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Die Könige von Europa – Barcelona und Real Madrid werden das Fußballgeschehen im In- und Ausland dank ihrer Finanzsituation über Jahre dominieren
Die spanischen Giganten haben einmal mehr die Money List von Deloitte nach Belieben dominiert und sie konnten den Abstand zu den Wettbewerbern sogar noch vergrößern – uneinholbar.
Von Ben Hayward und Christian Ehrhardt
ANALYSE
Der Abstand wächst. Nicht nur, dass Barcelona und Real Madrid einen komfortablen Vorsprung in Spanien genießen können, nein, die beiden Rivalen ziehen auch den europäischen Klubs mit großen Schritten davon.
Beeindruckende Zahlen waren es, die am Donnerstag im jährlichen Report zu den Fußballfinanzen von Deloitte veröffentlicht wurden und diese Liste sah die beiden Giganten wieder einmal ganz weit vorne. Auf den sieben Toppositionen gab es in diesem Jahr keinerlei Verschiebungen zu der letztjährigen Liste. Madrid und Barcelona konnten ihre führende Rolle nicht nur behaupten und festigen, sondern sie haben den Abstand zwischen sich und dem „europäischen Rest“ weiter vergrößern können.
Real Madrid hat es mit diesem Ergebnis geschafft, die Elite-Klubs im siebten Jahr in Serie anzuführen. Das bringt die Königlichen nah an den Rekord von Manchester United, die dieses Kunststück achtmal in Serie vollbrachten. Madrid hatte zwar leichte Einbußen bei den Einnahmen an Eintrittsgeldern zu verzeichnen und bei den Einzeleinnahmen verglichen mit den Einnahmen als Gastgeber des Champions-League-Finales 2010, konnten aber ihre Kriegskassen durch erhebliche Steigerungsraten bei den TV-Geldern und Werbeeinnahmen gewaltig füllen.
Barcelona erwartet neuen Schwung
Unter dem Strich kam eine Steigerung von 40 Millionen Euro zustande – verglichen mit dem Vorjahresergebnis – was bedeutet, dass Real souverän die Spitzenposition der Liste behaupten konnte. Deloitte meldete dazu: „Der Erfolg der Königlichen wird weiterhin von den starken Einnahmen beim Merchandising, den Sponsorengeldern und den Aktivitäten abseits des Spielgeschehens untermauert.”
Wie auch immer, Madrid wurde im letzten Kalenderjahr ein klein wenig vom kämpferischen Rivalen Barcelona eingeholt. Der katalanische Klub konnte sein Betriebsergebnis um 13 Prozent und somit 52,6 Millionen Euro verglichen mit dem Vorjahr verbessern, was in Zahlen heißt, dass Barca die Lücke zu Real von 40,5 Millionen aus der Saison 2009/2010 auf 28,8 Millionen Euro in der Saison 2010/2011 verkleinern konnte. Ein schöner Erfolg für die Katalanen, bei denen es nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich hervorragend läuft.
Für das kommende Jahr darf man darum sehr gespannt sein, denn dadurch, dass Barcelona erstmals eine komplette Saison mit einem Trikotsponsor absolviert – der Deal mit der „Qatar Foundation“, der mitten in der Saison unter Dach gebracht wurde, bringt immerhin 30 Millionen Euro im Jahr – und der Tatsache, dass man im Dezember ein fürstliches Preisgeld bei der Klub-WM kassieren durfte, ist dazu geeignet, Madrid im kommenden Jahr eventuell abzufangen. Deloitte hat dazu erklärt: „Sollte Barcelona in der Lage sein, die Erfolge in Primera Division und in der UEFA Champions League fortzuführen, könnte das den Ausschlag dazu geben, dass man die Lücke beim Betriebsergebnis zu Real Madrid nicht nur schneller verkleinert, sondern sie hinsichtlich der Topposition in der Money League massiv herausfordert.”
| REAL MADRID & BARCELONA | Wie sie die Deloitte Liste domieren |
| Spieltags-Einnahmen |
TV-Einnahmen |
Kommerzielle Einnahmen |
Gesamt-Einnahmen |
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![]() Real Madrid |
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Was allerdings jetzt schon feststehen dürfte, ist die Tatsache, dass mit Real Madrid oder Barcelona einer der beiden spanischen Giganten auch im nächsten Jahr die Liste dominieren wird – und das auch auf viele weitere Jahre hin. Und darüber hinaus weisen beide Klubs eine absolut beneidenswerte Gewinnspanne auf.
Barca konnte den Vorsprung auf den Drittplatzierten Manchester United von 48,3 Millionen Euro auf 83,7 Millionen Euro vergrößeren, während die Königlichen aktuell mit über 100 Millionen Euro Vorsprung vor Manchester liegen. Das Betriebsergebnis der Saison 2010/2011 verzeichnete bei Manchester 367 Millionen Euro und aktuell konnte der englische Meister das Ergebnis um 17 Millionen Euro überbieten.
Während die Verfolger Manchester und Bayern München allen Grund haben, auf ihre eindrucksvollen Spieltagseinnahmen stolz zu sein und sie kommerziell erstklassige Ergebnisse erzielen, so kommen sie nicht an die Einkommensgrößen in Bezug auf die TV-Einnahmen der spanischen Giganten heran.
