Mame Biram Diouf: Hat Schmadtke erneut den richtigen Riecher bewiesen?

Hannovers Neuzugang wagt nach seinem Scheitern bei United einen Neuanfang in der Bundesliga. Wir haben den Senegalesen genauer unter die Lupe genommen.

Von Claas Philipp

Mame Biram Diouf, Manchester United
Getty
Hannover. „Wenn wir unsere Ziele im Auge behalten wollen, müssen wir uns im Spiel nach vorn verbessern - spielerisch und personell“, hatte Mirko Slomka Anfang Januar im Trainingslager im portugiesischen Portimao gefordert. Der Coach von Hannover 96 schlug angesichts der damaligen Personalsituation Alarm, seinerzeit fielen die beiden Stammstürmer Jan Schlaudraff und Mohammed Abdellaoue verletzt aus, Didier Ya Konan ist immer noch beim Africa-Cup.

DIE BISHERIGE STATISTIK | Mame Biram Diouf (Hannover 96)

Alter: 24

Vertrag bis: 2014
Position: Sturm

Marktwert: 4 Mio. Euro

 Stationen:
ASC Diaraf, Molde FK, ManUnited, Blackburn, Hannover
Spiele
Tore
Tore/Spiel
Assists
Länderspiele
 90
30 0,33 14 10 (1 Tor)

Slomkas Wunsch nach einem Stürmer

Zwar sind Schlaudraff und Abdellaoue mittlerweile wieder fit und zeigten beim 1:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg am vergangenen Freitag eine ordentliche Leistung. Über den Umstand, dass die Personaldecke auch angesichts der Doppelbelastung mit Europa League und Bundesliga recht dünn ist, konnte das aber nicht hinwegtäuschen. Ya Konan läuft seit Monaten der Form der Vorsaison hinterher, Artur Sobiech blieb bislang meilenweit hinter den Erwartungen zurück und Moritz Stoppelkamp kam seit seinem Bänderanriss im November 2010 nie richtig in Tritt. So blieben im Grunde nur zwei verlässliche Stürmer - zu wenig für ein 4-4-2.

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Von United nach Hannover

Slomkas Gebete wurden erhört: Beim Nürnberg-Spiel saß Mame Biram Diouf bereits auf der Tribüne, einen Tag später wurde Vollzug gemeldet. Der Senegalese unterschrieb bei 96 bis Juni 2014, dem Vernehmen nach sollen die Hannoveraner 1,8 Millionen Euro an Manchester United gezahlt haben. Wer aber ist der hierzulande weitgehend unbekannte Angreifer?

Cherundolo vertraut der sportlichen Führung

Für die 96-Akteure jedenfalls scheint er ein unbeschriebenes Blatt zu sein. „Ich kenne ihn gar nicht“, so Innenverteidiger Emanuel Pogatetz gegenüber Goal.com. „Ich denke mal, dass der uns schon weiterhelfen kann.“ Auch Kapitän Steven Cherundolo hofft, dass Diouf die Qualität im Kader vergrößert: „Jeder Spieler, der die Mannschaft verstärkt, ist für uns gut. Die sportliche Leitung hat es in den letzten eineinhalb, zwei Jahren verstanden, charakterstarke Spieler zu holen, die der Mannschaft auch vom Charakter her was geben können. Ob er eine Verstärkung ist - das werden wir alle sehen. Aber davon gehen wir erst mal aus“, so Cherundolo.



Cherundolo ist sich sicher, „dass er völlig akzeptiert wird, ziemlich schnell. Das ist bei 96 immer der Fall gewesen.“ Bei der Eingewöhnung helfen könnten neben dem Tunesier Karim Haggui zwei weitere Afrikaner: Sowohl Didier Ya Konan als auch Mohammed Abdellaoue, der marokkanische Wurzeln besitzt, haben bereits in Norwegen gekickt und somit einen ähnlichen Werdegang wie Diouf.

„Wir brauchen Spieler, die das Team nach vorne bringen“

„Wir haben in Norwegen gegeneinander gespielt. Ich weiß, dass er ein sehr guter Spieler ist“, so Abdellaoue. „Es ist gut, eine weitere Option zu haben. Wir brauchen Spieler, die das Team nach vorne bringen. Das ist wichtig. Dann hat der Trainer mehr Spieler zur Auswahl und der  Konkurrenzkampf ist größer.“ Abdellaoue, seines Zeichens Norwegens Fußballer des Jahres, kennt Diouf aus der heimischen Tippeligaen. Der wechselte im Januar 2007 von ASC Diaraf Dakar zum damaligen Zweitligisten Molde FK und sollte dem Team beim direkten Wiederaufstieg helfen - was er eindrucksvoll tat.

