Von der Weser in den Dschungel: Ailton - mehr als nur ein Fußballer - Teil 2

3,5 Millionen Euro bezahlte Besiktas Istanbul 2005 für Ailton. Damals war halb Europa hinter dem Brasilianer her - heute bereitet er sich auf den Einzug in den Dschungel vor.

Von Florian Teichert

Ailton
Bongarts
Australien. Ailton Goncalves da Silva hat einen langen Weg hinter sich. Er wurde mit dem SV Werder Bremen Deutscher Meister, sollte den FC Schalke 04 zur Meisterschaft schießen und landete schließlich im Fußballniemandsland. Nun geht der 38-Jährige in den Dschungel - aber nicht um Fußball zu spielen! Lest nun den zweiten Teil über Ailtons unfassbare und kuriose Karriere als Fußballer.

Erst königsblau, dann glatt Rot

Nach der Meisterschaft und dem Gewinn im DFB-Pokal, sowie der Torjägerkanone, die sich Ailton sicherte, wurden Gerüchte um einen möglichen Wechsel immer lauter. Und tatsächlich: Nach sechs Jahren verließ Ailton Werder Bremen und wechselte zum FC Schalke 04 nach Gelsenkirchen. Dort wollte er unter Trainer Jupp Heynckes den nächsten Schritt nach vorne machen, hatte jedoch von Anfang an Probleme. Anders als in Bremen hatte der Brasilianer auf Schalke nicht alle Fanherzen auf seiner Seite. Wo man ihm in Bremen auch mal eine schlechte Leistung verzieh, war das Publikum bei den Schalkern deutlich kritischer. Einen vorersten Negativhöhepunkt erlebte Ailton am dritten Spieltag, beim Heimspiel gegen Hansa Rostock. Kurz vor der Pause ohrfeigte er gleich zwei Hansa-Spieler und wurde von Schiedsrichter Florian Meyer mit Rot vom Platz gestellt.

Sturkopf Ailton fühlt sich missverstanden

Seinen ersten Treffer in königsblau erzielte Ailton beim 2:1-Sieg gegen Mainz am 9. Spieltag. In der Folgezeit fand sich Ailton dann auch bei den Gelsenkirchenern immer besser zurecht. Beim 3:1-Sieg in Mönchengladbach am 22. Spieltag erzielte er alle drei Treffer. Dennoch war zu spüren, dass Ailton bei den Knappen noch lange nicht das Standing hatte, welches ihn durch die Werder-Zeit begleitete. Und weil Ailton ein Sturkopf ist, ließ er seinem Unmut freien Lauf. „Schalke versteht mich nicht. Aber ich hätte gerne, dass die Leute mich verstehen. Wie ich bin. Wie ich spiele. Ich spiele so, wie ich immer erfolgreich gespielt habe. Warum haben sie mich denn geholt? Manchmal glaube ich, wir reden über Dummheiten“, sagte er in einem Interview mit dem Stern. Trotz 14 Saisontoren und der Auszeichnung zum „Fußballer des Jahres 2004“ war das Kapitel Schalke bereits im Sommer 2005 beendet. Besiktas Istanbul sicherte sich die Dienste des Torjägers.

Fluchtszenen in Istanbul, kurze Zeit beim HSV

Auch dort zeigte Ailton einige starke Spiele, erzielte in 14 Spielen fünf Treffer. Sein Heimweh nach Deutschland war aber so groß, dass er bereits nach einem halben Jahr versuchte, zu flüchten. In einer  filmszeneartigen Aktion soll Besiktas-Manager Mehmet Eksi ihn im letzten Moment noch am Istanbuler Flughafen aufgegriffen haben. Nach dieser Kuriosität wurde Ailton in den letzten Spielen des Jahres 2005 aus dem Kader gestrichen. Im Januar 2006 wurde Ailtons Wunsch dann erhört - der Hamburger SV wollte den exzentrischen „Kugelblitz“ auf Leihbasis verpflichten. Und so kam es! Für andere ehemaligen Werder-Spieler wäre ein Wechsel zum Erzfeind aus Hamburg sicherlich nicht mal im Traum möglich, Ailton war das egal! Für eine Leihsumme von 450.000 Euro wechselte Ailton für ein halbes Jahr zurück in die Bundesliga. Dort kam Ailton in den Genuss, mit Fußballfachmännern wie Sergej Barbarez und Rafael van der Vaart zusammen zu spielen. Doch diese Ehe scheiterte! 13 Einsätze, drei Tore (eins davon gegen seinen Ex-Klub Schalke) - auch der Ausflug nach Hamburg wurde wieder schnell ad acta gelegt.