Spanier profitieren von TV-Einnahmen
In Spanien wussten beide Klubs, Madrid und Barcelona, ihre eigenen Vertragsabschlüsse mit dem TV-Giganten MediaPro zu verhandeln und das bedeutet, sie kontrollieren über 40 Prozent der vollständigen TV-Gelder, die für Live-Übertragungen der Liga-Ansetzungen bezahlt werden. Dieses Privileg hat kein anderer Klub der sonstigen europäischen Ligen.
Valencia, aktuell Tabellendritter in La Liga und als Spanies “Bester vom Rest” angesehen, sind das einzige weitere spanische Team in der Top 20 Liste von Deloitte – und da nur auf Platz 19 mit einem Betriebsergebnis von 116,8 Millionen Euro.
Über die Hälfte dieses Ergebnisses, exakt 66,4 Millionen Euro, werden durch die TV-Rechte eingespielt. Aber das ist nur etwas mehr als ein Drittel von den Beträgen, welche jeweils an Barca und Real fließen.
| TV-Einnahmen | Die Top 10 |
| Klub |
2010-11 TV-Gelder |
| Barcelona |
183.7 Mio € |
| Real Madrid |
183.5 Mio € |
| Manchester United | 132.2 Mio € |
| Inter | 124.4 Mio € |
| Chelsea | 112.3 Mio € |
| Milan | 107.7 Mio € |
| Arsenal | 96.7 Mio € |
| Tottenham | 92,0 Mio € |
| Roma | €91.1m |
| Juventus | €88.7m |
Und exakt darin liegt auch das Problem begründet, sagte Jose Maria Gay, Professor für Wirtschaft und Finanzen an der Universität Barcelona, früherer Berater von Espanyol Barcelona und Fußballfinanzexperte.
„Wenn Sie auf die Liste schauen, werden Sie feststellen müssen, Spanien ist nicht so stark wie andere europäische Ligen vertreten. In der Liste finden sich vier deutsche Teams, fünf Klubs aus Italien und sechs Mannschaften aus England“, sagte Jose Maria Gay zu Goal.com in einem Telefon-Interview.
„Valencia hat es dieses Jahr in die Liste geschafft, doch im letzten Jahr waren sie da nicht vertreten. Und Sie müssen den großen Unterschied bei ihrem Einkommen erkennen: Valencia ist das drittplatzierte Team in Spanien, macht aber über die TV-Gelder weniger Geld, als vergleichsweise ein kleineres Team aus England.“
Gay kritisiert spanisches System
Und Gay, der zahllose Studien über Wirtschaftlichkeit im Fußball verfasst und veröffentlicht hat, sagte, die besondere Situation in Spanien sorge dafür, dass Madrid und Barcelona sowohl in Spanien, als auch in Europa stark sei. Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer.
„In anderen Ligen werden die Klubs auf gleicher Basis entlohnt“, sagte er. „In England verdient Manchester United mehr Geld als die anderen Klubs, weil sie das beste oder interessanteste Team darstellen und das auch in den vergangenen Jahren so gewesen ist. Die Gelder in England und Deutschland zum Beispiel werden fair verteilt und dahinter steht eine Logik – wohingegen Madrid und Barca die Erlaubnis erhalten haben, die Einkommen in Spanien quasi zu monopolisieren“, so Jose Maria Gay.
„Dadurch – und nur dadurch – haben sie ihre Rivalen in der Heimat übertrumpfen können. Und das Gleiche geschieht derzeit auch einem europäischen Level.“
Die Gelder in England und Deutschland zum Beispiel werden fair verteilt und dahinter steht eine Logik – wohingegen Madrid und Barca die Erlaubnis erhalten haben, die Einkommen in Spanien quasi zu monopolisieren Jose Maria Gay, Professor für Finanzen & Wirtschaft
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Die Regeln zum finanziellen Fair Play zwingen die Klubs dazu, innerhalb ihrer Budgetgrenzen zu operieren. Ausgaben, die über die eigenen Mittel hinaus gehen, sind untersagt. Dieser Umstand wird aber die spanischen Giganten, die großen Zwei, in keiner Weise tangieren, denn ihre Reserven sind schlicht übermächtig.
Auf dem Platz hat Barcelona zwei der letzten drei Champions-League-Titel für sich entscheiden können. Und auch in der Liga konnte der Klub einen Titel-Hattrick hinlegen – ganz abgesehen von anderen Schalen, die man gewann. Madrid ist es gelungen, sportlich unter Jose Mourinho aufzuschließen und somit sind die Königlichen, mit Manchester United und Bayern München, die größten Rivalen der Katalanen in Europa.
Spanier nicht mehr abzufangen?
„Sowohl Barca als auch Madrid präsentieren sich hervorragend auf dem Platz und das spiegelt sich natürlich auch in ihrem Einnahmen wieder“, so Gay. „Aber ihre Zusatzeinkommen durch die enormen TV-Einnahmen wird weiterhin dafür sorgen, dass sich die Lücke zu den Verfolgern auch im kommenden Jahr weiter vergrößert!”
Natürlich würde es, mit einem faireren und derzeit nicht ausbalancierten System für die Verteilung der TV-Gelder anders sein. Aber da diese Änderung nicht vor der Saison 2015/2016 zu erwarten ist, werden beide spanischen Klubs auch in der mittelfristigen Zukunft den europäischen Fußballmarkt nach Belieben kontrollieren. Es kann fast davon ausgegangen werden, dass dieser Zustand sich auch in der kommenden Dekade nicht ändern wird.Wie bleibt ihr unterwegs am Ball? Verpasst kein Ergebnis mehr!
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