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Dreieinhalb Jahre Jürgen Klopp und der BVB: Eine Bilanz
Seit Juli 2008 im Amt, hat Jürgen Klopp Borussia Dortmund kontinuierlich verbessert und zu einem Spitzenteam geformt. Auch in dieser Saison spielt seine Mannschaft wieder oben mit.
Von Alexander Brinkmann
Bongarts
Dortmund. Als letzter Verein aus den Top Vier greift auch Borussia Dortmund heute gegen den Hamburger SV wieder ins Ligageschehen ein. Während sich Schalke gestern souverän mit 3:1 gegen den VfB Stuttgart durchsetzte und punktetechnisch mit den Bayern gleichzog, konnte Borussia Mönchengladbach im direkten Duell mit dem deutschen Rekordmeister am Freitag (Spielbericht) den Abstand auf die Bayern auf einen Punkt verkürzen. Dadurch hat der BVB nun ebenfalls die Chance, heute mit den Bayern gleichzuziehen.
Dass der BVB, nach dem sensationellen Gewinn der Meisterschaft in der letzten Saison, in dieser Spielzeit wieder oben dabei ist, ist auch der Verdienst eines Mannes: Jürgen Klopp. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren ist Klopp Dortmunds Trainer und hat die Mannschaft seitdem kontinuierlich verbessert. Nun, kurz vor Dortmunds Start in die Rückrunde, zieht Goal.com eine Bilanz über seine bisherige Zeit bei Borussia Dortmund.
Abschied aus Mainz
Für die meisten Fans von Mainz 05 war es sicherlich ein Schock, als Jürgen Klopp im April 2008 nach mehr als sieben Jahren als Mainzer Trainer verkündete, dass er nur im Falle des Aufstiegs in die Bundesliga seinen auslaufenden Vertrag verlängern wolle. Und zum großen Entsetzen jener Fans, sollte Mainz tatsächlich trotz eines 5:1-Erfolges gegen St. Pauli am 34. Spieltag der Saison 2007/08 den Aufstieg in die Bundesliga verpassen. Jürgen Klopp, der in Mainz längst zur Kultfigur geworden war, verlängerte, wie angekündigt, seinen Vertrag nicht und verließ den Verein.
Dortmunds größtes Glück: Bayerns Intermezzo mit Klinsmann
Vor fast genau einem Jahr, am 23.01.2011, verriet Uli Hoeneß in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass er mit Jürgen Klopp 2008 bereits eine mündliche Absprache hatte bezüglich des Trainerpostens beim FC Bayern, ehe sich Hoeneß allerdings davon überzeugen ließ, „dass wir das Abenteuer Klinsmann probieren sollten.“ Wie bekannt sein sollte, ging dieses „Abenteuer“ mit Klinsmann bei Bayern recht schnell zu Ende. Jürgen Klopp hingegen begann im Juli 2008 seine Tätigkeit bei Borussia Dortmund.
Die erste Saison mit Klopp: Knapp vorbei ist auch daneben
Nach einer katastrophalen Bundesligasaison 2007/08, die man als 13. abschloss, waren die Ansprüche der Dortmunder Führungsetage an den neuen Trainer Jürgen Klopp sicherlich nicht zu hoch. Trotz der wohl immer noch angespannten finanziellen Situation des Vereins konnte Jürgen Klopp durch gezielte Verkäufe – wie den von Mladen Petric an den HSV für 7,3 Millionen Euro – fast 14 Millionen Euro auf dem Transfermarkt in Verstärkungen investieren (Quelle: transfermarkt.de). Am Ende der Saison 2008/09 sprang für Dortmund immerhin der sechste Platz mit 59 Punkten raus; was gleichzeitig ein Novum in der Bundesliga darstellte: Nie war eine Mannschaft mit so vielen Punkten am Ende der Saison nicht für das internationale Geschäft qualifiziert.
