Breno, Ze Roberto II, Albert Streit und die zehn schlechtesten Januar-Transfers der Bundesliga
Volltreffer oder Griff daneben? Bei Transfers im Winter muss immer alles passen, schließlich kommen die Neuzgänge mitten in der Saison. Hier ist unsere Bundesliga-Flop-Ten!
Von Falko Blöding
Dabei entpuppte sich so manche Neuverpflichtung als echter Flop. Diese Spieler, die wegen ihres großen Namens oder ihrer hohen Ablöse die Erwartungen nicht erfüllten, haben es in unsere Auswahl geschafft:
| Lilian Laslandes | Vom FC Sunderland zum 1. FC Köln (ablösefreie Leihe, 2002) |

Lilian Laslandes. Ein Name, der den Anhängern des 1. FC Köln bis heute eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Mit jeder Menge Vorschusslorbeeren war der einstige französische Nationalstürmer vor zehn Jahren ans Geißbockheim gewechselt. Dort sollte er das zu tun, was Markus Kurth, Christina Timm, Marco Reich und Georgi Donkov nicht vermochten: Den FC mit reichlich Treffern zum Klassenerhalt zu schießen.
Doch die Leihgabe des FC Sunderland enttäuschte auf ganzer Linie: Laslandes brachte es nur auf fünf Einsätze und blieb ohne Torerfolg. Offensichtlich unmotiviert und ohne großes Engagement präsentierte er sich im Training und bekam schnell den Spitznamen „Laslandesliga“ verpasst.
Anspruch und Wirklichkeit klafften meilenweit auseinander und so stiegen die Kölner in die zweite Liga ab, zahlten dem ablösefreien Laslandes ein sattes Millionengehalt und der kehrte anschließend in seine Heimat zurück.
| Ailton | Von Besiktas Istanbul zum Hamburger SV (Leihe, 0,45 Mio €, 2006) |

In der Saison 2005/06 kämpfte der Hamburger SV mit dem FC Bayern und Werder Bremen um die ersten beiden Tabellenplätze. Ausgerechnet der Ex-Bremer Ailton sollte dafür sorgen, dass die „Rothosen“ am Ende mindestens den zweiten Platz und damit die direkte Champions-League-Quali schafften.
Sportdirektor Didi Beiersdorfer verpflichtete den „Kugelblitz“ und Ex-Torschützenkönig für ein halbes Jahr und eine Leihgebühr von knapp 500.000 Euro aus Istanbul. Ailton strich pro Monat 55.000 Euro netto ein und kassierte zudem eine Auflaufprämie in Höhe von 10.000 Euro. Diese Investition rechnete sich für die Hanseaten jedoch nicht.
Ailton erzielte nur magere drei Tore und sorgte zudem für einen teuren Fehlschuss: Am letzten Spieltag empfingen die Hamburger den ungeliebten Nachbarn von der Weser im direkten Duell um den zweiten Platz. Dem HSV hätte dabei ein Remis gereicht, doch Werder behielt mit 2:1 die Oberhand. Ailton ließ dabei eine ganz dicke Chance liegen, als er freistehend aus zehn Metern das leere Tor nicht traf. Kein Wunder also, dass Hamburg die Kaufoption auf den Brasilianer verstreichen ließ.
| Tuncay Sanli | Von Stoke City zum VfL Wolfsburg (4,5 Mio €, 2011) |

Tuncay befand sich im vergangenen Winter in bester Gesellschaft: Gemeinsam mit gleich sechs anderen Neuzugängen sollte der türkische Nationalstürmer die miserable Saison des VfL Wolfsburg retten und zumindest den Abstieg aus der Bundesliga verhindern.
Sonderlich viel Gelegenheit dazu bekam der 4,5-Millionen-Einkauf nicht, denn er absolvierte nur vier Partien für den Meister von 2009 (eine davon über die volle Distanz). Kurz nach seiner Ankunft wurde Trainer Steve McClaren entlassen und dessen Nachfolger Felix Magath hatte keine Verwendung für den vielseitigen Angreifer. Mittlerweile spielt der 30-Jährige wieder in der Premier League, er ist an die Bolton Wanderers ausgeliehen.
| Boubacar Sanogo | Von Werder Bremen zu 1899 Hoffenheim (Leihe, 0,9 Mio €, 2009) |

