Sascha Riether, Solbakkens Konstante im Mittelfeld

Von Null auf Hundert: Neuzugang Sascha Riether avancierte nach seinem Wechsel in die Domstadt auf Anhieb zum Leistungsträger, Taktgeber und Führungsspieler.

Von Henning Klefisch

Sascha Riether, 1. FC Köln
Bongarts
Köln. Kölns Trainer Stale Solbakken ist ein leidenschaftlicher Verfechter der Rotation. Besonders in Abwehr und Mittelfeld musste er in der laufenden Saison teils verletzungsbedingt, teils gewollt viele Spieler wechseln. Eine richtige Kölner Stammformation gab es so in der Hinrunde nur auf dem Papier. Bei einem Spieler verzichtete er gänzlich auf die Umsetzung des Wechselspiels: Sascha Riether ist bei Solbakken der Unauswechselbare, der Unantastbare, der Gesetzte. Ein Zustand, der sich auch in der Rückrunde nicht ändern dürfte.

Natürliche Autorität statt markiger Sprüche

Sascha Riether ist die Unscheinbarkeit in Person. Sowohl auf dem Platz als auch außerhalb fällt der 28-jährige Vize-Kapitän des 1. FC Köln kaum durch überzogenes Auftreten auf. In Gesprächen argumentiert er ruhig und sachlich. Laute, gar unbeherrschte Töne hört man bei ihm vergeblich. Er ruht scheinbar in sich selbst. Natürliche Autorität spürt man beim zweimaligen deutschen Nationalspieler, der durch Leistung auf dem Platz überzeugt und nicht durch lockere Sprüche.

Nicht überragend, aber in Ordnung

Es scheint, als spiele Riether in dieser Saison wie der 1. FC Köln. Nicht spektakulär, selten glänzend, aber höchst effizient. Sein Notenschnitt von 3,53 im Fachmagazin Kicker ist nicht überragend, aber in Ordnung. Ähnlich wie der zehnte Tabellenplatz seines Arbeitgebers, des 1. FC Köln, zu dem er vor der Spielzeit für etwa zwei Millionen Euro gewechselt ist. Seine Profi-Karriere begann der 174 cm große Defensivakteur beim SC Freiburg, wo er auch in der dortigen Fußballschule ausgebildet wurde.



Meister mit dem VfL

Im Jahr 2007 folgte der Wechsel zum finanziell potenten und sportlich ambitionierten VfL Wolfsburg und Felix Magath. Seinen größten sportlichen Erfolg konnte er dort mit der Deutschen Meisterschaft 2009 feiern. Riether war der große Stabilisator im Künstlerteam um die „Fantastischen Drei“ Dzeko, Grafite und Misimovic.

Stärken als kompromissloser Balleroberer

Riether erobert die Bälle, agiert taktisch auf hohem Niveau und kann Situationen durch sein gutes Passspiel auch spielerisch lösen. Attribute, die ihn auch beim 1. FC Köln zur unverzichtbaren Größe werden ließen. Solbakken weiß genau, dass er für seine anspruchsvolle Taktik einen Taktgeber benötigt, der die Kommandos gibt. Auch gefällt der aus den Schwarzwald stammende  Riether als kompromissloser Balleroberer. Das bundesweit gefürchtete Konterspiel der Kölner wird durch den zweikampfstarken Riether so erst ermöglicht.

Solbakken mag Riethers Flexibilität

Riether war und ist keiner, der von den Fans gefeiert wird, dessen Trikot sich zum Verkaufsschlager entwickelt oder der die Gazetten der Tages- und Fachzeitungen füllt.
Für ihn steht der sportliche Erfolg der Mannschaft über alles. Ein „Mannschaftsspieler“, wie Solbakken stolz propagiert. Seine Vielseitigkeit ist ein weiteres Argument, was für Riether spricht. So spielt der „polyvalente“ Spieler sowohl die Position im defensiven Mittelfeld, als auch die des rechten Verteidigers. Eine Eigenschaft, die Solbakken über alles schätzt.

Lob von Finke

Ein wahrer Glücksfall für den gesamten Verein, was auch Sportdirektor Finke so sieht: „Sascha war unser Wunschkandidat für den Defensivbereich“, schwärmt FC-Sportdirektor Volker Finke vom 28-Jährigen Neuzugang aus Wolfsburg. „Seine Qualitäten, von denen wir alle überzeugt sind, hat er im Laufe seiner Karriere eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“
Dabei war es gerade Finke, der zu seinem ehemaligen Schützling aus Freiburger Zeiten ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Wenn man so will, ist Riether der Finke-Transfer, der am besten funktioniert hat.



Riether genießt „absolutes Vertrauen“

Der ehemalige Freiburger Fußballlehrer hat den Weg seines Schützlings ständig beobachtet. Auch in der U21-Nationalmannschaft, wo er als Kapitän große Verantwortung übernahm. Stolz war er auf dieses Amt, was er auch offen zugab: „Es ist eine Ehre für mich, Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Es ist eine Aufgabe, die mir Freude bereitet, da ich das absolute Vertrauen des Trainers und der Mannschaft genieße.“

Respekt vor den Anhängern

Auch die Fans sind ihm sehr wichtig, denn die totale Hingabe und Leidenschaft, die wichtige Bestandteile in seinem Spiel sind, zeigt er vor allem für die Anhänger, wie er in einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung verriet: „Nein. Für mich ist einzig wichtig, dass die Fans sehen, dass man immer alles für den Verein gibt. Und dass der Verein erkennt: Der hilft uns weiter. Das versuche ich tagtäglich zu berücksichtigen und damit bin ich in den letzten zehn Jahren gut gefahren.“

Führungsperson abseits des Rasens

In Solbakkens Konzept nimmt Riether eine Schlüsselrolle ein. Als sportliche Leistungsträger, vor allem aber als menschliche Führungsfigur in einem aufgeregten Umfeld. So kann sich der eloquente Spieler auch zu vereinspolitischen Themen äußern. Der plötzliche Rücktritt von FC-Präsident Wolfgang Overath hat auch ihn schwer geschockt: „Für die ganze Mannschaft war es ein Schock. Wir waren sprachlos, hatten nicht mit dieser Entscheidung gerechnet. Es ist sehr verwunderlich, dass diese Entscheidung passiert ist, gerade aufgrund der Situation, die wir jetzt haben. Wir haben gedacht, jetzt gibt es ein wenig Ruhe, dann kommt der nächste Schock. Das müssen wir erst einmal verkraften.“



Die Mentalität stimmt


Riether ist auch ohne Kapitänsbinde ein Spieler, der sich ständig Gedanken um das Spiel seines Teams und um die Zukunft des gesamten Vereins macht. Er lebt Identifikation vor, hat die kölsche Mentalität angenommen. Das Gute an diesem spielstarken Defensivallrounder ist, dass seine Worte nicht nur Phrasen sind. Für ihn gilt der Leitspruch: „Entscheidend ist auf'm Platz.“

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