AC Mailand: Der Gedanke hinter dem Tausch Alexandre Pato gegen Carlos Tevez

Pato hat sich zu Milan bekannt, doch es gibt einige Gründe, warum er sich noch immer im Januar in Richtung Paris verabschieden und den Weg für Tevez frei machen könnte.

Von Kris Voakes, übersetzt von Dennis Reinkens

Pato & Tevez (Getty Images)
Goal.com

Mailand. Willkommen im normalen Wahnsinn des Winter-Transferfensters! Alexandre Patos Entscheidung, dem Angebot von Paris Saint-Germain eine Absage zu erteilen und beim AC Mailand zu bleiben, hat auch die Pläne der „Rossoneri“ durchkreuzt, Carlos Tevez in die Serie A zu lotsen. So stehen alle wieder am Anfang und haben noch einen halben Monat, um weitere Spieler zu verpflichten. Jetzt aber davon auszugehen, dass der Pato-Deal vom Tisch ist, könnte verfrüht sein.


Oft sind die unruhigsten Tage in so einem Transferfenster die, an denen eigentlich am Ende gar nichts passiert ist. Aber ist wirklich nichts passiert? Davon auszugehen, dass das Hin und Her vom Donnerstag Nachmittag für die Beteiligten im Ergebnis auf eine Nullsumme hinausläuft, unterschätzt das Durchsetzungsvermögen des AC Mailand. Die Situation hat es schon einmal gegeben: Schauen wir uns die letzten Tage von Kaka in Italien an. Eine Liebeserklärung des Spielers wird gern benutzt, um den Schock des Abschieds für die Fans in ein etwas hübscheres Gewand zu kleiden.

Auf der einen Seite steht Pato, der 22-jährige „zukünftige Star“, „das Juwel in Mailands Krone“ - es gibt viele Attribute wie diese, die dem Brasilianer zugeschrieben werden, seitdem er 2007 für 22 Millionen Euro von Internacional nach Mailand wechselte. Seitdem hat er es auf eine starke Torquote gebracht, er traf fast in jedem zweiten Spiel. Das scheint eine gute Grundlage für einen Spieler in seinem Alter zu sein, einen weiteren Schritt in der Karriere zu wagen.

Auf der anderen Seite steht Tevez, 27 Jahre alt, gebrandmarkt als Stinkstiefel, als Unruhestifter und Egoist. Er hat sich durch sein Verhalten bei Manchester City ins Abseits gestellt, hat seit drei Monaten keine Partie mehr bestritten und wünscht sich im Moment nichts mehr als einen Wechsel, damit seine Karriere nicht im Nichts endet.


Pato und Ancelotti | Gibt es noch eine Chance, dass sie wieder vereint werden?

Es scheint nicht schwer zu verstehen, warum viele Milan-Fans dem Transfer ablehnend gegenüberstanden, warum bei Twitter und anderen Fußball-Portalen die Meldung über den geplatzten Deal gestern gefeiert wurde. Boss Adriano Galliani und der Milan-Vorstand wussten das alles schon vor der Öffnung des Transferfensters und dennoch versuchten sie alles, um den Tausch abzuschließen.

An der Via Turati wächst die Befürchtung, dass Pato's größte Stärke, seine Schnelligkeit, mit der Zeit durch anhaltende Verletzungsprobleme verloren gehen könnte. Seit er es in der Saison 2008/2009, ausgerechnet im letzten Jahr von Carlo Ancelotti, auf 36 Einsätze gebracht hatte, verpasste er seitdem zu viele Spiele durch Blessuren. Faserrisse und ähnliche Beschwerden wurden zum Normalfall.

Die Befürchtung, die Situation könnte noch schlimmer werden, scheint nicht unbegründet. Mit außerordentlicher Geschwindigkeit geht meist eine größere Anfälligkeit für Verletzungen einher. Die Sorge ist, dass Pato etwa mit 25 Jahren seinen Stil als Stürmer komplett umstellen muss. Dauerhafte Verletzungen der Beinmuskulatur können nur zu einem früheren Leistungsabfall führen. Wenn Milan also Tevez als Ersatz will, werden diese Gedanken die Verantwortlichen beschäftigt haben. 

"Wenn Pato bleiben möchte, dann hoffen wir, dass er bei Milan gute Leistungen zeigt... Ob wir City nochmal kontaktieren, ist offen."

- Adriano Galliani

Können sie darauf setzen, dass Pato ein konstanterer Knipser wie Filippo Inzaghi wird? Glauben sie daran, dass er ein mitreißender und dominanter Typ wie Zlatan Ibrahimovic wird? Wohl nicht, sonst würden sie sich nicht um Tevez bemühen. Sie haben Pato aufgegeben. Auch als Galliani das Scheitern des PSG-Deals gestern bekannt gegeben hat, sprach er zurückhaltend über seine Nummer Sieben.

„Wenn Pato bleiben möchte, dann hoffen wir, dass er bei Milan gute Leistungen zeigen wird“, sagte Galliani. Zwar fügte er hinzu: „Ich bin sehr glücklich, dass Pato diese Entscheidung getroffen hat“, machte aber auch klar, dass der Tevez-Transfer damit längst nicht vom Tisch ist. „Ob wir Manchester Citiy noch einmal kontaktieren? Wir werden sehen.“

"Was Pato angeht, da kommen die Dinge voran. Es gibt Möglichkeiten, aber noch keine Einigung."

- Leonardo

Solche Aussagen klingen nicht gerade nach einer überzeugenden Bestätigung für Pato. Nach diesem Monat wird Milan wohl nie mehr ein 35-Millionen-Angebot für den Stürmer erhalten. Sie wollen Tevez, einen Spieler, der seinen Höhepunkt bereits erreicht hat. Für etwa 25 Millionen wissen sie genau, was sie bekommen. Jetzt bleiben sie aber auf dem Spieler sitzen, den sie verkaufen wollten, um den Argentinier zu verpflichten. Da ausgerechnet Inter der große Konkurrent im Rennen um Tevez ist, hat Milan einen besonderen Anreiz, durch ein eigenes Gebot den Poker offen zu halten.

Unterdessen will PSG Pato verpflichten, und sie werden so schnell nicht aufgeben. Ancelotti und Leonardo sind aus ihren Mailänder Tagen als Fans des Brasilianers bekannt. „Die Dinge kommen voran“, hatte Leonardo am Donnerstag noch zu Protokoll gegeben, er scheint in Patos Treueschwur noch nicht das Ende der Verhandlungen zu sehen. 

Der Wille, den Deal abzuschließen, ist da. Wenn Donnerstag der 30. Januar gewesen wäre, hätte das wohl das Ende der Wechselpläne bedeutet. Und mit 19 weiteren Tagen, in denen noch miteinander gesprochen werden kann, wird das wohl noch lange nicht das letzte Statement gewesen sein.

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