzt schon das Geld auszugeben, dass es ab 2013 durch den neuen TV-Vertrag als Mehreinnahmen gibt, werden sie vermutlich woanders leben können, aber nicht in Berlin. Zu genau schaut die DFL der Hertha inzwischen auf die Finger. Die Verbindlichkeiten des Vereins werden allgemein auf rund 35 Millionen Euro geschätzt. Die Lizenz für die kommende Saison gibt es nur unter Auflagen, Finanzchef Ingo Schiller muss in den kommenden Wochen ein Konzept vorlegen, das den Spielbetrieb auch im Unterhaus sichert.

„Ja, wir haben sie (die Lizenz, Anm. d. Red.) für beide Ligen bekommen, müssen aber noch Bedingungen erfüllen. Das haben wir so erwartet“, gab Schiller sich gegenüber der B.Z. vorbereitet. Vor allem gültige Sponsorenverträge soll der Ligaverband nach Informationen der Zeitung eingefordert haben. Das Selbstbewusstsein der Geschäftsführung, dass das auch klappt, wird allgemein auf einen im Hintergrund bereits vorbereiteten Deal zurückgeführt.  

Fans fürchten Einfluss von Investoren

Berlin plant laut Medienberichten für die erste Liga mit einem Etat von etwa 60 Millionen, in der zweiten Liga würde sich dieser Betrag auf etwa 30 Millionen halbieren. Der Personaletat soll von aktuell über 20 Millionen auf zehn Millionen heruntergefahren werden, und dennoch soll in der Bilanz noch eine Lücke von acht Millionen Euro klaffen. Die Hertha braucht Geld und schon schießen Gerüchte über Gespräche mit Investoren ins Kraut. Eine arabische Fluggesellschaft, Unternehmer aus der Schweiz – die Fans fürchten schon jetzt um die Seele ihres Klubs. In den Foren hagelt es Kritik am mutmaßlich eingeschlagenen Weg. Gegen das Geld eines Gönners hat niemand etwas, die Anhänger machen sich eher Sorgen darum, dass der Geldgeber auch den Ton angeben will.

Ist der Zug bei der Bahn abgefahren?

Im Zentrum der Spekulationen stand bisher die Fluglinie Etihad, die sich auch im großen Stil bei Manchester City engagiert. Fast täglich gibt es im Augenblick neue Enthüllungen um den Einstieg der Scheichs. Vom Tisch scheint, dass sich Etihad als Investor einkauft, mittlerweile ist nur noch von einem Vertrag als Trikotsponsor die Rede. Auch dieses Geschäft könnte der Hertha aber immerhin 3,5 Millionen Euro im Jahr einbringen, berichtet der Tagesspiegel. Das setzt voraus, dass die Deutsche Bahn aussteigt und die Brust der Hertha-Trikots freigibt.

Nach jüngsten Äußerungen des Konzerns über die unruhige Lage beim Klub scheinen atmosphärische Störungen nicht unwahrscheinlich, die Berliner Morgenpost hatte bereits Anfang April berichtet, dass die Bahn im Fall der Fälle nur dann mit in die zweite Liga geht, wenn die Mannschaft „respektabel“, „würdig“ und „ehrenvoll“ auftritt. Das Spiel gegen Kaiserslautern kann getrost als Fehlschlag in den Bemühungen angesehen werden, diesen Forderungen nachzukommen.



Hertha soll Etihad Schub geben

Etihad will über den neuen Berliner Flughafen den europäischen Markt erobern. Dass die Linie bereits größter Aktionär der Air Berlin ist, passt in die Strategie. Gut möglich also, dass die Hertha demnächst mit dem Schriftzug Etihad auf dem Jersey aufläuft. Der Zusammenhang mit rein wirtschaftlichen Interessen lässt in Berlin allerdings die Alarmglocken schrillen, denn auch in Manchester hat man festgestellt, dass nicht unbedingt die Liebe zum Fußball die Öl-Dollars locker macht, niemand will die Hertha als teures Spielzeug, als Statussymbol eines Milliardärs sehen. Mit einem Sponsoring im Rahmen von wenigen Millionen im Jahr ist der Wahnsinn bei City allerdings nicht zu vergleichen.

Das Investorenmodell ist zudem noch lange nicht vom Tisch. Unternehmer aus der Schweiz sollen angeblich interessiert sein, etwa zehn Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Diese Gruppe soll aber tatsächlich über den Kauf von Vorzugsaktien auch Mitspracherechte anpeilen. Im Wissen um die Meinung der Fans zu derlei Experimenten ziert sich die Klubspitze noch, die Verhandlungen ziehen sich hin.

Kommt der Neuanfang?

Ob nun Züge gegen Flugzeuge getauscht werden und Schweizer Steuermillionen in den Klub fließen, darüber kann im Moment nur spekuliert werden. Sicher ist nur, dass die Verantwortlichen beim Verkauf des Tafelsilbers sehr behutsam vorgehen müssen. Zwar ist es verlockend, sich auch in Zukunft eine gut besetzte Mannschaft zu leisten. Im Erfolgsfall würden dann auch nur Wenige nach Herkunft und Bedingungen des Wohlstands fragen.

Es würde allerdings der Tag kommen, an dem die Investoren ihre Rendite sehen wollen, dann wäre ihnen das eigene Bankkonto näher als der Verein. Viele Fans haben ihre Entscheidung schon getroffen, ihnen ist ein wirtschaftlich gesunder Neuaufbau mit jungen Eigengewächsen lieber als ein verschuldetes „Weiter so“, bei dem der Verein seine Seele verkauft.

Eure Meinung: Sollte Hertha mit den Millionen der Investoren so schnell wie möglich eine gute Mannschaft zusammenstellen oder ist der Neuanfang unausweichlich?


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