Im UEFA-Pokal nur eine Randnotiz
Trotz der Niederlage im DFB-Pokalfinale der Vorsaison gegen Bayern München war man aufgrund der Meisterschaft des FC Bayern in der Saison 2008/09 für den UEFA-Pokal qualifiziert. Dort scheiterte Dortmund aber direkt in der ersten Runde an Udinese Calcio im Elfmeterschießen.

Mit Lucas Barrios, Mats Hummels, Sven Bender und Kevin Großkreutz holte Jürgen Klopp vier Spieler nach Dortmund, die eine Saison später wesentlichen Anteil am Dortmunder Triumph haben sollten. Langsam, aber sicher nahm die Mannschaft, mit der die Borussia ein Jahr später für Schlagzeilen sorgen sollte, Gestalt an. Kleines Beispiel gefällig? Am 32. Spieltag jener Saison spielte Dortmund mit folgender Aufstellung: Weidenfeller – Owomoyela, Subotic, Hummels, Schmelzer – S. Bender, Sahin – Blaszczykowski, Valdez, Großkreutz – Barrios. Neun dieser Spieler sollten im folgenden Jahr zu den Säulen des Erfolges zählen. Am Ende dieser Spielzeit stand Dortmund allerdings erst einmal „nur“ auf Platz fünf und war für die Europa League qualifiziert. Auch wenn man nur einen Platz besser war als in der Saison davor, hatte Jürgen Klopp es wieder geschafft, die Mannschaft in der Tabelle weiter nach oben zu bringen (und das mit zwei Punkten weniger als ein Jahr zuvor!).
Der bisherige Höhepunkt: Die Meisterschaft 2010/11
Über Borussia Dortmund und die letzte Saison ist inzwischen viel geschrieben und geredet worden. Ohne sich in zu vielen Details zu verlieren, lässt es sich sicherlich ganz gut wie folgt zusammenfassen: Mit einer nicht nur die eigenen Fans begeisternden, überragenden Saison sicherte Dortmund sich am 32. Spieltag vorzeitig und vollkommen verdient die Deutsche Meisterschaft 2011 vor Bayer Leverkusen. Jürgen Klopp hatte endlich seinen ersten Titel als Trainer in der Tasche. Nach drei Jahren hatte er aus Dortmund ein Meisterteam geformt, welches die Menschen mit atemberaubendem Fußball und fast wöchentlichen Leistungen am Limit begeisterte.

Auch in dieser Saison konnte Dortmund in der Bundesliga bisher oben mitspielen und überwinterte auf Rang zwei (seit elf Spielen ungeschlagen). Längst haben die „Fußball-Experten“ Deutschlands den BVB zum Bayern-Verfolger und Kandidaten auf die Titelverteidigung ausgerufen und manche sehen in Dortmund sogar eine Mannschaft, die Bayern München auf Dauer gefährlich werden könnte. Jürgen Klopp jedoch will von alledem nichts wissen und sagt gegenüber den Ruhrnachrichten: „Es gab immer wieder Mannschaften, die große Bayern-Konkurrenten waren. Aber nur die Bayern waren permanent oben dabei. Es gibt bei uns unglaublich viele Dinge, die wir noch stabilisieren müssen. Unser Ziel ist, stets das Maß an Qualität zu haben, um oben dabei zu sein.“ Und dafür wäre ein Sieg heute beim Hamburger SV ein weiterer, wichtiger Schritt.
Endstation Gruppenphase
Bei all dem Erfolg, den Jürgen Klopp mit seiner Mannschaft in der Liga bisher hatte, ist seine internationale Bilanz mit dem BVB, gelinde gesagt, verbesserungswürdig und ausbaufähig. Sowohl in der vorherigen Saison in der Europa League als auch in der aktuellen Saison in der Champions League war jeweils in der Gruppenphase Schluss. Während man in der Europa League in einigen Spielen jedoch zu überzeugen wusste und mit immerhin neun Punkten als Gruppendritter die Segel streichen musste, konnte man in der Champions League absolut nicht überzeugen und schied nach sechs Spielen mit gerade einmal vier Punkten (ein Sieg und ein Unentschieden) als Tabellenletzter aus. Allerdings sollte man sich sicher sein, dass Jürgen Klopp seine Lehren aus dem internationalen Abschneiden seiner Mannschaft ziehen wird.