Zugegeben, die Fußstapfen, in die Boubacar Sanogo Anfang 2009 bei der TSG Hoffenheim trat, waren ziemlich groß: Vedad Ibisevic hatte in der grandiosen Vorrunde des Aufsteigers 18 Tore in 17 Partien erzielt, ehe er sich das Kreuzband riss. Sanogo wurde von Werder Bremen ausgeliehen, um diese Lücke zu schließen und prompt traf der Ivorer im ersten Spiel für seinen neuen Arbeitgeber.
Dann war es mit der Herrlichkeit aber auch schon vorbei. Sanogo gelang in seinen weiteren 13 Einsätzen für die Kraichgauer kein weiterer Treffer, nicht einmal eine Vorlage leistete er. Ihm wurde vorgeworfen, er sei technisch zu schwach für das Hoffenheimer Spiel und folglich pendelte er immer mehr zwischen Ersatzbank und erster Elf. Nach einem halben Jahr war das Kapitel 1899 für ihn beendet und Werder verkaufte ihn nach Frankreich zu AS Saint-Etienne.
| Patrick Helmes | Von Bayer Leverkusen zum VfL Wolfsburg (5 Mio €, 2011) |

Ein Kreuzbandriss sorgte dafür, dass Patrick Helmes bei Bayer Leverkusen in der Hackordnung der Stürmer hinter Stefan Kießling und Eren Derdiyok zurückfiel. Der einstige Nationalstürmer kam nur zu sporadischen Einsätzen und da flatterte die Offerte aus Wolfsburg gerade zur rechten Zeit herein. Doch wie viele Kollegen in Wolfsburg, wurde auch Helmes vom Duo Dieter Hoeneß/Steve McClaren verpflichtet und war anschließend unter Felix Magath nicht mehr erwünscht.
Bereits nach einem halben Jahr wollte Magath den 27-Jährigen wieder verkaufen, doch der sträubte sich gegen einen Last-Minute-Wechsel nach Frankreich. Es folgte die Verbannung aus dem Wolfsburger Mannschaftstraining, die anschließende Begnadigung und ein Stammplatz auf der Bank.
Dass Helmes, der einen hochdotierten Vertrag bis 2014 besitzt, in Wolfsburg keine Perspektive mehr hat, ist mittlerweile klar. Deshalb gilt ein Wechsel noch innerhalb dieser Transferperiode als wahrscheinlich. Bislang kam es aber noch nicht zu einer Einigung.
| Julio Dos Santos | Von Cerro Porteno zu Bayern München (2,7 Mio €, 2006) |

Julio Dos Santos ist einer aus der erklecklichen Liste der Südamerikaner, die sich beim FC Bayern nicht durchsetzen konnten. Für knapp drei Millionen Euro holten die Bosse den Landsmann von Roque Santa Cruz 2006 an die Säbener Straße. Der Linksfuß galt als hochveranlagt und sollte eine Bereicherung für das zentrale Mittelfeld des Rekordmeisters werden. Zwischenzeitlich wurde er gar als Nachfolger für Michael Ballack ins Spiel gebracht.
Doch der Paraguayer hatte große Eingewöhnungsprobleme. In seinen ersten eineinhalb Jahren in Deutschland brachte er es auf fünf Einsätze mit insgesamt weniger als 100 Einsatzminuten. Er wurde (erfolglos) an den VfL Wolfsburg und UD Almeria verliehen, ehe er sich nach zweieinhalb Jahren in Richtung Brasilien verabschiedete. Mittlerweile kickt Dos Santos wieder bei seinem Heimatklub Cerro Porteno.
| Rever | Von Gremio Porto Alegre zum VfL Wolfsburg (5 Mio €, 2010) |

Stolze fünf Millionen Euro waren dem VfL Wolfsburg in der Winterpause der Saison 2009/10 die Dienste des brasilianischen Abwehrspielers Rever wert. Der Innenverteidiger, der drei Länderspiele für die „Selecao“ absolviert hat, startete in Niedersachsen jedoch denkbar ungünstig und brach sich prompt noch vor seinem Debüt die Hand.
Anschließend brauchte er sechs Wochen um wieder fit zu werden, fand jedoch nicht mehr zu seiner Form. Die Konsequenz: Rever absolviert lediglich einen 15-minütigen Einsatz in der Europa League gegen Fulham im Dress des VfL und wurde anschließend mit zwei Millionen Euro Verlust zurück in seine Heimat verkauft.
| Albert Streit | Von Eintracht Frankfurt zum FC Schalke 04 (2,5 Mio €, 2008) |

