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Die Welt des Fußballs bangt um das Leben von Fabrice Muamba. Goal.com stellt Euch den 23-Jährigen vor, der bereits einige Hürden zu meistern hatte.

London. Als Fabrice Muamba 1999 mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in Zaire (heute die Demokratische Repulik Kongo) nach England floh, da hoffte er nicht nur sein Leben gerettet zu haben, sondern auch einem Dasein in Armut und Ungewissheit entkommen zu sein. So, wie es vielen Afrikaner ging, die aus Ruanda, Angola, Liberia, Sierra Leone und der Elfenbeinküste geflohen waren, um ein neues Leben im Westen zu beginnen.

2008 schilderte Muamba der Daily Mail: „Es war sehr, sehr schwierig. Ich habe den Krieg gesehen, ich habe Menschen sterben sehen. Ich wuchs damit auf und es machte mir große Angst. Ich wohnte nicht weit von den Kanonenschüssen entfernt. Ich hörte sie, wenn sie losgingen. Es war nicht leicht, sich daran zu gewöhnen. Besonders bei Nacht. Sicher hatte das Einfluss auf mich. Es hielt uns davon ab, rauszugehen und Fußball zu spielen. Denn wir hatten Angst, dass wir sterben. Ein paar meiner Freunde verletzten sich damals und seitdem sind ein oder zwei von ihnen gestorben.“

Muambas Vater Marcel war 1994 gezwungen, den Kongo zu verlassen, denn er war ein Berater des diktatorischen Präsidenten Mobutu Sese Seko. Die Anti-Mobutu-Kräfte verfolgten ihn und Muambas Vater suchte Zuflucht in England. Nach fünf Jahren erhielt er dort Asyl und das erlaubte es ihm, seine Familie zu sich zu holen. Obwohl niemand in Muambas Familie bei der Ankunft auf der Insel ein Wort englisch sprechen konnte, bereuten Fabrices Eltern ihren Schritt nie. Denn ihr Sohn blühte auf – sowohl schulisch, als auch sportlich.

Im Alter von 14 Jahren schloss sich Muamba 2002 dem FC Arsenal an. Er beeindruckte dort auf Anhieb und nachdem er die englische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, debütierte er am 1. November 2002 gegen Wales für die U-16-Nationalmannschaft.

In Klub und Verband durchlief er die normalen Stationen der Ausbildung und 2004 spielte er zunächst für Englands U17, später für die U18. Wenige Monate nach seinem 17. Geburtstag unterzeichnete er seinen ersten Profivertrag bei Arsenal. Zwei Wochen später durfte er für die „Gunners“ vor 47.366 Zuschauern im „Stadium of Light“ gegen Sunderland ran und half seiner Mannschaft zu einem 3:0-Erfolg im Ligapokal.

Nach dem Abpfiff gefragt, wie er sich beim warmmachen gefühlt habe, sagte Muamba: „Der Trainer hat mich angelächelt und mir mit auf den Weg gegeben, ich solle das Spiel genießen und das tun, was ich gut kann.“ Das was Muamba „gut“ konnte, war die Defensivarbeit. Um genau zu sein: Stellungsspiel, Zweikampfverhalten, Übersicht und saubere Pässe.

Er philosophierte einst über die Kunst des richtigen Tacklings und erläuterte: „Beim Tackling geht es allein um das richtige Timing. Hast du das richtige Timing, brauchst du nur noch den Ball berühren. Einige Spieler grätschen nur herum, um zu zeigen, dass sie die härtesten Kerle auf der Welt sind. Aber es geht absolut nicht darum hart zu sein, sondern darum, den Ball zu bekommen. Sagen wir es so: Heutzutage kann nicht jeder grätschen. So einfach ist das.“

Muamba orientierte sich an Patrick Vieira und etablierte sich auf der Position des defensiven Mittelfeldspielers. Für ihn war es zu seiner Zeit in Nordlondon das ultimative Kompliment, mit Vieira verglichen zu werden und so hieß es auf Arsenals offizieller Internetseite einmal: „Man kann einfach nicht übersehen, dass diese beiden Spieler in ihrem Stil immens viel gemeinsam haben. Sowohl mit, als auch ohne Ball.“


Alle Infos zu Fabrice Muamba
FABRICE MUAMBA


Alter
23
Position
Zentrales Mittelfeld
Profispiele
201
Nationalität
Englisch (geb. in Zaire)
U-21-Länderspiele
33
Klubs

Arsenal, Birmingham, Bolton


Muamba selbst sagte über Vieira: „Ich hatte nicht wirklich Helden und Vorbilder, als ich im Kongo aufwuchs. Ich kannte mich damals im Fußball nicht besonders gut aus. Aber als ich zu Arsenal kam, da beobachtete ich Vieira. Denn ich dachte, dass dieser Typ eine famose Übersicht besitzt und ich eine Menge von ihm lernen konnte.“

Um seine Entwicklung voranzutreiben, wurde Muamba auf Leihbasis in die zweite Liga zu Birmingham City geschickt. Ein Weg, den mit ihm auch die Arsenal-Talente Sebastian Larsson und Nicklas Bendtner einschlugen. Muamba absolvierte unter Steve Bruce in der Saison 2006/07 41 Partien für Birmingham, der Klub landete auf Platz zwei und schaffte den Aufstieg in die Premier League. Im „St. Andrews“ avancierte er schnell zum Publikumsliebling und am Ende der Saison wurde er zum „Young Player of the Year“ des Vereins gekürt.

