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Mit dem nächsten Abstieg ließe sich der personelle Aderlass bei Hertha BSC kaum verhindern. Goal.com zeigt, welche Akteure den Verein dann aller Wahrscheinlichkeit nach verlassen.

Berlin. Am Samstagabend schon könnte Hertha BSCs Rückkehr in die Bundesliga nach nur einem Jahr wieder ein Ende finden. Gewinnt der FC Köln beim SC Freiburg und verliert Hertha BSC bei Schalke 04 oder holt nur ein Remis, wäre der zweite Abstieg innerhalb von drei Jahren besiegelt. Es wäre mehr als eine Niederlage und der damit zusammenhängende Abstieg, sondern würde auch einen tiefgreifenden personellen Umbruch einleiten. Es droht der personelle Aderlass und der Ausverkauf der Top-Spieler.

Ein zweiter finanzieller Kraftakt wäre kaum möglich

Wie Manager Michael Preetz in den letzten Wochen des Öfteren unterstrich, besitzen die bisherigen Leistungsträger größtenteils noch laufende Verträge für beide Ligen. Doch völlig unabhängig davon ist klar: Im Abstiegsfall lässt die Kassenlage einen weiteren finanziellen Kraftakt wie vor zwei Jahren nicht mehr zu, als sich Großverdiener wie Raffael und Ramos nur mit erstklassigen Bezügen auf das Abenteuer zweite Liga einließen. Die Folgen des letzten Abstiegs lasten noch heute auf der „alten Dame“ Hertha und machen einen Teil der rund 35 Millionen Euro Schulden aus. Selbst wenn wichtige Spieler bereit wären, ein weitere Jahr Zweitklassigkeit mitzumachen: Ein Einschnitt bei den Personalkosten wäre bei einem Abstieg unvermeidbar.

Hertha BSC: Die wertvollsten Spieler
  Alter Martwert Einsätze / Tore für BSC
Raffael 27  7.500.000 138 /32
Adrian Ramos 26  6.500.000 91 /31
Pierre-Michel Lasogga 21  5.000.000 55 / 21
Thomas Kraft 23  3.000.000 26 / 0
Christian Lell 27  3.000.000 60 / 1
Andreas Ottl 27  2.250.000 32 / 0
                                                          (Daten von transfermarkt.de)

Sechs Stammspieler werden wohl von Bord gehen

Sechs Stammspieler dieser Saison werden im Abstiegsfall mit ziemlicher Sicherheit den sinkenden Hertha-Dampfer verlassen - mehr als die halbe Mannschaft. Neben Torhüter Thomas Kraft würden vermutlich auch Rechtsverteidiger Christian Lell und Sechser Andreas Ottl auf den bitteren Gang in die zweite Liga verzichten. Zudem würde mit Kreativspieler Raffael sowie den Stürmern Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga, die längst Begehrlichkeiten geweckt haben, ein Großteil der Offensive wegbrechen. Goal.com wirft nochmal einen Blick auf die begehrtesten Herthaner und ihre Zeit in der Hauptstadt, die sich schon bald dem Ende neigen könnte.


Raffael (Raffael Caetano de Araújo)


2008 folgte Raffael seinem damaligen Lehrer Lucien Favre vom FC Zürich an die Spree. Mit seinem stoischen Gemüt erinnert der Brasilianer mitunter an den italienischen Spielmacher Andrea Pirlo, ist allerdings sehr viel offensiver ausgerichtet und prägte mit seiner Schnelligkeit, Ballbehandlung und kreativen Momenten in den vergangenen Jahren das Konterspiel der Berliner. Unter Favre, Babbel, Skibbe und Rehhagel stets der wichtigste Mann und das spielerische Zentrum der Elf.

Beim ersten Abstieg blieb er – auch weil Raffael Berlin schätzt und sein Bruder Ronny zur Hertha geholt wurde. Für den nicht mehr allzu wahrscheinlichen Fall des Klassenerhalts wäre „Raffas“ Bleiben sogar naheliegend. Nochmals werde er sich die Zweitkassigkeit aber nicht antun, erklärte der 27-Jährige bereits vor Wochen.

Im Falle eines Abstiegs ist der Brasilianer also der erste sichere Wechselkandidat. Anfragen gibt es zahlreiche. Gut möglich, dass er abermals Lucien Favre folgt, diesmal nach Gladbach. Dort sucht der Schweizer nach einem Ersatz für Marco Reus, verfügt über ausreichend finanzielle Mittel und reizvolle internationale Perspektiven. Daneben soll sich auch Champions League-Teilnehmer SSC Neapel mit Raffael beschäftigt haben und wie die Bild erst diese Woche meldete, bestätigte sein Berater ein millionenschweres Interesse aus Katar.

Adrian Ramos

Wenn im Verlaufe der Saison gebetsmühlenartig von der „Qualität“ des Berliner Kaders geredet wurde, war neben Raffael vor allem Adrian Ramos gemeint. Zehn Tore und fünf Assists in seiner ersten Bundesligasaison 2009/10 konnten zwar den Abstieg nicht verhindern, aber der pfeilschnelle und technisch beschlagene Stürmer erwies sich als Transfer-Glücksgriff, den es zu halten galt. Trotz offen vorgetragener Wechselabsichten ging er mit in Liga Zwei und war mit 15 Toren wesentlich am Wiederaufstieg unter Babbel beteiligt.