Die Anfänge in Molde

In seiner Debüt-Saison war Diouf mit zehn Treffern der beste Torschütze seines Teams, nach dem Aufstieg konnte er in der nächsten Spielzeit sieben Mal einnetzen, im nächsten Jahr gar 16 Mal. Neben Jörg Schmadtke, der ihn damals bereits auf dem Zettel hatte, wurde auch Manchester United aufmerksam - und verpflichtete den damals 21-Jährigen 2009 für 4,5 Millionen Euro. Im Januar 2010 durfte er sein erstes Pflichtspiel für die „Red Devils“ absolvieren, beim 1:1 bei Birmingham City wurde der Stürmer in der Schlussphase eingewechselt. Viele weitere Einsätze kamen nicht hinzu - so wurde Diouf im Sommer 2010 für eine Saison an die Blackburn Rovers verliehen.



Dort stand er zwar in 20 Liga-Spielen in der Startelf, mehr als drei Treffer und zwei Assists kamen dabei aber nicht raus. Nach der Rückkehr zu United fand er sich erneut größtenteils in Manchesters Reserveteam wieder, für das erste Team standen nach einem halben Jahr lediglich drei Liga-Pokal-Einsätze gegen unterklassige Teams zu Buche. Daher verwundert es kaum, dass Diouf nicht für den Africa-Cup nominiert wurde. So entschied er sich schließlich zu einem Wechsel nach Hannover.

Tosic und Zieler als Vorbild

Kann ein Spieler mit einem derartigen Karriereverlauf den „Roten“ aber wirklich weiterhelfen? Die Beispiele von Zoran Tosic (1. FC Köln) und - natürlich - von Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler haben aber gezeigt, dass Akteure, die bei United nicht zum Zug gekommen sind, sich in der Bundesliga durchaus als Verstärkung erweisen können.

„Kraftvoller und schneller Akteur“

Ähnlich sieht das Jonathan Birchall, englischer Goal.com-Korrespondent: „Diouf zeigte einige vielversprechende Ansätze, sowohl in Manchester als auch für Blackburn. Er hat sich als kraftvoller und schneller Akteur bewiesen und spielt mit unglaublich großem Einsatz. Er hat einen starken Schuss und seine Fähigkeiten in der Luft sind überzeugend. Aber ihm fehlten die nötigen technischen Fähigkeiten, um sich bei United durchzusetzen. Vor dem Tor mangelte es zuweilen an der nötigen Treffsicherheit. Er braucht Spielzeit, um Selbstvertrauen und Ruhe im Abschluss zurückzuerlangen. Er könnte sich als exzellente Verpflichtung für Hannover erweisen - aber er muss sich in vielen Bereichen noch verbessern.“


„Er könnte sich als exzellente Verpflichtung für Hannover erweisen - aber er muss sich in vielen Bereichen noch verbessern.“
- Jonathan Birchall

Unser westafrikanischer Kollege Kingsley Kobo fügte an: „Mame Biram Diouf ist ein guter Stürmer, der schnell ist und gut antizipiert. Mit einer Größe von 1,85 Meter hat er in der Luft Vorteile. Er nimmt den Ball perfekt an, verarbeitet ihn gut weiter und kann so die Außen bedienen. Teilweise entwischt er den Verteidigern, es hapert aber oft im Abschluss. Diouf hat kürzlich erklärt, dass er sich noch verbessern muss - das hat er seit seinem Abgang aus Molde kaum getan. Ich glaube, Hannover ist eine weitere Möglichkeit, seiner Karriere einem neuen Sprung zu verhelfen. Es wird auf seine Fähigkeiten und seinen Willen ankommen.“

Die Hoffnungen sind groß

Potenziell scheint Diouf also eine Art Ya Konan mit zusätzlicher Stärke im Kopfballspiel zu sein. Das klingt vielversprechend - Schmadtkes Riecher könnte den 96ern einen weiteren Glücksgriff beschert haben. Das war schon bei Ya Konan und Abdellaoue der Fall. Hinzu kommt, dass Hannovers Neuzugang mit der Rückennummer 39 in der Europa League spielberechtigt ist. Ob der bei United gescheiterte Senegalese den „Roten“ tatsächlich weiterhilft, bleibt abzuwarten - die Hoffnungen in der niedersächsischen Landeshauptstadt sind jedenfalls groß.

Eure Meinung: Mame Biram Diouf - Glücksgriff oder Fehleinkauf für 96?

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