Die EM als Chance für Spieler wie Hummels und Co.
Hinzu kommt die ständig wachsende Erfahrung von Klopps Schützlingen, von denen einige im Sommer bei der Europameisterschaft sehr wahrscheinlich auch auf ihre Einsatzzeiten kommen werden und so weitere internationale Erfahrung sammeln. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie sich Dortmund, im Falle einer erneuten Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, in der nächsten Saison schlagen wird. Mit der Verpflichtung von Marco Reus zur nächsten Saison hat Dortmund auf jeden Fall schon mal das Zeichen gesetzt, die Qualität des Kaders weiter anheben zu wollen.
Da, wo Klopp ist, ist Emotion
Neben seinen Fähigkeiten als Trainer hat Klopp aus Mainz vor allem auch eines mitgebracht nach Dortmund: Seine Emotionen. Klopp ist ein Trainer, der den Fußball lebt und liebt. Deswegen gibt er an der Seitenlinie stets Vollgas, auch wenn ihm dies schon die eine oder andere Strafe vom DFB eingebracht hat. Doch seine Emotionen sind es, die zu seiner Persönlichkeit als Trainer dazu gehören und ihn nicht nur vorher in Mainz, sondern auch jetzt in Dortmund bei den Fans beliebt gemacht haben. Im Gegensatz etwa zu Felix Magath, zu dessen Philosophie ein zu den Spielern extrem distanziertes Verhältnis gehört, nennt Jürgen Klopp seine Spieler „Jungs“ und scheut sich auch nicht, nach wichtigen Toren oder gewonnenen Spielen mit seinen „Jungs“ ausgelassen zu jubeln. Egal, ob er dabei eine kaputte Brille oder einen Muskelfaserriss davonträgt. In einer Zeit, in der der Fußball immer mehr zum Geschäft wird, können die Dortmunder Fans (und im Übrigen auch die Mainzer und Hoffenheimer Fans) glücklich sein, dass ihr Trainer seinen Emotionen immer noch nahezu ungezügelt freien Lauf lässt.

Auch wenn Jürgen Klopp generell ein angenehmer Gesprächspartner ist, so gibt es auch Momente, in denen mit ihm nicht gut Kirschen essen ist. Vor allem nach Negativerlebnissen können Reporter schon einmal mit einer spitzen oder barschen Bemerkung Klopps rechnen. Dennoch besitzt Jürgen Klopp auch eine gewaltige Portion Humor, hat in Pressekonferenzen vor Spielen gerne mal den ein oder anderen Spruch auf den Lippen oder nimmt sich problemlos selbst auf die Schippe, wie etwa letzte Saison in einem, unter Kennern mittlerweile legendärem, Interview mit Arnd Zeigler vom WDR.
Wäre Bayern München der richtige Schritt gewesen?
