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Er wurde von einigen bereits als Fehleinkauf abgestempelt, nun scheint Ilkay Gündogan beim deutschen Meister endlich Fuß gefasst zu haben - das Warten hat sich gelohnt.

Dortmund. Die Laune von Ilkay Gündogan hätte besser kaum sein können, als er am vergangenen Samstag nach Abpfiff durch die VW-Arena stolzierte und sichtlich Freude daran hatte, bei den Reportern Wunschobjekt Nummer eins zu sein. Kein Wunder: Borussia Dortmund hatte den VfL Wolfsburg mit 3:1 besiegt, der Deutsch-Türke erzielte dabei nicht nur einen Treffer, sondern war auch noch bester Mann auf dem Platz.

Verbannung auf die Tribüne

Beim Hinspiel gegen die Niedersachsen, vor ziemlich genau fünf Monaten, war daran nicht zu denken. Seinerzeit war Gündogan an seinem Tiefpunkt angekommen. Durfte er in den ersten neun Bundesliga-Spiel noch in der Startelf ran, verbannte ihn BVB-Coach Jürgen Klopp gegen die „Wölfe“ auf die Tribüne. Von dort musste der 21-Jährige mit ansehen, wie  Sven Bender und Moritz Leitner ihre Sache äußerst gut machten und entscheidenden Anteil am 5:1-Sieg der Borussen hatten.

Kritik von den Mitspielern

Zuvor hatte sich mit Sebastian Kehl bereits ein weiterer Konkurrent für die Sechser-Position in den Vordergrund gespielt. Klopp ließ damals durchblicken, dass er Gündogan erst einmal aus der Schusslinie nehmen wolle. Die Kritik am Mittelfeld-Mann wurde seinerzeit immer lauter, auch die Mitspieler sollen mit seiner Spielweise nicht zufrieden gewesen sein und das zum Ausdruck gebracht haben. Die Vorwürfe: Gündogan verschleppe das Spiel, halte den Ball zu lange.

Der zermürbende Sahin-Vergleich

Vor allem aber schwebte stets das Damocles-Schwert des in der Sommerpause zu Real Madrid abgewanderten Nuri Sahin über den vom 1. FC Nürnberg verpflichteten Akteur. Gündogan sollte die Lücke schließen, die Sahin hinterließ - eine Drucksituation, der er anfangs offenbar nicht gewachsen war. Der gebürtige Gelsenkirchener reagierte zu jener Zeit sichtlich genervt auf den medial immer wieder hervorgekramten Vergleich mit Sahin, das Thema schien ihn regelrecht zu zermürben.

Der Durchbruch

Erst drei Spieltage später durfte Gündogan wieder für die Dortmunder ran, wirklich überzeugend war seine Vorstellung dabei nicht. So etwas wie der Durchbruch folgte dann erst Anfang März, als der Mann, für den Dortmund im vergangenen Sommer nach dessen überragender Saison vier Millionen Euro nach Nürnberg überwies, beim 2:1-Sieg gegen den FSV Mainz 05 groß aufspielte. Es war der Startschuss für kontinuierliche starke Leistungen.

Durchweg gute Leistungen

GÜNDOGAN IM JAHR 2012
Startelf-Einsätze
Tore
Assists
6
3
2

Im anschließenden Gastspiel beim FC Augsburg wurde Gündogan erst spät eingewechselt, der BVB kam mit Bender und Kehl in der Startelf nicht über ein 0:0 hinaus. Mit ihm lief es dann deutlich besser: Beim 1:0 gegen Werder Bremen überzeugte Gündogan nicht nur wegen seines Assists, nach dem Goldenen Last-Minute-Treffer im Pokal gegen Greuther Fürth folgte ein nahezu perfekter Auftritt und ein Tor bei der 6:1-Gala gegen den 1. FC Köln. Im denkwürdigen Spiel gegen den VfB Stuttgart wurde er beim Stand von 2:0 ausgewechselt, am Ende mussten sich die Borussen mit einem 4:4 begnügen.

Gündogan sieht noch Luft nach oben

Vorläufiger Höhepunkt war nun die Partie in Wolfsburg. „Ich habe mir das hart erarbeitet“, erklärte Gündogan in deren Anschluss gegenüber Goal.com. Er sieht sogar noch Luft nach oben: „Alles ist mir nicht gelungen, aber ich bin einfach nur gut drauf.“ Dessen ist sich natürlich auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc bewusst. Der feixte: „Ein sehr, sehr guter Spieler, deswegen haben wir ihn verpflichtet.“

Freude bei Zorc

Zorc hatte trotz der Anlaufschwierigkeiten stets an Gündogan geglaubt: „Es ist normal, dass es nicht sofort am ersten Spieltag rollt, wenn man zum deutschen Meister kommt. Er musste sich auch unser Spiel und unsere Spielweise gewöhnen. Aber dass er Fußballspielen kann, das wussten wir. Ich freue mich für ihn“, so der 49-Jährige, der bei seinem Spieler eine „immer breitere Brust und viel Selbstbewusstsein“ ausgemacht hat.

„Stark genug, um die Bayern zuhause zu schlagen“

Diese breite Brust wurde auch deutlich, als Gündogan auf das Spiel gegen den FC Bayern München zu sprechen kam. Die Dortmunder gehen am Mittwoch als Spitzenreiter mit drei Punkten Vorsprung in die Partie gegen den Rekordmeister: „Wir versuchen, unsere Top-Form abzurufen, und dann sind wir stark genug, um die Bayern zuhause zu schlagen“, stellte der 8-fache U21-Nationalspieler klar.

Löw hat bereits zugeschlagen

Keine Frage - der Mann hat die Freude am Fußball zurückgewonnen. Und wenn Gündogan diese behält, wird er vielleicht auch bald ein Thema für Bundestrainer Joachim Löw. Der hat sich die Dienste Gündogans mit dessen Kurzeinsatz im EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien nämlich bereits gesichert, für die Türkei darf der BVB-Akteur nun nicht mehr auflaufen - eine Tatsache, die für Deutschland zum Glücksfall werden könnte.

Eure Meinung: Welche Entwicklung sagt Ihr Gündogan voraus?

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