Endlich Vedad Ibisevic – doch der VfB geht hohes Risiko

Das Warten hat ein Ende. Mit Vedad Ibisevic haben die Schwaben nun endlich den lange herbeigesehnten neuen Stürmer verpflichtet. Eine Ideallösung sieht aber anders aus.

Aus Stuttgart berichtet Dirian El Amine

Hoffenheims Vedad Ibisevic mischt die Bundesliga auf (firo)
Stuttgart. Dass im Sturm des VfB Stuttgart derzeit Flaute herrscht, ist lange bekannt. Weil Pavel Pogrebnyak konstant hinter den Erwartungen zurückbleibt und der etablierte Cacau nicht nur im Dauer-Formtief steckt, sondern jüngst auch aus dem Mannschaftsrat gewählt wurde, stellte sich der Erfolg langsam aber sicher ein. Von Vedad Ibisevic, der nun für viel Geld vom Ligarivalen 1899 Hoffenheim kommt, erhofft man sich nun neuen Schwung – zurecht?

Ibisevic und der VfB – passt das?

Große Vorschusslorbeeren, darüber ist man sich vor allem in Fankreisen einig, werden dem Bosnier am Neckar nicht zugebilligt. Im Gegenteil: Ibisevic kommt vom neureichen Lokalrivalen 1899. Just dorther, wo Ex-Spieler des VfB wie Andi Beck oder Sebastian Rudy wegen mangelnder Perspektive hingeflüchtet sind. Und durchstarteten.

Sportlich aber ist Ibisevics Wert unumstritten. Er kann und wird dem VfB weiterhelfen. Ibisevic ist ein eiskalter Vollstrecker. Vor dem Tor macht ihm keiner was vor. Dort, wo Cacau und Kollegen in den letzten Monaten Ladehemmung bewiesen, da kann Ibisevic nun seine Qualitäten einbringen. Die Statistik schreibt dem 27-Jährigen außerordentliche Fähigkeiten zu: In nur acht Bundesligaspielen von Beginn an, die Ibisevic im zurückliegenden Halbjahr für Hoffenheim bestritt, erzielte er fünf Tore. Eine Quote, die sich sehen lassen kann. Und die die Konkurrenten im Sturm des VfB das Fürchten lehren wird.

Doch das Risiko ist hoch

Ein wenig stutzig allerdings macht die Verpflichtung von Ibisevic durchaus. Immerhin hieß es zuletzt aus Stuttgart, man wolle sich keinesfalls in unverhältnismäßig hohe Kosten stürzen. Für den neuen Mann im Sturm mussten die Schwaben allerdings allein für die Ablöse rund 5,5 Millionen Euro hinblättern. Die letzten Transfers, die in dieser Größenordnung getätigt wurden, liegen bereits mehr als zweieinhalb Jahre zurück: Im Sommer 2009 hatte man sich Pavel Pogrebnyak und Zdravko Kuzmanovic für ähnlich hohe Beträge geangelt. Der eine floppte nachweislich. Und auch der andere konnte den Erwartungen bislang nur bedingt gerecht werden.



Cacau (Mitte) und Pavel Pogrebnyak (rechts) müssen für Ibisevic weichen.

Auf dem Papier lässt sich das finanzielle Risiko, das mit dem Ibisevic-Transfer einhergeht, leicht beziffern: Der Vertrag des bosnischen Nationalspielers läuft bis zum Sommer 2016 – dann ist Ibisevic 31 Jahre alt. Und sollte der verletzungsanfällige Stürmer die Anforderungen nicht erfüllen? Was ist, wenn man sich in ihm getäuscht hat? Wenn Ibisevic sportlich den Anschluss verpassen sollte? Dann wird man in Stuttgart im Jahr 2016 einen zweistelligen Millionenbetrag verfeuert haben. Im Zweifelsfall stünde man vor einem Scherbenhaufen – an den man zum jetzigen Zeitpunkt verständlicherweise (noch) keinen Gedanken verschwendet.

Ibisevic nimmt Cacau den Druck und bittet Schieber zum Duell

Noch allerdings sollte man den Teufel nicht an die Wand malen und der Vereinsführung aus der langen Vertragslaufzeit mit Ibisevic keinen Strick drehen. Denn am sportlichen Wert des Bosniers bestehen kaum Zweifel. 49 Tore in 116 Bundesligaspielen sprechen eine deutliche Sprache.

Ibisevics Rolle in Stuttgart ist derweil klar definiert: Aufs Toreschießen kommt es an! Weil der aktuelle VfB-Sturm den Anforderungen nicht entsprechen konnte, muss Ibisevic die eklatante Lücke schließen. Damit fällt vom arrivierten Nationalspieler Cacau reichlich Druck ab. Der in den letzten Monaten enttäuschende 30-Jährige kann aus der zweiten Reihe Anlauf auf seinen zweiten Frühling nehmen – wenngleich die Qualitäten des gebürtigen Brasilianers auch künftig beansprucht werden dürften. Denn Cacau ist ein Stehaufmännchen. Er ist Sympathieträger und Vereinssymbol. Youngster Julian Schieber hingegen, der die Hinrunde über weite Strecken verletzungsbedingt verpasste, muss sich wohl vorerst hinten anstellen. Für ihn ist die Startelf nun einige Meter weiter weg gerückt. Und was passiert mit Pavel Pogrebnyak? Dem Russen hat man mittlerweile klargemacht, sich schnellstmöglich auf die Suche nach einem neuen Klub zu begeben. Noch in den nächsten Tagen könnte – sofern ein Angebot eintrudelt – der Abgang des 28-Jährigen über die Bühne gehen.

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Ein Versprechen und ein schlechtes Omen

Fakt ist also: Der Ibisevic-Transfer hat einen Hallo-Wach-Effekt beim gefallenen Meister von 2007 zur Folge. Der Konkurrenzkampf in der Offensive wird dadurch weiter verstärkt, die Leistungsbereitschaft dürfte damit steigen. „Ich werde Gas geben“, so lautet das Versprechen des Bosniers, der sich nach viereinhalb Jahren Hoffenheim – inklusive seiner umjubelten 18-Tore-Halbserie im Jahr 2008 – noch einmal einer neuen Herausforderung stellt.

Die Erwartungen an Vedad Ibisevic sind riesig. Um diese zu erfüllen, muss er zuallererst einmal den Fluch besiegen, der auf seinem neuen Trikot mit der Nummer 9 lastet. Das nämlich hatte zuletzt auch ein gewisser Ciprian Marica getragen. Einer von vielen, die beim VfB trotz großer Verheißungen nie glücklich geworden sind.

Eure Meinung: Schlägt Vedad Ibisevic in Stuttgart richtig ein oder avanciert der Bosnier beim VfB zum Transfer-Flop?

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