„Fußball ist kein Konjunktiv,“ heißt es so schön, aber die obige Frage ist sicherlich interessant. In Dortmund stand Jürgen Klopp nie unter besonderem Druck aus der Vorstandsebene. Ein Tabellenplatz etwa unter den ersten drei oder sogar die Deutsche Meisterschaft waren nie ausgerufene Ziele des Vereins. Man hat Jürgen Klopp die Zeit gegeben, eine auf junge Spieler aufbauende Mannschaft zu bilden, und die Mittel, diese Mannschaft punktuell durch Transfers zu verstärken. Herausgekommen ist, nach einem sechsten und fünften Platz in den ersten beiden Jahren, ein erster Platz im dritten Jahr. Diese Zeit zur Entwicklung hätte Jürgen Klopp bei Bayern München nicht bekommen. Bei Bayern München wäre die Meisterschaft das Mindestziel gewesen! Sicherlich, in München hätte Klopp andere Voraussetzungen vorgefunden. Alleine die finanziellen Möglichkeiten hätten im Vergleich zu Dortmund unendlich geschienen. Aber wenn man bedenkt, dass Jürgen Klinsmann fünf Spieltage vor Saisonende entlassen wurde, als man auf Platz drei und lediglich drei Punkte hinter Tabellenführer Wolfsburg stand, hätte es dann nicht ebenso Jürgen Klopp in seiner ersten Saison bei Bayern treffen können, wenn ihn nur ein Sieg vom Tabellenführer getrennt hätte und sogar die Qualifikation zur Champions League in Gefahr gewesen wäre? Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer und daher kann zum jetzigen Zeitpunkt aus der Sicht Dortmunds und Jürgen Klopps eigentlich nur sagen, dass sie alles richtig gemacht haben.
Die Entwicklung geht weiter
Die Bilanz Jürgen Klopps in der Bundesliga beim BVB ist äußerst ansehnlich. In drei Jahren hat er den Verein, den er nach einer Saison auf Platz 13 übernommen hat, zur Deutschen Meisterschaft geführt. Und auch im vierten Jahr sieht es bisher so aus, als könne der BVB nicht nur seine Leistungen aus der Vorsaison weitestgehend bestätigen, sondern sich auf Dauer in der oberen Tabellenregion etablieren. International (und gewiss auch im DFB-Pokal, auf den hier nicht weiter eingegangen wurde) kommen auf Jürgen Klopp aber noch gewaltige Aufgaben zu und dort ist es auch, wo die Mannschaft und Klopp selbst sicherlich noch eine ganze Menge Entwicklungspotential haben. Und wer Jürgen Klopps Aussagen verfolgt, merkt, dass er dieses Potential auf jeden Fall abrufen möchte. Sein Vertrag in Dortmund geht noch mindestens bis Sommer 2014. Also genügend Zeit, um die sportliche Entwicklung des BVB weiter voranzutreiben.
Eure Meinung: Wie sieht euer Fazit zur bisherigen Zeit von Jürgen Klopp beim BVB aus?
Dass der BVB, nach dem sensationellen Gewinn der Meisterschaft in der letzten Saison, in dieser Spielzeit wieder oben dabei ist, ist auch der Verdienst eines Mannes: Jürgen Klopp. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren ist Klopp Dortmunds Trainer und hat die Mannschaft seitdem kontinuierlich verbessert. Nun, kurz vor Dortmunds Start in die Rückrunde, zieht Goal.com eine Bilanz über seine bisherige Zeit bei Borussia Dortmund.
Abschied aus Mainz
Für die meisten Fans von Mainz 05 war es sicherlich ein Schock, als Jürgen Klopp im April 2008 nach mehr als sieben Jahren als Mainzer Trainer verkündete, dass er nur im Falle des Aufstiegs in die Bundesliga seinen auslaufenden Vertrag verlängern wolle. Und zum großen Entsetzen jener Fans, sollte Mainz tatsächlich trotz eines 5:1-Erfolges gegen St. Pauli am 34. Spieltag der Saison 2007/08 den Aufstieg in die Bundesliga verpassen. Jürgen Klopp, der in Mainz längst zur Kultfigur geworden war, verlängerte, wie angekündigt, seinen Vertrag nicht und verließ den Verein.
