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Der DFB ist auf der Suche nach Strategien gegen Homophobie im deutschen Fußball
Offiziell gibt es keine schwulen Spieler in der Bundesliga. Doch das letzte große Tabu im Profisport bröckelt. Auch, wenn sich viele Spieler und Funktionäre noch sehr schwer tun.
Von Patrick Niedel
Hennef. „Vor dem Ball sind alle gleich- sexuelle Identität im Fußball“; was sich zunächst so liest, wie der Name eines Seminars im Studiengang Sozialpädagogik, ist der Titel einer Tagung, die der DFB am 17. und 18. Januar in Hennef veranstaltet. Der Verband will seinen unter Dr. Theo Zwanziger eingeschlagenen Weg gegen Homophobie im deutschen Fußball weiter fortsetzen, während viele homosexuelle Sportler auf das erste Outing eines Bundesligastars warten.
Reichlich Diskussionsstoff
Zur Tagung, die sich offiziell vornehmlich dem Amateurfußball widmet, will man sich, offiziell, einen Überblick zum Thema „sexuelle Identität im Fußball“ verschaffen. Der DFB hat hierzu auch Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingeladen. Und Diskussionsstoff gibt es reichlich, wie die Berliner Zeitung berichtet.
Unselige Äußerungen von Weidenfeller
Im letzten Jahr wurden genauso oft, wie heftig, über Homosexualität im Fußball berichtet, diskutiert und spekuliert. Es sei nur an die unglücklichen Äußerungen von Roman Weidenfeller im Herbst 2011 erinnert. Der Keeper von Borussia Dortmund tat seine Enttäuschung über eine Nicht-Nominierung zur Nationalmannschaft mit den Worten kund: „Vielleicht sollte ich mir einfach die Haare schneiden. Oder etwas zierlicher werden.“ Möglicherweise, so Weidenfeller weiter, „gibt es ja in irgendwelchen Jugendcamps noch weitere junge Torhüter, die dann eingeladen werden, wenn mal wieder einer ausfällt“. Neben der zwischen den Zeilen versteckten Unterstellung, dass Bundestrainer Joachim Löw nicht nach Leistung aufstelle, wurde vielmehr darüber diskutiert, ob Weidenfeller den Übungsleiter der Nationalmannschaft für homosexuell hält.
Bierhoff reagierte dünnhäutig und unsouverän
Ein weiteres Beispiel, dass sich die Verantwortlichen des deutschen Fußballs, die sich ja gern als modern und innovativ darstellen, in Sachen Homophobie noch einiges lernen müssen, zeigte das Beispiel Oliver Bierhoff. Als im Frühjahr 2011 im ARD-„Tatort“ eine Filmfigur davon spricht, „dass die halbe Nationalmannschaft, einschließlich Trainer“ schwul sei, reagiert der Manager der deutschen Elitekicker dünnhäutig bis panisch, als er meint sich gegen diese Äußerungen wehren zu müssen: „Das sehe ich auch auf einen Angriff auf meine Familie - die Familie der Nationalmannschaft.“ Den Nationalspielern werde die Freude an der Arbeit genommen, „wenn wir uns gegen haltlose Gerüchte wehren müssen“, so Bierhoff weiter. Man werde sich überlegen, wie man in Zukunft „mit solchen Dingen umgeht“.
Homophobie salonfähig
Nicht nur, dass Bierhoff alles andere als souverän reagierte, er suggeriert mit Begriffen wie „Angriff“ und „Gerüchte“, dass Homosexualität etwas Falsches, Schlechtes, ist. Der Europameister von 1996 bestätigte mit seiner Reaktion nicht nur die These, dass Homophobie im deutschen Fußball weiterhin fröhliche Urständ feiert, er nahm damit auch vielen schwulen Fußballern ein Stück Hoffnung, dass sie, im Falle eines Outings, auf Rückhalt beim DFB zählen können.
Bild als Sprachrohr für heterosexuelle Fußballer
Ein weiteres Beispiel für den unsouveränen Umgang mit etwaigen Gerüchten lieferten im letzten Jahr Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm und sein Teamkollege Arne Friedrich. Lahm berichtete der Bild, die ja durchaus nicht unbedingt als Vorreiter in Sachen Toleranz und Gleichberechtigung bekannt ist, dass er „nicht schwul“ sei, keine Scheinehe führe und „keinen Freund in Köln“ habe. Der Linksverteidiger, der einige Monate später eben diesem Blatt aus dem Hause Springer die Exklusivrechte an seiner Autobiographie gewährte, habe einen Punkt erreicht, „wo ich das Gefühl hatte, ich möchte klarstellen, dass das nicht stimmt“.
„Mein Arne ist nicht schwul“
Der ehemalige Herthaner und Wolfsburger Arne Friedrich wehrte sich zunächst in der RRB-Sendung „Sportplatz“ gegen Gerüchte, er sei homosexuell, ehe seine Ehefrau via Bild meinte, das Thema noch einmal aufwärmen zu müssen: „Mein Arne ist nicht schwul“.