Im Sommer 2006 verließ Ailton dann wieder Deutschland, andere Bundesligisten zeigten kein Interesse. So folgte der Wechsel zum serbischen Traditionsklub Roter Stern Belgrad. Dort konnte Ailton aber ebenfalls nicht durchstarten und trotzte nur so von Unzufriedenheit. Erneut wechselte er nach gerade einmal einem halben Jahr wieder den Verein. Diesmal ging es in die Schweiz, wo er für den Grashoppers Club aus Zürich leihweise auf Torejagd gehen wollte. Und tatsächlich: Ailton schien endlich wieder glücklich! Neun Treffer in 13 Einsätzen waren eine starke Bilanz. Die Hoffnungen, dass der GCZ Ailton verpflichten würde, waren aber schnell wieder verflogen. Somit musste sich Ailton wieder einen neuen Verein suchen - und der fand sich in Deutschland!

Ailton wird Zebra

Bundesligaaufsteiger MSV Duisburg sicherte sich die Dienste des mittlerweile 34-Jährigen. Der Klassenerhalt war das Ziel beim MSV, Ailton sollte einen möglichst großen Teil dazu beitragen. Noch vor Beginn sagte MSV-Präsident Walter Hellmich voller Stolz, er freue sich auf Ailton und sei glücklich, dass er sich für die „Zebras“ entschieden habe. Doch nach gerade einmal vier Monaten hatte es sich auch schon wieder „ausge-ailtont“. Der MSV wurde den Ansprüchen von Ailton nicht zurecht, der wohl nicht damit gerechnet hatte, um den Abstieg spielen zu müssen. „Ich bin nicht zufrieden. Im Moment ist es in dieser Mannschaft unfassbar schwer, ein Tor zu schießen. Für jeden! Selbst ein Samuel Eto'o vom FC Barcelona würde beim MSV Duisburg nichts treffen“, lamentierte der Stürmer im Kölner Express.

Nichts halbes, nichts Ganzes - jetzt kommt der Dschungel!

Was folgte waren kurze Intermezzi in der Ukraine, in Österreich, in Brasilien und in China. Ailton schaffte allerdings nirgendwo mehr den Durchbruch. Auch nicht beim KFC Uerdingen, bei denen er 2010 anheuerte. Der Wechsel zum Niederrheinligisten wurde erst als PR-Gag angetan, als Ailton dann aber tatsächlich auf dem Platz stand, war das Staunen groß. Vor einigen Jahren noch Bundesligastar, nun der Absturz in den Amateurfußball. Bis auf regelmäßige Autogramm- und Fotowünsche die Ailton beim ehemaligen Traditionsklub erfüllen musste, riss Ailton allerdings auch dort keine Bäume aus. Genau so wenig wie beim Bremer Amateurklub FC Oberneuland, für die er ein Jahr später spielte. Zumindest die Nähe zu seiner alten Liebe Werder Bremen war jetzt wieder gegeben. Im Winter 2011 hatte Ailton dann aber auch schon wieder genug von Deutschland und wechselte zurück nach Brasilien, zum Amateurklub Rio Branco Esporte Club. Dort steht Ailton noch heute unter Vertrag - und wer weiß, vielleicht wird nach seinem Auftritt im Dschungel ja wieder ein Bundesligist anklopfen!

Eure Meinung: Ailton das enfant terrible - was sagt ihr zu seiner Karriere?

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