Dortmunds größtes Glück: Bayerns Intermezzo mit Klinsmann
Vor fast genau einem Jahr, am 23.01.2011, verriet Uli Hoeneß in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass er mit Jürgen Klopp 2008 bereits eine mündliche Absprache hatte bezüglich des Trainerpostens beim FC Bayern, ehe sich Hoeneß allerdings davon überzeugen ließ, „dass wir das Abenteuer Klinsmann probieren sollten.“ Wie bekannt sein sollte, ging dieses „Abenteuer“ mit Klinsmann bei Bayern recht schnell zu Ende. Jürgen Klopp hingegen begann im Juli 2008 seine Tätigkeit bei Borussia Dortmund.
Die erste Saison mit Klopp: Knapp vorbei ist auch daneben
Nach einer katastrophalen Bundesligasaison 2007/08, die man als 13. abschloss, waren die Ansprüche der Dortmunder Führungsetage an den neuen Trainer Jürgen Klopp sicherlich nicht zu hoch. Trotz der wohl immer noch angespannten finanziellen Situation des Vereins konnte Jürgen Klopp durch gezielte Verkäufe – wie den von Mladen Petric an den HSV für 7,3 Millionen Euro – fast 14 Millionen Euro auf dem Transfermarkt in Verstärkungen investieren (Quelle: transfermarkt.de). Am Ende der Saison 2008/09 sprang für Dortmund immerhin der sechste Platz mit 59 Punkten raus; was gleichzeitig ein Novum in der Bundesliga darstellte: Nie war eine Mannschaft mit so vielen Punkten am Ende der Saison nicht für das internationale Geschäft qualifiziert.
Im UEFA-Pokal nur eine Randnotiz
Trotz der Niederlage im DFB-Pokalfinale der Vorsaison gegen Bayern München war man aufgrund der Meisterschaft des FC Bayern in der Saison 2008/09 für den UEFA-Pokal qualifiziert. Dort scheiterte Dortmund aber direkt in der ersten Runde an Udinese Calcio im Elfmeterschießen.

getty
Die Saison 2009/10: Die Meister-Elf nimmt Konturen anMit Lucas Barrios, Mats Hummels, Sven Bender und Kevin Großkreutz holte Jürgen Klopp vier Spieler nach Dortmund, die eine Saison später wesentlichen Anteil am Dortmunder Triumph haben sollten. Langsam, aber sicher nahm die Mannschaft, mit der die Borussia ein Jahr später für Schlagzeilen sorgen sollte, Gestalt an. Kleines Beispiel gefällig? Am 32. Spieltag jener Saison spielte Dortmund mit folgender Aufstellung: Weidenfeller – Owomoyela, Subotic, Hummels, Schmelzer – S. Bender, Sahin – Blaszczykowski, Valdez, Großkreutz – Barrios. Neun dieser Spieler sollten im folgenden Jahr zu den Säulen des Erfolges zählen. Am Ende dieser Spielzeit stand Dortmund allerdings erst einmal „nur“ auf Platz fünf und war für die Europa League qualifiziert. Auch wenn man nur einen Platz besser war als in der Saison davor, hatte Jürgen Klopp es wieder geschafft, die Mannschaft in der Tabelle weiter nach oben zu bringen (und das mit zwei Punkten weniger als ein Jahr zuvor!).
Der bisherige Höhepunkt: Die Meisterschaft 2010/11
Über Borussia Dortmund und die letzte Saison ist inzwischen viel geschrieben und geredet worden. Ohne sich in zu vielen Details zu verlieren, lässt es sich sicherlich ganz gut wie folgt zusammenfassen: Mit einer nicht nur die eigenen Fans begeisternden, überragenden Saison sicherte Dortmund sich am 32. Spieltag vorzeitig und vollkommen verdient die Deutsche Meisterschaft 2011 vor Bayer Leverkusen. Jürgen Klopp hatte endlich seinen ersten Titel als Trainer in der Tasche. Nach drei Jahren hatte er aus Dortmund ein Meisterteam geformt, welches die Menschen mit atemberaubendem Fußball und fast wöchentlichen Leistungen am Limit begeisterte.