Outing könnte leistungsfördernd sein
Dabei wäre ein Outing eines aktuellen oder ehemaligen Bundesligaspielers nicht nur für den scheidenden DFB-Chef Zwanziger „nicht nur ein Durchbruch für den Fußball, sondern für die gesamte Gesellschaft“. Der amerikanische Sportsoziologe Eric Anderson pflichtet ihm bei: „Dass Athleten so große Angst davor haben, sich zu outen, ist in unserer Welt einfach irrational.“ Im Gegenteil: „Die ständigen Lügen machen einen psychisch fertig und kosten viel Energie, die dann auf dem Spielfeld fehlt.“
Noch viel Arbeit für den DFB
Der DFB und seine Amt- und Würdenträger täten gut daran, ihren hehren Worten zum Thema Homosexualität auch Taten folgen zu lassen - und sei es nur, dass man nicht mehr von „Angriffen“ und „sich wehren“ spricht, wenn man mit diesem Thema in Zusammenhang gebracht wird. Wie wäre es beispielsweise, wenn der Nationalmannschaftsmanager erklärt, dass auch homosexuelle Spieler im Team willkommen seien?
Eure Meinung: Würdet Ihr einem homosexuellen Fußballer raten, sich zu outen?
Reichlich Diskussionsstoff
Zur Tagung, die sich offiziell vornehmlich dem Amateurfußball widmet, will man sich, offiziell, einen Überblick zum Thema „sexuelle Identität im Fußball“ verschaffen. Der DFB hat hierzu auch Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingeladen. Und Diskussionsstoff gibt es reichlich, wie die Berliner Zeitung berichtet.
Unselige Äußerungen von Weidenfeller
Im letzten Jahr wurden genauso oft, wie heftig, über Homosexualität im Fußball berichtet, diskutiert und spekuliert. Es sei nur an die unglücklichen Äußerungen von Roman Weidenfeller im Herbst 2011 erinnert. Der Keeper von Borussia Dortmund tat seine Enttäuschung über eine Nicht-Nominierung zur Nationalmannschaft mit den Worten kund: „Vielleicht sollte ich mir einfach die Haare schneiden. Oder etwas zierlicher werden.“ Möglicherweise, so Weidenfeller weiter, „gibt es ja in irgendwelchen Jugendcamps noch weitere junge Torhüter, die dann eingeladen werden, wenn mal wieder einer ausfällt“. Neben der zwischen den Zeilen versteckten Unterstellung, dass Bundestrainer Joachim Löw nicht nach Leistung aufstelle, wurde vielmehr darüber diskutiert, ob Weidenfeller den Übungsleiter der Nationalmannschaft für homosexuell hält.
Bierhoff reagierte dünnhäutig und unsouverän
Ein weiteres Beispiel, dass sich die Verantwortlichen des deutschen Fußballs, die sich ja gern als modern und innovativ darstellen, in Sachen Homophobie noch einiges lernen müssen, zeigte das Beispiel Oliver Bierhoff. Als im Frühjahr 2011 im ARD-„Tatort“ eine Filmfigur davon spricht, „dass die halbe Nationalmannschaft, einschließlich Trainer“ schwul sei, reagiert der Manager der deutschen Elitekicker dünnhäutig bis panisch, als er meint sich gegen diese Äußerungen wehren zu müssen: „Das sehe ich auch auf einen Angriff auf meine Familie - die Familie der Nationalmannschaft.“ Den Nationalspielern werde die Freude an der Arbeit genommen, „wenn wir uns gegen haltlose Gerüchte wehren müssen“, so Bierhoff weiter. Man werde sich überlegen, wie man in Zukunft „mit solchen Dingen umgeht“.
Homophobie salonfähig
Nicht nur, dass Bierhoff alles andere als souverän reagierte, er suggeriert mit Begriffen wie „Angriff“ und „Gerüchte“, dass Homosexualität etwas Falsches, Schlechtes, ist. Der Europameister von 1996 bestätigte mit seiner Reaktion nicht nur die These, dass Homophobie im deutschen Fußball weiterhin fröhliche Urständ feiert, er nahm damit auch vielen schwulen Fußballern ein Stück Hoffnung, dass sie, im Falle eines Outings, auf Rückhalt beim DFB zählen können.
Bild als Sprachrohr für heterosexuelle Fußballer
Ein weiteres Beispiel für den unsouveränen Umgang mit etwaigen Gerüchten lieferten im letzten Jahr Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm und sein Teamkollege Arne Friedrich. Lahm berichtete der Bild, die ja durchaus nicht unbedingt als Vorreiter in Sachen Toleranz und Gleichberechtigung bekannt ist, dass er „nicht schwul“ sei, keine Scheinehe führe und „keinen Freund in Köln“ habe. Der Linksverteidiger, der einige Monate später eben diesem Blatt aus dem Hause Springer die Exklusivrechte an seiner Autobiographie gewährte, habe einen Punkt erreicht, „wo ich das Gefühl hatte, ich möchte klarstellen, dass das nicht stimmt“.
„Mein Arne ist nicht schwul“
Der ehemalige Herthaner und Wolfsburger Arne Friedrich wehrte sich zunächst in der RRB-Sendung „Sportplatz“ gegen Gerüchte, er sei homosexuell, ehe seine Ehefrau via Bild meinte, das Thema noch einmal aufwärmen zu müssen: „Mein Arne ist nicht schwul“.
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