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In diesem Jahr steht Polen im Fokus der Fußballwelt, welches große Probleme mit der eigenen Liga, Korruption und der gewalttätigen Fankultur hat. Die EM könnte Besserung bringen.

Warschau. In gut zwei Monaten beginnt die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Die letzten Handgriffe werden getätigt, um das Großereignis prachtvoll zu inszenieren. Dabei drängt sich die Frage auf, wo der polnische Fußball steht, besonders die polnische Liga, die Ekstraklasa, ist im Niemandsland des europäischen Fußballs aufzufinden.

Die Liga kurz vor dem Kollaps


Im Jahre 2008 platze die Bombe. Nach Italien, hatte auch Polen einen handfesten Korruptionsskandal. Es wurde bekannt, dass der Ligaalltag von Manipulationen bestimmt war. Selbst der Verbandspräsident Michal Listkiewicz wusste über die Vorgänge Bescheid, wie das Sportportal sport.pl berichtete. Schmiergelder entschieden dabei über Erfolge oder Misserfolge - nicht der sportliche Aspekt! Publik machte dies Piotr Dziurowicz. Der ehemalige Präsident des oberschlesischen Klubs GKS Katowice wandte sich an die Polizei um über das Spiel zwischen Polar Wroclaw und Zaglebie Lubin zu berichteten. Lubin stand in einem besonderen Fokus in den deutschen Medien, da zu der Zeit Lukasz Piszczek dort angestellt war und sich im Jahr 2009 selbst anzeigte.

Die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelte gegen 17 Vereine aus verschiedenen Ligen. Eine nicht gerade rühmliche Zahl, die allein die höchste polnische Spielklasse auf gerade mal sechs Vereine ohne jegliche Korruptionsvorwürfe reduzierte. Der polnische Fußballverband PZPN wirkte und agierte in dem Korruptionsskandal ziemlich ratlos und orientierungslos. Bis zum Sommer 2009 konnten die Vereine aufgrund bis zum Jahr 2005 zurückreichender Korruptionsfälle degradiert werden. Danach trat eine Amnestie in Kraft, die lediglich Punkteabzug und hohe Geldstrafen vorsah.

Polnische Vereine im Europapokal

Es ist schon eine lange Zeit her, dass polnische Vereine in europäischen Wettbewerben auf sich aufmerksam machen konnten. Das zeigt schon ein Blick auf die UEFA-Fünfjahreswertung. Dort steht Polen auf dem 20. Platz zwischen Tschechien und Kroatien. Nach der Einführung des neuen CL-Systems, ist der polnische Meister zur Teilnahme an der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League berechtigt. Daher ist es  kaum verwunderlich, dass letztmalig eine polnische Mannschaft, Widzew Lodz, in der Champions League war, als Borussia Dortmund die selbige in der Saison 1996/97 gewann. Seitdem schaffte man es meist nur bis zur dritten Runde der Qualifikation zur Königsklasse, wobei man dann dort entweder ein Hammerlos bekam, wie Wisla Krakau gegen Barcelona in der Saison 2001/02 und 2008/09, oder gegen vermeintlich gleichwertige oder sogar schwächere Mannschaften unterlag, wie in der aktuellen Spielzeit gegen das Überraschungsteam APOEL Nikosia.

Sternstunden der Geschichte

Die großen Europapokalabende mit polnischer Beteiligung liegen weit zurück. Lediglich Gornik Zabrze stand 1970 einmal im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Legia Warschau erreichte zweimal das Halbfinale eines Europapokals, 1970 Europapokal der Landesmeister und 1991 Europapokal der Pokalsieger. Widzew Lodz erreichte 1983 das Halbfinale des Europapokals der Landesmeister, dem Vorgänger der Champions League.
In der jüngeren Geschichte der polnischen Vereine sind immerhin Achtungserfolge gelungen. In der Saison 2002/03 gewann Wisla Krakau nach einem Unentschieden im Hinspiel, auf Schalke mit 4:1 - eine Runde später gegen Lazio Rom war dann Schluss, obwohl man im ersten Spiel auswärts ein 3:3 erringen konnte. Der größte Erfolg gelang Lech Posen in der Saison 2010/11, wo man sich in der Gruppenphase durchsetzen konnte, als man Juventus Turin zwei Unentschieden abringen konnte und mit der Star-Truppe von Manchester City in die K.O- Runde einzog. Abermals war dann aber Schluss in der  zweiten Runde. Zumindest konnten sich einige Spieler auf die Zettel einiger Vereinsscouts spielen, wie Robert Lewandowski.




Liga als Sprungbrett

Die polnische Liga ist zwar nicht dir Topadresse in Europa, doch die Talentscouts finden immer wieder den Weg dorthin. Dies lässt sich besonders an der Nationalmannschaft ablesen. Ein Großteil der Spieler ist im Ausland tätig. Die Nationaltorhüter verschlägt es auf die Insel zu den englischen Spitzenvereinen, an Beispielen wie Lukasz Fabianski und Wojciech Szczesny. Andere beliebte Anlaufstellen sind die Niederlande, Frankreich und Belgien. Die Bundesliga, in der eine Vielzahl von Legionären zu finden ist, ist für die polnischen Kicker die angepeilte Adresse. Neben den Spielern des Meisters aus „Polonia Dortmund“(Lewandowski, Kuba, Piszczek) sind zusätzlich  noch Slawomir Peszko beim 1. FC Köln und Artur Sobiech bei Hannover 96. Zudem verpflichten die Vereine junge Talente aus Polen wie Mateusz Klich (Wolfsburg) oder die beiden Lauterer Jakub Swierczok und Ariel Borysiuk. Womöglich kann die EM in Polen nicht nur den Tourismus nachhaltig fördern, sondern auch der polnischen Liga Nachdruck verleihen.

Eure Meinung: Wo steht die polnische Liga in Europa?

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