Albert Streit war vermutlich DIE Reizfigur der letzten Jahre in der Bundesliga. Andreas Müller lotste den zweifellos talentierten Rechtsaußen 2008 vom Main in den Ruhrpott und stattete ihn bei der Gelegenheit mit einem üppigen Jahresgehalt aus. So üppig, dass Streit auch dann nicht weg wollte, als der neue Trainer Felix Magath nicht mehr mit ihm plante.
Streit wurde in die zweite Mannschaft verbannt und suspendiert, blieb aber dennoch weiter bei den „Knappen“. Er wurde als Söldner beschimpft und angepöbelt, nach eigenem Bekunden sogar „angepinkelt“. Auch ein Ausleihgeschäft zum Hamburger SV konnte er nicht dazu nutzen, sich wieder ins Schaufenster zu stellen. Dazu gesellten sich Äußerungen wie: „Ich habe hier den besten Vertrag meines Lebens unterschrieben und bekomme noch drei Jahre gutes Geld.“
Vor wenigen Wochen trennten sich beide Parteien (endlich), zwischenzeitlich hatte es auch juristisches Theater gegeben. Streit, der mittlerweile 31 Jahre alt ist, hat sich für einen Wechsel zu Alemannia Aachen entschieden. In der zweiten Bundesliga will er es seinen Kritikern nochmal zeigen.
| Ze Roberto II | Von Botafogo zum FC Schalke 04 (3 Mio €, 2011) |

Ein weiteres dunkles Kapitel der Schalker Transfergeschichte: Für drei Millionen Euro kam der Namensvetter von Ex-Bayern-Star Ze Roberto nach Gelsenkrichen und dort feierte der einen Einstand nach Maß: Kurz nach seiner Einwechslung beim Debüt gegen Stuttgart erzielte er seinen Premierentreffer in der Bundesliga.
Es folgte die schnelle Ernüchterung, denn Ze Roberto II kam anschließend nur noch zu zwei Kurzeinsätzen. Der Frust über sein Reservistendasein saß bei dem offensiven Mittelfeldspieler tief und so kündigte in der Winterpause der Saison 2008/09 in brasilianischen Medien an, mit Verspätung aus dem Heimaturlaub zurückzukehren. Dies machte er auch wahr, ohne Schalke zuvor in Kenntnis gesetzt zu haben.
S04 reagierte und lieh Ze Roberto II für ein Jahr zu Flamengo aus. Anschließend kehrte er erneut verspätet zu Schalke zurück und wechselte dann ablösefrei zu Vasco Da Gama. Mittlerweile bringt es der 31-Jährige in seiner Profilaufbahn auf imposante 15 verschiedene Klubs.
| Breno | Vom FC Sao Paulo zu Bayern München (12 Mio €, 2008) |

Breno und die Bayern, ein teures Missverständnis: Zwölf Millionen Euro zahlte der Rekordmeister vor vier Jahren für den hochtalentierten Brasilianer. Verantwortliche und Fans hofften, sich den „neuen Lucio“ geangelt zu haben. Doch daraus wurde nichts. Viele Verletzungen warfen den Innenverteidiger immer wieder zurück, seine wenigen Bewährungschancen nutzte er nicht.
Nach einer Ausleihe zum 1. FC Nürnberg schien Breno zwischenzeitlich auf einem guten Weg zu sein, eine weitere schwere Knieverletzung warf ihn jedoch zurück. Es folgten psychische Probleme, die schließlich sogar im Vorwurf der Brandstiftung gipfelten, nachdem seine Villa abgebrannt war.
Der FCB stärkte seinem Sorgenkind dennoch immer wieder den Rücken und gab die Hoffnung auf den großen Durchbruch nicht aus. Doch mittlerweile sieht es stark nach der Scheidung im Sommer aus. Dann läuft Brenos Vertrag aus.
Weitere Floptransfers, die seit dem Jahrtausendwechsel während es Winters getätigt wurden:
Adhemar (von Sao Caetano zum VfB Stuttgart, 1,7 Millionen Euro)
Wesley Sonck (von Ajax Amsterdam zu Borussia Mönchengladbach, Leihe, 0,28 Millionen Euro)
Matthew Amoah (von Vitesse Arnheim zu Borussia Dortmund, 0,4 Millionen Euro)
Rick Hoogendorp (von RKC Walwijk zum VfL Wolfsburg, 1,7 Millionen Euro)
Jung-Whan Ahn (vom FC Metz zum MSV Duisburg, ablösefrei)
Mikkel Thygesen (vom FC Midtjylland zu Borussia Mönchengladbach, 1,95 Millionen Euro)
Caio (von Barueri zu Eintracht Frankfurt, 3,8 Millionen Euro)
Landon Donovan (von LA Galaxy zum FC Bayern, ablösefreie Leihe)
Mickael Tavares (von Slavia Prag zum Hamburger SV, 1,85 Millionen Euro)
Leandro Cufre (vom AS Monaco zu Hertha BSC, ablösefreie Leihe)
Aymen Abdennour (von ES Sahel zu Werder Bremen, Leihe, 0,25 Millionen Euro)
Anthony Annan (von Rosenborg Trondheim zu Schalke 04, 2,5 Millionen Euro)
Denni Avdic (von IF Elfsborg zu Werder Bremen, 2,2 Millionen Euro)
Eure Meinung: Welche Januar-Transfers waren in Euren Augen die Miesesten? Wer fehlt in der Liste?
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