Umso rätselhafter ist der Leistungsabfall im letzten Jahr: Ramos lief zuletzt nur noch als Schatten seiner selbst über den Platz, agierte vor dem gegnerischen Tor überhastet und vergab reihenweise Hochkaräter. Lediglich gegen den HSV, Wolfsburg (Hinrunde) und Mainz  (Rückrunde) gab es ansprechende Leistungen. Dennoch dürfte es genügend Interessenten geben.

Der Vertrag des kolumbianischen Nationalspielers läuft noch bis 2015. Allerdings wird auch er nicht nochmal zweitklassig spielen wollen, selbst wenn seine Leistung in dieser Saison nicht weit davon entfernt ist. Die TSG Hoffenheim 1899 warb bereits vor dem letzten Abstieg heftig um den Angreifer, als weitere potenzielle Abnehmer gelten Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen.

Pierre-Michel Lasogga

Schon das Zweitligajahr begann mit 13 Toren und fünf Assists vielversprechend. In der Hinrunde der laufenden Saison, als noch nichts auf einen erneuten Abstieg schließen ließ, machte Lasogga dann mit sechs Toren und drei Assists weiter auf sich aufmerksam und legte ein mehr als ordentliches Bundesligadebüt hin. Vor allem gegen die rheinischen Klubs aus Köln und Leverkusen avancierte der gebürtige Gladbecker, der aus Bayers Jugend nach Berlin kam, mit Doppelpacks zum Matchwinner.

Der bullige Angreifer ist mit acht Saisontreffern nach wie vor bester Torschütze der Blau-Weißen. Unter Rehhagel fand der 21-Jährige sich jedoch meistens auf der Bank wieder, weil der spielstärkere Ramos den Vorzug als einzige Spitze im 4-2-3-1 erhielt. Bei seinen wenigen Einsätzen zeigte sich der Youngster kämpferisch, aber ebenso verunsichert wie das gesamte Team.

Lasoggas Vertrag ist ebenfalls bis 2015 datiert, soll aber eine Klausel besitzen, nach der er bei chronischem Abstiegskampf und lukrativen Angeboten wechseln darf. Auch Lasogga könnte es zur TSG Hoffenheim ziehen. Sein Entdecker Markus Babbel bastelt dort gerade an einem Kader für die nächste Saison und hat schon mehrmals eine leise Unzufriedenheit mit Stürmer Ryan Babbel zum Ausdruck gebracht.

Thomas Kraft

Hielt als einziger „Bayern-Gen“-Spieler, was er versprach und war eine der wenigen Konstanten in einer über den gesamten Saisonverlauf unbeständigen Mannschaft. Gewann vor allem im Abstiegskampf aufgrund seiner kämpferischen Qualitäten an Profil und ging, auch verbal, vorneweg. Beispielhaft für seine mentale Stärke war der gehaltene Elfmeter in Leverkusen vor zwei Wochen, der den Auswärtspunkt ermöglichte. Kein Zufall, dass Kraft noch im selben Spiel den späteren Doppeltorschützen Torun am Schlaffitchen packte und ihn in bester Oliver-Kahn-Gedächtnis-Manier wachrüttelte.

„Stand jetzt ginge ich mit in die zweite Liga. Aber das ist aktuell nicht mein Thema. Noch sind wir nicht abgestiegen“, erklärte der 23-Jährige dieser Tage in der B.Z. Hoffnung für die Fans? Wohl eher nicht. Wie Berliner Medien berichteten, besitzt Kraft in seinem Vertrag eine Klausel, die ihm beim Gang in Liga Zwei erlaubt, den Verein zu verlassen. Und eine neue Anstellung für den talentierten und ambitionierten Keeper wird sich spätestens nach dem Saisonfinale finden. Klubs, bei denen die entsprechende Stelle frei wird, wären Werder Bremen oder eventuell auch die TSG Hoffenheim.  

Christian Lell und Andreas Ottl

Andreas Lell verlängerte erst vor kurzem seinen Vertrag bis 2016, dürfte im Fall der Fälle aber ebenso gehen wie Andreas Ottl. Bei beiden Spielern mit dem Bayern-Gen zeigte sich im Saisonverlauf eher, warum sie seinerzeit bei den Bayern-Ge(h)n durften. Lell war stets darum bemüht, seiner Rolle als Ersatzkapitän gerecht zu werden, Anspruch und Wirklichkeit klafften dabei aber oft auseinander.

Ottl etablierte sich defensiv als solider Arbeiter, lieferte nach vorne aber eher biederes Handwerk ab. Bezeichnende, dass der 27-Jährige im Berliner Dress ohne Treffer blieb. Als möglicher neuer Arbeitgeber für den Sechser wäre wohl der 1. FC Nürnberg eine Option, wohin ihn die Bayern in der Rückrunde 2009/10 verliehen.

Eure Meinung: Wen kann die Hertha im Abstiegsfall halten?
                
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