getty
Die GegenwartAuch in dieser Saison konnte Dortmund in der Bundesliga bisher oben mitspielen und überwinterte auf Rang zwei (seit elf Spielen ungeschlagen). Längst haben die „Fußball-Experten“ Deutschlands den BVB zum Bayern-Verfolger und Kandidaten auf die Titelverteidigung ausgerufen und manche sehen in Dortmund sogar eine Mannschaft, die Bayern München auf Dauer gefährlich werden könnte. Jürgen Klopp jedoch will von alledem nichts wissen und sagt gegenüber den Ruhrnachrichten: „Es gab immer wieder Mannschaften, die große Bayern-Konkurrenten waren. Aber nur die Bayern waren permanent oben dabei. Es gibt bei uns unglaublich viele Dinge, die wir noch stabilisieren müssen. Unser Ziel ist, stets das Maß an Qualität zu haben, um oben dabei zu sein.“ Und dafür wäre ein Sieg heute beim Hamburger SV ein weiterer, wichtiger Schritt.
Endstation Gruppenphase
Bei all dem Erfolg, den Jürgen Klopp mit seiner Mannschaft in der Liga bisher hatte, ist seine internationale Bilanz mit dem BVB, gelinde gesagt, verbesserungswürdig und ausbaufähig. Sowohl in der vorherigen Saison in der Europa League als auch in der aktuellen Saison in der Champions League war jeweils in der Gruppenphase Schluss. Während man in der Europa League in einigen Spielen jedoch zu überzeugen wusste und mit immerhin neun Punkten als Gruppendritter die Segel streichen musste, konnte man in der Champions League absolut nicht überzeugen und schied nach sechs Spielen mit gerade einmal vier Punkten (ein Sieg und ein Unentschieden) als Tabellenletzter aus. Allerdings sollte man sich sicher sein, dass Jürgen Klopp seine Lehren aus dem internationalen Abschneiden seiner Mannschaft ziehen wird.
Die EM als Chance für Spieler wie Hummels und Co.
Hinzu kommt die ständig wachsende Erfahrung von Klopps Schützlingen, von denen einige im Sommer bei der Europameisterschaft sehr wahrscheinlich auch auf ihre Einsatzzeiten kommen werden und so weitere internationale Erfahrung sammeln. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie sich Dortmund, im Falle einer erneuten Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, in der nächsten Saison schlagen wird. Mit der Verpflichtung von Marco Reus zur nächsten Saison hat Dortmund auf jeden Fall schon mal das Zeichen gesetzt, die Qualität des Kaders weiter anheben zu wollen.
Da, wo Klopp ist, ist Emotion
Neben seinen Fähigkeiten als Trainer hat Klopp aus Mainz vor allem auch eines mitgebracht nach Dortmund: Seine Emotionen. Klopp ist ein Trainer, der den Fußball lebt und liebt. Deswegen gibt er an der Seitenlinie stets Vollgas, auch wenn ihm dies schon die eine oder andere Strafe vom DFB eingebracht hat. Doch seine Emotionen sind es, die zu seiner Persönlichkeit als Trainer dazu gehören und ihn nicht nur vorher in Mainz, sondern auch jetzt in Dortmund bei den Fans beliebt gemacht haben. Im Gegensatz etwa zu Felix Magath, zu dessen Philosophie ein zu den Spielern extrem distanziertes Verhältnis gehört, nennt Jürgen Klopp seine Spieler „Jungs“ und scheut sich auch nicht, nach wichtigen Toren oder gewonnenen Spielen mit seinen „Jungs“ ausgelassen zu jubeln. Egal, ob er dabei eine kaputte Brille oder einen Muskelfaserriss davonträgt. In einer Zeit, in der der Fußball immer mehr zum Geschäft wird, können die Dortmunder Fans (und im Übrigen auch die Mainzer und Hoffenheimer Fans) glücklich sein, dass ihr Trainer seinen Emotionen immer noch nahezu ungezügelt freien Lauf lässt.

