Fußball made in Japan: Höhere Qualität als Grund für den Japan-Boom in Europa?

Immer mehr europäische Teams scouten in Japan. Immer mehr japanische Fußballer suchen ihr Glück in Europa. Doch wie steht es um den Fußball im Land der aufgehenden Sonne?

Von Alexander Brinkmann

Shinji Kagawa, Borussia Dortmund
Bongarts
Berlin. Laut der japanischen Version von Wikipedia spielen momentan 60 japanische Fußballer im Raum der UEFA. Alleine 25 davon in Deutschland. Während Namen wie Shinji Kagawa, Makoto Hasebe oder Atsuto Uchida für Fans der Bundesliga längst nicht mehr unbekannt sind, hat der Großteil bestimmt noch nie von Sho Nakamura gehört, der für die zweite Mannschaft des TSG Kastel aufläuft. Auch außerhalb Deutschlands verdienen Spieler wie Keisuke Honda bei ZSKA Moskau oder Yuto Nagatomo bei Inter Mailand ihre Brötchen in Europa.

Die gerne als „Japan-Boom“ bezeichnete Tatsache, dass die Zahl der Japaner in europäischen Ligen mit jedem Jahr ansteigt, wird vor allem der Qualitätssteigerung des japanischen Fußballs zugeschrieben. Doch wie genau sieht die Situation des japanischen Fußballs aus? Goal.com geht mithilfe seines Japan-Experten Takashi Sugiyama auf Spurensuche.

„Das Niveau der J. League ist in den letzten drei Jahren gesunken“


„Ich habe das Gefühl, das Niveau der J. League ist in den letzten drei Jahren gesunken. Sicherlich hat man dort die Spieler gefunden, die auch in Europa spielen können, aber die meisten davon waren sehr jung. Sie haben oft nur zwei oder drei Jahre in der J. League gespielt, also wäre es zu viel, zu behaupten, sie seien ein Produkt der hohen Qualität der J. League“, erläuterte Sugiyama.

Im Vergleich mit Asien verliert man an Boden


Auch im Vergleich mit anderen asiatischen Ligen zeigt sich, dass die J. League aktuell alles andere als das Maß aller Dinge ist: „2007 und 2008 dominierte die J. League noch mit den Urawa Reds bzw. Gamba Osaka die AFC Champions League, aber in den letzten zwei Jahren haben es die Mannschaften aus der J. League nicht einmal bis ins Halbfinale geschafft. Gleichzeitig lieferte man jedoch den europäischen Ligen Spieler wie Shinji Kagawa, Keisuke Honda oder Atsuto Uchida.“

Während die J. League also im internationalen Vergleich momentan hinterherhinkt, schaffen es trotzdem immer mehr Spieler japanischer Klubs, die europäischen Vereine auf sich aufmerksam zu machen.

Holte 2007 zusammen mit Augsburgs Hajime Hosogai bei den Urawa Reds die AFC Champions League: Wolfsburgs Makoto Hasebe

„Man muss sich angucken, wie und wo die Spieler in ihrer Jugendkarriere gekickt haben“

„Ohne Zweifel haben die japanischen Vereine ihre Jugendabteilungen verbessert, aber man muss sich angucken, wie und wo die Spieler in ihrer Jugendkarriere gekickt haben. In Japan ist der einfachste Weg ein Profi zu werden, die Jugendakademien der Vereine oder die J. League Academy zu durchlaufen. Dennoch sieht man gerade bei den Spielern, die jetzt in Europa spielen, dass diese oftmals in Oberschulmannschaften gespielt haben. Auch in der japanischen Nationalmannschaft sieht man selten Absolventen der J. League Academy. Man muss aber zugeben, dass die Professionalisierung der Jugendabteilungen der Vereine dazu beigetragen hat, dass sich, neben dem Profifußball, auch der Fußball in den Oberschulmannschaften verbessert hat“, so Sugiyama.

Japan sucht den Superstürmer


Der von Japanern bevorzugte Spielertyp ist der des kreativen Mittelfeldspielers. „Deshalb findet man vor allem Mittelfeldspieler, die in Europa Fuß gefasst haben, wie etwa Shunsuke Nakamura (u.a. vier Jahre bei Celtic Glasgow, Anm. d. Redaktion) oder Hidetoshi Nakata (lange Zet in Italien aktiv, Anm. d. Redaktion).“ Allerdings mangelt es in Japan dafür sehr an „geborenen Stürmern“.

Trotz Abwanderungsgedanken im Winter weiterhin für ZSKA Moskau auf Torejagd: Keisuke Honda.

„Die japanischen Vereine schätzen das Scouting nicht so sehr…“


Während der Großteil der europäischen Vereine ein immer feinmaschigeres Scountingnetz aufbaut, welches auch zunehmend jüngere Spieler sucht, stellt sich die Situation in Japan wesentlich anders dar. Takashi Sugiyama meint: „Die japanischen Vereine schätzen das Scouting nicht so sehr, auch wenn es zu einem professionellem Verein dazugehört. Die Scouts in der J. League entdecken viel versprechende Talente meist erst auf den Universitäten, aber nicht in den Oberschulen. Die europäischen Scouts hingegen schon und deswegen bringen sie viele gute junge Spieler in den europäischen Ligen unter.“

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