Doch nicht nur auf dem Rasen brillierte Muamba zusehends. Dem Sunday Mercury sagte der 19-Jährige 2007: „In mir steckt mehr, als nur das Treten gegen den Ball.“ Eine Untertreibung, schließlich erreichte er an der Kelmscott School in Walthamstow Bestnoten in Mathematik, Englisch und Französisch. „Ich wollte immer lernen. Ich mag es, Bücher zu lesen. Das gehört zu meinem Alltag, ich mag Autobiographien und solche Sachen. Lernen war mir stets wichtig, weil ich wollte, dass ich etwas Nützliches für die Zeit nach dem Fußball habe.“

Im Sommer 2007 kehrte er nicht nach London zurück, sondern wechselte für eine Ablöse in Höhe von vier Millionen Pfund (knapp fünf Millionen Euro) auf permanente Basis nach Birmingham. Er unterzeichnete dort einen Drei-Jahres-Vertrag. Der Kapitän der englischen U19 absolvierte in der folgenden Spielzeit alle 38 Partien für City, verpasste den  Klassenerhalt mit seiner Mannschaft allerdings um einen Zähler. In jener Saison gelangt ihm auch sein erstes Tor im Profifußball: Er traf per Volleyschuss aus kurzer Distanz bei Birminghams 2:4-Niederlage gegen Portsmouth.

Nach jener Saison lud ihn der Kongo ein, Muamba sollte für die A-Nationalmannschaft seines Heimatlandes auflaufen. Muamba lehnte umgehend ab. Seine Eltern hielten ihm den Rücken frei und schützten ihn vor den Verbandsoffiziellen, die den in Kinshasa geborenen Mittelfeldspielern noch umstimmen wollten. „Dies ist seine neue Heimat, ihm geht es gut hier“, sagte ein Familienmitglied damals.

Wenig später, am 21. August 2008, debütierte er für die englische U21, als er beim 1:1 gegen Rumänien im „Ashton Gate“ eingewechselt wurde. Unter Trainer Stuart Pearce wurde er schnell zur Stammkraft und lief insgesamt 33 Mal für die U21 auf. 20 Mal ging Muamba dabei als Gewinner vom Platz.

Im Sommer 2008 endete Muambas Zeit in Birmingham, denn Trainer Alex McLeish entschied sich, eine Offerte der Bolton Wanderers anzunehmen. Gut sechs Millionen Euro überwies Bolton an Ablöse für den 1,88 Meter großen Rechtsfuß.

„Er verfügt über großartige Stärken. Wie er den Gegner stellt und dann Bälle gewinnt, darin gibt es in der Premier League wahrscheinlich keinen Besseren.“

- Ex-Bolton-Trainer Gary Megson

Am 16. Juni unterschrieb Muamba einen Vertrag über vier Jahre bei den „Trotters“. Coach Gary Megson beorderte ihn sofort in seine Stammformation und da blieb Muamba über die gesamte Spielzeit. Bolton beendete die Saison auf Rang 13, eine Verbesserung gegenüber dem 16. Platz des Vorjahres. Im „Reebok Stadium“ war er unumstrittener Leistungsträger und in der Vorwoche, beim 2:1 über QPR, feierte er seinen 200. Einsatz bei den Profis. Keine schlechte Marke für einen 23-Jährigen.

2009 lobte ihn Trainer Megson: „Er verfügt über großartige Stärken. Wie er den Gegner stellt und dann Bälle gewinnt, darin gibt es in der Premier League wahrscheinlich keinen Besseren. Wenn du jemanden brauchst, der vor deiner Viererkette aufräumt, dann wird es schwierig, stärkere Spieler zu finden.“

Auf Megson folgte Owen Coyle und unter diesen verbesserte Muamba vor allem sein Passspiel. Im Mai 2010 wurde er als „Bolton News Player of the Year“ ausgezeichnet. Drei Monate später unterschrieb er einen neuen, langfristigen Vertrag, der ihn bis 2010 an die Wanderers band.

Doch am 17. März 2012, beim FA-Cup-Match gegen Tottenham Hotspur, kollabierte er plötzlich, während er rückwärts in Richtung eigenes Tor joggte. Sieben Minuten lang wurde er auf dem Feld behandelt und unter anderem wiederbelebt. Dann trugen Helfer ihn auf einer Trage vom Spielfeld. Trainer Coyle und Kapitän Kevin Davies fuhren mit ihm im Krankenwagen ins Hospital, wo sein Zustand gemäß Bolton-Homepage weiter „kritisch“ ist.

Die Fans blieben noch eine Weile im Stadion und die 650 Fans der Wanderers sangen Muambas Namen. Tottenhams Fans applaudierten und stimmten später lautstark in den Gesang ein.

In Muambas Geschichte gibt es eine Konstante: Es ist der Wille zu lernen und sich zu verbessern. Seien es die Bestnoten, die er parallel zum Hochleistungssport erreichte, der Aufstieg von der zweiten in die erste Liga, das etablieren in der Premier League oder das ganz große Ziel von der englischen A-Nationalmannschaft. Muamba hat stets nach vorn geblickt, war ehrgeizig und wissbegierig.

Sein ehemaliger Trainer Steve Bruce hat ihn einst als „Monster“ auf dem Platz beschrieben, um kurz darauf zu erwähnen, dass Muamba regelmäßig in der Bibel liest. Dazu sagte Muamba dem Sunday Mercury 2007: „Religion ist ein wichtiger Teil meiner Familie. Meine Mutter und mein Vater haben uns beigebracht in die Kirche zu gehen und mit Rückschlägen im Leben fertig zu werden. Das hatte stets Einfluss auf mich. Ich lese die Bibel jeden Morgen und ich bete, ehe ich auf das Spielfeld gehe. Ich lese es nicht nur wegen meiner Familie, sondern weil gute Geschichten darin stehen und weil es mir mental hilft.“

Quer durch die gesamte Welt des Fußballs beten die Fans im Moment für seine schnelle Genesung.

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