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Ernst und Humor – Jürgen Klopp besitzt beidesAuch wenn Jürgen Klopp generell ein angenehmer Gesprächspartner ist, so gibt es auch Momente, in denen mit ihm nicht gut Kirschen essen ist. Vor allem nach Negativerlebnissen können Reporter schon einmal mit einer spitzen oder barschen Bemerkung Klopps rechnen. Dennoch besitzt Jürgen Klopp auch eine gewaltige Portion Humor, hat in Pressekonferenzen vor Spielen gerne mal den ein oder anderen Spruch auf den Lippen oder nimmt sich problemlos selbst auf die Schippe, wie etwa letzte Saison in einem, unter Kennern mittlerweile legendärem, Interview mit Arnd Zeigler vom WDR.
Wäre Bayern München der richtige Schritt gewesen?
„Fußball ist kein Konjunktiv,“ heißt es so schön, aber die obige Frage ist sicherlich interessant. In Dortmund stand Jürgen Klopp nie unter besonderem Druck aus der Vorstandsebene. Ein Tabellenplatz etwa unter den ersten drei oder sogar die Deutsche Meisterschaft waren nie ausgerufene Ziele des Vereins. Man hat Jürgen Klopp die Zeit gegeben, eine auf junge Spieler aufbauende Mannschaft zu bilden, und die Mittel, diese Mannschaft punktuell durch Transfers zu verstärken. Herausgekommen ist, nach einem sechsten und fünften Platz in den ersten beiden Jahren, ein erster Platz im dritten Jahr. Diese Zeit zur Entwicklung hätte Jürgen Klopp bei Bayern München nicht bekommen. Bei Bayern München wäre die Meisterschaft das Mindestziel gewesen! Sicherlich, in München hätte Klopp andere Voraussetzungen vorgefunden. Alleine die finanziellen Möglichkeiten hätten im Vergleich zu Dortmund unendlich geschienen. Aber wenn man bedenkt, dass Jürgen Klinsmann fünf Spieltage vor Saisonende entlassen wurde, als man auf Platz drei und lediglich drei Punkte hinter Tabellenführer Wolfsburg stand, hätte es dann nicht ebenso Jürgen Klopp in seiner ersten Saison bei Bayern treffen können, wenn ihn nur ein Sieg vom Tabellenführer getrennt hätte und sogar die Qualifikation zur Champions League in Gefahr gewesen wäre? Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer und daher kann zum jetzigen Zeitpunkt aus der Sicht Dortmunds und Jürgen Klopps eigentlich nur sagen, dass sie alles richtig gemacht haben.
Die Entwicklung geht weiter
Die Bilanz Jürgen Klopps in der Bundesliga beim BVB ist äußerst ansehnlich. In drei Jahren hat er den Verein, den er nach einer Saison auf Platz 13 übernommen hat, zur Deutschen Meisterschaft geführt. Und auch im vierten Jahr sieht es bisher so aus, als könne der BVB nicht nur seine Leistungen aus der Vorsaison weitestgehend bestätigen, sondern sich auf Dauer in der oberen Tabellenregion etablieren. International (und gewiss auch im DFB-Pokal, auf den hier nicht weiter eingegangen wurde) kommen auf Jürgen Klopp aber noch gewaltige Aufgaben zu und dort ist es auch, wo die Mannschaft und Klopp selbst sicherlich noch eine ganze Menge Entwicklungspotential haben. Und wer Jürgen Klopps Aussagen verfolgt, merkt, dass er dieses Potential auf jeden Fall abrufen möchte. Sein Vertrag in Dortmund geht noch mindestens bis Sommer 2014. Also genügend Zeit, um die sportliche Entwicklung des BVB weiter voranzutreiben.
Eure Meinung: Wie sieht euer Fazit zur bisherigen Zeit von Jürgen Klopp beim BVB aus?
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